Arbeitstempo steigern?

Dieses Thema im Forum "Der Alltag in der Altenpflege" wurde erstellt von Micky83, 27.10.2011.

  1. Micky83

    Micky83 Newbie

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    Hallo erstmal bin neu im Forum,

    arbeite seid Anfang September als Pflegehelferin in einem großen Pflegeheim.Unser WB hat knapp 40 Bewohner.Meist sind im Frühdienst 5 und im Spätdienst 3 Pflegekräfte da.Am Wochenende waren wir auch im Frühdienst oft nur zu dritt.
    Mein Problem ist,das mir ständig gesagt wird ich sei zu langsam,dabei empfinde ich das nicht so,führe normal meine Grundpflege durch,am Waschbecken,oder im Bett,zwischendurch wird noch gelagert.Es wurde auch schon gesagt,der Pflegezustand der Bewohner wäre nicht in Ordnung.Was ich so nicht auf mir sitzen lasse.
    Bei den anderen geht alle ganz schnell,oft brauchen die nur 10-15min pro Bewohner und da soll der Pflegezustand besser sein?
    Wenn ich versuche schneller zu werden unterlaufen mir Fehler,was ich für die Bewohner nicht toll finde.Vorallem ist es auch nicht schön wenn man als Mensch einfach so abgearbeitet wird,viele alte Leute brauchen früh ihre Zeit,aber man muss sie hetzen,damit die Kollegen nicht meckern.:(
     
  2. thorstein

    thorstein Poweruser

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    Hallo Micky,

    du solltest dir zunächst einmal folgende Frage stellen:

    Wenn alle KollegInnen in deinem Tempo arbeiten, können dann die 40 BewohnerInnen versorgt werden?

    Die Widersprüche kann dir leider niemand auflösen. Altenpflege ist personalintensiv, daher sehr teuer und darum gibt es auch keine ausreichenden Personalschlüssel. Wer mit der Akkordpflege nicht zurecht kommt, wird aussortiert.

    Deine KollegInnen funktionieren innerhalb dieses Systems. Welche Pflegequalität sie dabei erreichen, kann ich natürich nicht beurteilen. Aber sie sind daruf angewiesen, dass alle Kolleginnen sich der Akkordpflege anpassen. Zynisch ausgedrückt: Ressourcen für Gutmenschen sind keine vorhanden.
     
  3. Fearn

    Fearn Poweruser

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    Wer versorgt denn die restlichen Bewohner?
    Sieh es mal so:
    Je länger Du dich mit einem Bewohner beschäftigst, desto schneller müssen Deine Kollegen die anderen versorgen, damit die Arbeit geschafft wird und keiner gänzlich ohne Versorgung bleibt.
    Besonders fair kann ich das nicht finden, weder für die anderen Bewohner noch für die Kollegen.
    Das Tempo sollte schon den Kollegen angepaßt sein und das Pensum daß man schafft nicht weit hinter den anderen zurückfallen.

    Die anderen möchten ihre Patienten vielleicht weniger hetzen müssen, wenn die in derselben Zeit mehr Bewohner versorgen müssen.
    Liebe Grüße Fearn
     
  4. ycassyy

    ycassyy Poweruser

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    Vielleicht solltet ihr auch mal berücksichtigen: Micky macht das erst seit Anfang Sept.

    Also ein bißchen Einarbeitungszeit muss Sie schon bekommen. Und für die Zeit muss auch mal mit mehr Personal geplant werden. Man kann nicht erwarten, das jemand nach 2 Monaten genauso professionel und schnell pflegen wie eine Kraft mit 2 Jahren Erfahrung. Sonst ist bei der Anleitung vielleicht auch noch etwas schief gelaufen.

