Beatmungspflege von Laien erbracht

Dieses Thema im Forum "Außerklinische Intensivpflege" wurde erstellt von Auto-Flow, 19.08.2014.

  1. Auto-Flow

    Auto-Flow Newbie

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    Vor kurzem war ich fassungslos, als ich in einer Facebookgruppe für Heimbeatmung die Frage einer Userin laß.
    Sie stellte sie für ihren Lebensgfährten (Heilerziehungspfleger). Diesem wurde vom Jobcenter ein Stellenangebot geschickt, wo ein beatmeter Patient einen Heilerziehungspfleger mit Beatmungserfahrung, zur Betreuung über das "Persönliche Budget" suchte. Sie wollte nun wissen, wie die Rahmenbedingungen aussehen könnten und was auf ihren Lebensgefährten zu kommt.

    Im Zuge dieses Thread`s entbrannte eine Diskussion in der auch Angehörige zu Wort kamen, deren pflegebedürftige mit Kanüle und/oder Beatmung ebenfalls über das persönliche Budget betreut werden.

    Da kamen Aussagen wie: "Ich stelle grundsätzlich keine Fachkräfte ein, die pochen zu sehr auf ihr Fachwissen und sind zu festgefahren im Handeln und Denken." "Ich stelle nur Fachkräfte ein, wenn dir mir versprechen, alles zu vergessen, was sie gelernt haben." "So dramatisch ist das alles nicht, absaugen und ein Beatmungsgerät bedienen kann man relativ schnell lernen."

    Viele der Mitglieder in der Gruppe fühlten sich dann genötigt, ihr Fachwissen zu verteidigen und sich zu rechtfertigen.

    Ich für meinen Teil war einfach nur sprachlos.


    "Persönliches Budget" hin oder her, ich verstehe nicht, wie sowas erlaubt sein kann und wie das organisatorisch und bürokratisch abläuft?
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Sollte uns das nicht zu denken geben? Pflegebedürftige nebst Angehörige sehen sich oft entmündigt, in ihrer Autonomie eingeschränkt. Hier wäre es mehr als notwendig, dass endlich ein Paradigmenwechsel angestrebt wird- weg vom Allmachtsanspruch hin zur Beratung und Begleitung.

    Das Fachwissen von pflegenden Angehörigen sollte man nicht unterschätzen. Sie werden (optimalerweise) nicht nur angelernt durch die Pflegekräfte sondern verbinden dieses Wissen mit ihren eigenen Erfahrungen. Erst dadurch kann eine individuelle Pflege entstehen, die von Pflegekräften oft verweigert wird weil man sich Standards mehr verpflichtet fühlt.

    Ergo: Professionalität bildet sich auch dadurch ab, dass man zurück treten kann und keinen Monopolanspruch erhebt.

    Elisabeth
     
  3. Auto-Flow

    Auto-Flow Newbie

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    Als Fachkraft vorort kann man eben nicht einfach zurücktreten. Man hat die Verantwortung und kann nicht einfach stumm und tatenlos daneben stehen, wenn z.B. eine Angehörige eine liegende Kanüle mit 4ml NaCL anspült.

    Wie oft habe ich versucht, den Angehörigen Dinge zu erklären, zu erklären, dass hinter vielem was simpel aussieht, jede Menge an Hintergrund steht den man nicht einfach außer Acht lassen kann. Aber egal wie man es rüberbringt, fast immer empfinden das die Angehörigen als Entmündigung, die Tatsache, dass da vielleicht wirklich eine Fachkraft vor einem steht, die ein Examen und evtl. auch eine Fachweiterbildung hat und die einfach nur das Beste für alle will, interessiert meist nicht.
    Man darf auch nicht vergessen, dass die Angehörigen zwar meist Experten auf dem Gebiet welches speziell die Krankheit betrifft sind, aber es fehlt am anatomisch, physiologisch, pathologischen Hintergrund. Wir haben nicht umsonst in unserer Ausbildung Innere, Chrirurgie, Psychologie, Ernährungslehre, Arzneimittellehre, Biochemie ... 3 Jahre lang, Krankheitsbild- und Fächerübergreifend.

    Siehst Du und schon wieder fühlt man sich genötigt sein Fachwissen und seine Daseinsberechtigung zu verteidigen.
    Wir regen uns auf, über Sprüche der Politik alla "Pflege kann jeder" wir führen seit 2013 regelmäßig Aktionen wie "Pflege am Boden durch", wir kämpfen für besseres Ansehen, bessere Entlohnung, Professionalisierung der Pflege ... wozu das alles, wenn dann selbst aus den eigenen Reihen der Boykott kommt, mit Meinungen wie denen von dir.

