Bauchlage vs. Rotationsbetten

Mobitz

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02.08.2004
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713
Ort
Bavaria
Beruf
(Fach-)Krankenpfleger An/Int, Altenpfleger
Akt. Einsatzbereich
Anästhesie
Funktion
Fachkrankenpfleger, Praxisanleiter
Liebe Kolleginnen und Kollegen.

Mich würde mal interessieren, wie es auf Euren Intensivstationen gehandhabt wird. Dreht ihr auf den Bauch / 135° Seitenlage oder legt ihr sie lieber in ein Rotationsbett. Wann macht ihr was und haben Eure Krankenhäuser eigene Rotationbetten oder bestellt ihr diese? Welche Betten nutzt ihr gerne? Und wo seht ihr die Vor- / Nachteile von Rotationsbett vs. Bauchlage / 135° Seitenlage.
Und ab wann dreht ihr auf den Bauch / nehmt das Rotationsbett?

Habe nämlich festgestellt, dass es da doch GROSSE Unterschiede von Haus zu Haus (und dort dann auch noch von Kollge zu Kollege) gibt.

Reine Interessensfrage (habe Studien und Literatur dazu gelesen, ... geht mir um Eure persönliche Meinung / Erfahrung).

In der Hoffnung um rege Beteiligung,
m.f.G.,

mobitz
 
Hallo,
wir haben keine eigenen Rotationsbetten, könnten aber welche bestellen! nutzen wir sehr sehr sehr wenig! Bauchlage machen wir schon mal etwas häufiger! meistens bekommen unsere Pat. wenn sie so schlecht sind eine Ecmo!
Liebe Grüsse
 
Hallo Mobitz,

es ist bei uns sehr unterschiedlich. Wir nutzen das Rotorest und Triodyne. Ob wir Bauchlage, bzw. 135 Gradlage oder Rotationsbett nutzen, entscheidet Arzt und Pflege gemeinsam. Patienten mit Bauch-OP's oder Extensionen kommen eher ins Rotationsbett, andere Patienten werden meist erst in 135 Grad-Lage gebracht, stellt sich dabei innerhalb von 24 Stunden kein Erfolg ein, dann Rotationsbett.
Auch bei uns ist es sehr Personalabhängig was wir machen.

Schönen Tag
Narde
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,
wir haben auch keine eigenen Rotationsbetten, wir bestellen diese wenn ein Pat. dieses braucht. Haben letztens erst ein Motoradunfall in dem Bet gehabt Arm- u. Beinfrakturen, Beckenringfraktur und Lungenkontusion.
135 Grad Bauchlage machen wir öfter bei Pat. die Pulmonal sehr schlecht sind, meistens drehen wir zur Nacht auf den Bauch und Früh zurück.

Gruß TinaG.
 
Hi.

Wir haben bei uns keine Rotationsbetten. Wir bestellen auch keine. Wenn überhaupt werden die Patienten in Bauchlage gebracht. Kommt bei uns aber total selten vor, da wir auch viele offene Bäuche haben.
 
Haben letztens erst ein Motoradunfall in dem Bet gehabt Arm- u. Beinfrakturen, Beckenringfraktur und Lungenkontusion.
Warum DEN in ein Rotationsbett??
Arme und Beine dürften keine Indikation bieten. Becken eigentlich nur bedingt.
Wie läuft bei Euch eine Bestellung eines Rotationsbettes ab? Muss es eine oberärztliche Anweisung geben? Oder muss eine PDL-Verfügung da sein? Oder entscheidet das die betreuende Pflegefachkraft zusammen mit der "Schichtleitung"?
Wenn Bauchlage oder 135°, ... wie lange dreht ihr in der Regel?
Was wird bevorzugt?

...

und, ... auch wenn es komisch klingt, aber wird bei Euch nach gewisser Zeit 135° auf die andere Seite gedreht??? (hab nämlich aus verlässlicher Quelle gehört, dass das teilweise gemacht wird) Wenn ja, ... warum?

Danke schon mal für Eure Antworten
 
Wenn Bauchlage oder 135°, ... wie lange dreht ihr in der Regel?
ca. 10 bis 12 Stunden
Mobitz schrieb:
Was wird bevorzugt?
135°-Lage
Mobitz schrieb:
und, ... auch wenn es komisch klingt, aber wird bei Euch nach gewisser Zeit 135° auf die andere Seite gedreht???
Beim nächsten "Lagewechsel", also wenn der Patient wieder auf dem Rücken war, z.B. Nach dem Waschen und er wieder gedreht werden, dann bevorzugen wir die andere Seite. Eine weitere Möglichkeit ist, wenn ein Lungenflügel stärker betroffen ist, drehen wir so, dass die "bessere" Seite "oben" ist.