    Gab es überhaupt eine Einarbeitung?

    lg
     
  5. t-rex

    t-rex Junior-Mitglied

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    :angryfire: wenn ich die Antworten lese, platzt mit der Kragen. Sorry, aber das muß jetzt mal raus.
    Also Fließband-Pflege ist okay und wer nicht mitkommt paßt nicht ins Team? Nee, auf Schnell Schnell kommt auch schnell Mist, dann lieber mit Sorgfalt und ein bißchen langsamer arbeiten. Mit Sinn und Verstand. Gemeckert wird schnell aber geschaut woran es evtl. hängt passiert nicht.
    Oft genug hat keine oder ungenügende Einatbeitung stattgefunden, und sind denn auch die Planungen korrekt oder wird mehr am Bewohner getan als es geschrieben steht? Also bevor man am Personal rummäkelt, vielleicht auch mal das in Hand nehmen und überprüfen. Aber das macht Arbeit, und meckern geht schnell mal bei `ner Tasse Kaffee. Nett, aber nicht Sinn der Sache.

    :verwirrt: t-rex
     
  6. pflegede

    pflegede Junior-Mitglied

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    Natürlich müssen alle Bewohner in einer gewissen zeit morgens ordentlich versorgt werden. Aber wenn bei Neulingen es vielleicht etwas dauerd, bis er sich wirklich eingearbeitet hat, dann muss auch der AG mal reagieren und unterstützen. Denn auch dein AG weiß, dass es ziemlich teuer ist eine neue Kraft anzustellen, die die Arbeit verrichtet. Auch diese müsste eingearbeitet werden und natürlich auch vorher erstmal gefunden werden, Vorstellungsgespräche usw.

    Da ist es eigentlich für alle beteiligten besser und geht schneller, am Anfang etwas mehr zu unterstützen, wenn es notwendig ist.
     
  7. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Dennoch benötigt der Neuling eine Rückmeldung bezüglich seiner Arbeitsweise. Die sollte nicht durch Gemecker bei der Tasse Kaffee erfolgen, aber der TE schreibt auch nicht, dass es so sei. Gerade während der Einarbeitung benötigt der Neue ein Feedback auch über die Dinge, in denen er sich anpassen oder verbessern muss. Das hat mit Meckern nichts zu tun, wenn der Gesprächsrahmen stimmt.
     
  8. Micky83

    Micky83 Newbie

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    Was heißt Einarbeitung,ein paar Tage mitgelaufen und los ging es.Und es ist nicht so,das die anderen "meine" Bewohner mitmachen müssen.
    Sind alle immer rechtzeitig beim Frühstück,die Bewohner sitzen außer beim Schlafen,den ganzen Tag im Speisesaal,außer wenn ein paar mal zur Beschäftigung gehen.
    Viele arbeiten dort schon seid Jahren,die haben halt ihre Struktur.Ich brauch immer recht lange um mich einzugewöhnen.
    Aber ein guter Pfleger ist doch nicht,der der am schnellsten ist.
    Man soll eine Bewohnerin ans Waschbecken setzen und in der Zwischenzeit am besten noch 2 andere schaffen.Das die Bewohnerin,aber nach 10min nach einem ruft ist scheinbar egal.Da sitzt sie dann auch herum und wartet.
    War heute auf einem anderen WB zur Vertretung,die hatten ne ganz andere Struktur und sich nicht so einen Druck gemacht.
     
  9. ycassyy

    ycassyy Poweruser

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    Ein paar Tage ist ja schonmal mehr als nix. Und natürlich sollst du einen Bewohner nicht am Waschbecken sitzen lassen. Nutze die 10 Minuten Sinnvoll: Zimmerpflege, evtl Schrank auffüllen, Wäschesäcke am Pflegewagen auswechseln, Nachttisch abwischen Pflegesalben zurechtlegen usw. Dann hält dich das nachher nicht mehr auf.

    Und was den anderen WB betrifft: Du warst einen Tag da, du kanntest keinen, da gehen dann die Kollegen auch nicht so ruppig mit jemanden um, sondern nehmen Rücksicht auf die Situation. Das muss aber nicht so bleiben, solltest du fest auf einem anderen WB gehen.

    Es wäre natürlich besser, den Ablauf richtig gezeigt zu bekommen, anstatt sich alles alleine rauszuarbeiten.
     
