Arbeiten als 1-Euro-Joberin

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von HoneyBloom, 04.05.2009.

  1. HoneyBloom

    HoneyBloom Poweruser

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    Hallo!

    Gleich vorweg, habe ich nicht genau gewusst in welchem Forenbereich ich meinen Post verfassen soll. Wenn er falsch gesetzt ist, tuts mir leid :-)

    Also,

    ich beginnde im Oktober meine Ausbildung zur GuK.
    Freue mich nach wie vor wie ein Honigkuchenpferd drauf. Leider bin/ oder war ich bis zu der Zeit arbeitslos.
    Jetzt "schlug" mir mein Arbeitsamt vor, dass ich als 1-Euro-Joberin in einem Altenheim anfangen könnte.
    Ich dachte mir, dass die Erfahrung sicher nicht schlecht sein kann. Ausserdem ist es 1000 Mal besser, als daheim zu sitzen.
    Heute begann ich dann meinen ersten Arbeitstag.
    Anfänglich hieß es, dass ich 3x in der Woche 5 Stunden arbeiten sollte.
    Heute morgen wurde mir dann von der PDL gesagt, dass es sich um 5x6 Stunden handle. Ich finds nicht weiter schlimm, da ich wie gesagt, die Arbeit gerne mache. Aber komisch fand ichs dennoch.
    Ich habe bereits Erfahrungen in der Pflege, habe als Heimpflegehelferin gearbeitet und 4 Monate Praktikum in einem KH gemacht.
    Allerdings finde ich, dass ein Altenheim etwas ganz anderes ist und ausserdem jedes Bundesland (war vorher in Kiel)jedes Haus, jede Station etc anders ist.
    Nunja, ich wurde heute dann auf die Station gebracht und einer Pflegerin "an die Hand gegeben". Es war grade Frühstücksausgabe und die Schwester zeigte mir wo alles steht, ging mit mir zu einem Bewohner aufs Zimmer, sagte, dass ich "ihn jetzt füttern soll" und verließ das Zimmer.
    Ich hab mich sehr komisch in dem Moment gefühlt. Ich weiss zwar, wie man einem Patienten Essen anreicht, allerdings kannte ich den Herren noch gar nicht. Weder seine Essgewohnheiten, noch was er selbständig kann und was nicht, etc.
    Ich will jetzt nicht zu weit ausholen.
    Ich habe mich heute etwas verloren auf der Station gefühlt. Zum Abschied sagten sie mir, dass ich morgen dann beim Frühstück allein arbeiten und mir einen Zettel für Notizen mitnehmen soll.

    Ich finde, dass auf jeden fall die Bewohner/Patienten nicht darunter leiden sollen, dass ich "nur" eine 1-Euro-KRaft bin. Deswegen gebe ich mir natürlich trotzdem jegliche Mühe. Aber ich habe grade Zweifel, ob das der richtige Umgang mit einer Aushilfskraft ist.
    Ich möchte keinesfalls hinwerfen. (Ist ja auch grade mal ein Tag vergangen).
    Gibt es denn welche, die auch mal meine Erfahrungen gemacht haben? Als Aushilfskraft gearbeitet haben oder gar in einem Ein-Euro-Job?

    Wie sollte ich mich eurer Meinung nach am besten verhalten, Pflegern, Bewohnern etc gegenüber?


    Achja und eine Frage hät ich auch noch. Ich war bei einer Dame im Zimmer, um Handtücher ins Bad zu legen. Wir hatten angefangen uns nett zu unterhalten. Sie erzählte von ihrem Frisörtermin, ihrem Hochzeitstag vor einigen Tagen mit ihrem vertorbenem Mann und weiterem.
    Als ich wieder aus dem Zimmer kam, fragte mich eine SChwester recht forsch wo ich so lange war und ich teilte ihr mit, dass ich mich mit Frau XY unterhalten hätte. Sie erwiderte nur, dass die Dame eh dement wäre und sie mich für was anderes bräuchten. (Ich durfte dann den Wäschewagen aufräumen...was natürlich auch gemacht werden muss.)
    Kann ich es mir trotzdem "herausnehmen" mal ein paar Minuten mehr mit und für die BEwohner aufzubringen? Oder sollte ich lieber den Schwestern stete rechte Hand sein?

