Anwesenheit bei der körperlichen Untersuchung

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Brady, 04.09.2006.

  1. Brady

    Brady Gast

    Hallo zusammen,

    habe mal eine Frage. Wenn bei uns der Arzt (Psychiatrie) einen Patienten körperlich untersucht, verlangt er das Zugegensein einer 2ten Person, was dann einer vom Pflegepersonal ist.

    Wie schaut es bei euch aus? Wie ist die rechtliche Situation? Kann mir da jemand was nennen? Uns wird immer erklärt zum Schutz des Arztes, wegen eventueller unbegründeter Behauptung von Übergriffen....seites des Patienten.
    Stimmt das so? Wie wird es bei euch gehandhabt?

    Natürlich ist es oft für einen Patienten unangenehm wenn eine 2te Person dabei ist, zumal sie dann auch nicht immer gleichgeschlechtlich ist.
    Manchmal aber auch, beruhigt es den Patienten die Pflegeperson bei sich zu haben die er schon besser kennt.

    Wobei es bei uns in der Psychiatrie-Psychotherapie weniger üblich ist den Patienten nackt zu sehen.

    Dann ist es da auch oft ein Planungsproblem, wenn jemand einfach von der Pflege abgerufen wird und dort bei der Untersuchung teilnimmt....bzw. beisitzt. Was auch zu Irritationen führt....jemand sitzt so dabei......Es entsteht natürlich auch der Eindruck der Arzthelferin....
    Aber das ist jetzt nicht meine Frage....

    Liebe Grüße Brady
     
  2. catweazle

    catweazle Poweruser

    Registriert seit:
    02.03.2004
    Beiträge:
    1.003
    Zustimmungen:
    3
    Beruf:
    Krankenpfleger
    Ort:
    Münster
    Mein Vater (Dermatologe) mußte auch immer beim Lasern einen Anstandswauwau mit in die Kammer nehmen. Mit eben der Begründung mit Übergriffen...
     
  3. Philipp Tessin

    Philipp Tessin Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    02.04.2006
    Beiträge:
    191
    Zustimmungen:
    6
    Beruf:
    PDL, Leadership in der Pflege
    Ort:
    Iserlohn
    Akt. Einsatzbereich:
    Krankenhaus
    Funktion:
    PDL
    1. Man kann das ganze ja auch andersherum sehen: Als Schutz für den Pat.!
    Wer sagt denn, dass ein Arzt nicht den Pat. belästigt, bedrängt o.ä.? Oder vielleicht belästigt ja ein Pat. eine junge, hübsche Assistenz- Ärztin bzw. diese behauptet das.
    Ich finde diese Regelung vernünftig, und zwar für alle Beteiligten.
    Daraus ergibt sich dann 2.
    Schaffung einer Situation, die für den Pat. minimal belastend ist und seine Intimsphäre maximal schützt. Wo sich für mich die Frage aufdrängt: Wieso ist es nicht möglich, eine gleichgeschlechtliche Pflegekraft bereit zu stellen? (kein Vorwurf, nur Interesse!)
    Mangel an dementsprechenden Personal?

    Rechtlich wird die Anwesenheit imo nicht vorgeschrieben sein, aber im Zweifelsfalle ist man dann eben abgesichert.
    Und es stellt sich die Frage: muss das jemand vom Pflegepersonal sein? Theoretisch sicherlich nicht, aber gibt es Alternativen? z.B. ein zweiter Arzt.
    Und grundsätzlich: warum muss sich ein psychiatrischer Pat. komplett entkleiden? (ich hab allerdings keine Ahnung von Psychiatrie!)
    Gruß
    Philipp
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    In der Somatik wird nicht selten berichtet, dass Pflegekräfte von Aufklärungsgesprächen ausgeschlossen werden- bei der Diagnostik müssen sie aber anwesend sein.
    Ergo gehts wohl nur um die Persönlichkeitsrechte - und ich wage mal zu behaupten, es geht meistens mehr um die des Docs als um die des Pat.. Hinzu kommt, dass man als Doc einen Handlanger (Schreiber u.ä.) zur Hand hat.

