Angst und Kraft bei Kindern

Dieses Thema im Forum "Fachliches zur Kinderkrankenpflege" wurde erstellt von Myakae, 27.02.2011.

  1. Myakae

    Myakae Newbie

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    Ich arbeite seit letzter Wochen als Aushilfe bei einer Kinderärztin.
    Gestern habe ich mitbekommen wie meine Chefin eine Blutabnahme bei einem 6 jährigen Jungen durchführen musste und als sie aus dem Behandlungsraum kam war sie schweissgebadet.
    Als ich sie darauf ansprach sagte sie mir das der Junge sich gewehrt hätte und sie alle Kraft aufbringen musste um zusammen mit ihrer Assistentin die Blutabnahme durchzuführen.
    Als ich ihr dann sagte dass ich mir nicht vorstellen kann das ein 6 jähriger Junge so schwer zu bändigen sein könnte erzählte sie mir das sie vor ein paar Wochen einem 5 jährigen Mädchen eine Blutprobe entnehmen musste und sie es zu viert (sie selbst, zwei Schwestern und die Mutter) nicht geschafft haben das Mädchen festzuhalten weil es sich extrem gewehrt hat und sie die Behandlung abbrechen mussten weil sie es nicht schafften das Mädchen zu bändigen.
    Und da ist mein Problem. Ich kann es einfach nicht wirklich glauben das 4 erwachsene Frauen es nicht schaffen ein 5 jähriges Mädchen still zu halten um ihr eine Blutprobe zu entnehmen. Ich bin sicher ich würde sie ohne Probleme festhalten können.
    Aber meine Chefin meint sie mache keine Scherze und so etwas kommt wirklich vor dass selbst Kleinkinder von Angst getrieben unvorstellbare Kräfte entwickeln.
    Wie gesagt ich kann das nicht wirklich glauben und hätte gerne eure Meinung bzw Erfahrungsberichte zu diesem Thema.
    Danke im voraus

    .Mya.
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Was bist du von Beruf?

    Elisabeth
     
  3. soll ich dir meine Empfindung verraten?

    Ich bin entsetzt, dass vier Frauen ein Kind (!!!!) festhalten!


    Es gibt so unzählig viele andere Möglichkeiten, Zugang zu einem Kind zu bekommen - warum ausgerechnet mit Gewalt?!
     
  4. Markus23KP

    Markus23KP Stammgast

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    Ich war als 6 Jähriges Kind bei einer Zahnarztbehandlung. Schmerzen re oben Samstag Nachmittag ( war vor 22 Jahren! ) Notdienst Zahnarzt war ein 55 Jähriger "****iger weil dienst habender" Zahnarzt der meinte unter Zwang mich bändigen zu können und die Behandlung durchführen zu können --> Meine Mutter saß im Zahnarztstuhl hielt mich fest umklammert plus je eine Zahnarzthelferin an Armen und Beinen --> Behandlung unter Zwang hat dann mit Versprechen von Belohnungen irgendwie doch noch geklappt aber ich hab mich scho öfters losgerissen, bekomm ich heut noch von meiner Mutter aufs Brot geschmiert und einen Knacks hab ich auch wegbekommen in Form von wirklicher Angst vorm Zahnarzt. Dachte heutzutage wird alles ohne Zwang gemacht?! Also wenn meine Kinderärztin psychologisch suboptimal z.B.eine Blutentahme unter Zwang bei meinem 2 Jährigen Sohn machen würde, würde ich den Kinderarzt wechseln! Geht wirklich auch anders! Ging es bisher zumindest immer bei uns und Bekannten...!
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    @AdVitamAeternam - hast du schon selbst in diesem Bereich gearbeitet?

    Angst kann Kräfte frei setzen, die man net vermuten würde. Hier besteht ja auch nich das Problem, dass die Punktionsstelle absolut still hegalten werden muss.

    In meiner KiKra-Zeit war für mich der größte Horror immer die LP.

    Elisabeth

    PS Wenn die BE/invasive Diagnostik keine Relevanz hat, dann lasse ich sie als Mutter auch net zu.
     
  6. linaninchen

    linaninchen Senior-Mitglied

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    Na ja ich sag mal so, meine tochter (5) muss auch mit drei personen gebändigt werden. einer lenkt ab, ich kann das nicht weil mir das in der seele weh tut, einer hält arm fest und beine weil sie trampelt und sich steif macht. ja sie können unwahrscheinliche kräfte entwickeln.
     
  7. Elisabeth, ja habe ich und ich weiß, dass Kräfte enorm sein können - ich würde dennoch einen anderen Ansatz suchen

    siehe Markus - danke für deinen Beitrag - aus genau dem selben Grund leide ich an einer Zahnarztphobie >.<

    (danke im Stillen an die tollen Erwachsenen, denen nichts besseres eingefallen ist)
     
  8. wo wir gerade über Traumatisierung - wenn auch in einem anderen Unterforum - gesprochen haben
     
  9. Bully1959

    Bully1959 Poweruser

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    hallo

    also in meinen langen Jahren in der Ambulanz habe ich gelernt, mit Kindern bis zu einem gewissen Alter z.B. 4 jahre +- kannst du nicht diskutieren.....

