Beatmungsformen

Gerry Raßmann

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22.02.2002
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Solingen
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Lehrer für Pflegeberufe
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Leitung Weiterbildungsstätte
Hier die gewünschten gängigen Beatmungsformen in Kurzversion
bei den Beschreibungen gehe ich nicht auf den Parameter Sauerstoff ein, da er bei allen Beatmungsformen in Abhängigkeit zur Blutgasanalyse eingestellt wird.

Volumenkonstante, Zeitgesteuerte Beatmung
CMV (engl. Continuous Mandatory Ventilation, zu deutsch etwa "Dauernde Zwangsbeatmung"). oder IPPV (intermittened positive pressure Ventilation, intermittierende positive Überdruckbeatmung)
Bei dieser Beatmungsform wird die gesamte Atemarbeit vom Beatmungsgerät übernommen.

Einzustellen sind folgende Beatmungs-Parameter
  • Atemzugvolumen
    Atemfrequenz
    inspiratorischer Flow: = Geschwindigkeit, mit der das Atemgas in die Lunge strömt. Je langsamer der Flow, desto schonender ist der Beatmungshub.
    Inspirations- zu Exspirations-Verhältnis (I:E): Normalerweise sollte das Verhältnis bei 1:2 liegen. Manche schlechte Lungensituationen benötigen allerdings eine längere Inspiration. Hiervon sieht man aber in der modernen Beatmungstherapie immer mehr ab.
    Spitzendruck, Plateaudruck:
    Der Spitzendruck entsteht, wenn das komplette AZV verabreicht wurde und ist abhängig von der Compliance (Dehbarkeit) der Lunge. Er sollte nicht höher als 30 mbar betragen, damit die Lunge keine Sekundärschäden davonträgt.
    Der Plateaudruck entsteht in der Zeit bis zum Beginn der Exspiration. In dieser Zeit soll sich das AZV in der Lunge verteilen. Mittlerweile ist er aber von untergeordneter Bedeutung, da man mit niedrige Flows eine lange Inspirationszeit anstrebt, in der sich das Volumen besser verteilen kann.
    Trigger: Die Schwelle, die ein Patient überwinden muss, um einen zusätzlichen Atemzug zu bekommen, der aber dann nach dem eingestellten Muster verabreicht wird
    PEEP (s.u.)

SIMV
= synchronisized mandatory airway pressure = Synchronisierter maschineller (mandatorischer) Atemwegsdruck
Der Patient hat die Möglichkeit zwischen den maschinellen Atemzügen, die ähnlich einzustellen sind, wie die IPPV Beatmung (s.o.) spontan zu atmen. Fällt der Spontanatemzug kurz vor die zu erwartende maschinelle Aktion, so wird diese Aktion mit dem Trigger des Patienten synchronisiert.

Ich gebe zu, das hört sich äußerst kompliziert an die Beschreibung ist aber in Kurzform nur sehr schwer möglich.
Eingesetzt wir SIMV, um dem Patienten nicht das Atmen abzugewöhnen, bzw. frühzeitig mit dem Weaning zu beginnen. Deshalb wählt man in der Regel eine geringere Atemfrequenz als der Patient benötigt um ihn dazu zu bringen selbst zu atmen. Im Laufe der zeit reduziert man immer weiter die Frequenz. Ziel der Reduktion ist die CPAP-Spontanatmung (SIMV-Frequenz = Null). Wie rasch die einzelnen Schritte aufeinanderfolgen hängt vom Zustand des Patienten und der Dauer der vorhergehenden Beatmung ab

Wenn man sieht, dass der Spontanatemzug des Patienten insuffzient ist, als zu klein ist, wird dieser Druckunterstützt (ASB) (s.u.)


ASB
= Assisted Spontaneous Breathing (Assistierte Spontanatmung) oder , PSV (Pressure Support Ventilation), und IPS (Inspiratory Pressure Support); to support = unterstützen.
Der spontan atmende Patient erhält vom Gerät bei jedem Atemzug eine mehr oder weniger hohe Unterstützung ("Assistenz") seiner Einatemarbeit durch Lieferung eines Überdrucks
Dieser Überdruck wird nur während der Einatmung geleistet. Dabei wird in jedem Fall genug Gas geliefert, um den Patienten spontan soviel Volumen einatmen zu lassen wie er möchte. Hierzu muss der Patient das Gerät "antriggern".

ASB kann (und sollte) in Kombination mit CPAP (s.u.) Atmung eingesetzt werden, weil hiermit auch der Tubuswiderstand überwunden wird.

