Arbeitsethik von Pflegekräften auf einer Intensivstation

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von nursemommy_78, 05.01.2011.

  1. nursemommy_78

    nursemommy_78 Newbie

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    Hallo Ihr alle,

    ich weiss nicht, ob dieses Thema hier reingehört...aber ich brauche unbedingt Eure Hilfe und Euer Feedback dazu-
    es geht um das Berufsverständnis von Pflegenden, die auf einer Intesivstation arbeiten.
    Heute hatte ich eine sehr emotionale Diskussion mit einer Kollegin, primär ging es in dieser Diskussion um Überlastung der Pflegenden auf unserer ITS, denn bei uns ist es im Frühdienst z.B. üblich, dass die Pflegenden für die Blutentnahmen, Transport der BEs zum Labor, EKGs (wenn welche angeordnet sind), Medikamentengaben (p.o. und i.v.), Mobilisation (weil die KGs irgendwie immer net da sind, wenn man sie braucht!), Abheften von Befunden, Verbandswechsel (auch bei OP-Wunden!!!) u.s.w. zuständig sind und ich gesagt habe, dass mir manche Arbeiten eben berufsfremd vorkommen und ich für die Pflege (meinen WAHREN!!! Job) kaum Zeit habe, blöderweise habe ich als Beispiel Rasur genommen (als ob die Pflege einzig und allein im Saubermachen des Patienten besteht, dieser Meinung scheint aber meine Kollegin zu haben), das hat sie als dankbare Argumentation genommen, um zu sagen dass sie deswegen auf einer Intensivstation arbeite, um sich um sowas nicht kümmern zu müssen...da stand mir erstmal die Kinnlade auf!!!
    Daraufhin habe ich sie gefragt, wer denn dann die "Pflege" des Patienten übernehmen soll, wenn nicht wir Schwestern???
    Und sie darauf, sie wäre auf einer Intensivstation weil es dort primär um die Akutversorgung und Stabilisierung des Patienten ginge und nicht um Pflege, wie waschen...und meine Kinnlade wurde noch größer und noch größer (das ist wie Birnen mit Äpfeln vergleichen, finde ich!).
    Dann hat sie sich in einem Atemzug darüber echauffiert, dass ein Chefarzt zu uns gesagt hätte, wir wären ja nur "professionelle A...abwischer" (hoffentlich werde ich jetzt wegen dem Zitat nicht gelöscht!)-
    so und jetzt die Frage an Euch:
    Sind denn nicht gerade die Pflegenden selbst (wie meine Kollegin), die die Arbeitsethik der Pflege auf das Saubermachen von Patienten reduziert und somit das Stigma der "ah...NUR Krankenschwester" aufrechterhalten?
    Sind es teilweise Menschen aus unserer Berufsgruppe, denen wir es zu verdanken haben, dass wir als eigenständige Profession nicht ernst genommen werden?
    Ich war wirklich sehr enttäuscht und auch wütend auf meine Kollegin, weil sie so etwas von sich gegeben hat und ich habe immer noch so viel Wut im Bauch, das glaubt ihr garnicht!!!

    So jetzt habe ich es mir von der Seele geschrieben, jetzt kann ich ins Bett!

    Gute N8,
    Nursemommy
     
  2. NiCkMuC_

    NiCkMuC_ Stammgast

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    Ist doch überall so. Viel Zeit geht eben für Tätigkeiten drauf die nicht gerade direkt am Patienten stattfinden bzw. die für die eigentliche Grundpflege benötigt wird.

    Ist aber auf Allgemeinstation genauso der Fall wie auf der IPS denke ich.
     
  3. turmalin

    turmalin Junior-Mitglied

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    ach,solche disskusionen wirst du immer mal wieder haben

    ich geb deiner kollegin insofern recht das mich der momentane pflegezustand meines patienten wenig interessiert wenn sein leben grad in gefahr ist


    setz prioritäten

    ich hab kollegen die rasieren grundsätzlich nicht weil sie angst haben verletzungen zu setzen

    auch das zitat des chefarztes wird dir immer mal wieder begegnen
    ignorier es
    ein mensch mit anstand und respekt hat solch kommentare nicht nötig
    aber wenn jemand meint sich derart zu profillieren,bitte

    gruß
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Sich darüber aufzuregen... ist die Zeit viel zu schade drum. Manche haben nun mal ein beschränktes Fassungsvermögen auf ihrer geistigen Festplatte. Würdest du da jetzt noch das Prorgramm "Professionelle Pflege" implementieren wollen, müsstest ev. mit einem Festplattencrash rechnen. Und das wollen wir ja alle net in Zeiten des Personalmangels.