    So, genug Romane geschrieben.
    Ich freue mich wirklich über jeden Beitrag.
    Danke und LG Honey.
     
  2. Marlena

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    Hallo HoneyBloom

    Da stehen mir doch glatt die Haare zu Berge. Ich weiß leider nicht, wie es bei 1-Euro-Jobbern rechtlich aussieht bzw. wie das Arbeitsamt reagieren würde, wenn du etwas aufmüpfig wirst, um es mal salopp zu sagen, aber irgendwie denke ich mir, wenn das Pflegeheim dich als superbillige Kraft bekommt, sollte es nicht so laufen, dass du fix eingearbeitet wirst, dann deinen Part übernimmst und so Geld eingespart wird, die Bewohner aber gar nichts davon haben. Mal davon abgesehen, dass zumindest eine wenige Tage dauernde Einarbeitung doch das Mindeste ist, was du erwarten solltest.

    Meine Pflegeheimerfahrungen sind leider auch nicht die besten. Mein Schülereinsatz in der Ausbildung war noch ganz okay, da waren wir wirklich zusätzlich mit im Dienst. Aufgrund der Personalknappheit haben wir zwar trotzdem ordentlich zu tun gehabt, aber es blieb doch Zeit, mal etwas länger in einem Zimmer zu bleiben. Letztes Jahr habe ich einige Wochen auf 400-Euro-Basis in einem Pflegeheim gearbeitet, und das hat mir gereicht. Immerhin hatte ich einen Tag (Frühdienst) Einarbeitung und dann zwei weitere Frühdienste voll eingesetzt, aber noch eine weitere Examinierte und eine Drittkursschülerin auf Station. Dann kam mein erster Spätdienst: meine Wenigkeit und die FSJ-lerin. Ich dachte echt, ich kipp um. Ich kannte den Ablauf nicht und außerdem sollte ich noch Medikamente für die folgende Woche richten, was ja im Pflegeheim ganz anders abläuft als im KH, weil jeder Bewohner seine eigenen Medis hat. Habe ich nicht gemacht, weil es ewig gedauert hätte und ich es unverantwortlich fand, dass die FSJ'lerin sich alleine um die Bewohner kümmerte. Am nächsten Tag meinte die Stationsleitung, mich deswegen dumm anmachen zu können und außerdem habe ich das Inkontinenzmaterial und die Kleidung für den folgenden Tag abends nicht herausgelegt. Sorry, wusste ich nicht und selbst wenn, auch das war zeitlich nicht machbar, weil alles länger dauerte. Ich bin nun mal kein Typ, der Patienten oder Bewohner überrennt, sondern rede und frage viel und außerdem bin ich von der Psychiatrie aktivierende Pflege gewöhnt. Kurz und gut, ich hatte auch noch ein Gespräch mit der PDL, wir kamen nicht auf einen Nenner und letztlich habe ich gekündigt, weil ich die Arbeitsbedingungen für mich unzumutbar fand und ich ein schlechtes Gewissen gegenüber den Bewohnern hatte. Natürlich ändert sich dadurch nichts, und dieses Pflegeheim hat sogar einen recht guten Ruf, aber ich muss mit einem guten Gefühl nach Hause gehen können, und es gibt Bereiche, wo ich nicht zu Kompromissen fähig bin.