PCV
engl. pressure controlled ventilation = Druckgesteuerte Ventilation)
Dies ist eine klassische kontrollierte Beatmungsform.
einzustellen sind Atemfrequenz, PEEP, oberes Druckniveau, I:E Verhältnis
Die Höhe des oberen Druckniveaus bestimmt in Abhängigkeit von der Dehnbarkeit der Lunge die Höhe des Atemzugvolumens (je steifer die Lunge ist, desto eher wird da obere Druckniveau erreicht und desto wenige Luft enthält der Atemzug. Somit ist diese Beatmungsform nicht volumenkonstant.
Allerdings können auch keine pathologischen Beatmungsdrücke entstehen, die die Lunge schädigen könnten

BIPAP
= Biphasic Positive Airway Pressure" Positiver Atemwegsdruck auf zwei Niveaus").
Diese relativ neue Form vereinigt CPAP-Atmung mit DGV. Der Patient atmet im CPAP-Modus spontan. Die Höhe des CPAP-Drucks bleibt jedoch nicht gleich, sondern wird zwischen 2 Werten laufend geändert.
1. Druckwert = PEEP / CPAP
2. Druckwert = oberes Druckniveau
Der Patient hat die Möglichkeit, auf beiden Druckniveaus spontan zu atmen, wird also in seinem Rhythmus wenig gestört (zumindest in der Theorie)
Man kann zusätzlich ein ASB einbauen.
Diese Beatmungsform hat sich in den letzten Jahren zunehmend durchgesetzt, da sie den Patienten spontan atmen lässt und trotzdem noch eine schonende Beatmung möglich ist.

CPAP
= Continous positve airway pressure (Anhaltender Positiver Atemwegs-Druck).
= Spontanatmung mit, gegenüber dem Atmosphärendruck, dauerhaft erhöhtem Druck innerhalb der Luftwege und Lunge.

Indikationen:
1. Vorbeugung und Therapie von Atelektasen durch Erhöhung der funktionellen Residualkapazität. Es befindet sich aufgrund des höheren Durchschnittsdrucks immer etwas mehr Gas in der Lunge. Dadurch wird das Kollabieren der Alveolen am Ende der Ausatmung verhindert
2. Verminderung der Atemarbeit
- bei exazerbierter COPD (hier meist nicht invasiv, also ohne Tubus)
- zum Abschluss des Weaning

PEEP
= Positive End Expiratory Pressure (Positiver End-Exspiratorischer Druck). Es verbleibt ein erhöhter Druck und damit auch ein erhöhtes Volumen in der Lunge. (s.CPAP)

Indikationen
Bei gestörter Lungenfunktion können Atelektasen wieder eröffnet werden. Da jede Beatmung eine erhöhte Gefahr der Atelektasenbildung beinhaltet, sollten heute Beatmungsformen ohne PEEP nicht mehr angewendet werden

Nebenwirkung
- Verminderung des venösen Blut-Rückflusses zum rechten Herzen

Ich hoffe den ersten Informationsdurst gestillt zu haben. es gibt nochjede Menge über beatmung zu schreiben. Dies würde aber die Kurzbeschreibung sprengen. Für spezielle Fragen sthe ich natürlich weiterhin zur Verfügung.
 

es

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Hallo!

Ich sitze gerade vor meinem Compi und versuche meine Unterlagen aus dem Anästhesie-Unterricht ordentlich und einigermaßen strukturiert zu schreiben (und zu lernen, schreibe am Mittwoch eine Klausur).

Und irgendwie bin ich jetzt etwas verwirrt.

Wir haben gelernt, dass die IMV eine assistive Beatmung ist. Dass der Patient eine geringe Eigenatmung hat, in die bei der Einatmungsphase Maschinendruck gegeben wird und dass dann z.B. das Verhältnis zwischen Maschine und Spontanatmung 1:2 ist. Und dass man diese Beatmungsform z.B. zur Entwöhnung von IPPV benutzt.

Nun ja, kann aber auch sein, dass ich da im Unterricht was falsch verstanden habe. So ganz steige ich da eh nicht durch. Werde mal die anderen aus meiner Klasse fragen.

Liebe Grüße
eva
 

Schöhler

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Hi allerseits,

Gerry, schöner Überblick, danke..

Für die Evita-Verwöhnten darf ich vielleicht noch anmerken: Nicht bei jedem Respirator ist das I:E so lächerlich einfach einzustellen, wie bei der Evita (egal ob 1 o. 2)...

Man sollte sich daher im Gedächtnis halten, das die Inspirationszeit immer von 5 Faktoren abhängt:

Hubvolumen/Frequenz/Flow/Flowmuster/Plateau

Beim Bennett 7200 ist das I:E das Resultat aus den gewählten Einstellungen, da gibt es keinen I:E-Schalter... und auch bei einigen anderen Respiratoren ist das so oder so ähnlich gelöst...

Gruss
Schöhler
 

Christina1986

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Fachweiterbildung A/I Innere Intensiv
Hallo!

Kann mir bitte jemand die verschiedenen Beatmungsformen mit Indikation in eigenen Worten erklären? Bei uns in den Büchern kommt kaum etwas davon drin vor.

Liebe Grüße Christina
 

narde2003

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Hallo Christina,

ich habe dich mal hier mit dran gehängt, vielleicht hilft dir das schon weiter?

Liebe Grüsse
Narde
 

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