    Man braucht nun mal auch Leute für die "patientenfernen" Tätigkeiten. Setz sie da ein, damit sie dich bei der Pflege entlastet. Damit tust du dir und vor allem den Pat. was gutes.

    Elisabeth
     
  5. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Setze die richtigen Prioritäten für Deine Patienten/in. Du wirst gerade im Intensivpflegebereich häufiger die Situation antreffen, dass Du mal auf die ganze Wascherei und Co verzichten musst, da der Patient/in eben das Geschehen bestimmt.
    Auf kleinen IPSen kann es durchaus passieren, dass man die Wascherei aus Zeitgründen sowieso nicht schafft, da kein Aussendienst und eben nicht genügend Personal pro Schicht zur Verfügung steht.

    Ich persönlich bin nicht auf eine IPS gegangen, um mich der Pflege abzuwenden und mich mehr der Technik zu widmen. Im Gegenteil: Gerade im Intensivpflegebereich bin ich viel besser aufgehoben, da ich dort eher meiner Berufung nachgehen kann.

    Der interessante und fordernde Nebeneffekt ist sozusagen z.B. u.a. die Technik.
    Kurzum ich finde die Intensivpflege eröffnete mir erst die Möglichkeit, den Patienten/in viel mehr als Individuum zu versorgen. Der Bezug zu einem Intensivpatienten ist häufig sehr intensiv.
    Auch brauche ich hin- und wieder Tätigkeiten, die auch mal eher mit sehr viel Therapie, Technik und Co zu tun haben.

    Ich definiere mich allerdings nicht über die ärztlichen Tätigkeiten und auch Gerätschaften, sondern ich definiere mich darüber, dass ich der Ganzheitlichkeit dort mehr nachgehen darf und auch kann.
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich denke nursemommy_78 sieht waschen net unter dem Aspekt: satt, sicher, sauber... sondern als pflegetherapeutische Intervention.

    Der Mensch- und speziell der Intensivpat.- wird net allein durch die Hightech- Möglichkeiten gesund. Der Mensch ist keine Maschine. Der Satz: in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist- ist bereits lange widerlegt.

    Ganzheitlichkeit: Körper-Geist- Seele. Buber hat da einen schönen Satz geprägt: Am Du zum Ich werden. Wenn ich mich selber net mehr wahrnehmen kann, dann brauche ich essentiell Menschen, die mir eine Eigenwahrnehmung ermöglichen, die mit mir kommunizieren auf einer mir verständlichen Ebene.

    Elisabeth
     
  7. monaluna

    monaluna Poweruser

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    Schwierige Frage, ich gehöre auch zu den Menschen die in die Intensivpflege gegangen sind, weil ich mich viel fokusierter auf meine Kunden konzentrieren kann. Aber sicher arbeiten viele auch auf Intensivstationen weil sie sich für die ganzen anderen Sachen ( wie Technick und die Medizin etc, ) intressieren und so findet jeder sein Plätzchen. Ich würde darüber gar nicht streiten oder diskutieren.

    Mobilisation gehört für mich aber ganz klar auch zur Pflege, Rasieren Waschen etc. natürlich auch, aber ebenso gehört auch der lästige Systemwechsel, das Blutabnehmen Ekgschreiben dazu :-).... du musst für dich gut einteilen und für den Pat. arbeiten. Für alles gibt es seine Zeit und man findet immer noch Zeit eine stimulierende Wäsche zumachen, oder die Haare zuwaschen etc. nur nicht gerade in einer Situation wo die Bude brennt.
    Der Pat braucht beides ..... die Medis zu richtigen Zeit aber auch die Pflege, nur kann er durchaus länger ohne Rasiert zuwerden überleben als seine Artrenolperfuser.... wir hatten mal eine Kollegin, die konnte stundenlang basalstimulierend waschen, und ihr war es vollkommen schnuppe ob der Perfuser piepte oder nicht,....

