Angst vorm Sterben eines Patienten - Wie geht Ihr damit um?

Dieses Thema im Forum "Ambulante Pflege / Private Kranken-Altenpflege zu Hause" wurde erstellt von lafamilia, 22.09.2011.

  1. lafamilia

    lafamilia Newbie

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    Hallo ihr Lieben,

    ich bin durch Zufall auf euch gestossen und hoffe sehr ihr könnt mich mit meinem für mich sooo unendlichen Großen Problem ein wenig Helfen :(

    Vor 3 tagen war ich bei meiner Patientin, ich hatte eine Praktikatin dabei, diese sollte dann die Pat. duschen. Also habe ich meine Pat. erstmal auf Toilette gebracht und in der zwischenzeit meiner Praktikatin erklärt was sie alles machen muss...

    Dreh mich dann um sehe das meine Pat. auf der Toilette einen schlimmen Krampfanfall bekommen hat, mit Augen verdrehen unkontrollierten Bewegungen usw... hab dann meine Praktikatin den Notrufknopf drücken lassen... also Sanis waren dann auf dem Weg ... in der Zwischenzeit kam sie kurz zu sich sprach irgendwas verwaschenes ... und dann kam es zu noch einem Anfall bei dem Sie dann auf Kopf gegen die Wand geschlagen hat, hab dann schnell ein handtuch dazwischen geklempt das Sie sich nicht weh tut und mich eben vor die Toillete gestellt.

    Dann holte Sie ziemlich tief und Laut einen Atemzug... Atmet allerdings nicht mehr aus in dem Moment wo das passiert ist...ist Sie auch Grau angelaufen und streckte die Zunge raus... ich nur ey Sch... Sie stirbt mir jetzt was mach ich was mach ich...und dann kam auch schon so nach 1 - 2 min als wäre Sie im tiefschlaf und würde Schnarchen ... naja kurzfassung Sie kam wieder zu sich atmete und war auch wieder ansprechbar... Sanis kamen haben Sie NICHT mitgenommen und ja.

    Ich hätte beinahe einer Patientin beim Sterben zu sehen müssen, und ich sags euch das Sterben sowieso ist für mich ein ganz sensibles Thema.

    Hab seit dem jeden Tag ANgst irgendwo rein zu gehen und einen Toten zu sehen, habe Angst nochmal zu zusehen wie jemand hier fast stirbt.

    Was macht man nur dagegen, Tote hab ich schon gesehen war auch immer schlimm für mich.

    Wie macht ihr das??
    Wie geht ihr damit um?
    Wie verarbeitet ihr das?

    Was kann ich machen das mich dieses Ereigniss nicht den Boden unter den Füßen wegzieht??

    Ich Danke euch und hoffe Ihr versteht mich um was es mir geht

    Liebe Grüße
     
  2. Nordlicht

    Nordlicht Poweruser

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    Hi!
    da hätte ich doch mal Fragen:
    1. wieso alleine? bist Du Einzelkämpfer oder steht hinter Dir ein PD, der eine Leitung hat, die Dich auffangen kann?
    2. Das Sterben/der Tod gehört in unserem Job dazu. Ich kann an Deinem Profil nicht sehen, welche Funktion Du hast, aber in der Ausbildung muß das doch schon thematisiert worden sein, oder?
    3. Jeder kommt in Situationen, wo er an seine Grenzen stößt und die können auch nach momentaner persönlicher Lage wechselnd sein. Wichtig ist, dass Du jemanden hast, der Dich dann auffängt (s.Punkt 1)
    4. Wieso nimmt der RTW eine Pat. nach Krampfanfall nicht mit....?

    Lieblingsspruch meiner ehemaligen PDL: "Wenn Sie durch diese Tür gehen, wissen Sie nie, was Sie erwartet!"
    Stimmt ja auch, besonders bei Dementen it es ja auch immer ein erlebnis...
     
  3. lafamilia

    lafamilia Newbie

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    In dem Moment wo ich die Haustüre öffne bin ich alleine. Nur der Patient und ich, war für mich in diesem Moment ein sehr schlimmer Moment

    Ja, natürlich wurde es das, aber ich kann mich leider für mich selber nicht auf sowas vorbereiten ich bin da eher in meiner Rosa-Roten-Blase


    Das habe ich aber irgendwie hilft mir das nicht, ich habe mir wirklich überlegt das ich ins Hospitz gehe ehrenamtlich...ich weiß das das Sterben nichts schlimmes ist, aber ich komm damit echt nicht klar.

    Du das wüsste ich auch gerne, es war ja danach alles i.O Blutzucker normal Blutdruck normal.. Der Sani meinte dann in seinem Sarkasmus das war ein Kreislaufkollaps beim Stuhlgang machen

    Lieblingsspruch meiner ehemaligen PDL: "Wenn Sie durch diese Tür gehen, wissen Sie nie, was Sie erwartet!"
    Stimmt ja auch, besonders bei Dementen it es ja auch immer ein erlebnis
     
  4. schlitzkompresse

    schlitzkompresse Poweruser

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    Wenn die VZ und der AZ wieder im grünen Bereich ist und der Pat eine bekannte Epilepsie hat, lehnt auch unser RD die mitnahme eines Pat ab.
     
  5. Oberschwester F.

    Oberschwester F. Junior-Mitglied

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    Hey...
    Ja, wir haben auch im Epilepsiezentrum gelernt, dass man nicht zwangsläufig den Rettungsdienst rufen muss, sofern der Anfall nicht länger anhält....hätte es aber bestimmt auch getan, weil man ja doch erstmal schockiert ist, wenn man das das erste mal sieht.