    Das was du möchtest, Elisabeth, dass bedeutet ich muss mein Gehirn früh an der Tür abgeben, wenn ich die Wohnung meiner Patientin betrete und nach 12 Stunden, wenn ich nachhause gehe, nehme ich es dann wieder mit.

    Sicher habe ich mir unter den Angehörigen meiner Patienten oft auch "Feinde" geschaffen, weil ich das gemacht habe, was meine Aufgabe ist, aber ich habe, in dem ich das getan habe, meine Patienten vor Schaden und deren Angehörige evtl. vor Kummer bewahrt.

    Wenn ein Patient in der AIP zu Tode kommt, was gleubst du steht dann in der Zeitung?
    Ganz sicher nicht, dass er tot ist, weil die Angehörigen nicht auf die Fachkraft hören wollten, oder die Angehörigen von der FK verlangt haben, dass sie ihr Fachwissen außen vor lassen soll, oder die Fachkraft bemüht war die Angehörigen nicht zu bevormunden, sondern es steht drin, dass der Patient tot ist, weil die FK fahrlässig gehandelt hat, oder man wirft ihr mangelndes Fachwissen vor oder oder oder
    .
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wo mag der Angehörige es wohl herhaben- das spülen mit 4 ml NaCl 0,9%ig? Ist ihm das nicht auch von Fachkräften beigebracht worden? Ich kenne jedenfalls keinen einzigen Laien, der auf diese Methode von allein kommen würde.

    Du beschreibst genau das Problem vieler Pflegekräfte: es wird das in der Schule erworbene klinisch orientierte Fachwissen demonstrativ vor sich her getragen. Dabei wird völlig vergessen, dass der Angehörige nicht selten bereits von Fachprofis angeleitet wurden, die sich nicht nur von der Theorie sondern auch von ihrer praktischen Erfahrung leiten lassen. Was ist daran verwerflich? Experten in der eigenen Krankheit wissen in der Regel auch um die speziellen Grundlagen in Anatomie/Physiologei und der Pathologie. Oft sind sie höher spezialisiert als man jemals mit einer generalistisch orientierten Grundausbildung erreichen kann.

    Hast du eigentlich mal nachgefragt, warum der Angehörige was tut und welchen Erfolg er mit der Maßnahme hatte? Man kann auch von Angehörigen lernen. Da wäre das Gehirn zu Dienstbeginn ausschalten also fatal. Das Lernen fängt erst nach der Schule an.

    Wenn die Vorgaben für die Pflegefachkräfte allerdings wirklich so starr sind wie von dir beschrieben, dann kann ich Angehörige verstehen, wenn sie lieber angelernte Hilfs- als Fachkräfte beschäftigen. Sie wissen nicht, dass man mit Standards versucht das Ausbildungsmanko auszugleichen.

    Elisabeth
     
  5. Phoenix79

    Phoenix79 Gast

    Hallo Auto-Flow,

    ich bin eben so schockiert wie du, sowas zu lesen. Ich habe die Diskussion (die mittlerweile vom Fragensteller gelöscht wurde) auch mitverfolgen dürfen und konnte es nicht fassen, was dort debattiert wurde und das es überhaupt sowas zu diskutieren gibt. Aber wieso bilden wir überhaupt noch Kranken- und Altenpfleger aus, wenn doch scheinbar Pflege wirklich jeder kann, auch aus den Reihen der Pflegekräfte solche Meinungen kommen und auch Laien vollkommen problemlos an Beatmungsgeräten arbeiten können und dürfen

    @Elisabeth
    Ich kann es wirklich nicht fassen, wie deine Meinung hierzu aussieht.
    Aber es überrascht mich auch nicht, denn wie fast immer, suchst du dir die Meinung raus, mit der du am Besten polarisieren und provozieren kannst.

    Ich finde es erschreckend, was du in Beiträge hineinmplizierst. Nirgendwo in Autoflows Beiträgen kann ich was von Pflegestandards oder Bildungslücken lesen. Ich kann auch nirgendwo rauslesen, dass Angehörigen von PFK fachlich falsche Sachen beigebracht werden. Oft habe ich aber schon erlebt, dass Angehörig aufgrund ihres Halbwissens irgendwelche Schlüsse ziehen und Maßnahmen ableiten, weil sie meinen Experten zu sein. Das sind sie aber nicht, denn wie auch Autoflow schon sagte, fehlt ihnen oft vieles an Hintergrundwissen.