    Elisabeth
     
  5. MagicM

    MagicM Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    12.04.2005
    Beiträge:
    67
    Zustimmungen:
    0
    Schutz des Pat. oder des Arztes ok, die Gründe sind ja im Prinzip eindeutig.

    Leider verwechseln die Docs das dann meist, oder versuchens immer wieder, gerade bei neuen/jungen Kollegen und ehe man sich versieht ist man der Lakai...

    Glaube mich zu erinnern, dass so ein Thema mal in Examensfragen aufgetaucht ist, meine das war bezogen auf Gyn., warum da bei einer Untersuchung eine Pflegekraft dabei sein sollte... Begründung war neben Beruhigung der Patientin unter anderem auch die rechtlich Absicherung des Arztes - als Zeuge praktisch.
    Was ich aber bei uns auf der Gyn gesehen habe, ähnelde allerdings eher der Aufgabe eines Handlangers (Notizen, Anrufe, Saubermachen etc.) Hätte nur noch der Kaffeebringdienst gefehlt :mryellow:
     
  6. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    27.07.2005
    Beiträge:
    13.280
    Zustimmungen:
    63
    Beruf:
    FGuKP I&I, Praxisanleiterin DKG,Wundassistent WaCert DGfW, Rettungsassistentin, Diätassistentin
    Ort:
    München
    Akt. Einsatzbereich:
    HOKO
    Funktion:
    Leitung HOKO
    Hallo Brady,

    bei uns ist es mittlerweile üblich, dass noch jemand mit dabei ist.
    Grund war, dass eine Patientin angab, dass ihr ein Arzt während einer körperlichen Untersuchung zu nahe kam.
    Es gab grossen Ärger, der Arzt wurde geküngit.

    Seit der Zeit ist immer eine Anstandsdame bei den Untersuchungen dabei.

    Liebe Grüsse
    Narde
     
  7. Brady

    Brady Gast

    Hallo Philipp Tessin,

    Psychiatrische Patienten werden alle bei uns körperlich-neurologisch
    untersucht damit:

    1. keine körperliche Ursachen vorliegen die diese Erkrankung auslösen
    können.

    2. nichts bei psychosomatischen Beschwerden/Schmerzen der
    Patienten übersehen wird.

    3. da viele Patienten aus dem Krankheitsbild heraus jahrelang nicht mehr
    einen Arzt aufgesucht haben, z.B. bei sozialer Phobie, bei Depression,
    oder bei Persönlichkeitsstörungen, usw.

    4. oder Borderlinepatienten die sich an vielen Körperstellen schneiden. Wo
    es oft da zutage kommt....dass es sich um einen Borderliner handelt.

    5. dokumentiert ist was der Ausgangspunkt ist, damit Symptome oder Erkrankungen
    die eventuell später dazukommen eingeordnet werden können.

    Bei Interesse habe ich noch das Formblatt zur körperlichen Untersuchung hier reingestellt. Damit man mal schauen kann, was in der Psychiatrie so untersucht wird *g*.


    Liebe Grüße Brady
     

    Anhänge:

  8. Savannah

    Savannah Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    01.03.2006
    Beiträge:
    63
    Zustimmungen:
    2
    Beruf:
    Fachkrankenschwester Psychiatrie
    Ort:
    Ruhrgebiet
    Hallo Brady,

    auch bei uns ist bei der körperlichen Untersuchung von Patientinnen eine weibliche Pflegende mit anwesend.
    Ich arbeite mit suchtkranken Menschen und oft steckt hinter der Sucht von Frauen eine Missbrauchsgeschichte.