    Für den dämlichen Arzt der mich A**** nennt, gibt es den passenden Spruch zurück....ansonsten geht es mir am A**** vorbei ... ich weiss das ich eine gute Pflege mache und ich weiss wie die Station ohne uns A**** aussieht.
     
  8. nursemommy_78

    nursemommy_78 Newbie

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    Erst einmal danke für das Feedback von euch allen...aber nicht dass ihr mich hier falsch versteht (vielleicht war das auch der Grund, warum es zu Miskommunikation mit meiner Kollegin gekommen ist), ich sage nicht dass die Akutversorgung eines kreislaufinstabilen Patienten z.B. zugunsten einer aktivierenden Ganzkörperwaschung weichen soll, denn das Überwachen der Vitalfunktionen des Patienten und das Reagieren auf Veränderungen gehört zur Hauptaufgabe der Intensivpflege-
    was ich meine ist, nehmen wir das Beispiel eines Patienten mit akuter Dyspnoe unklarer Genese...meine Kollegin würde jetzt sofort medikamentös intervenieren (natürlich nach vorheriger Absprache mit dem Arzt!!!), während ich zum Beispiel meinen Doc informiere, dann darauf achten würde, dass der Patient meine Anwesenheit und meine Ruhe spürt und dass er die Sicherheit bekommt (immer schön im Blickfeld die Sättigung und O2-Versorgung), dass ihm geholfen wird, dann würde ich erst einmal an Lagerung denken (Oberkörper-Herzbettlage, z.B.) und dann nach Angaben vom Doc Inhalation, Medis etc. ... und das meine ich mit pflegerischer Arbeitsethik.
    Und was das Setzen von Prioritäten angeht, ist mir auch klar dass angeordnete diagnostische und therapeutische Maßnahmen Vorrang haben, aber ich fühle mich mit den Arbeiten die die Pflege übernimmt einfach teilweise überfordert, denn vielerorts höre ich dass es Stationshilfen/Pflegehelfer gibt, die zur Entlastung der Schwestern eingestellt werden, nur sowas haben wir halt nicht...was mich nur traurig macht ist eben die Tatsache dass von oben runterdelegiert wird (BEs u.s.w.) und wir alles machen müssen und nicht die Möglichkeiten finden auch Sachen runterzudelegieren-
    aber wahrscheinlich könnt ihr euch das nicht so vorstellen, weil ihr nicht die Strukturen habt wie unsere ITS ;))
     
  9. pflegeschüler1988

    pflegeschüler1988 Poweruser

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    Hallo,

    1. ist die Pflege keine eigenständige Profession, weil wir keine berufliche Autonomie haben, 2. keine nach wissenschaftlichen kriterien ausreichende theorie und praktische Wissen haben, wir erfüllenzurzeit nur die Gesellschaftlich Aufgabe.
    So man muss natürlich die Frage stellen, wie überlebensfähig ein Pat auf einer ITS ohne Pflegekraft ist.
    Wir haben Pflegehelfer usw, trotzdem läuft nicht immer alles rund.
     
  10. monaluna

    monaluna Poweruser

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    doch kann dich verstehen, das ist ja das grösste Problem was die Pflege hat, sie nimmt alles von oben an, gibt aber nichts ab.... so wie du das schilderst finde ich dein Verhalten absolut richtig und lobenswert in dieser Situation...
    ich finde es ist halt wichtig das die Pflege vom Bestellen der Pflegeprodukte, einräumen des Bestellten, putzen des Lagers etc, Laufwege entlastet werden sollten... wir haben das Glück das wir dafür nen Aussendienst haben das macht vieles leichter
     
  11. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Ich habe schon verstanden was Du meinst.