    Ich habe auch schon erlebt, dass wir Pflegeverträge kündigen mussten, weil die Situation vorort nicht mehr beherrschbar war, da die Angehörigen aufgrund ihres Halbwissen gefährliche Pflege praktizierten und auf sachliche, klärende Gespräche mit ignorieren reagierten.
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wir sind nicht allwissend- auch wenn wir das so gerne nach außen präsentieren. Wird schön sichtbar bei dem Beispiel der TE bezüglich der Instillation von NaCl 0,9%ig. Dies muss die Angehörige ja i-wo gelernt haben und offensichtlich auch erfolgreich praktiziert haben.

    Nebenbei- Der Versuch eine Monopolstellung in der ambulanten Pflege zu erreichen wird nicht umsonst immer öfter von pflegenden Angehörigen unterlaufen indem sie lieber angelernte Hilfskräfte einstellen. Da spielen nicht nur finanzielle Aspekte ein Rolle.
    Wir können jetzt von oben herab kommen mit der Feststellung, dass wir schließlich besser wissen, was da gebraucht wird. Wir können uns aber auch darauf einlassen und nach gemeinsamen Wegen suchen. Ich denke, kein Angehöriger mag stets als dumm hingestellt werden. Als Pflegekraft wollen wir das ja auch nicht.

    Elisabeth
     
  7. Beetlejucine

    Beetlejucine Stammgast

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    Wo sieht man denn hier das Problem? Dass ein Heilerziehungspfleger das nicht kann?

    Die Selbstbestimmung der Menschen ist einfach zu achten und wie ich finde auch nicht zu bewerten.

    Ich kenne Fachkräfte, die würd ich noch nichtmal jemanden waschen lassen, ich kenne Helfer, die kann man getrost alles fragen, die kennen den Pflegeprozess usw.

    Es ist völlig legitim sich privat jemand zu suchen und vielleicht wurde hier die Erfahrung gemacht, dass Heilerziehungspfleger einen anderen Blick haben, als Krankenschwestern.

    Jetzt rede ich von mir persönlich: Nach jahrelanger KH Tätigkeit musste ich meine Denkweise sehr verändern. Achtung der Selbstbestimmung des Menschen, ihres Hauses, ihrer Freiheit. Dies schätzt auch der Gesetzgeber als höchstes Gut ein. In der Häuslichkeit habe ich einen völlig anderen Blick bekommen, weg von absolut medizinischen Notwendigkeiten hin zu Bedürfnissen der Menschen, ihren Lebenswerten und ihrem Wohlbefinden. Und gottlob können sie das in der Häuslichkeit selbst steuern.

    Und wenn ich so krank bin, dass ich beatmet werden muss, dann sind mir vielleicht andere Werte wichtig, als Hygiene usw. Ist doch völlig ok so. Jeder kann und darf seine eigenen Entscheidungen treffen und die verbliebene Autonomie leben. Würde ich nicht anders machen.

    Ich sehe auch nicht, dass wirklich nur Pflegekräfte pflegen können. Von dieser Meinung bin ich schon lange ab. Hat mich etwas Demut kekostet, dafür Horizonte erweitert.
     
  8. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Wenn es keine pflegende Angeörigen gäbe, wäre unser System schon längst aus allen Nähten geplatzt.
    Für mich ist die Beratung & Anleitung der pflegenden Angehörigen eine Kernkompetenz.
    Das spiegelt sich auch in unserem Leitbild wider und rechnet sich.
     
  9. Katshke

    Katshke Junior-Mitglied

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    Nach einigen Jahren in der außerklinischen Intensivpflege bin ich der Meinung, dass es sinnlos ist, Angehörigen und Patienten gegenüber auf "ich bin Pflegefachkraft, deshalb kann und weiß ich es besser" zu schalten. Die haben meist schon eine Menge inkompetenter Pflegefachkräfte erlebt (und ich mag nicht aus dem Nähkästchen plaudern, aber manchmal glaube ich auch schon, das Examen wird verschenkt). Wichtig ist Zuhören, Zuhören, Zuhören.
    Und dann das wirklich tun, was unsere Kanzlerin immer als leere Worthülse sagt - sich bemühen, eine gemeinsame Lösung zu finden.

