Arbeitgeber-Wechsel: Ja oder Nein?

YoungCare

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Liebes Forum, ich merke gerade das ich psychisch echt down bin. Habe vor einem halben Jahr angefangen zu arbeiten in einem großen Klinikum, auf meiner Station sind einige Stellen nicht besetzt und wir arbeiten auch ständig unterbesetzt. Ich persönlich finde das ist gefährliche Pflege. Ich habe oft Angst Fehler zu machen, gerade solche die verehrende Folgen haben können. ich möchte hier nicht rumheulen, da ich weiß das es damit überall Probleme gibt. Auch wird permanent der Dienstplan geändert oder man wird im Urlaub/ frei kontaktiert . Auf der einen Seite will nicht hinschmeißen, habe aber auch bedenken irgendwann innerlich zusammen zu brechen. Ich scheue nicht die Arbeit, kann auch mit Stress umgehen aber finde die Arbeitssituation echt verehrend.

Ich habe mich heute Initiativ bei einem Unternehmen mit Intensivpflege WG und Palliativ Care beworben.

Ging es euch auch schonmal so? Habt ihr gewechselt ? Was könnt ihr mir raten ?
 
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Martin H.

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Ich war auch lange Zeit in der Klinik tätig und hatte dort auch echt schöne Zeiten erlebt. Aber so ab Anfang der 2000er wurde es kontinuierlich immer schlechter, ganz ganz langsam und schleichend wurden Stellen abgebaut, gleichzeitig die Arbeit immer belastender (immer schnellerer Patientendurchlauf, keine Rücksicht durch die Ärzte etc.)
Ich bin dann irgendwann aus meiner einstmals geliebten Klinik raus, nach einem Intermezzo an einer Altenpflegeschule ging ich in die ambulante Intensivpflege, allerdings in die 1:1-Versorgung (nicht WG).
Das waren auch teilweise schöne Jahre, wobei auch hier bei uns der Personalmangel irgendwann durchschlug und die Dienstpläne immer unabwägbarer wurden.
Bin schließlich vorletztes Jahr ganz raus aus der Pflege und arbeite nun in der Suchthilfe. Hier hab ich verlässliche Dienstpläne, so daß auch Freizeit wieder gut planbar ist.
 

YoungCare

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Danke für deine Antwort Martin. Da ich noch Berufsanfänger bin würde ich vorerst doch noch im pflegerischen Bereich bleiben wollen. Auf Blick in die Zukunft werde ich mich beruflich weiterentwickeln. Ich für mich persönlich sehe mich keine 10 Jahre am Patientenbett stehen, auch wenn das traurig ist. Aber ich spüre einfach das mir das alles nicht gut tut.
 