    Übrigens würde ich auch die Stundenerhöhung nicht so ohne weiteres hinnehmen. Hast du einen Vertrag mit dem Arbeitsamt oder mit dem Pflegeheim? Wie gesagt, ich kenne mich mit 1-Euro-Jobs überhaupt nicht aus. Erfahrungen sammeln ist gut und schön, aber lass dich nicht ausnutzen und sag es, wenn dir etwas nicht gefällt. Manchmal steckt gar keine böse Absicht dahinter, und ich denke, gerade das Personal in Pflegeheimen ist oft gestresst und überlastet, aber auch du hast Rechte - und vor allem haben die Bewohner Rechte - gerade an Demenz erkrankte. Wir haben recht oft solche Patienten, die aus dem Pflegeheim kommen, weil sie aggressiv sind oder nachts nicht schlafen und bei uns medikamentös besser eingestellt werden sollen. In ganz vielen Fällen bessert sich der Zustand ohne großen Aufwand, weil wir in der Psychiatrie Zeit für diese Patienten haben - nur leider werden sie dann wieder in ihr Heim entlassen, wo diese Zeit nicht da ist. Ich möchte hier sicher niemanden schlecht machen, der im Pflegeheim arbeitet, ich könnte es nicht wegen diesem wahnsinnigen Zeitdruck und der engen Personalsituation, aber es ist verdammt traurig, wie die Gesellschaft mit alten Menschen umgeht, die auf Hilfe angewiesen sind.

    Marlena
     
  3. Fearn

    Fearn Poweruser

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    Für 1 Euro Jobber gibt es gesetzliche Bestimmungen.
    Die dürfen/müssen nur 120 Stunden pro Monat eingesetzt werden.
    Mehr als 120 Stunden bezahlt das Amt nicht. Du kannst also leicht nachrechnen, wann Deine 120 Stunden voll sind im Monat.

    Liebe Grüße Fearn
     
  4. Susanne Huber

    Susanne Huber Stammgast

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    Soweit ich informiert bin, dürfen 1 Euro Jobber nur dort eingesetzt werden, wo sie keinem anderen einen Arbeitsplatz wegnehmen.
    Es sollen also Tätigkeiten sein, die zusätzlich erbracht werden.

    Hier scheint mir das aber nicht so zu sein. Du scheinst hier eine Helferin zu ersetzen.


    Von den Gefahren, die davon ausgehen, wenn ein Helfer alleine Essen eingibt, dem das noch nicht mal gezeigt wurde, will ich jetzt gar nicht sprechen...

    viele Grüße Susanne
     
  5. maira

    maira Junior-Mitglied

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    Hallo

    ich muss meinen Vorrednerinnen anschliessen. Es ist rechtlich weder zulässig noch darfst du nicht mehr machen. Auch das mit dem Essen geben, dürftest du im Beisein einer Schwester /o. Altenpflegerin nicht. Eigentlich sind nur Tätigkeiten zu machen, wie Spazierengehen im Gelände mit wirklich gut gehenden Bewohner, Essen verteilen, Bettwäsche sortieren, hauswirtschaftliche Tätigkeiten etc.
    Ich weiss wie du dich fühlst, du möchtest trotzdem eigentlich mehr machen, darfst es eigentlich rein rechtlich gesehen nicht, aber hast trotzdem Mitleid, oder was auch immer, und machst es doch.

    Mir ging es letztes Jahr genauso, die haben mich auf eine feste Essentour eingeteilt, 1 Pat. davon MS im Endstadium, sodas dieser gefüttert werden muss. Zivi s haben das ungerne gemacht, weil seine Artikulation nicht sonderlich verständlich war, und auch ständig die Protese herausfiel. Ich war halt der Depp und habs gemacht, am Wochenende musste ich sogar meine Kinder mitnehmen. Ich bin zum AA und hab denen die Mitteilung gemacht. seither werden dort keine 1-€ Jobber mehr eingesetzt.

    Mit mir fing damals auch ein junger Mann an, der sagte gleich nach dem ersten tag, er kann nicht mit Behinderten umgehen und konnte ohne Sanktionen diese ........ verlassen.

    Echt schwierig.
     
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