    Die sieht manchmal aus wie aus dem Lehrbuch, manchmal ist sie zum Haaresträuben. Gut, dass es eine Dokumentation gibt, da steht dann drin, dass beraten wurde und wozu, die Angehörigen unterschreiben sowas gern.

    Es ist natürlich schwer, da dann loszulassen. Mir hilft immer die Erinnerung daran, wie schnell Wissen veraltet. Was habe ich nicht schon alles gelernt, was sich nachher als falsch erwiesen hat! Bin ich wirklich der Mensch, der ein in jeder Beziehung aktuelles Wissen hat? Und ist dieses aktuelle Wissen nicht trotzdem vorläufig und kann schon morgen durch ein Cochrane Review widerlegt werden?

    Ich stimme Beetlejucine in jeder Hinsicht zu.
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ist dies eigentlich Ausbildungsinhalt? Mir kommen da sehr oft Zweifel.

    Elisabeth
     
  11. Phoenix79

    Phoenix79 Gast

    Ja genau. Schenken wir es uns doch, noch examinierte Pflegekräfte auszubilden. Kurt Beck hats ja schon treffend formuliert: "Pflege kann jeder" Also warum sollen wir uns dann noch gewerkschaftlich engagieren, Aktionen wie Pflege am Boden veranstalten oder über eine Pflegekammer diskutieren? Pflege kann jeder und vorallem jeder kann es besser als die eigentlichen Fachkräfte (sagen ja auch die Fachkräfte hier.) Und weil das jeder kann, sind dann auch Stundenlöhne von 9,50 Eur vollkommen in Ordnung. Also warum regen wir uns auf über schlechte Bedingungen, mangelndes Image. Der Pflegenotstand ist damit natürlich auch sofort at Akta gelegt.
    <Sarkasmus off>
     
  12. Katshke

    Katshke Junior-Mitglied

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    Das sind einfach zwei ganz verschiedene Paar Schuhe.

    Du kannst natürlich jede Pflegefachperson zu einem Beatmungspatienten in die Häuslichkeit schicken, aber Du glaubst doch nicht im Ernst, dass die dann sofort lospflegen kann und alles richtig macht? Sie muss sich erst einarbeiten, je nach Erfahrung dauert das länger oder kürzer. Und die S2-Leitlinie kommt ja auch nicht von ungefähr.

    Und gerade in der ambulanten Intensivpflege, wo viele Kollegen oft jahrelang nur ein und denselben Patienten sehen und pflegen, kann mir keiner erzählen, dass er alle Heimbeatmungsgeräte, alle Hustenassistenzgeräte, alle anderen Hilfsmittel kennt und sofort bedienen kann.

    Gefährliche Pflege kommt vor, aber es ist nicht zwingend, dass diese von Angehörigen oder Pflegehelfern betrieben wird. Pflegefachpersonen schaffen das auch. Sie werden nur besser dafür bezahlt.

    Angehörige und Pflegebedürftige ziehen daraus andere Schlussfolgerungen als Du. Sie sagen sich, wenn die Fachkräfte auch nicht besser sind, brauchen wir auch keine.

    (Und nun doch aus dem Nähkästchen: Beatmungsgeräte mit leerem Akku und aus Versehen gezogenem Stecker, defekte Trachealkanülen, Absaugversuche mit einem Blasenkatheter, verstellte Werte am Beatmungsgerät " weil der Patient das will", Blockung der Trachealkanüle vergessen, sich dann wundern, dass die Sauerstoffsättigung abfällt, die vorhandene Sauerstoff-Flasche "vergessen", es stellt sich heraus, dass diese nicht einsatzbereit ist, wenn mir ein Kollege sagen kann (trotz Grundkurs außerklinische Beatmung!), was die angezeigten Werte auf dem Beatmungsgerät bedeuten, bin ich glücklich, denn das ist sehr selten...)

    Das ändert nichts daran, dass nicht jeder pflegen kann und dass Fachwissen zur Pflege nötig ist. Aber es sollte auch vorhanden sein!!! Und es ist lernbar!!!

    Ich kann mir sehr gut ein Modell vorstellen, wo eine Fachkraft anleitet und im Hintergrund verfügbar ist, wenn diese Fachkraft dann wirklich das nötige Wissen hat und den Transfer leisten kann. Neben dem fehlenden Fachwissen erlebe ich nämlich immer wieder, dass die Fachkräfte sich im Ton vergreifen, nicht in der Lage sind, so zu kommunizieren, dass der andere auch eine Chance hat, zu verstehen und vor allem immer wieder mangelnde Achtung und Anerkennung dessen, was Angehörige und Pflegebedürftige oft über Jahre und Jahrzehnte leisten und erdulden und sich an Wissen und Können erarbeitet haben.