  10. Micky83

    Micky83 Newbie

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    Genau das mach ich während die Bewohnerin sich wäscht.Bett beziehen und herrichten und Zimmer aufräumen.Aber nein ich bekomm gesagt,ich brauch am Waschbecken bei ihr nicht daneben stehen,was ich nicht mache.
    Es kommt zum Teil auf die Kollegen an mit denen man arbeitet,einige verbreiten recht viel Hektik.Es ist nicht so,das ich sinnlos neben den Bw. stehe und zuschaue.
    Vorallem frag ich mich wie man Grundpflege schneller machen soll?
    Mir wurde auch erst nach 4Wochen mitgeteilt,das die Beine nur alle 2 Tage gewaschen werden,kein Wunder das die anderen dann schneller sind.:roll:

    Wegen dem anderen WB,klar hatten die weniger intensive Bw.aber man merkte,das sie anders arbeiten.Da wurde erst ein Bw.gemacht und dann der nächste.
     
  11. aha und den Rücken waschen "wir" einmal in der Woche...

    ich wasche das, was das Bedürfnis des Bewohners/Klienten/Patienten hergibt. Und nicht, was die Vorgabe mir hübsches erzählt.

    Beine alle zwei Tage waschen - bei allen Bewohnern gleich - schön nach Schema die Waschstraße runter. Frag deinen Bewohner, solange er noch selbst entscheiden kann, was er wie an welchem Tag braucht und gemacht haben möchte/angeleitet werden will usw.

    Ich weiß schon, warum ich DA nie und nimmer nicht arbeiten will. Pflege nach Schema - in meinen Augen ein absolutes Nogo. Wenn deine Bewohnerin jeden Tag die Beine gewaschen haben möchte, dann tu ihr etwas Gutes...

    Zuwendung und Beschäftigung ist in Abrechnungssystemen nicht vorgesehen - siehe u.a. dein Satz "sie sitzen den ganzen Tag im Speisesaal" ... und eben diese Zuwendung und bedürfnisorientierte Pflege zeitgerecht am Morgen und Abend gehört auch nicht darein. Manchmal will ich da drauf br***en *hmpf*
     
  12. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Auch wenn das OT ist - ich habe auch nie täglich die Beine gewaschen...

    Das ist nicht nötig. Nichtmal ich wasche mir täglich die Beine - und die Pat liegen ohne schweißtreibende Anstrengungen im Bett. Gibt noch mehr was nicht täglich gewaschen werden muss ;)

    Und von wegen Fragen. 1. kann der Großteil der Pat die komplett gewaschen werden einem nicht sagen was sie wollen und 2. ... gelöscht - wir sind ja hier im Altenpflegeforum, bin erstmal vom Krankenhaus ausgegangen ;) Also lasse ich das jetzt so abgebrochen hier stehen

    Trotz Alledem was du sagst advitam, der Alltag der Altenpflege gibt von den Voraussetzungen nur ein bestimmtes Maß her - daraus muss das beste gemacht werden. Wer neu ist, muss das erst lernen (bzw Richtiges verlernen, machen wir uns nichts vor ;).
    Gehe ich auf 5 Patienten ein und versorge sie so wie sie es gern hätten, wasche die Beine, nutze 6 verschiedene Cremes, Lotionen und Sälbchen und mache auch sonst alles was das Herz begehrt, so bekommen die anderen 4 Pat die ich zu versorgen habe eben noch weniger als das Standardprogramm ab und haben es noch eine Spur schlechter.
    Ob sie das wieder egalisiert, wenn am nächsten Tag SIE an der reihe sind, ist die Frage die sich gestellt werden muss.
     
  13. Maniac, ja ich bin verwöhnt, ja ich arbeite im Mercedes der Pflege.

    Und ja, ich weiß auch, dass es nicht der Standart ist, einen Menschen so zu versorgen, wie ich ihn versorgen darf - 1:1 ... darüber ärgern darf ich mich aber trotzdem, dass Menschen in einem Pflegeheim eben nicht diese Zuwendung bekommen, den ganzen Tag irgendwo "rumsitzen" (es mag auch Ausnahmen geben) und sich selbst überlassen sind.