    Bei einer akuten Dyspnoe unklarer Genese oder z.B. einer tachycarden AA (nicht chronisch, sondern plötzlich auftretend z.B. postOP ) ist nicht nur das, was ich auf dem Monitoring sehe wichtig, sondern vorallem auch der Mensch, der da liegt. Ich bleibe in solchen Situationen immer beim Patienten/in. Immer!
    Dabei rede ich mit ihm beruhigend, halte die Hand u.a. Gleichzeitig tupfe ich z.B. bei Kaltschweißigkeit die Stirn, setze umgehend eine O2- Maske auf oder schaue nach Fehlerquellen und/oder erhöhe je nach Status den O2, rede die ganze Zeit weiter beruhigend mit ihm -gleichzeitig schweift mein Blick über alle Gerätschaften und Medikamente u.a. Direkt ohne Zeit zu verlieren nehme ich eine BGA ab und reagiere, wenn die letzte BGA noch nicht so lange zurückliegt. Eine BGA einspritzen nur dann, wenn es die Situation ermöglicht, ansonsten bitte ich um Hilfe (Kollege, Aussendienst u.a.).

    Häufig sind die Patienten zentralisiert und eine adäquate Sättigung ist nicht wirklich zu messen. Daher liegt die Begründung darin gleichzeitig eine BGA abzunehmen.
    Einen Arzt und Medikamente brauche ich nur dann, wenn die BGA dementsprechend ist und wenn der Patient sich nicht erholt.
    tachycarde AA: Flüssigkeitsbilanz und E-lyte sowie Aufregung, Vorgeschichte, Begleiterkrankungen u.a. alles wird gleichzeitig in Betracht gezogen.

    Aus Erfahrung heraus kann man durchaus mit Medikamenten reagieren. Allerdings nur diese, die üblich und angeordnet sind bzw. die man sowieso prophylaktisch mit dem Arzt z.B. am Anfang der Schicht abgesprochen hatte. Falls eine Änderung des Status, der Werte vorliegt bzw. der Zustand des Patienten sich grundsätzlich so stark verschlechter, dann reagiere ich ungeachtet der vorherigen prophylaktischen Absprachen, der Anordnungen u.a. und teile dem Arzt umgehend die Veränderung mit.

    In solchen Situationen kann es manchmal dann doch kritischer werden.


    Es ist dann allerdings immer möglich einige, viele Elemente aus der Basalen mitreinzubringen. Es geht ja dabei nicht nur um die Wascherei. Dies ist nur eine Möglichkeit.

    Ich persönlich wende grundsätzlich Kinästhetik, Basale Stimulation und Bobath an. Basale Waschungen mache ich nur dann, wenn wirklich Zeit ist und der Patient z.B. Langlieger und eh stabil ist. Einen instabilen Patienten basal zu waschen ist in meinen Augen nicht ganz so das Optimalste.

    Zum Schluss:

    Der Patient/in bestimmt letztendlich das Geschehen und natürlich die Umgebung. Es ist schwierig z.B. im kardiochirurgischen Bereich die komplette Basale Waschung durchzuziehen. Es ist oft nicht möglich. In meiner Laufbahn begegnete mir eine Stationsleitung auf der HCH- IPS, die konnte im laufenden OP- Betrieb und laufenden Visiten sogar noch anfangen einen Patienten von 3 im Frühdienst basal zu waschen mit zwanzigtausenden von Handtüchern u.a. Sie konnte dadurch oft nicht mehr den Rest der Arbeit erledigen. Die restlichen 2 Patienten blieben dann an den Anderen hängen. Das ist auch nicht ganz optimal.
    Ich weiß, wie es ist SL auf einer IPS zu sein. Allerdings Patienten in Gefahr zu bringen, nur um die Basale Waschung durchzuziehen, ist für mich wirklich nicht in Ordnung.
     
  12. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich gehe mit dir jede Wette ein, dass du fast immer eine Basale GKW durchführst.
    Oder baust du nie eine Beziehung zu deinem Pat. auf? Begegnest du dem Pat. net im Hier und Jetzt?? Gibst du ihm net das Gefühl der Sicherheit? Kann der Pat. kein Vertrauen zu dir aufbauen? Gestaltest du die Situation net so, dass der Pat. sie erkennen kann und weiß was da mit ihm passiert? Versuchst du nie im Rhythmus des Pat. zu bleiben? ...

