Arbeitskampf extrem in Finnland: Tausende Krankenschwestern drohen mit Massenkündigung

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von Online-Team, 29.10.2007.

  1. Online-Team

    Online-Team Poweruser
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    [29.10.2007]

    Streik war gestern: Finnlands Pflegekräfte setzen auf eine radikale Methode im Tarifstreit um mehr Gehalt. 13.000 drohen damit, alle am selben Tag zu kündigen.

    <weiter>

    Quelle: Spiegel-Online - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
     
  2. minilux

    minilux Poweruser

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    das hab ich letzte Woche schon mal gelesen. Interessant wäre es jetzt zu wissen wie es in Finnland mit Arbeitslosengeld bei Eigenkündigung aussieht -- zumindest ein wirklich konsequenter Arbeitskampf, Respekt
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Das wird es in Deutschland so nicht geben. Grund: zu geringer Grad der Organisation- egal ob in Verbänden oder Gewerkschaft.

    Die mit der Berufsbildung verbundene Sozialisierung führt in der Regel in die gelernte Hilflosigkeit. Man erwartet von einem imaginären Vater (Doktor) oder der imaginären Mutter (SL oder PDL) die Lösung für das anstehende Problem. Kommen diese Lösungsangebote nicht, wird gejammert. Dies tut ein Kind auch wenn es die Aufmerksamkeit der Eltern erringen will.

    Elisabeth
     
  4. jackdanielsx84x

    jackdanielsx84x Gesperrt

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    Hallöle,


    Elisabeth, der oder die Letzten auf die ich baue um mehr Geld und bessere Arbeitsbedigungen zu erhalten sind wohl Ärzte, Stationsleitungen und Pflegedienstleitungen.
    Ich behaupte mal das geht den meisten von uns ähnlich und ich kann diesen Beitrag in keinen Zusammenhang zu dem Artikel stellen.


    Gruß
    Dennis
     
  5. Hauttacker

    Hauttacker Senior-Mitglied

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    Oh, das finde ich super, ist zwar eine fette Erpressung aber toll.
    Alle ziehen an einem Strang und sind sich einig(Wenn es dann auch wirklich so ist).
    Für die Versorgung der Patienten wiederum sehr traurig.
    Ist so ähnlich wie die Bahn-Streiks in Deutschland.
    Man hat Verständnis, aber immer nur so lange, bis es einen selber nicht trifft.
    Aber auch in Deutschland ist die Pflege unter bezahlt, egal in welchem Bereich.
    Ich glaube das wird sich auch mit Streik nicht ändern.
     
  6. behid

    behid Gast

    Dieses Szenario ist nicht nur wegen der mangelnden gewerkschaftlichen Mitglieder hier so nicht möglich.
    In Zeiten, in denen es schwierig ist als Pflegekraft einen einigermaßen normal bezahlten Arbeitsplatz zu bekommen und für jede die gekündigt hat mind. 2 in den Startlöchern stehen um eine Stelle in der Klinik zu bekommen, kann sich niemand leisten einfach zu kündigen. Ganz davon abgesehen, dass man im Rahmen des TVöD nach Wiedereinstellung zunächst mal ganz unten in der jeweiligen Entgeldgruppe anfängt und deine Berufserfahrung in keinster Weise (zumindest merkt man es nicht auf dem Konto) gewürdigt wird.

    Interessant find ich die "finnische Aktion" durchaus und wenn in einigen Jahren hier der Pflegenotstand eintritt (davon bin ich überzeugt) dann bekommen wir vielleicht auch mal die Macht mehr zu fordern.

    @Elisabeth
    Ich kenne niemand, der ernsthaft erwartet, dass sich die Führungskräfte
    (egal welcher Berufsgruppe) in den Kliniken für die bessere Bezahlung ihrer Mitarbeiter einsetzen.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Du hast den Sinn meiner Aussage mißverstanden. Mir ging es um den mangelnden Grad der Organisierung. "Kinder" brauchen sich nicht organisieren. Ihre Bedürfnisse werden von Mutter und Vater bedacht.