    Ich schrieb, dass sie die Bedürfnisse der Bewohner beachten soll, sofern sie diese äußern können. Wenn ein Mensch ein Bedürfnis nicht mehr äußern kann, muss ich biographische Arbeit machen - und recherchieren wie die Gewohnheiten früher waren, was er gern hatte usw..

    Ich stehe auch auf der Seite, dass Rücken und Beine NICHT jeden Tag gewaschen werden müssen - ich mache das im Übrigen auch in der 1:1 Pflege nicht (ich kann es hier allerdings auch alle paar Tage mit dem totalen Wellnessprogramm verbinden :nurse: ).

    Mir geht auf den Keks, dass scheinbar alle gleich versorgt werden und das empfinde ich nicht in Ordnung - im Krankenhaus ist das für mich ok, da stehen andere Dinge im Vordergrund - aber in diesem Pflegeheim LEBEN!!! die Menschen, die sind da zu Hause... da wird doch mal möglich sein, auf das einzugehen, was ein Mensch wirklich braucht. Aber scheinbar ist das nicht mehr möglich mit unseren Jasager-Kollegen, Hektikern, Stressern,... den Kollegen, die der Chefetage gefallen wollen und alles fein abnicken. Hauptsache alle sitzen 8 Uhr am Esstisch und kriegen - ob sie wollen oder nicht - Happa nach Plan reingeschoben.

    Wir verändern gar nichts, wenn wir immer und immer und immer wieder Tag für Tag den gleichen Trott mitschieben (im Fall der TE mitrennen). Ich habe es gehasst, meinen Ansprüchen, nach den Wünschen des erkrankten Menschen zu handeln, nicht gerecht werden zu können.

    Ich hatte auch Kollegen denen es nicht gepasst hat, dass ich auch mal einen meiner Patienten nach dem Frühstück versorgt habe. Wohlgemerkt auf Wunsch dieses Menschen. Ich hab nicht nach deren Pfeife getanzt, mein Bereich wurde zwar von mir immer piccobello übergeben, aber WIE ich es gemacht habe, war ja nicht Regelkonform.

    ich will nie alt und krank werden... bei dem Gedanken, jeden Tag halt irgendwie nach Lehrbuch gewaschen zu werden und dann bis abends in meiner Ecke zu sitzen, wird mir ganz anders.

    Ist es wirklich das, was wir unseren Neulingen beibringen wollen? Steht wirklich nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt? Liegt es nicht an der Arbeitsorganisation eines Wohnbereichs, wie relaxed man arbeiten kann? Müssen Bewohner alle zu einem Zeitpunkt essen? Warum funktioniert es in der ein oder anderen Einrichtung? Das liegt nicht nur am Personalmangel... zumindest will ich das nicht glauben...
     
  14. Maniac

    Maniac Poweruser

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    In Anbetracht meiner Erkenntnis, dass wir uns im Altenpflegebereich befinden (in dem ich nie gearbeitet habe), muss ich mich leider ausklinken.

    Ich verstehe aber was du meinst. Und ja - wie wohl jeder, der die Realität kennt, freue auch ich mich nicht darauf später in ein Heim zu müssen ;)
     
  15. Micky83

    Micky83 Newbie

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    @AdVitamAeternam

    Dein Beitrag gefällt mir.
    Es gibt auch Bewohner die mir sagen,meine Beine sind doch nicht dreckig,die brauchen wir nicht zu waschen.Dann las ich ihn ihren Willen.Manche würden,dies aber jeden Tag sagen.;)
    In Pflegeheimen wird immer von einem selbstbestimmten Leben gesprochen,was es nicht ist.Früh wird man geweckt und muss dann zum Frühstück,würde man alle Bw.so lange schlafen lassen wie sie möchten,käme man mit der Zeit nicht hinterher.
    Wenn ein Bw. noch sehr müde ist,geh ich zu einem anderen und mach den Bw.dann zum Schluss.
    Es ist ein täglicher Trott an dem sich nichts ändern wird,was ich für die alten Menschen sehr schade finde.
     