    Trenn dich von der Haarwuchsrichtung. Es gibt keinerlei Studien die nachweisen, dass die Haarwuchsrichtung die Wunder vollbringt. Wenn dem so wäre, dann hätten wir längst statt Schlaftabletten weiche Fellhandschuhe im Schrank liegen und morgens würde mit der Wurzelbürste und kaltem Wasser gearbeitet werden. Jemanden zu beruhigen oder munterer zu machen- dazu gehört mehr als mit oder gegen den Strich zu waschen.

    Elisabeth
     
  13. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    @elisabeth: Du kennst nur die alte BS- Waschung gegen die Haarwuchsrichtung?
    Hast Du mein posting richtig durchgelesen?
     
  14. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich war an dem satz hängen geblieben:
    Ich finde die "alten Waschformen" einfach überholt. Sie implizieren: nur wer etwas besonderes macht, der pflegt basal. Wie schon geschrieben:
    .
    JEDE GKW die mit Empathie durchgeführt wird, ist eine basale GKW. Es ist völlig irrelevant, welche Haarwuchsrichtung man da benutzt.

    Es geht in dem Konzept, wenn man Fröhlich folgt, ja eigentlich auch net um Therapie im Sinne von Beruhigung und "Aufwecken". Es geht um die Förderung der eigenen Kompetenzen. Und da braucht der eine intensivere Informationen, für den anderen sind intensive Infos eher kontraproduktiv. Ich finde, wenn man das Konzept schon mit der Medizin verbinden muss, dann sollte man net die patholog. Sichtweise wählen sondern die salutogenetische.

    Aber nun kommen wir wohl weit vom Thema ab.

    Zum Thema: Den Wert der eigenen pflegerischen Arbeit für die Genesung des Pat. wird oft weit unterschätzt sowohl von den Pflegekräften selbst als auch von den Medizinern. Vielelicht liegt da auch mit eine der Ursachen, dass sich so mancher mit den Grundpflegetätigkeiten nur schwer anfreunden kann.
    Wobei ich ja immer denke, es ist einfacher eine Distanz zum Pat. zu wahren, wenn ich mich mehr dem medizinischen Aspekt verhaftet fühle. Nähe kann sehr schmerzvoll werden, wenn es keine Möglichkeit gibt, bestimmte ethische Probleme offen ansprechen zu können- z.B. in einer Supervision. Hinzu kommt der hohe Anspruch an sich selbst. Man glaubt immer stark sein zu müssen. Da haben Emotionen oft keinen Platz. Pflegekräfte aus der Peripherie beschreiben Intensivler net selten als kalt.

    Arbeitsethik zu betrachten bedeutet wohl auch zu schauen: warum reagiert jemand so wie er reagiert. Die allerwenigsten dürften wohl schon mit dem Vorsatz in den Beruf gegangen sein. Am Anfang stand bei allen die Empathie.

    Elisabeth
     
  15. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Hallo Elisabeth,

    o.k. - nun verstehe ich Dich auch viel besser.

    Ich bezog mich bei basaler Waschung allerdings nicht so unbedingt auf die Technik u.a., sondern wohl mehr auf den zeitlichen Rahmen.

    Ich sehe es ähnlich wie Du mit der Empathie bei jeder Waschung. Allerdings bleibt selbst dafür oft keinerlei Zeit und kann auch die Pflegekraft selbst in eine belastende Situation führen.

    In Bezug auf die Arbeitsethik passt sehr gut "...am Anfang stand immer die Empathie..."

    Es ist dieses allseits bekannte " Helfersyndrom" woran so Einige in der Pflege scheitern und ihren Job aufgeben.
    Das Burnout kann durchaus die Folge dessen sein.

    Ich bin aus Berufung in diesem wundervollen Beruf. Ehrlich: Ich könnte mir nichts Anderes mehr vorstellen. Es ist allerdings so, dass ich auch Herrausforderungen brauche und ebenso benötige ich persönlich auch Kollegen/innen um mich herum, die ähnlich denken wie ich. Denn es gibt aus Erfahrung heraus nichts Schlimmeres, als wenn dem nicht so ist.