    Wie bekommen wir die Kollegen aus der erlernten Hilflosigkeit? Wie können wir den Grad der Organisierung erhöhen?

    Elisabeth
     
  8. Joerg

    Joerg Poweruser

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    Und genau da müsste man ansetzen! Bei den Ärzten stehen 2008 auch Tarifverhandlungen an, wieso sollte man nicht mit denen zusammen auf die Gasse gehen. Die Chancen stehen dar nicht so schlecht, zumal viele Assistenzärzte dem Marburger Bund, nach seiner letzten, genialen, Tarifrunde den Rücken gekehrt haben. Wenn sich also "Sir Monty" mal ein wenig am Riemen reißt und Sprüche ala "Kulissenschieber" unterlässt, wäre es der richtige Weg. Pflege und Ärzte ver.di und MB zusammen auf der Strasse. Da möchte ich den Arbeitgeber sehen der ruhig bleibt!

    Da ich selbst ver.dianer bin und bei uns im Klinikum aktiv bei den ver.di-Vertrauensleuten mitarbeite kann ich nur sagen das dies ein richtig mühsames Unterfangen ist.
    Ich will gar nicht den Argumente gegen einen Beitritt in die Gewerkschaft anbringen, die kennen wie zu genüge. Es ist einfach zermürbend.
    Eine Kollegin von mir hat es auf den Punkt gebracht, die Pflege fühlt sich zu sicher! Der Pflege wird schon nichts passieren, uns wird schon nichts weggenommen. Von diesem hohen Ross muss man die Kollegen runterholen, die Frage ist halt nur wie.
    Ein probates Mittel die Mitgliederzahl zu erhöhen hat ver.di übrigens bei der Pflegeheimkette "Pro Seniore" geschafft.
    Dort bekommen ausschließlich ver.di Mitglieder Weihnachtsgeld. Der Geschäftsführung ist es tariflich verboten Nichtmitgliedern diese Zuwendung zu zahlen.
    Ein Tarifvertrag mit speziellen Schmankerln für Gewerksschaftsmitglieder, das wäre es!
     
  9. narde2003

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    Hallo Joerg,

    ich würde es Erpressung nennen!

    Schönen Tag
    Narde
     
  10. minilux

    minilux Poweruser

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    wie wärs wenn man potentielle Mitglieder mit Leistung überzeugt statt sie zu kaufen? :angry:
     
  11. westend

    westend Junior-Mitglied

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    Hallo @ all,

    Da muss ich Dir zustimmen. Nichts anderes ist das. Persönlich finde ich es aber gut, was da in Finnland versucht wird und Recht haben sie.

    Wie schon an anderer Stelle geschrieben, kann unsere "Anerkennung" nur teilweise durch uns von statten gehen. Die andere Hälfte muss aus der Bevölkerung oder der Gesellschaft kommen.
    Wir brauchen einfach mehr Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema und da wundert es mich schon, dass wir das nicht hinbekommen. Die Deutschen sind ein Volk von Rednern, hat die Geschichte uns ja nun wiederholt bewiesen. Aber solange nicht publk gemacht wird, was wir leisten, solange werden wir auch dahingehend keine Verbesserung erreichen können.

    "Sir Monti" ( finde ich echt gut ) hat ja nun deutlich gesagt was seine Ärzte leisten und er hat ja nicht ganz unrecht. Zugegeben. Abe ein Arzt ist nur so gut, wie die Pflege, die ihn drauf hinweist. Und wie oft geben wir auch Therapieratschläge?
    Die Gesellschaft muss einfach mal die Realität erkennen und weg kommen von der Sr Stefanie Vorstellung. :angry:

    Anders bekommen wir die Gesellschaft nicht hinter uns.

    Wenn das geschehen ist dann können wir uns an den Arbeitskampf machen.