  16. thorstein

    thorstein Poweruser

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    Hallo micky,

    ich stelle hier noch mal zwei Beiräge ein zu einer ähnlichen Dikussion.
    Vielleicht wird dann der Widerspruch klarer. Und unauflösbar, dabei bleibe ich. Das ist und bleibt schwer auszuhalten. Und trotzdem arbeite ich noch gerne in diesem beruf.

    http://www.krankenschwester.de/foru...uegen-bewohner-pflegekassen-2.html#post325849


    Wann fangen Pflegekräfte endlich an, konsequent die Rahmenbedingungen zu hinterfragen, anstatt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen?
     
  17. Malisue

    Malisue Newbie

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    Huhu
    Mal vom allgemeinen Notstand abgesehen, find ich es recht schade das hier keiner was geschrieben hat wie sie ihr Arbeitstempo steigern kann ohne das die "Pflege" bzw der Bewohner drunter leidet.

    Ich hab mal 2 Jahre lang im Altenheim gearbeitet,

    Grundsätzlich gilt:
    Die Arbeit am Bewohner langsam, die drum rum auf Hackengas, > die Bewohner werden nur unruhiger wenn du stress verbreitest und dann brauchst du noch mehr Zeit.

    Überleg dir mal welche Handgriffe und welche wege du dir sparen kannst, wenn du mehr mitnimmst.

    Nehm dir für jeden Bewohner ein Zeitfenster, Fr. Müller-Meyer musst du nur wecken, Fr. Alibaba ist Bettlegrig die Braucht natürlich mehr Zeit.
    Und berücksichtige das du dir eventuell ein "Zeitpolster" raus holst denn es kann sein das du zu einem Bewohner kommst der von oben bis unten eingekotet ist, das braucht dann direkt wieder mehr Zeit.

    Es ist oft einfacher bei fitten Bewohner mal raus zu gehen und bei einem anderen Vorher zu wecken, und vielleicht schon mal die Sachen vorbereiten, ist aber auch nicht schlimm- wenn es ein Bew ist den man alleine lassen kann, der nächste freut sich das er vorher geweckt wird bevor gleich die Pflege los geht und er nicht direkt aus dem Bett gezogen wird.> Er ist dann wacher und kann besser mithelfen. Der Bew. am Waschbecken hat dann Zeit sich in ruhe so den OK zu waschen- wie er es gewohnt ist- was ja dann auch wieder förderlich ist.

    Überleg dir mal bei Bettlägrigen Bewohner bzw bei Bew die im Bett gewaschen werden und dann angezogen werden wie oft du den rum drehst und ob es nicht einfacher wäre ihn Obenrum vorne zu waschen, Unterhemd, Pulli über den Kopf, drehen, Rücken waschen , eincremen , Kleidung runter ziehen, dann hast du ihn nur einmal gedreht, anstatt 5 mal, was nachher weit aus anstrengender für dich und den Bewohner ist als wenn er kurz mal bisi unbequem, in den Klamotten hängt, und er ist gleichzeitig Obenrum bedeckt...
    Untenrum genauso... evtl erst Füße waschen, eincremen, Socken- Hosen an, Einlage auf, Intempflege Vorne, drehen, Einlage weg, Intimbereich hinten, eincremen, Einlage dran, bisi vorgedrückt, direkt Hose bisi hoch ziehen, auf den Rücken drehen bzw gleich was zu dir holen um die einlage vor zu kruschteln, gleich noch mal bisi die Hose mit Hoch ziehen, Einlage ordentlich machen, Unterhemd runter, noch 2 mal drehen, um die Hose drüber zu ziehen, und Pulli runter... und dann natürlich je nach dem ob Bew im Bett bleibt oder raus muss....
    Dann lässt du dir am besten mal von einer Kollegin die den Kinästhetik Kurs hat zeigen wie man die Leute bei den Drehungen nach Oben transferisierst, und wenn das mal Sitzt hast du den Bewohner wieder am Kopfende des Bettes, ohne dir Hilfe zu holen oder den Bew gar unter den Armen zu packen wenn du mit der Grundpflehge fertig bist. Kannst ihn direkt fürs Frühstück vorbereiten und weiter. Sparrt nachher auch wieder Zeit beim Essen verteilen.
    Ist zwar nicht Schulisch, und manche denken jetzt O Gott wie kannst du, aber alles hat zwei Seiten...