    Wir möchten durch die Anwesenheit einer Frau die betroffenen Frauen schützen und ihnen schon in der Aufnahme signalisieren, dass wir ihre Grenzen und Körperlichkeit respektieren.
    Diese Grenzen haben sie häufig nicht mehr wahrgenommen, sich demütigen lassen und auch prostituiert.

    Ich empfinde meine Anwesenheit in der Aufnahme als Beziehungsangebot und symbolischen Schutz.
    Für mich empfände ich es übrigens auch angenehmer...

    Zeitlich planen wir es dementsprechend mit ein, bekommen so einen Grossteil der Anamnese mit und sparen dadurch Zeit.

    Lieben Gruss
     
  9. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    07.06.2006
    Beiträge:
    153
    Zustimmungen:
    3
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    NRW
    Akt. Einsatzbereich:
    fakultativ geschlossene sozialpsychiatrische Sektorstation
    Funktion:
    stellvertretende Leitung
    Hallo!


    Bei uns wir die körperliche Untersuchung auch immer begleitet...


    Bei männlichen Pat. begleiten Männer und eben andersrum ...

    Wenn z.B. kein Mann zur Verfügung steht bei uns auf Stat., wird auf einer anderen gefragt oder auf den folgenden Dienst gewartet....


    Ich hab von vielen Pat. schon die Rückmeldung erhalten, das sie sich sicherer gefühlt haben, denn meist ist das auch so, das die begleitende Kraft auch die aufnehmende Kraft ist, so das der Pat. einen schon kennt.

    Allerdings nehmen es nicht alle Ärzte bei uns das so genau mit dem begleiten und sind oft auch verwirrt, wenn ich frage ob ich mit soll.....


    Lieben Gruss :mryellow:
     
  10. Philipp Tessin

    Philipp Tessin Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    02.04.2006
    Beiträge:
    191
    Zustimmungen:
    6
    Beruf:
    PDL, Leadership in der Pflege
    Ort:
    Iserlohn
    Akt. Einsatzbereich:
    Krankenhaus
    Funktion:
    PDL
    Die Argumente, als Arzthelferin missbraucht zu werden, besteht ja bei jeder Tätigkeit, die mit einem Arzt/ einer Ärztin zusammen ausgeführt werden. Deswegen hatte ich die ganz bewusst nicht angeführt, weil das eher ein allgemeines Problem ist.
    Ansonsten finde ich, anhand der Beiträge, ist eine Anwesenheit einer Zweitperson schon sinnvoll.
    Philipp
     
  11. Brady

    Brady Gast

    Hallo Philipp Tessin,

    das habe ich auch nicht so geschrieben, schrieb vom Eindruck der dadurch entsteht.
    Allem anderen stimme ich zu, da mir die Argumente dafür klar sind.

    Gruß Brady
     
  12. Philipp Tessin

    Philipp Tessin Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    02.04.2006
    Beiträge:
    191
    Zustimmungen:
    6
    Beruf:
    PDL, Leadership in der Pflege
    Ort:
    Iserlohn
    Akt. Einsatzbereich:
    Krankenhaus
    Funktion:
    PDL
    Stimmt.
    Der Einwand bezog sich eher auf Magic Ms Posting.
    Entschuldigung für meine Undeutlichkeit. ;)
    Philipp
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Anwesenheit körperlichen Untersuchung Forum Datum
Studium Pflegemanagement ohne Anwesenheitspflicht Pflegestudium: Voraussetzungen, Studieninhalte, Studienorte 15.11.2014
Anwesenheitsbonus Talk, Talk, Talk 09.11.2009
24 Stunden Anwesenheit eines Arztes auf ITS? Intensiv- und Anästhesiepflege 15.05.2008
Anwesenheit von Angehörigen während der Reanimation Interdisziplinäre Notfälle 11.03.2007
Suche: Urteil bezgl. Anwesenheit von Eltern im OP o.ä. OP-Pflege 15.09.2005

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.