    So sehe ich das.

    In diesem Sinne einen schönen Tag :zunge:
     
  12. jackdanielsx84x

    jackdanielsx84x Gesperrt

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    Hallöle,

    ich halte das vorgehen von Ver.di und Pro Seniore nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Erpressung für fragwürdig.

    Um das Weihnachtsgeld zu erhalten muss ich meinem Arbeitgeber natürlich meine Mitgliedschaft offen legen und das kann zu einigen Problemen führen.....je nach Arbeitgeber. :wink:

    Nun, vereinigen in einer Gewerkschaft ist sicher gut, ich bin ja auch in einer, nur zu Ver.di.......na ja, nicht mit mir.


    Gruß
    Dennis
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    *grübel* Ich zahle (noch) 23 € pro Monat Gewerkschaftsbeitrag. Von diesen, den Mitgliedsbeiträgen wird der Vertreter der AN in Tarifverhandlungen bezahlt. Dieser handelt den Tarif aus ... und jetzt kommts: für ALLE Arbeitnehmer. Das empfinde ich als ungerecht.

    Ich bin sehr für das Vorgehen von verdi (welche Kröte man doch schlucken kann *g*) und Proseniore.


    Das Verhalten der Pflege gleicht manchmal dem Verhalten kleiner Kinder. Argwöhnisch wird beäugt, wer mehr Zuwendung bekommt.

    Erlernte Hilflosigkeit führt in dieses kindliche Verhalten. Es ist eine Form der Copingstrategie. Und wie nun weiter? Kommunismus in der Pflege... alle sind gleich. Oder vielleicht doch deutlich machen, dass von Professioneller Pflege mehr erwartet wird als auf "Mutter" und "Vater" zu hören?

    Elisabeth
     
  14. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo,
    ohne jetzt zu sehr vom Thema abzukommen, würde mich interessieren wie hoch das Weihnachtsgeld dort ist.

    Liebe Grüsse
    Narde
     
  15. anncath

    anncath Junior-Mitglied

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    Falsch: verdi oder welche Gewerkschaft auch immer handelt nicht für alle Arbeitnehmer den Tarif aus! Sonst könnte es ja so einen komischen Tarifvertrag mit Weihnachtsgeld nur für Gewerkschaftler gar nicht geben. Im übrigen gibt es auch noch/schon Unternehmen, die nicht "nach Tarif" (und da liegt die Betonung auf "nach", eben nicht "der Tarif") zahlen, und dass heißt keines Falls, dass man schlechter bezahlt wird.

    Die Gewerkschaften haben im Laufe der Jahrzehnte viel Gutes erreicht, aber sie fördern auch die Unselbständigkeit bzw Hilflosigkeit ihrer Mitglieder. Schließlich braucht man sich um nichts selber kümmern, die Gewerkschaft macht das schon für mich.

    Der Neid geht nicht nur in der Pflege um. Da werden Baustellen und Betriebe bestreikt, obwohl kein Arbeitnehmer in der Gewerkschaft ist, es soll bloß keiner mitbekommen, dass man außerhalb des Tarifvertrages auch Geld verdienen kann. Damit meine ich nicht die Niedriglöhne, zu denen z.T. die polnischen Pflegekräfte hier 24-Stunden-7-Wochen arbeiten. Das gehört in meinen Augen auch verboten, wie in ein und der selben Firma einem Teil Weihnachtsgeld zu zahlen und dem anderen nicht.

    Einige Gewerkschaften haben in den letzten Jahren etwas den Bodenkontakt verloren. Ich werde morgen mal meinen Arbeitgeber fragen, ob ich mehr Weihnachtsgeld bekomme, weil ich in keiner Gewerkschaft organisiert bin. Wäre aus Arbeitgeber-Sicht ja eigentlich logischer.