Liebe Grüsse
Narde
 
Beim nächsten "Lagewechsel", also wenn der Patient wieder auf dem Rücken war, z.B. Nach dem Waschen und er wieder gedreht werden, dann bevorzugen wir die andere Seite.
Ok, ... DAS kann ich verstehen, ... hab es aber mal erlebt, dass eine Kollegin den Patienten nach 6 Stunden direkt von der 135°Linksseitenlage in 135°Rechtsseitenlage bringen wollte. DAS fand ich dann sehr seltsam. Wollte nur mal fragen, ob das irgendwo "state of art" ist.
Eine weitere Möglichkeit ist, wenn ein Lungenflügel stärker betroffen ist, drehen wir so, dass die "bessere" Seite "oben" ist.
DAS kenn ich wieder anders.
Also ich kenne den Leitsatz: Put the good lung down.
Damit wird ja versucht die "schlechtere" Seite mehr ventiliert und die Idee ist da, dass man die wenig belüfteten Areale wieder eröffnet.
Und Sekret wird so auch besser mobilisiert.
 
DAS kenn ich wieder anders.
Also ich kenne den Leitsatz: Put the good lung down.
Damit wird ja versucht die "schlechtere" Seite mehr ventiliert und die Idee ist da, dass man die wenig belüfteten Areale wieder eröffnet.
Und Sekret wird so auch besser mobilisiert.


Moin,
das klappt aber oft nicht, denn wenn du die "gute" Seite noch einschränkst/behinderst, wer soll dann noch oxygenieren?
Um Sekret zu mobilisierten gibt es auch noch andere Lagerungsmöglichkeiten.

Ob Bett oder 135° hängt von den Nebenerkrankungen ab. Ein Polytrauma mit Fixateuren und oder Bauch-OP´s kommt in ein Bett. Die internistischen Pat. ohne diverse Op´s kommen auf den Bauch. Habe auch schon Pat. mit Pankreatitis und dickem Bauch in die 135° gebracht, ist nur die Kunst es richtig abzupolstern und den Bauch nicht zu sehr zu belasten, ist aber in allem schon grenzwertig.


LG Tobias :spopkorns:
 
Mobitz schrieb:
DAS kenn ich wieder anders.
Also ich kenne den Leitsatz: Put the good lung down.
Damit wird ja versucht die "schlechtere" Seite mehr ventiliert und die Idee ist da, dass man die wenig belüfteten Areale wieder eröffnet.
Und Sekret wird so auch besser mobilisiert.
Hallo Mobitz,

da gebe ich dir im Prinzip recht, aber was machst du wenn sich die BGA dadurch konitnuierlich verschlechtert? Sinn und Zweck der Lagerung ist doch, dass ich eine bessere Oxygenierung für den Patienten erreiche.
Übrigens nicht jeder Patient den wir in 135 Gradlage legen ist massiv abzusaugen.

Liebe Grüsse
Narde
 
aber was machst du wenn sich die BGA dadurch konitnuierlich verschlechtert?
[...]
Übrigens nicht jeder Patient den wir in 135 Gradlage legen ist massiv abzusaugen.
Hallo narde.
Dass nicht immer viel abzusaugen ist, ist klar. War nur ein Beispiel. WENN viel Sekret drin ist, dann ist es auch nicht so gut, wenn es unten liegt.
Die BGA soll natürlich verbessert werden. Das ist ja die Grundidee. Deswegen will ich ja die vermeintlich schlechtere Seite rekrutieren. DESWEGEN put the good lung down.
Wenn sich DAMIT die BGA verschlechtert sollte primär auch mal an das Lachmannmannöver gedacht werden (wenn möglich) und sollte auch das nichts bringen ist sicher ein Abbruch sinnvoll. Hab ich auch schon erlebt (wenn auch nicht oft).
Nonresponder ist das eine, ... eine massive Verschlechterung des Oxigenierungsindex hab ich wirklich nur selten erlebt.
 
Moin,Moin

Immer wieder gerne der Hinweis auf diese Studie :

GATTINONI 2001:EFFECT OF PRONE POSITIONING ON THE SURVIVAL OF PATIENTS WITH ACUTE RESPIRATORY FAILURE

Abstract :

NEJM -- Effect of Prone Positioning on the Survival of Patients with Acute Respiratory Failure

2005 (oder 2004?) noch eine Folge-Auswertung bei der ein sinken des pCO2 nach Umlagerung doch (allerdings über einen geringeren Zeitraum) die Letalität verringerte.

Bin trotzdem ein Befürworter der 135 Grad Lagerung :roll:
Unsere Patienten lassen sich meist recht einfach drehen, Verlust von Zu bzw. Ableitungen habe ich noch nicht erlebt. Also unkomplizierte Maßnahme häufig mit viel Effekt.
 
