Arbeitswissenschaftliche Arbeit: Pflegebetten

DaveRocka

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Hallo,
ich bin neu hier im Forum und bin froh dass ich es gefunden habe, da ich hoffe hier einige Tips zu bekommen.

Ich bin Student an der TU Berlin und soll mit anderen Studenten ein innovatives Pflegebett entwerfen, welches unterschiedliche Abstufungen von Basismodell bis Luxusmodell haben soll. Es sollte modular aufgebaut sein und nach Möglichkeit auch noch innovative, zukunftsweisende Ideen beinhalten.

Das Problem: Ich habe von dem bereich überhaupt keine Ahnung! Natürlich habe ich mich informiert was für Betten es gibt (Aufsteh-, Steh-, Seitenlagerungsbett) und was die wichtigsten Verstellmöglichkeiten an einem Pflegebett sind, aber es fehlt der praktische Bezug und es bleiben noch viele Fragen offen.

Da es hier im Forum sicher einige gibt, die viel praktische Erfahrung in dem Bereich aufweisen, wollte ich Euch herzlich bitten, ob ihr mir einige Fragen beantworten könntet, ihr würdet mir damit einen sehr großen Gefallen tun:

1.Welche Elemente des Pflegebett sind besonders nützlich/ wichtig. Einerseits für den kranken, andererseits für den Bediener (z.B. Höhenverstellung, verstellbare Rückenteile, etc.)

2. Worüber habt ihr Euch oft bei Pflegebetten geärgert, welche Funktionen fehlen, was könnte man verbessern?

3. Bei meiner Recherche im internet hatte ich den Eindruck, dass betten der Luxusklasse stark automatisiert sind, mit vielen elektrischen Verstellmöglichkeiten, die dem Benutzer, um es überspitzt zu formulieren jede Bewegung abnehmen. Besteht da nicht die Gefahr, dass der Kranke noch mehr an Muskelkraft verliert? Sollte dem kranken nicht ein gewisses Maß an belastung/ beanspruchung gelassen werden? Ich spreche natürlich nicht von Kranken, die aus krankheitsbedingten Gründen nicht dazu in der lage sind, sondern eher von kranken, die aus Bequemlichkeitsgründen immer weniger ihre Muskeln benutzen. Was könnte man machen/ in ein Bett integrieren, um die Patienten vielleicht sogar zu animieren?

Hintergrund dieser Frage: Die Vorlesung heißt Arbeitswissenschaft. Ein Themengebiet betrifft die ausgewogene Belastung am Arbeitsplatz. Der Arbeitnehmer sollte körperlich nicht überlastet, aber auch nicht körperlich unterfordert werden (Was klassischer Weise bei Bürotätigkeit und anderen einseitigen Tätigkeiten der Fall ist). Ein Minimum an Bewegung/ positionswechsel und körperlicher Aktivität ist wichtig und trägt zur körperlichen Fitness bei. Dieses Prinzip kann man natürlcih auch auf den patientenim Bett übertragen, daher die Frage.

So, genug geschrieben, ich freue mich auf Eure Antworten.
 

narde2003

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Hallo,

ihr müsst das Rad neu erfinden?

Zu deiner Frage, was muss ein Bett haben, damit ich gut damit arbeiten kann:

  • Niveauverstellung, von sehr niedrig, gibt eben auch Damen die nur 1,45 m gross sind und dann nicht nach unten kommen beim Aufstehen, bis in optimale Arbeitshöhe auch für den 2,05m grossen Pfleger.
  • Elektrische Niveauverstellung, genauso wie alle elemente elektrisch sein müssen - es gibt nämlich auch ziemlich schwache Patienten, die es sonst nicht schaffen sich ihr Bett so einzustellen wie sie es gerne hätten
  • für Schwergewichtige Patienten tauglich, also vtl. auch etwas breiter als normal (ich weiss, das kann in manchen Häusern Probleme mit der Türe geben), aber die Patienten werden immer schwerer, was nicht an meinem zunehmenden Alter liegt, sondern am Essverhalten.
  • Längenregulierung - die Leute werden immer grösser
  • intgrierte Seitenbegrenzung für den Bedarf, aber diese bitte so angebracht, dass es nicht stört, wenn ich einen Patienten mobilisiere
  • vtl. Hilfsmotor für längere Transporte, dass ich nicht soviel Kraft zum Schieben brauche
  • leicht lenkbar und auch stabil in der "Geradeausfahrt"
  • Waschstrassentauglich, bzw. leicht desinfizierbar
  • Grosse Bedinenungstasten, von allen Seiten, auch für den Patienten leicht zu bedienen
  • Manche Funktionen ausschaltbar
  • Diverse Positionen verstellbar (Herzbett usw)
  • Möglichkeit das Bett als Aufstehhilfe zu nutzen (ähnlich Bari Air[r])
  • integriertes Rea Brett
  • sicher für den Patienten
  • Stabil
  • Bettleiter bzw. Aufrichter
  • intgrierter Akku
Das wär es erstmal, mir fallen sicher noch einige Sachen ein, wobei es schon sehr gute Betten auf dem Markt gibt.