    Das andere Paar Schuhe ist die Berufspolitik. Bloß weil auch einige Idioten Pflegefachperson heißen, bedeutet das ja nicht, dass wir alle nix können. Ich habe auch noch nie die Forderung gehört, dass alle Lehrer schlecht bezahlt werden sollen, weil es schlechte Lehrer gibt. Dass die Politik erzählt, pflegen kann jeder, liegt aber bestimmt nicht an den Idioten, sondern an der Geschichte der Profession Pflege und daran, dass zwar genug Geld da wäre für eine ordentliche Bezahlung, aber dieses lieber für anderes ausgegeben wird.

    Wir sollten aber m. E. nicht mit Angehörigen kämpfen und ihnen erzählen, wie fachkompetent wir doch sind, nachdem die oft gegenteilige Erfahrungen machen mussten, sondern die Politik weiter in die Pflicht nehmen, ob in der Gewerkschaft, im DBfK, bei Pflege am Boden und was es sonst noch gibt. Und wer mir 9,90 € anbietet, muss damit rechnen, dass er ausgelacht wird. Wenn eines Tages alle Kollegen darüber lachen, sind wir weiter.
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Sofern man es aus dem Blickwinkel des Handwerkes ansieht, stimmt die These. Jedem der guten Willens ist, kann man die Handgriffe beibringen. Nix weiter passierte hier ja auch. Die Angehörige hat bei einer Fachkraft gelernt mit die TK mit 4ml anzuspülen. Fragt sich nun, woher die Fachkraft diese Erkenntnis hatte? Da liegt der Hase nämlich im Pfeffer.

    Und ich kann es nur nochmal betonen, wir werden Schiffbruch erleiden, wenn wir eine Monopolstellung auf jedwede Pflegehandlung einfordern. Das wird unbezahlbar sowohl für die Gesellschaft als auch für jeden einzelnen. Ich möchte nicht für einen Dumpinglohn arbeiten.

    Elisabeth
     
  14. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Woher willst du das wissen? Ich kann nirgendwo lesen, dass eine Fachkraft das, diesem Angehörigen beibrachte. Ich wehre mich entschieden dagegen, dass hier Kollegen pauschal unfähigkeit und Inkompetenz vorgeworfen wird. Ist die Pflege jetzt schon so tief gesunken, dass man sich selbst ins Abseits stellt?

    Auch Beratung ist Aufgabe von Pflegekräften.
    Viele Angehörige sind nicht begestert über die Beratungen zum Risikoassesment aber sie sind nun mal Pflicht. Manchmal kann man das rüberbringen wie man will, man ist als PK immer der Böse, weil die Angehörigen sich bevormundet fühlen.
    Ist das jetzt ein Grund unsere Examina in Abrede zu stellen?

    Beispiel 1
    Ich hatte Angehörige die eine Sondennahrung auf 600ml/Stunde laufen ließen. Das hatte ihnen keine FK gesagt. Begründung des Ehemannes der Patientin: "Sie bricht ja ständig. Ist ja logisch, wenn man die Nahrung nur auf 120ml/Stunde laufen lässt, ist das ja ein Schnapsglas voll aller 10 Minuten, da verlernt ja der Magen der ein Muskel ist das Arbeiten und dann bricht meine Frau." Der Mann ließ sich durch keinerlei Argumente davon abbringen, egal von wem sie kamen, selbst die Intervention von Arzt und Diätassistentin wurde ignoriert. Die Ehefrau hatte ständig Durchfall und Dumpingsyndromsymptome, aber natürlich waren die nicht vom einlaufen der Sondennahrung.

    Beispiel 2: In einem Angehörigenforum für Kinderintensivpflege ging es um Sekretmanagement. Die Mütter von TK Kindern (alle ohne Pflegedienst) tauschten sich über die besten Möglichkeiten aus um das Sekret flüssig zu halten. Kommentar einer Mutti: Ich mach seit kurzem immer paar ml NaCl auf die feuchte Nase, dann trocknet dass nicht so schnell aus. Das passt schon.

    Also sage ich dir noch mal das, was ich glaube schon bei anderen Gelegenheiten gesagt zu haben: Hör bitte auf, ständig alles zuverallgemeinern!
    Es geht hier nicht um jedwede Pflegehandlung, es geht hier um Beatmungspflege.