    Gruß, Anne
     
  16. Joerg

    Joerg Poweruser

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    @ anncath:
    Sag mal, ist Dir eigentlich bewusst wie Gewerksschaftsarbeit funktioniert, oder soll das nur der übliche Rundumschlag gegen Gewerkschaften sein?
    Sorry für die harten Worte, aber das was Du da scheibst ist absoluter Blödsinn!
    Ich frage mich ernsthaft wie jemand der Meinung sein kann, das eine Gewerkschaft die Unselbständigkeit der Mitglieder fördert? Klar kann ich als passives Mitglied mein Beitrag zahlen und alles auf mich zukommen lassen, ich kann aber auch aktiv mitarbeiten, nur machen das viel zu wenige, da sie ja "keine Zeit haben" an ihrer Situation aktiv mitzuarbeiten.

    @ Narde:
    Nein ich nenne das nicht Erpressung, sondern einen cleveren Schachzug. Wie Elisabeth schon sagte, ich zahle jeden Monat 1% meines Gehaltes als Beitrag, Nichtmitglieder bekommen das gleich wie ich, so habe ich als Mitglied einer Gewerkschaft, die in meinem Auftrag einen Tarifvertrag mit den Arbeitgebern aushandelt sogar weniger in der Tasche als z.B. jemand, der auf die Gewerkschaft schimpft und sich über die "blöden" Mitglieder auch noch lustig macht.
    Ich fände es nur Recht und Billig wenn es Tarifverträge gibt in denen Mitglieder der Gewerkschaft, die den Vertrag erkämpft hat, mehr bekommen. Immerhin kommt doch keiner von den Nichtmitgliedern mit auf die Gasse wenn es zum Arbeitskampf kommt. Auch da bin ich als Aktiver im "Nachteil", weil ich zu diesem Zeitpunkt ja weniger Lohn (Steikgeld) bekomme. - Denk mal darüber nach!
    Ich weiß nicht wie hoch das Weihnachtsgeld bei "Pro Seniore" ist, den genauen Tarifvertrag kenne ich nicht.

    @ JackDaniels:
    Die Mitgliederdaten bei Pro Seniore wurden von ver.di nur mit dem Einverständnis der jeweiligen Mitglieder an die Geschäftsführung weitergegeben. Was will die Geschäftsführung aber machen, wenn sie in ihrem Konzern plötzlich einen Organisationsgrad von 80 - 90% hat? Alle entlassen oder schikanieren weil sie bei ver.di sind? Wohl kaum!
     
    #16 Joerg, 31.10.2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 31.10.2007
  17. anncath

    anncath Junior-Mitglied

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    @ Joerg: Mir ist sehr bewusst, wie eine Gerwerkschaft funktioniert, da meine Schwester sehr motiviert über verdi organisiert ist. Wenn du tatsächlich, wie es scheint, ein aktives Mitglied bist, finde ich das klasse. (Als Betriebsratsmitglied wirst du das wohl sein) Ich weiß, wie viel Zeit man da investieren muss, meine Schwester ist so fast jedes Wochenende entweder in Sachen Uni oder verdi unterwegs.

    Von ihr weiß ich auch, wie schwer es ist Mitglieder zu mobilisieren, wenn gerade mal nichts (keine Tarif-Verhandlungen) ansteht. Und ohne Organisation würde es hier in unserer Gegend wohl kaum Arbeitskampf geben, weil den ja jemand organisieren muss. Die mussten busseweise Gewerkschaftsmitglieder in den Osten karren, weil da keiner Lust hatte zu streiken, bzw die Arbeitnehmer nicht in einer Gewerkschaft organisiert waren.