    Das Problem gerade im Anästhesie- und Intensivpflegebereich sind die stetig steigenden Anforderungen an die Pflegekräfte und anderen Berufsgruppen, wie z.B. Physiotherapie, Ärzte, u.a. Die Pflegekraft steht schon seit eh und je in einer Art Rollenkonflikt. Allerdings ist es empfehlenswert tatsächlich nicht Alles an sich heranzulassen und sich durchaus auch mal zu sagen : " Ich kann es nicht jedem Recht machen. Ich bin auch nur ein Mensch.

    Auf die richtigen Prioritäten kommt es an!
    Dort wo Menschen zusammentreffen und vorallem zusammenarbeiten wird es immer unterschiedliche Auffassungen geben. Das ist auch gut so.
    Allerdings hört es dann auf, wenn der Kollege xyz noch nicht mal ausreichend seine Aufgaben erfüllt und dies damit ausgleicht in dem er Unfrieden stiftet bis hin zum Mobbing. ...und nur um von sich selbst und seinen eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Aus einer ggfs. Angst heraus den Job zu verlieren oder nicht mehr beim Chef gut dazustehen, weil der Andere könnte ja durch seine hervorragende Arbeit auffallen und und und.
     
  16. Miriae_

    Miriae_ Newbie

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    Zurück zum Thema.

    @ nursemommy_78:
    Ich kenne deine Problematik.
    In meiner Ausbildung war immer ich die jenige, die gelaufen ist - unser Haus hat jetzt Abhilfe geschaffen mit der Anschaffung einer Rohrpost "Blitzbüchse" - eine wirkliche Zeitersparnis, so lange sie nicht verstopft ist.
    Ansonsten hatten wir auf unserer ITS neben der Stationssekretärin auch immer Zivildienstleistende.
    Unsere Sekretärin übernimmt die Lagerarbeiten und die notwenidge Bürokratie, holt Erykonzentrate oder sonstiges ... Sehr angenehm.
    Normalerweise ist sie Vormittags da und am Nachmittag kommt nochmal wer.
    Jetzt, da die Regierung den Grundwerhrdienst abgeschaffen hat, haben wir deutliche Probleme.
    Die ehemals zwei Zivildienstleistenden - einer auf der ITS, der andere im AWR - werden jetzt durch einen ersetzt, er ist jetzt als "Stationshilfe" eingesetzt.
    Doch so jemanden muss man ja auch erstmal finden ... Ich bin gespannt, wie das jetzt weitergeht.

    Zu deiner Diskussion bzgl. dem "Bild der Pflege", ich habe eine solche Gott sei Dank nicht im Team, wir sind uns da alle einig, dafür eher im Bekanntenkreis.
    Dort ist das Bild weit verbreitet, dass eine Schwester nur zum A**** auswischen da ist und ehrlich gesagt bin ich müde geworden unser Berufsbild jedesmal aufs Neue zu erläutern.
    Es wird eh nicht gelernt, so lange sie nicht selbst einmal mit dabei waren.

    Einfaches Beispiel:
    Im Mai letzten Jahres ist mein Opi plötzlich verstorben, vorher lag er eine gute Woche auf einer ITS eines Uniklinikums, beatmet und hoch katecholaminpflichtig mit den daraus resultierenden NW.
    Bei der Beerdigung habe ich - gerade von meinen Eltern und meinem Onkel - das Feedback bekommen, dass mein Beruf sehr umfassend ist und schwierig und natürlich auch die Hochachtung davor, müssen wir ja nicht nur pflegen können, sondern eben auch medizinisches Hintergrundwissen besitzen!

    Und natürlich kommen oft blöde Kommentare, wie unser Gyn. im OP sagte: "Nur eine tote Schwester ist eine gute Schwester."
    (Eigentlich hätte ich ihn den VW auf Station alleine machen lassen sollen)
    Doch wie oft kommt es vor, dass wir Pflegende direkten Einfluss auf die Behandlung haben können und einfach mal den Denkanstoß geben: "Hören sie mal Dr. ..., wir könnten bei dem Herren doch auch mal das probieren ...."

    Ich gebe mittlerweile nichts mehr auf unqualifizierte Aussagen von Personen, allerdings weiß ich nicht, wie ich reagieren würde, wenn eine solche Diskussion zwischen Kollegen aufkommt.
     
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