Liebe Grüsse
Narde
 

Elisabeth Dinse

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Ich arbeite gerade mit Hillrom Betten... das verwöhnt schon ganz schön.

Schau doch mal bei den Marktführern vorbei: z.B. Völker, Hillrom.

Hier noch eine andere Seite: Applikationen . Sie macht schön deutlich, dass es DAS universelle Pflegebett nicht geben kann. Zu individuell sind die Bedürfnisse auf beiden Seiten. Zu beachten ist auch der zunehmende Personalmangel- das macht eine zusätzliche (dem Pat. nicht immer zuträgliche) elektronische Automatik notwendig.

Elisabeth
 

Lin

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Ich würde mir bereichsspezifische Betten wünschen. Z.B. brauchen wir auf der Uro keine Vorrichtungen wie Aufstehhilfen oder Herzbetten. Aber bei unseren Betten mangelt es an den Details, z.B. fehlt ein Dk-Beutelaufhänger oder andere Aufhängevorrichtungen.

Aber an den Vorrichtungen liegts meist nicht, sondern eher an den Kosten. Teilweise haben wir noch Betten, die in keinster Weise elektrisch verstellbar sind, das ist echt wie in der Steinzeit.

Sonst würde ich mich meinen Vorrednern anschließen.

Gruß,
Lin
 

DaveRocka

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Wow, gleich drei Beiträge in so kurzer Zeit, ich bin geplättet, vielen Dank

ihr müsst das Rad neu erfinden?

Nicht direkt, Pflegebetten sind ja wohl schon sehr ausgefeilt mit den vielen Verstellmöglichkeiten etc. Das Pflegebett an sich soll zwar auch in unserer Arbeit berücksichtigt werden, wir sollen aber den Fokus auf die Weiterentwicklungdes klassischen Pflegebetts durch innovative Produktideen legen. Also Zusatzfunktionen entwickeln, die auf die Bedürfnisse des Personals und des Patienten eingehen.

Ein Aspekt ist da z.B. das Belastungs-Beanspruchungskonzept, also dass dem Patienten nicht jede Belastung abgenommen wird, sondern er sinnvoll belastet wird, damit er körperlich und geistig nicht abbaut.

Ich hatte mir z.B. vorgestellt, dass man Expander, oder andere Trainingsgeräte in das Bett integriert und zu deren Benutzung evtl. auch noch motiviert, durch eine Art von Belohnungsprinzip, ähnlich wie dem in Internetforen genutzten Prinzip, dass man einen "höheren" benutzerstatus mit steigender Anzahl der Beiträge erhält.

Auf das Pflegebett übertragen könnte dies z.B. folgendermaßen umgesetzt werden: Man stelle sich ein Pflegebett mit Trainingsmöglichkeiten und Bildschirm (TV/ Computer) vor. Wenn der Patient z.B. eine Stunde trainiert, dann werden ihm automatisch zwei Stunden Fernsehen oder Computerspiele freigeschaltet. Dies soll keinen Zwang darstellen, sondern der Patient entscheidet sich aus freien Stücken dazu, um einen Anreiz zu haben und seine eigene Bequemlichkeit besser zu überwinden.

Vielleicht ist diese Idee auch etwas realitätsfern (wäre dankbar über Hinweise), aber es geht vor allem darum, Zukunftsvisionen zu entwickeln, welche als Gedankenimpuls für Pflegebetthersteller dienen sollen/ können.

Andere Ideen wären z.B. die Möglichkeit der Internetnutzung, um den Kontak zur Außenwelt nicht abreißen zu lassen. Natürlich ist dies für viele Patienten, insbesondere ältere nicht interessant, als modulare Option aber vielleicht sinnvoll.
 