    Irgendwie ging mein Gedankengang beim Lesen in eine ähnliche Richtung.


    Das sehe ich ebenso. Und ich finde es schade, dass die meisten Pflegefachkräfte sei es aus Mangel an Selbstbewusstsein, sei es aus falschverstandener Sympathie, sei es aus Prakmatismus ob des Pflegenotstandes oder aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage sind zu ihrerer Ausbildung, zu ihrem Fachwissen zu stehen.

    Ginge es hier um Belange der Ärzteschaft/ärztlicher Tätigkeiten, gäbe es eine solche Diskussion nicht, denn da ist das klar abgegrenzt und keiner würde auf die Idee kommen, einen Heilerziehungspfleger oder eine angelernt Hilfskraft (nicht mal eine exam. PK) an den OP Tisch zu stellen.
    Auch auf die Idee eine angelernte Hilfskraft eine Geburt leiten zu lassen ist noch keiner gekommen. Frage mich nur warum?
    Kein Bauer würde auf die Idee kommen, jemand anderen als einen gelernten Tier-/Landwirt und einen ausgebildeten Tierarzt an seine Hochleistungsmilchkühe zu lassen.

    Aber wenn es um Beatmungspflege geht, dann ist das kein Problem. Es geht ja schließlich nicht um Milchkühe, sondern nur um kranke Menschen. Da darf jeder mal, der weiß wie man einen Absaugkatether hält, wo man den Alarm am BAG ausschaltet und der schon ein, zweimal jemandem eine Kanüle in den Hals geschoben hat. Logisch: Denn mehr am Fachwissen brauchts nicht und wenn doch, gibts ja die 112!

    Wozu mache ich eigentlich gerade die Fachweiterbildung? vermutlich weil ich zuviel Zeit und Geld habe!

    Ganz ehrlich Kollegen? Ich verstehe gerade die Welt nicht mehr.
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich bezweifele ernsthaft, dass der Laie etwas beherrscht, wofür andere eine Ausbildung brauchen. Ich finde es bedenklich, wenn eine gestandene Fachkraft nicht weiß, dass das Anspülen der TK vor noch 10 Jahren zum ganz normalen Sekretmanagement gehörte.

    Wenn da jetzt eine Fachkraft kommt und die Kompetenzen der ehemaligen, und von der Familie sehr geschätzten, Kollegin in Frage stellt... das dürfte kaum gut kommen.

    Deine Beispiele
    1. Niemand kommt mit einer Magensonde auf die Welt. Die Funktion der Ernährungspumpe sind nicht Inhalt von allgemein bildenden Schulen.
    2. In welchem Supermarkt bekomme ich künstliche Nasen? Und was hat der Kollege empfohlen, der vor Ort die Funktionsweise eines solchen Teils erklärt hat?

    Und ich möchte keinem "Beatmungspfleger" zu nahe treten- aber man mag es kaum glauben, auch in den banalen Niederungen der Pflege gibt es Spezialisten. Wer zu hoch fliegt, kann ganz tief fallen. Hier holt der Angehörige die Leute wieder auf die Erde zurück. Gut so. Ein anderer scheint sich das nicht zu trauen.

    Axo-bevor ich es vergesse: https://www.klinikum.uni-muenchen.d...inhalt/pips/Kanuelenmerkblatt-PIPS-Hauner.pdf

    Vielleicht geht man nochmal in sich und überlegt, was wirklich die Aufgabe der Pflege ist. Kleine Hilfestellung- es findet sich im Krankenpflegegesetz Paragraph 3.

    Elisabeth
     
  16. HHS

    HHS Poweruser

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    Der war echt gut, Elisabeth! Wirklich klasse!
    Jede Fachkraft, selbst wenn sie es erst 2 Jahre ist, weiß natürlich was vor 10(!) Jahren Standard war. Ist ja Examensfrage, ein absolutes Muß!

    Spitze Elisabeth, mehr davon!
     
  17. HHS

    HHS Poweruser

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    Ich kann das Problem hier verstehen.

    Im KH oder Pflegeheim hat man eher selten mit Angehörigen direkt zu tun. Und bei der Beatmungspflege zuhause beim Pat. dann plötzlich nur noch...
    Da prallen Welten aufeinander. Die eine Welt, die verzweifelt versucht zu zeigen was sie wirklich drauf hat. Die andere Welt, die die Pflege nur als teures Hilfspersonal sieht.