alesig

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Ich kann deine Gefühle gut verstehen, vor allem als Berufsanfänger. Ich habe erst nach 20 Jahren und einer Erkrankung eingesehen, dass ich was ändern muss. Ich habe sehr gerne auf meiner Station gearbeitet. Die Klinik war so nah an meiner Wohnung dass ich mit dem Rad fahren konnte.
Dann hat die Leitung und die PDL gewechselt. Stellen wurden nicht mehr nachbesetzt,Dienstpläne wurden ohne Absprache geändert,ständig wurde man im Frei oder Urlaub telefonisch belästigt. Meine Überstunden gingen ins unendliche. Da sie nicht in Freizeit ausgeglichen werden konnten, wurden sie ausgezahlt. Wir von der Pflege wurden,münldich, auch noch mit Aufgaben eingedeckt , die absolut nicht zu unserem Job gehörten.
Ich selber kam am Zahnfleisch daher.
Ich konnte weder meine Leitung noch meine PDL ändern, denen es auch noch an Sozialkompetenz mangelte, ich konnte nur mich und meine Einstellung ändern.
Bei einer Teamsitzung habe ich deshalb meinen Unmut über die mangelnde Schichtbesetzung, die Dienstplanänderungen und die Belästigungen im Frei ,geäußert. Dann habe ich erklärt, dass ich nur noch einmal auf den DP schaue,nachdem er genehmigt wurde und dann nicht mehr, Änderungen gibt es nur noch in Rücksprache und mit meinem Einverständis. Telefonisch bin ich ab sofort nicht mehr erreichbar, wer was von mir will, kann mir einen Brief schreiben. Ist meine Schicht unterbesetzt, geht eine Gefährdungsanzeige raus und es sei mir völlig egal, wenn von der Leitung behauptet wird, nur sie dürfe so was schreiben. Meine Schicht meine Verantwortung. Pflegefremde Tätigkeiten,werde ich nur noch machen, wenn sie mir in Schriftform aufgetragen werden und ich dafür Zeit habe.
Ich habe alles durchgezogen. War Anfangs sehr stressig, da sehr viel Gegenwind von den Kollegen kam und mir meine Arbeit erschwert wurde. Nach einem halben Jahr ist dann Ruhe eingekehrt. Ein paar meiner Kollegen haben sich ein Beispiel an mir genommen. Der Dienstplan wurde nicht mehr ungefragt geändert. Der Urlaub war tabu. Auch andere haben Gefährdungsanzeigen geschrieben. Leiharbbeitskräfte füllten die unbesetzten Planstellen. Es wurde wieder festes Personal eingestellt
Mein Vorgehen kann ich nur bedingt empfehlen.Wenn man alleine da steht ist es verdammt schwer die Feindseligkeiten der Kollegen auszuhalten.
Vielleicht könnt ihr euch zusammenschließen und einen Schlachtplan entwerfen wie ihr gemeinsam gegen die Mißstände vorgehen könnt. Wenn die Pflege sich nicht selber wehrt, wird sich nie was änder.
Wünsche dir alles Gute für die Zukunft.
 

Sosylos

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Unterbesetzte Dienste wirst du überall antreffen. Das wird sich so schnell auch nicht ändern.
Mein Handy habe immer auf "nicht stören" eingestellt, und ganz wichtige Personen (Familie und enge Freunde) als Favoriten. Diese Anrufe gehen dann durch, beim Rest sehe ich irgendwann, dass angerufen wurde. Wenn ich dann Lust habe, rufe ich zurück, wenn nicht.......


Ich weiß nicht, ob es für einen Berufsanfänger sinnvoll ist, dorthin zu wechseln. Jedoch mal anschauen schadet sicher nicht.
Auch die ein oder andere Hospitation in einem anderen KH kann helfen, den Blickwinkel etwas zu verändern. Evtl merkt man dann, daß die derzeitige Situation doch nicht so schlimm ist wie gedacht, oder man findet seine Traumstation.
 

InetNinja

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Dazu kann ich dir nichts raten da ich dich nicht als Person kenne und nicht weiß wie du gestrickt bist.

Ich halte es wie Alesig.

Und das ist auch anstrengend. Streitgespräche mit meiner Stationsleitung sind bei mir mittlerweile ein Sport. Meine Kollegen raten mir auch dazu endlich doch den Mund zu halten. Ich werde von den Kollegen nicht direkt angegriffen. Aber ich bin der Querulant.

Wo ich die Kraft dazu hernehme? Ich habe 26 jähre Berufserfahrung. Wovon aber nur 7 in der Pflege sind.
Der Rest waren Kaufmännische Berufe ebenfalls mit Personalverantwortung. Und dort lernt man Arbeitsrecht. Ich weiß es also sogar sehr häufig besser bzw. lass mir kein "U" für eine "X" verkaufen. Ich habe diese Know How und kann mich entsprechend auflehnen. Ich muß auch keine Angst haben das mir das um die Ohren fliegt. Denn mit jedem öffentlichen Sanktionieren schießt sich mein Vorgesetzter selber ins Knie und schafft nebenbei noch ein Präzedenzfall daraus. Kurz um das einzige was ich zu fürchten habe ist viel heiße Luft. Mehr nicht.

Und ich habe ein Dickes Fell.

Ich kann dir nur Raten wenn du lange in diesem Job seien möchtest. Bilde dich in diesem Bereich.
Lerne das Arbeitsrecht und lerne auch die andere Seite. Bilde deine Persönlichkeit.
Das braucht Zeit, es lohnt sich und wird von Tag zu Tag besser.