    Und zum Thema Tod/Sterben ...ist für mich auch immer wieder was, womit ich schwer klarkomme - finde es manchmal zwar "gut" für den Betroffenen, damit er nicht länger leiden muss...aber tu mich auch immer sehr schwer, was dann den Umgang mit den Angehörigen angeht etc.
    Ich glaube da gibts leider kein Rezept, wie man damit besser klarkommt. Finde am Besten selbst für dich heraus, ob es dir gut tut mit anderen darüber zu reden oder dich halt zum Thema zu informieren um dich damit besser auseinander setzen zu können. Angenehmer werden solche Situationen dadurch sicherlich nicht, aber vll hast du dann weniger Angst vor der Arbeit bzw. nimmst nicht alles mit nach Hause.

    Lg
     
  6. Schwester Rabiata 2

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    Ich kann mir das gut vorstellen, wie du dich gefühlt hast. Versuche jemanden zu finden, mit dem du sprechen kannst. In unserem Team reden wir viel miteinander, wenn jemanden etwas bedrückt. Den Redebedarf hat bei uns vom frisch Examinierten bis zur fast Rentnerin auch fast jeder. Dabei geht es nicht immer direkt ums sterben. Es gibt auch andere Belastungen. Unseren Schülern wird auch gleich eingebleut, dass sie immer mit uns reden können.
     
  7. Marty

    Marty Poweruser

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    unavailable...

    Siehst du das als eine Charaktereigenschaft von dir? Wenn das so ist, dann wird es so bleiben, denn eigene Gefühle in solchen Situationen kann man nicht trainieren. Und Gespräche hinterher fangen das, wenn überhaupt, nur bedingt auf. Du kannst diese Situationen entweder aushalten, oder wenn es nicht geht, wirst du irgendwann gehen.
    Was mache ich, wie halte ich es aus? Ich lasse es nicht an mich heran. Aber dafür, das ich so bin, kann ich nichts, so ist meine Persönlichkeit gestrickt, die Summe aus Genen, Umfeld und Lebensgeschichte.
    Wir müssen mit uns leben, im Guten wie im Bösen.
    Gruß, Marty
     
  8. Nordlicht

    Nordlicht Poweruser

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    Meinst Du, ins Hospiz zu gehen als generellen Wechsel oder als "Schocktherapie" (das funktioniert bestimmt nicht, die Situation zu Hause ist immer anders)?

    So krass das auch klingen mag: willkommen im wahren Leben!
    Gerade in der am.Pflege ist man immer wieder Stresssituationen ausgesetzt, die stationär ganz anders anzugehen sind. Wenn Du auch nach Gesprächen und viermal drüber schlafen noch immer in Panik gerätst, solltest Du vielleicht doch für Dich über einen Wechsel nachdenken.
    Wir haben eine speziell ausgebildete Palliativschwester in unserem PD, wenn Gespräche mit Mentor/Leitung nicht ausreichen, ist das hilfreich.
    Als eine Kollegin selbst an Krebs erkrankte und noch weiter arbeiten wollte war klar, dass sie z.B. bestimmte Pat., bei denen voraussehbar war (Diagnose und Erfahrung), dass es mental und körperlich schwierig werden könnte, nicht mehr besuchte.
    Bei einer anderen Kollegin ist z.Zt. die Mutter schwer erkrankt und Pat. mit ähnlichem Krankheitsbild überlasten sie wirklich sehr. Auch da ist der Tourenplanschreiber herausgefordert. Wenn man kollegial arbeiten will, gehört das aber dazu.
    Vielleicht gibt es bei Euch auch eine "Blümchentour", dass Du erst einmal wieder fröhlich zur Abreit gehen kannst?
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Was ist es konkret, dass dir solche Angst vor den Sterbenden macht?

    Elisabeth
     
  10. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Für mich ist das Sterben ein Vorgang der zum Leben dazu gehört. Jedes lebende Wesen stirbt irgendwann. Sterben ist für mich nichts schreckliches, zumindest, wenn es aufgrund einer Erkrankung oder hohen Alters erfolgt.

    Ich erwarte von mir selbst, dass ich meinen Patienten in dieser Phase begleite und das tue, was er für sich gewünscht hat (Stichwort Patientenverfügung). Es stimmt mich nicht wirklich grundsätzlich traurig, wenn jemand verstorben ist. Oft ist es doch so, dass sich die Patienten den Tod sogar wünschen, weil sie ihren desolaten Zustand nicht mehr ertragen können. Tod kann also Erleichterung bedeuten. Ich kann mich für einen Patienten freuen, wenn er z.B. seinem Wunsch entsprechend sanft einschlafen durfte. Er hat das letzte mögliche Ziel im Leben erreicht ohne noch schwer leiden zu müssen.

    Es gibt natürlich auch die sehr unschönen Erlebnisse. Aber auch hier ist der Tod ein natürlicher Vorgang, den ich akzeptiere. Ich habe auch kein Problem damit, einen toten Menschen nochmals frisch zu machen. In dem Moment tue ich etwas für ihn, auch wenn er es selbst nicht mehr spürt.

    Sicher gibts immer mal Momente der Traurigkeit weil ein Pat. den man gerne mochte, verstorben ist. Sie belastet mich aber nicht, weil ich auch diese Reaktion bei mir akzeptiere. Wichtig ist für mich, dass auch der Tod einen Sinn hat. Er setzt einem oft "menschenunwürdigen" Zustand ein Ende.

    Nachteil dieser Einstellung: Man bekommt in der ambulanten Pflege meist die Finalpflegen zugeteilt.
     
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