Hallo Mobitz,

wie wird es bei euch gehandhabt, nachdem wir dir nun alle erzählt haben, wie wir es machen, wie wäre es wenn du uns auch was dazu erzählst?

Schönen Tag
Narde
 
Na ja, ... durch meine Kommentare kann man sicher schon herauslesen, wie es bei uns läuft.
Rotationsbetten haben wir nur sehr selten im Einsatz.
Bei schlechtem Oxigenierungsindex drehen wir die Leute meistens in inkomplette oder komplette Bauchlage.
Ist einfach und schnell zu handhaben und bei korrekter Vorgehensweise auch nebenwirkungsarm.
Meistens gehen unsere Patienten in 135° Seitenlage, wobei hier darauf geachtet wird, dass die mehr betroffene Seite oben liegt.
Je nach Dringlichkeit wird es teilweise in die Nacht "geschoben" und evtl. in der nächsten Nacht dann auf die andere Seite.
Wenn aber die gesamte Lunge betroffen ist, dann drehen wir auch gerne mal in 180°
Bei uns werden auch (wenn nötig) bauchchirurgische Patienten "gedreht". Diese dann jedoch meist in 135°.
Meine größte Herausforderung war es mal einen rechtsseitig osteoklastisch trapanierten Patienten in 135° Rechtsseitenlage zu bringen.
Aber die "entdeckelte" Stelle war schön frei und der Kopf trotzdem gut abgestützt. War aber wahrlich nicht leicht.

Eine Frage hab ich dann auch noch:
Wenn ihr einen Patienten in Bauchlage habt und er reapflichtig wird, ... dreht ihr zurück oder reanimiert ihr auf dem Bauch liegend? Wir drehen noch zurück.
Würde mich interessieren, was die Kollegen, die auf dem Bauch Liegende reanimieren, für Erfahrungen damit haben.
Habe zwar 2 Artikel darüber gelesen, ... aber Praxiserfahrung würde mich interessieren.
 
Hallo Mobitz,

wir drehen zurück, ich kenne bisher keinen, der in Bauchlage reanimiert.
Ich weiss allerdings von einer Patientin, die vor vielen Jahren intraoperativ in Bauchlage reanimiert wurde und zwar überlebte, aber als Apallikerin.

Liebe Grüsse
Narde
 
Mich würde mal interessieren, wie es auf Euren Intensivstationen gehandhabt wird. Dreht ihr auf den Bauch / 135° Seitenlage oder legt ihr sie lieber in ein Rotationsbett. Wann macht ihr was und haben Eure Krankenhäuser eigene Rotationbetten oder bestellt ihr diese? Welche Betten nutzt ihr gerne? Und wo seht ihr die Vor- / Nachteile von Rotationsbett vs. Bauchlage / 135° Seitenlage.
Und ab wann dreht ihr auf den Bauch /

Hallo,

wir drehen unsere Pat. auf den Bauch(180°), wir haben nur in den seltensten Fällen Rotationsbetten! Und zwar bei Pat.mit drastischer pullmonaler Verschlechterung ,hat sich seit vielen Jahren bewährt!
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Guten Tag!

Bei pulmonal schlechten Pat beginnen wir mit 135°, arbeiten uns dann zur Bauch-Rücken Lagerung vor.
Wir lagern 4-6 Stdl.(...) Bauch-Rücken (Dabei 2-Stdl. Kopf li-re)

Rotorestbetten...das ist bei uns ein beliebter Running Gag...:cry:
Hätte ich mir letzte Nacht erst gewünscht...Pat. mit HIV im ARDS, Septische Kardiomyopathie, CiCa-CVVHD und 24 Amp. Arterenol auf 12ml/h...Rotorest...ich träum von dir...

Hab vergessen...wir drehen zur Reha auf Rücken!
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo!!!
Wir benutzen kein Rotationsbetten,wir bringen die Pat in die Bauchlage. Da wir viele ARDS Pat betreuen kommt bei uns relativ rasch die ILA/PECLA zum Einsatz. ECMO praktizieren wir nicht mehr. Wir drehen aber trotz ILA die Pat konsequent auf den Bauch, nach Besserung in die Schwimmerlage.
Liebe Grüsse
Anke
 
Hallo Anke,

ich kenne den Ausdruck Schwimmerlage nicht - was kann ich mir darunter vorstellen?

Liebe Grüsse
Narde
 
Hallo Narde!!
Im Prinzip ist das die inkomplette Bauchlage. Wir nennen sie nur Schwimmer, weil der Pat dann aussieht als ob er greade schwimmt.:)