Schau dir mal Folgende Themen an wenn du magst:
- Was ist das Direktionsrecht?
- Wie wird das Direktionsrecht wahrgenommen?
- Was bedeutet es wenn das Direktionsrecht verwirkt wurde?
- Mein Frei gehört mir.
- Schichtplan Fibel von der Verdi
- Muß ich meinem AG meine Telefonnummer geben?
- Muß ich in meiner Freizeit für meinen AG erreichbar sein?
- Was ist eine Gefährdungsanzeige?
- Gesetzliche Bestimmungen zur Gefärdungsanzeige, bin ich dazu verpflichtet?
- Wer kann eine Gefährdungsanzeige stellen?
- Bezieht sich die Gefährdungsanzeige auslich auf den Patienten oder auch auf mich? Welche Gefährdungen sind anzuzeigen?
- Welche Rechte hat mein AG in einem Notfall, Katastrophe?

Zu diesen Themen findest du hier im Forum reichlich Material.

wenn du das verinnerlicht hast, sind manche Dinge schon etwas leichter.

Werde Gewekrschaftsmitglied


Ich zu meinem Teil:
- habe alle Telefonnummern meine Arbeitsstätte blockiert
- bin für meinen AG nur zu den im Dienstplan vereinbarten Zeiten zu erreichen
- mache sobald der DP ausgehangen ist ein Foto zur Beweissicherung
- komme nur zu den Diensten die ich auf diesem Foto habe
- Änderungen ausschließlich nur wenn ich zugestimmt habe
- lasse meinen AG zur Not auflaufen und halte das aus
- stehe im Kontakt mit meinem Personalrat
- hole mir fachliche Hilfe. Arbeitsrechtlich und Psychisch

Ein paar Mantras:
- Vorhalten ausreichendes Personal ist nicht meine Aufgabe, nicht mein Problem und auch nicht meine Gehaltsklasse.
- Ich lasse diese Aufgaben und Probleme nicht zu meinen machen. Ich hab klar andere Aufgaben.
- WTF bildet der sich ein so mit mir umzugehen?
- Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht.
- Morgen ist ein neuer Tag
 
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Innere Medizin - Covidstation
das Schönste daran: es funktioniert! Ich wurde plötzlich sogar mehr respektiert, aber das kann woanders auch anders sein
 

Maniac

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Schade wie vergiftet die Zusammenarbeit in manchen Teams doch ist...

[Ohne Wertung, neutrale Feststellung meiner Interpretation - nicht nur dieses Thread selbstverständlich]
 
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InetNinja

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Schade wie vergiftet die Zusammenarbeit in manchen Teams doch ist...

[Ohne Wertung, neutrale Feststellung meiner Interpretation - nicht nur dieses Thread selbstverständlich]
Das liegt sehr häufig daran das es von oben so gewollt ist.

Einerseits fehlt schlichtweg die Bildung. Ich war entsetzt das es in der Ausbildung kein Arbeitsrecht gibt und immer nur wage etwas behauptet wurde. Da sieht man woher unser Beruf kommt. Immer noch die dienende, altruistische Schwester.
So kommt es zum Konkurrenzkampf und Bloßstellung wenn sich jemand auflehnt. Gepaart mit einer geringen Konfliktfähigkeit.

Und ein Team welches sich nicht versteht ist schlichtweg leichter handelbar, wenn du dir dann noch einzeln ein paar Stimmungsmacher raussuchst und diese mit wenigen unrelevanten Infos Hochadels und dir sicher seien kannst das diese die Adelung im Team breittreten. Und dann noch am besten Gerüchte streust, Ja dann hast du freie Bahn. Kurz um in ein gutes Betriebsklima wird nicht investiert. Das hab ich in meinem alten Job erlebt. In der Pflege noch nicht so ausgeprägt. Ich kenne auch NLP. Ist übrigens ein interessantes Thema...

Einen guten Arbeitgeber macht aus das er in ein gutes Betriebsklima investiert. Denn das spart Geld und ist nebenbei menschlich. Einige Dienstleister und kleinere Häuser wie Pflegedienste haben das für sich entdeckt
 

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