DaveRocka

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Ich würde mir bereichsspezifische Betten wünschen. Z.B. brauchen wir auf der Uro keine Vorrichtungen wie Aufstehhilfen oder Herzbetten. Aber bei unseren Betten mangelt es an den Details, z.B. fehlt ein Dk-Beutelaufhänger oder andere Aufhängevorrichtungen.

Das ist eine interessante Idee. Zum besseren Verständnis: Was ist ein Dk-Beutel? Hört sich für mich nicht sehr kompliziert an, warum wurde das nicht bereits umgesetzt?
 

Lin

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Ich hatte mir z.B. vorgestellt, dass man Expander, oder andere Trainingsgeräte in das Bett integriert ...

Andere Ideen wären z.B. die Möglichkeit der Internetnutzung, um den Kontak zur Außenwelt nicht abreißen zu lassen. Natürlich ist dies für viele Patienten, insbesondere ältere nicht interessant, als modulare Option aber vielleicht sinnvoll.

Das mit dem Expander wird mehr oder weniger schon eingesetzt. Z.B. Pat. denen ein Bein amputiert wurde, bekommen Therabänder um den Galgen gewickelt, damit sie ihre Armmuskulatur trainieren können.
So etwas einzubauen würde echt Sinn machen. Aber eher wieder Bereichsspezifisch.

Das mit der Internetnutzung wird kurz oder lang eingeführt werden. Naja, die heutige "ältere" Generation interessiert das sicher weniger, aber die jungen Pat. haben meist ihren Laptop mit mobilen Internetanschluss mit.

Was ich auch erst einmal gesehen habe, sind so Bedienungsflächen, in denen der Fernseher und das Telefon schon integriert ist. Wichtig dabei ist, dass alles so unkompliziert wie möglich ist (wenn ich da an unsere Telefone und TV-Geräte denke, deren Bedienung ich mehrmals am Tag erklären muss :knockin:).

@ DaveRocka: ein DK-Beutel ist umgangssprachlich ein Harnsackerl :mrgreen:. Ein Aufhänger dafür zu machen, wäre sicher nicht schwer, nur leider hat es noch niemand gemacht.
Wir müssen die Aufhänger immer mit Gewalt an der Bettseite zwischen Matratze und Lattenrost einklemmen und das ist für die meist älteren Pat. sehr schwierig bzw. wenn es zu Verwicklungen mit dem Katheterschlauch kommt, sind die Harnsackerl wiederum zu stark befestigt und sie diskonnektieren den Katheter oder im Schlimmsten Fall schmerzt es für die Pat. in der Harnröhre.

Gruß,
Lin
 

Elisabeth Dinse

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Wie wäre es mal in ein KKH zu gehen und dort vor Ort die Betten anzusehen. Dann bekommt man auch gleich einen Eindruck von der Patientenklientel. Ich habe den Eindruck, dass ihr schwerkranke Menschen noch nie im Leben gesehen habt.

Elisabeth
 

DaveRocka

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@all: Vielen Dank nochmals für die Antworten.
Wie wäre es mal in ein KKH zu gehen und dort vor Ort die Betten anzusehen. Dann bekommt man auch gleich einen Eindruck von der Patientenklientel. Ich habe den Eindruck, dass ihr schwerkranke Menschen noch nie im Leben gesehen habt.

Elisabeth
Wäre es dann nicht besser in ein Plege-/ Altenheim zu gehen? Soweit ich weiß sind Krankenhausbetten und Pflegebetten nicht gleichzusetzen.

Warum hast Du den Eindruck, dass wir schwerkranke Menschen noch nie gesehen haben?

In Bezug auf Deinen Link Applikationen: Pflegebetten sind dort eine Kategorie, das wäre die Kategorie, die uns interessiert. Die anderen Applikationen betreffen andere Bereiche, zahnarzt, etc. Oder habe ich da etwas übersehen, bzw. gibt es Überschneidungen zwischen den Einsatzgebieten?
 

narde2003

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Hallo Dave,

glaubst du wir pflegen keine Bettlägrigen Menschen im Krankenhaus?
Die Betten dürften identisch sein, ausser dass bei uns in der Klinik die Betten meist weiss sind.

Geh mal in dich und überlege welche Menschen im Krankenhaus liegen.