    Da du selber "keine Zeit" in Anführungszeichen gesetzt hast, darf man daraus deuten, dass auch du es so siehst, dass sich viele (und ich meine sehr viele) nur auf ihrem Mitgliederbeitrag ausruhen? Und "keine Zeit" nur ´ne faule Ausrede ist, und eigentlich heißen müsste: "keine Lust"? Dass meinte ich mit "Unselbständigkeit fördern". Die Gewerkschaften müssten ihre Mitglieder viel mehr fördern, aber am Ende nehmen die paar stark aktiven, die sich jede Minute ihrer Freizeit für die Gewerkschaft aufopfern, der passiven Mehrheit alles ab. Als Mitglied muss man sich keine Gedanken machen, die Gewerkschaft sagt schon rechtzeitig bescheid.

    Ich bin in keinem Fall gegen Gewerkschaften, da ich durchaus weiß, was sie geschaffen und erreicht haben. Aber es macht keinen Spaß in der heutigen Gesellschaft grundsätzlich als "Nichtmitglied" von was auch immer diskriminiert zu werden. Da muss man sich taufen lassen (und das ist nicht nur mal eben die Taufe, sondern ein ganzer Taufkurs) und Kirchensteuer zahlen, um in einem kirchlichen Krankenhaus lernen bzw arbeiten zu dürfen, darf aber in dem selbigen Haus kein Mitglied einer Gewerkschaft sein, Schwesternschaft ist erlaubt. Dann wechselt man später in die freie Marktwirtschaft, und muss Mitglied einer Gewerkschaft sein, um Weihnachtsgeld zu erhalten???

    Ich zahle z.Z. meinen Beitrag für die Gesellschaft als Kirchensteuer, Nichtmitglieder dürfen "unsere" Kirchen ja auch "benutzen".(ich weiß, dass ist nicht das gleiche) Ich könnte natürlich auch zusätzlich in einer Gewerkschaft sein, da ich im Moment aber nicht nach Tarif bezahlt werde, sondern mir mein Gehalt selber aushandeln musste, bleibe ich vorerst nur bei der Kirche. Sollte ich aber zu einem Arbeitgeber wechseln, der Tarif bezahlt, würde ich mit dem Arbeitsvertrag auch die Beitrittserklärung unterschreiben.

    Gruß, Anne

    Ps.: In Finnland wäre ich auch bei den "kündigenden" dabei, schließlich brauchen die Arbeitgeber das Pflegepersonal. Da gibt es nicht so viele arbeitsuchende Pflegefachkräfte. Hier ist es auch schwer, das passende gute Personal zu finden.
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    *nachdenk* Ob die finnischen Kollegen auch erst dann in die Gewerkschaft eingetreten sind als es sich abzeichnete dass die den Tarif aushandeln werden?

    Ich denke da ist was wahres dran: die Gewerkschaften erkennen langsam ihre Machtlosigkeit. Als Mitglied überlegt man derzeit doch, dass man das 1 % für die Mitgliedsgebühren doch sinnvoller anlegen kann. Tarife werden mit der Großgewerkschaft abgeschlossen und hinterher sowieso modifiziert. Warum dann also den Beitrag zahlen?

    Elisabeth
     
  19. westend

    westend Junior-Mitglied

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    Viel trauriger ist, dass unsere Kollegen im Osten für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen bei gleichen Lebenshaltungskosten. Vielleicht sollten unsere Gewerkschaften sich mal über diese zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit aufregen.

    Oder???
     
  20. Joerg

    Joerg Poweruser

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    Sollten sie, sicher.
    Nur in den neuen Ländern ist der Organisationsgrad noch niederer als in den alten Ländern! Wie sollte z.B. ver.di dann dort was reißen und vor allem, wieso?
    Ver.di lebt ausschließlich von den Mitgliederbeiträgen. Wieso sollte sich eine Gewerkschaft in einer Region in der sie kaum unterstützt wird übermäßig reinhängen?
    Versteh mich nicht falsch, ich denke auch, dass der Lohn in den neuen Ländern so langsam mal an die 100% des Westlohns angeglichen werden muss, aber den Schwarzen Peter da nun ausschließlich den Gewerkschaften in die Schuhe zu schieben ist zu billig. Da sollten die Beschäftigen auch mal mobil werden.
     
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