    Vieles sind manchmal nur Sekunden die dann aber doch zu Minuten werden... was häufig vatal ist, zu denken ich hab noch genug Zeit, denn wies der Teufel so will ist dann beim Vorletzten Bewohner Bett und alles Nass und dein Zeitpolster ist hin.

    Manchmal wurde mir echt schwindelig oder hab ich mich selber geärgert wenn ich 20 mal ins Bad gerannt bin wobei ich nur hätte 3 mal gehen müssen wenn ich nicht mit leeren Händen gegangen wäre.

    Was bei uns auch Üblich war, Nasse Betten direkt abziehen und ggf dann erst nach der Pause frisch zu beziehen, überleg mal was auf hinten verschoben werden kann.

    Auch wenn du weist du gehst zu Fr Alibaba erst als letztes, um sie zu waschen, wäre es vielleicht hilfreich als erstes rein zugehen, noch mal zu Betten, 1. zwecks Lagerung, 2. zwecks der Nassen Einlage- wenn du erst nach dem Frühstsück zu ihr gehst kann es a) sein das sie schon mehrere std nicht mehr gelagert wurde und b) dauert sowohl das Bett beziehen wie eine "schwimmende" Bewohner zu versorgen länger als wenn du sie direkt zu Dienst Beginn gelagert hast und den Dekubitus nicht vergessen.

    Bringt es mehr Frau Müller Meyer 2 mal auf Toilette zu bringen anstatt nur einmal und sie Später dann komplett umzuziehen, sparrt Einlagen und nachher wieder Zeit.

    Naja jetzt hab ich soviel geschrieben.... vielleicht machst du dir mal paar gedanken dazu wie du für dich die Pflege noch vertreten kannst und bisi Zeit rausholst...
    Natürlich alles individuell auf den Bewohner abgestimmt.... ;)

    Lass dich nicht ärgern und Frag deine Kollegen auch ruhig mal wie´s "besser bzw schneller" bei manch einem Bewohner geht, kleiner trick dabei, versuch ab und an bei anderen Kollegen über die Schulter zu schauen, bzw die auch mal zur hilfe zu holen, meistens kennen sie die Bewohner einfach besser. Bei war das so das ich mich ewigst mit dem Transfer aus dem Bett bei einem Bewohner abgequält habe, weil es mir so gezeigt wurde das er es nicht selber kann und man das übernehm soll...
    dann nach 3 Monaten oder so war ich mal mit einer Kollegin bei ihm drin, die hat ihn selber rumsitzen lassen.... und nur leichte Hilfestellung gegeben... oh Mann was ich mir bei dem den Rücken geschunden habe... und Zeit gebraucht hab bis der richtig im Rolli saß...

    Wenn der Bew sich oben rum selber waschen kann, ist es ganz arg wichtig dies a) zu erhalten und b) würde es dich auch wieder Zeit kosten in der du zB das Bett machen kannst, und nicht immer ist "ich mal das mal schnell selber" Zeitersparnis es kommt einem nur so vor weil beim "zuschauen" hat man ja nichts zu tun.

    Was auch manchmal bisi was ausmacht ist die Sache mit dem Trinken und Essen, wenn der Bewohner um 11 noch schnell 2 Becher Wasser bekommt um auf die Tagesbillianz zu kommen braucht man sich nicht wundern wenn er um halb 12 nicht richtig isst und man da dann was länger braucht. Bzw beim Frühstück, ich möcht meinen Kaffee auch nicht auf einmal trinken, dann lieber einen größeren Schluck Milch mit rein das er nicht mehr so heiß ist und mit dem Frühstück angereicht, dann wird der Mund beim Brot essen auch nicht so trocken, als das ich ihn nach dem essen auf einmal austrinken muss.....