Sonnige Grüsse
Narde
 

DaveRocka

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Hallo Narde,
laut Wikipedia sind Pflegebetten folgendermaßen definiert:
"Der Begriff Pflegebett bezeichnet ein Bett, das an die besonderen Merkmale und Bedürfnisse von Menschen in einer Phase der Krankheit oder mit Behinderungen angepasst ist. Das Einsatzgebiet von Pflegebetten ist in der häuslichen bzw. stationären Pflege (Alten- und Pflegeheime)."

Daraus habe ich geschlossen, dass Pflegebtten speziell für Menschen konzipiert sind, die aufgrund von Krankheiten über einen längeren Zeitraum oder sogar für den Rest ihres Lebens bettlägerig sind (z.B. wegen Ganzlörperlähmungen, Amputationen, oder aus anderen gründen), mit den damit verbundenen Problemen wie Wundliegen, Herz-kreislaufproblemen, etc., während Krankenhausbetten haupsächlich für kürzere Aufentahltsdauern konzipiert wurden.

Sollte das nicht korrekt sein, wäre ich über einen Hinweis dankbar.

Bei Pflegebetten gibt es z.B. oft Sonderfunktionen wie Aufstehbetten (damit gelähmte Patienten auch mal in eine aufrechte Position gebracht werden können), Aufstehbetten, damit Patienten, die nicht aus eigener Kraft aufstehen können selbständig in die Sitzposition kommen, Seitenlagerungsbetten (damit einseitig belastet werden kann um die andere körperhälfte kurzfristig zu entlasten).

Natürlich weiß ich nicht, inwiefern Pflegebetten im Krankenhaus verwendet werden.

Trotzdem finde ich Pauschalantworten wie "Geh mal in dich und überlege welche Menschen im Krankenhaus liegen" oder "Ich habe den Eindruck, dass ihr schwerkranke Menschen noch nie im Leben gesehen habt." blöd, weil ich damit absolut nichts anfangen kann, ich hätte mir eine Antwort gewünscht, die mir erklärt, warum ich angeblich so falsch liege. Es ist immer leichter einfach alles abzukanzeln und das Gegenüber für bescheuert zu erklären, als sich auf eine konstruktive Diskussion einzulassen.
 

narde2003

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Hallo Dave,

ich will dich nicht abkanzeln, aber ich möchte, dass du verstehst was du machst. Dass manche Dinge vom "grünen Tisch" her konstruiert werden ist nicht neu, wir müssen dann damit arbeiten und fragen uns häufig: *hätte er doch mal jemand gefragt, der sich damit auskennt*.

Menschen die in Pflegeheimen liegen, werden gelegentlich krank, diese bringen dann leider nicht ihr Bett mit.
Wenn du nicht willst, dass dir jemand aus dem Krankenhaus antwortet, dann definiere deine Frage korrekt.
Pflegebetten werden in Krankenhäusern eingesetzt um Pflegebedürftige Menschen zu pflegen - woher diese Menschen kommen ist mir wiederum egal.

Deshalb mein Hinweis, du sollst überlegen.

Sonnige Grüsse
Narde
 

DaveRocka

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Dass manche Dinge vom "grünen Tisch" her konstruiert werden ist nicht neu, wir müssen dann damit arbeiten und fragen uns häufig: *hätte er doch mal jemand gefragt, der sich damit auskennt*.
Aber genau deshalb frage ich ja auch. Und wo kann ich besser fragen als in einem Forum, wo es von Leuten mit Praxiserfahrung nur so wimmelt und denen ihr Beruf offensichtlich so viel bedeutet, dass sie sich sogar in ihrer Freizeit damit befassen und in einem Forum austauschen.

Aber nochmal zu den Ideen "Internetzugang" und Trainingsmöglichkeiten mit oder ohne "Belohnung": Lin fand die Ideen offensichtlich ganz gut, was sagen die anderen dazu?

Andere, etwas praxisnähere Anwendungen könnten z.B. auch Ablageflächen für Waschschüsseln, integrierte WCs, oder der von Lin angesprochene DK-Beutelaufhänger sein. Vielleicht gibt es auch noch andere Ideen.
 

Elisabeth Dinse

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Probiere ich mal dir die Problematik aufzuzeigen:

Pflegeproblem: Immobilität
Ätiologie oder Ursache:
- angeordnete Bewegungseinschränkung bei Erhalt der kognitiven Fähigkeiten
- angeordnete Bewegungseinschränkung bei reduzierten kognitiven Fähigkeiten ggf. inklusive Fixierung
- Bewegungseinschränkung infolge Desorientierung ggf. inklusive Fixierung
- Bewegungsverlust bei Bewußtseinsverlust
- Bewegungsminderung infolge mangelndem Antrieb
- Bewegungsminderung infolge unzureichendem Ernährungszustand, unzureichender O2- Versorgung/- Verteilung
- Bewegungsminderung infolge Schmerzen
- ...