    Ich gebe Barotrauma recht, das wir immer noch nicht zu unserem Fachwissen stehen. Und die Generationen vor uns auch schon, weshalb wir in dieser Situation stecken. Lieber kuschen wir, machen uns klein.

    Auf der anderen Seite sind Angehörige/ Patienten nicht blöd. Heute im Internetzeitalter ist es leicht an Wissen und Informationen heranzukommen. Und sie möchten es ihren Angehörigen nur recht machen.

    Professionelle Fachkraft zu sein heißt aber auch abzuzwägen was jetzt gerade der Pat. am nötigsten hat, und welche Methoden und Techniken dazu passen könnte, und wenn warum und mit welchen Risiken. Und dies in Absprache mit Angehörigen.

    Ich stimme im übrigen Katshke zu, der Beitrag triffts auf den Punkt.
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Danke für den Nachweis, dass wir eben nicht allwissend sind. Allmachtsfantasien kann man nun mal nicht damit begründen, dass man es schließlich besser weiß, weil man (nur) das aktuell übliche Vorgehen kennt. Gerade in der Interaktion mit Menschen, die schon länger pflegebedürftig sind, sollte man immer im Hinterkopf haben- das war mal state of arte.

    Und wir wollen natürlich nicht vergessen- es gibt nicht wenige Kollegen, die arbeiten wie vor mehr als 10 Jahren. Einmal Grundausbildung und dann ist gut.
    Und wenn Fortbildungen besucht werden, dann greift man doch wieder zu den alten Mitteln weil man damit gute Erfahrungen gemacht hat. Dummerweise funzt das oft sogar.
    Beispiele gefällig... Dekubitus vs. "Intertrigo"- Dekubitus vs. Verbrennung- ASE als Pneumonieprohylaxe- Wasser statt steriler Lösungen für die Wundversorgung- ... . Zu welchem Fachwissen sollen wir nun stehen wenn man sie im Alltag oft gar nicht findet.

    Hier gehört die Kammer her- nicht mit der Ausgabe von Richtlinien sondern mit Ausbildung, Beratung und Begleitung in der Praxis. Da kann sich jeder einbringen, der über ein gutes Fachwissen verfügt.

    Nebenbei- das eigene Handeln zeugt von Fachkompetenz. Da kann dann also jeder bei sich selber anfangen.

    Elisabeth
     
    #18 Elisabeth Dinse, 22.08.2014
    Zuletzt bearbeitet: 22.08.2014
  19. Auto-Flow

    Auto-Flow Newbie

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    Ganz richtig, weil ich das auch nirgendwo schrieb. Frau Dinse hat nur automatisch diesen Schluss gezogen. Vermutlich weil sie der meinung ist, dass Angehörige niemals von selbst auf komische Ideen kommen. Vielleicht erlebt man sowas auch erst, wenn man mal in der Ambulanz tätig war.
    Alle vermutlich nicht, aber einige scheinen so abgekärt zu sein, dass sie das nur noch so sehen können.
    Schade, dass es keine "gefällt mir Button" hier gibt.
    Damit dann eine Hilfskraft deine Aufgabe übernehmen kann, weil du überqualifiziert bist. Aber Sarkusmus beiseite: Ich denke du weißt warum du die FWB machst, lass Dich nicht verunsichern.

    Es hat keiner behauptet, dass Fachkräfte Maschinen sind und alles können, wissen und perfekt sind. Auch ich habe solche Exemplare unseres Berufsstandes schon erlebt. Auch ich hatte schon Situation wo ich dachte "Menschenskinder, da haste aber mal wieder voll das Brett vor dem Kopf gehabt" Trotzdem gehe ich nicht hin und heiße es gut, dass medizinische Laien Beatmungsgeräte und Trachealkanülen bedienen. (Man sollte sich mal das Medizinproduktegesetz incl. der Medizinproduktebetreiberverordnung zu Gemüte führen; Bin gespannt, wenn die erste KK auf die Idee kommt, dass Geld für ein defektes Beatmungsgerät von den Angehörigen einzufordern, weil jemand am Gerät gearbeitet hat, der nach dem entsprechenden Gesetz, gar nicht dran arbeiten darf).
    Ja, in drei Jahren mit anschließendem Examen in Grundzügen und dann anschließend mit Berufserfahrung und stetiger Fortbildung und lesen von Fachliteratur.