    Ich drück dir die Daumen das du es schaffst mit zu kommen - und das dein Bereich trotzdem noch gut versorgt ist.

    Alles Gute
    und Liebe Grüße
    Malisue
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Nix gegen ein gutes Zeitmanagement. Nichts gegen durchdachte Abläufe. Aber wenn man selbst schon seine Strategie net für menschenwürdig hält... .

    Ich habe die, in diversen Praktika/FSJ u.ä., "verdorbenen Kollegen" noch nie gemocht. Jetzt verstehe ich deren Sozialisierung.

    Elisabeth
     
  19. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Man sollte bedenken, dass wir alle keine Pflegeroboter sind. Ich bin auch jemand, der immer sehr strukturiert gearbeitet hat mit einem sehr guten Zeitmanagement.

    Aber nicht jeder kann so arbeiten und wirklich noch über alles die Kontrolle haben. Das sollte man auch berücksichtigen. Persönlich bin ich auch der Meinung, dass die heutigen Personalschlüssel konträr zu den Bedürfnissen der Patienten/Bewohner stehen. Die typische Verlangsamung, die das Alter mit sich bringt, wird schlichtweg unterschlagen, bzw. uns wird uns zugemutet, das Problem abzufangen, indem wir zu Extremmultitasking gezwungen werden. Ich nenne das Akkordarbeit und dauernd auf Akkord stehen ist erwiesenermaßen gesundheitsschädlich. Wird durchaus dokumentiert mit der stetigen Zunahme der Erkrankungen und vor allem mit der Zunahme der psychiatrischen Probleme des Pflegepersonals.
     
  20. Stormrider du sprichst einen für mich sehr wichtigen Aspekt an


    es ist zeitlich effektiver, einen Menschen von oben bis unten runterzuwaschen. Aber was haben wir damit gekonnt? Ich habe auf Neurologie gearbeitet - ein Mensch mit MS oder Parkinson ist kein D-Zug - ich will doch EIGENTLICH Autonomie fördern und erhalten... das heißt ich brauche Zeit zum Anleiten und der Patient/Bewohner/usw. braucht Zeit, eine Handlung durchzuführen... ein Mensch mit Demenz muss auch länger überlegen. Menschen mit Apraxie z.B. nach zerebr. Insult benötigen ebenfalls ein deutlich größeres Zeitfenster für Aktionen...

    das sieht aber der Geldgeber/Staat (was auch immer) nicht.

    Wir nehmen den Menschen soviel weg, weil wir uns selbst nicht gut organisieren, zu wenig (gut ausgebildete) Leute beschäftigen und miserabel einarbeiten... weil wir unser Chaos an unsere Zöglinge weitergeben, anstatt mal wach zu werden, wenn jemand sagt - hey... ich kann den Patienten doch nicht "überfallen". Es ist ja bequemer, alles so zu lassen wie es ist, statt umzudenken und sich im Team zusammenzusetzen. Evaluieren, ob der Wohnbereichsalltag wirklich human gestaltet ist, für alle "Teilnehmer"

    das ganze System ist multifaktoriell so belastet, dass es dann zu solchen Situationen wie die der TE kommt... da ist eine neue Pflegekraft - motiviert, bedürfnisorientiert zu arbeiten (vielleicht auch noch nicht gut strukturiert, weil eine Hand voll Tage Einarbeitung ist in meinen Augen Be******, wenn auch Realität :x ) und gleich kommt die Backpfeife, weil sie nicht ins Boot passt, da sie nicht so wundervoll effektiv arbeitet, wie alle anderen. Die Misere ist hausgemacht.
    Mir fallen dazu die drei Affen ein - nichts hören, nichts sehen, nichts sagen - immer schön mitschwimmen *grml*
     
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