Hast du diese Klientel alle im Blickwinkel? Ich finde bei deinen Aufzählungen nur: (angeordnete) Bewegungseinschränkung bei Erhalt der kognitiven Fähigkeiten und Bewegungsminderung infolge unzureichendem Ernährungszustand, unzureichender O2- Versorgung/- Verteilung. Erstere Gruppe kommt mit den traditionellen Betten bestens klar. Bei der zweiten Grupppe reicht eine einfache Elektronik zur Unterstützung der Aufrichtfunktion (Liegen -> Sitzen).

Bei unseren wirklich guten Hillrom Betten nutzen die Pat. die Möglichkeiten der selbstständigen Lageveränderung kaum. Das liegt zum einen daran, dass sie die Funktion nicht verstehen- zum anderen weil sie es körperlich nicht können und zu guter letzt: Lageveränderungen sind von uns nicht gewünscht (Seitenlage und Kopfende hoch verringert die Lungenkapazität).

Pflege ist eine Wissenschaft- auch wenn es auf Außenstehende oft nicht den Einfruck machen sollte.

Elisabeth

PS Woher rühren eigentlich die Berührungsängste bezüglich KKH oder Pflegeheim?
 

narde2003

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Andere, etwas praxisnähere Anwendungen könnten z.B. auch Ablageflächen für Waschschüsseln, integrierte WCs, oder der von Lin angesprochene DK-Beutelaufhänger sein. Vielleicht gibt es auch noch andere Ideen.
Hallo Dave,

einen DK-Beutelaufhänger hat heute schon jedes NEUE Pflegebett. Integrierte WC's auf die kann ich verzichten, mir wäre ein Hilfsmotor deutlich wichtiger, da ich mit den Patienten doch weite Wege zurücklegen muss um sie zu Untersuchungen oder in den OP zu bringen.
Die Waschschüssel kann ich auf den Nachttisch stellen.

Aber meine Prioritäten hatte ich im Eingangsthread schon geschrieben.
Wie wäre es mit einem Praktikum im Krankenhaus, damit du einen Einblick bekommst und nicht ganz sooo vom grünen Tisch planst?
Schau dir die von Elisabeth beschriebenen Hill Room Betten an, wenn es die sind mit denen auch wir arbeiten sind sie sehr gut. Im Gegensatz zu Elisabeth's Patienten kommen unsere wiederum gut mit der Steuerung zurecht.

Sonnige Grüsse
Narde
 
U

UlrichFürst

Gast
Ich hatte mir z.B. vorgestellt, dass man Expander, oder andere Trainingsgeräte in das Bett integriert und zu deren Benutzung evtl. auch noch motiviert, durch eine Art von Belohnungsprinzip, ähnlich wie dem in Internetforen genutzten Prinzip, dass man einen "höheren" benutzerstatus mit steigender Anzahl der Beiträge erhält.
Das ist aber wirklich sehr speziell. Würde bei uns auch nur von wenigen Patienten genutzt (werden können). Davon abgesehen sind doch externe Motivationsfaktoren sowieso nicht langanhaltend.

Andere Ideen wären z.B. die Möglichkeit der Internetnutzung, um den Kontak zur Außenwelt nicht abreißen zu lassen. Natürlich ist dies für viele Patienten, insbesondere ältere nicht interessant, als modulare Option aber vielleicht sinnvoll.
Das Problem ist, dass insbesondere die älteren Patienten, die nicht in der Lage wären, das Internet zu nutzen keinen Besuch bekommen. Zumal auf der Gegenseite deren Angehörige (sofern vorhanden) auch nicht übers Internet kommunizieren würden. Die jüngeren lassen sich einfach von Freunden besuchen...

Integrierte WCs, Ablagemöglichkeiten? Oje. Das muss ich ja irgendwie auch seitlich ausklappen können. Dazu ist es aber eh oft schon zu eng. Wie bekomme ich das Loch in die Matratze und wie bekomme ich es ohne spürbaren Rand wieder zu? Dazu muss ich mir (soweit ich mir das vorstellen kann) den Patienten noch mehr bewegen als ohne. Wenn das aber möglich ist, ist es vielleicht sogar möglich den Patienten zur Toilette zu bringen (mit den entsprechenden Hilfsmitteln). Wie schütze ich die Matratze vor Verschmutzung durch Stuhl und Urin? usw. usf.