    Man kann das auch von einem anderen Standpunkt aus sehen: Die eine Welt, die verzweifelt versucht alles zu tun, damit es dem Patienten gut geht, an nichts fehlt und er bestmöglich versorgt ist. Die andere Welt, die die Pflege nur als teures Hilfspersonal sieht, die dann in 12h Dienst zwar das Umfeld des Patienten sauber und ordentlich hält, sich aber weigert Fenster zu putzen oder eine Hausordnung zu machen und statt dessen mit dem Patienten ins Freibad oder Eiscafe schlendert oder gemeinsam Fernsieht. Ordentlich Konfliktpotential ohne, dass es um fachliche Dinge gibt, aber genau dann geht häufig auch der fachliche Disput los. Wenn man dann noch mit den von Baro angesprochenen Beratungen zum Riskoassesment ankommt, dann ist meist ganz Schluss mit Lustig.

    Mittlerweile sitzt das bei mir schon so tief, dass ich mich schon im Vorfeld bei den Angehörigen damit entschuldige, dass diese Beratung eine MDK Vorgabe ist und ich mich keinesfalls in Ernährunsfragen, Wohnraumgestaltungen ect. einmischen will (obwohl genau das ja Sinn und Ziel ist).
    Ja genau, auf dieses Wort habe ich noch gewartet.
     
  20. Katshke

    Katshke Junior-Mitglied

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    ambulante Intensivpflege
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    QMB
    Das kommt sehr auf die Umstände, z.B. die Einarbeitung an. Wenn die Krankenkasse (habe ich erlebt!) die 75jährige halb demente Ehefrau zwingen will, ihren Mann endotracheal abzusaugen, damit zwei Stunden weniger bezahlt werden müssen, bin ich absolut dagegen.

    Wenn aber der vollkommen zurechnungsfähige Ehemann, der seine Frau seit zwanzig Jahren pflegt, lernen will, sie endotracheal abzusaugen, damit die beiden auch mal allein sein können, bin ich dafür, ihm das beizubringen. Anatomie, Physiologie, üben, üben, üben. Wozu muss der Mann dann wissen, wie die Nieren funktionieren? Für bestimmte eng begrenzte Gebiete muss er doch nicht gleich eine Pflegeausbildung machen! Vor allem, wenn seine Frau auch noch einverstanden ist und sich freut, dass die beiden wieder ein wenig Freiheit haben! Auch ein Trachealkanülenwechsel ist keine Hexerei, wenn es um die eine Kanüle bei einem Menschen geht. Die Kunst als Fachperson ist, einzuschätzen, ob das vom Laien jetzt auch wirklich sicher gehandhabt werden kann und das okay nur zu geben, wenn dem so ist.

    Wohl kaum, wenn dieselbe Krankenkasse keine 24-Stundenpflege bezahlt.


    Das sind in meinen Augen alles Kommunikationsprobleme. Und wenn Du tatsächlich meinst, die Beratung zum Risikoassesment hat Einmischung als Sinn und Ziel oder Deine Beratung als Einmischung empfindest, wird dem wohl auch so sein und es wird bei Deinem Gegenüber so ankommen.

    Ich glaube, man kann in diese Beratung auch ganz ergebnisoffen gehen, es handelt sich schließlich um ein Gespräch zwischen erwachsenen Menschen. Deine Gesprächspartner müssen hinterher nicht tun, was Du für richtig hältst, sondern das, was sie für richtig halten. Hinterher gibt es das Protokoll, da steht das Ergebnis drin, daran wird sich gehalten und damit hat sichs.

    So Erwartungen wie Fensterputzen und Hausordnung werden gar nicht erst geweckt, wenn schon vor Versorgungsübernahme eindeutig kommuniziert wird. Wenn dann doch sowas kommt, ist es Sache des Unternehmens, da in aller Freundlichkeit und Entschiedenheit einen Riegel vorzuschieben.

    Meiner Meinung nach wird oft von beiden Seiten am Anfang unterschätzt, wie anstrengend für beide Seiten die Intensivpflege ist. Auf der einen Seite Verlust jeden Privatlebens, das Gefühl, keinen unbeobachteten Schritt mehr tun zu können, auf der anderen Seite die Schwierigkeit auszuhalten, dass man eben nicht die Verantwortung für alles und jedes hat und das andere Leute oft eine völlig andere Vorstellung davon haben, was gut und richtig ist als man selbst.

    In der Intensivpflege habe ich die Verantwortung dafür, was ich tue und lasse. Was andere Leute tun, liegt nicht in meiner Macht. Das kann manchmal sehr schwer auszuhalten sein, aber es ist so.
     
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