Was mir noch wichtig wäre:
Unsere elektrisch bedienbaren Betten haben zwar den Vorteil (gegenüber dem Handbetrieb), dass die Bewegungen sanfter sind und somit weniger Schmerzen verursachen. Allerdings sind die Bedienelemente nicht gerade haltbar (auch Hillrom). Manche Tasten sind nur mit viel Zuspruch und Geduld noch bedienbar; Geduld und Zuspruch verwende ich aber lieber für Patienten als für Betten --> Oft verstelle ich wieder von Hand, weil das einfach immer funktioniert.

A propos Tasten: Eine Taste für "ganz nach unten fahren" wäre schön. Dann muss man nämlich nicht eine halbe Minute dastehen um den sperrigen Knopf von seiner Funktion zu überzeugen.

Die Knicke für Kopf- und Fußteile sind für nahezu alle Patienten an den falschen Stellen (sprich: nicht in der Hüfte, nicht im Kniegelenk). Wenn es möglich wäre, das anpassbar zu gestalten, wäre den Patienten sehr geholfen.

Ulrich Fürst
 

stormrider

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Ich habe jetzt die Beiträge hier nicht gelesen, bin zu knapp in der Zeit, aber bitte berücksichtigt:

Ein Krankenpflegebett sollte so konstruiert sein, dass man auch über das Kopf- oder Fußteil an den Patienten herankommt. Derzeit haben viele Modelle ein hohes Kopf- und Fußteil, sodaß es immer in einen Turnakt ausartet, wenn man einen Patienten im Bett hochziehen muß.

Ich finde es übrigens gut, dass hier nachgefragt wird. Mein Beitrag allein ezeigt ja schon, dass bei der Konstruktion nicht nachgedacht hat, bzw. Leute ans Werk gegangen sind, die von der Materie Krankenpflege nicht wirklich Ahnung haben und somit auch den Bedarf nicht kennen.
 

Elisabeth Dinse

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Ein Krankenpflegebett sollte so konstruiert sein, dass man auch über das Kopf- oder Fußteil an den Patienten herankommt. Derzeit haben viele Modelle ein hohes Kopf- und Fußteil, sodaß es immer in einen Turnakt ausartet, wenn man einen Patienten im Bett hochziehen muß.

Solche Turnakte sind mir unbekannt... auch unter Dekubitusprophylaxegedanekn (Scherkräfte). Selbst wenn ich allein bin geht es immer von der Seite.

Abbaubare Kopfteile braucht man z.B. bei Reanimation. Mehr fällt mir nicht ein.

Elisabeth
 
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heriion

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Die Knicke für Kopf- und Fußteile sind für nahezu alle Patienten an den falschen Stellen (sprich: nicht in der Hüfte, nicht im Kniegelenk). Wenn es möglich wäre, das anpassbar zu gestalten, wäre den Patienten sehr geholfen.
das ist eine starke Idee!

Schiefe Ebene fänd ich stark, frei einstellbar in allen Richtungen, ohne das es gleich ein BariAir(R) Bett ist. Weil ich mir überlegt habe:
-Ein voll friesiertes "Pflegebett" wiegt dann fast eine Tonne.
-benötigt bestimmte Vorrausetzungen, der Einsatzort ist eingeschrenkt.
-benötigt eigene Logistik und Wartung... MedGV.
-viele funktionen werden nicht genutzt und stören nur.
-jeder Pat liegt in so einen komputer,- motorisierten Bett mit allen Funktionen.:eek1: sprich: ganze station voll HiTec.
.... wenn das mal mir über den Fuß fährt...?:gruebel: Oder der Hilfsmotor lässt sich nimmer steuern. ((Manche Tasten sind nur mit viel Zuspruch und Geduld noch bedienbar)) Fährt ungebremmst in eine Wand:wut:. Kappt die Internettleitung vom Nachbar. beschädigt die im Bett intergrierte O² Flasche... welche die Bettsteuerung lahmlegt, so daß der Pat wie ein Yufka eingeklappt wird.
 

Elisabeth Dinse

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Kappt die Internettleitung vom Nachbar. beschädigt die im Bett intergrierte O² Flasche... welche die Bettsteuerung lahmlegt, so daß der Pat wie ein Yufka eingeklappt wird.

lol

Elisabeth
 

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