    Augen zu und durch ......
    bei einer normalen Blutabnahme oder Kopfplatzwunde ist das das Beste.....

    die Eltern leiden noch und die Kinder freuen sich schon über den aufgeblasenen Handschuh......

    aber es stimmt, es werden Kräfte frei, die man niemals vermutet....

    und wenn so ein Kind z.B. mit Radiusfraktur kommt, was man ja oft schon sieht, wird nicht groß verhandelt........ abschiessen in passendem Rahmen...
    sie grinsen und finden alles toll, es tut nichts weh und das ist gut so.....

    viele Grüsse
    Bully
     
  10. ich sag es mal so - es ist schwierig für mich, die Situation zu beurteilen, denn:

    ich war nicht dabei


    ich habe dir zum Vorgehen selbst mein Empfinden geschildert.


    Dass es akut dringlich usw. war ging aus dem ersten Beitrag für mich nicht hervor.


    Solange es möglich ist, sollten in meinen Augen andere Möglichhkeiten gewählt werden.

    Für mich fällt das Vorgehen des Festhaltens einer im Prinzip (trotz Kraft) machtlosen Person - sprich hier ein Kind - unter Gewalt (in der Pflege).


    Wir sollten das IMMER als letzte Option im Hinterkopf behalten. Ich war nur erschüttert, über das Bild, was ich grad im Kopf hatte :(


    ich möchte keinem, der mit Kindern arbeitet absprechen, dass das nicht ne echte Herausforderung ist - leider erleb ich persönlich aber immer wieder, dass gleich dazu gegriffen wird, ein Kind anzupacken und zu fixieren (festhalten ist für mich fixieren)...

    Elisabeth ich habe mit Kindern mit schwerer geistiger Behinderung gearbeitet und nein, bei uns ging das auch nicht immer ohne festhalten - aber es war wirklich die allerletzte Möglichkeit, die wir gewählt hatten - im Vorfeld haben wir es mit so einigen Dingen versucht und oft hat es geklappt (Ablenkung, Humor, Entschärfen der Situation - das Kind würde auf Dauer einen Arztbesuch - wenn er immer so läuft wie oben beschrieben - ein negativ behaftetes Ereignis werden - ein mit Angst besetztes - ich finde, das muss nicht sein :-) )
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wir sollten mal festhalten, dass KiKras und Pädiater keine Monster sind. Nur leider sind wie bei Erwachsenen nicht alle Unterschungen und Therapien angenehm und schmerzfrei.

    Kinder kommen net mit der Erfahrung "Arztbesuch" zur Welt. Sie übernehmen unreflektiert die Reaktionen ihrer Eltern. Wenn da im Vorfeld erzählt wird, dass tut aber gar net weh. ... Wenn das Kind von der Situation überrumpelt wird, weil die Eltern lieber alles verschwiegen haben... usw.. Dann kannst du eine Traumatisierung auslösen.

    Ich habe alles erlebt. von superängstlichen Eltern und entsprechend reagierenden Kindern bis hin zu resoluten und konsequenten Eltern.
    Bei letzteren war es immer einfacher mit den Kindern. Die hatten erfahren, dass sie sich in jedem Falle auf ihre Eltern verlassen können. Sie wussten, dass man weinen darf, wenn es weh tut und das man, wenn man still hält die Zeit der Untersuchung beeinflussen kann. Bei den Kindern brauchst meist auch keine 4 Mann zum fixieren.


    Elisabeth
     
  12. Elisabeth das ist ein wichtiger Aspekt, den ich ebenso erlebt habe - er gehört hier auf jeden Fall hin!


    Ich kehr mal zur Eingangsfrage zurück, denn ich hab mich ja grad selbst von meinen eigenen Gefühlen überrumpeln lassen:

    Wie kann so eine Situation für alle gestaltet werden und

    wie geht man mit der Situation um, wenn sie den Extremfall (eben festhalten) annimmt - was ja - wie ich selbst zugegeben habe - leider doch passiert.




    Aufrichtigkeit scheint ein wichtiger Aspekt zu sein

    im Übrigen glaube ich, haben wir fast alle selbst schon erlebt, was für Kräfte in uns stecken, wenn wir in Grenzsituationen unterwegs sind (ich erinner mich an meinen Autounfall, bei dem ich - obwohl es kaum möglich war für mich Persönchen - den Wagen verlassen habe)
     
  13. Bully1959

    Bully1959 Poweruser

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    hallo

    ich hab da ein herrliches Beispiel aus meiner eigenen Familie...

    wir haben unsere Tochter nicht unbedingt autoritär erzogen, aber es gab Regeln...

    dann gab es den Tag, sie war öfter krank und es solte Blut angenommen werden, ich glaube sie war so 4-5

    ich mit ihr zum Kinderarzt und habe vorher gesagt,"wenn es wehtut ist es O.K. wenn du memmst, aber bitte nicht vorher histerisches gekreische dann flippe ich aus......

    sie hielt den Arm wie eine eins, fragte mich im selben Moment als alles vorbei war " war das so gut Mama".....

    ich hatte ein total schlechtes Gewissen, Tränen in den Augen und hab sie über den grünen Klee hinweg gelobt

    aber heute ist sie 26 und sagt mir, es hat nicht geschadet und sie würde es bei ihrer Tochter genauso machen......

    viele Grüsse
    Bully
     
  14. Myakae

    Myakae Newbie

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    @linaninchen
    wenn sie anfängt zu trampeln hälst du einfach ihre beine fest wenn sie erst 5 jahre alt ist dürfte das doch wirklich kein problem sein. wie gesagt ich bezweifle immer noch sehr stark das ein 5 jähriges Mädchen auch nur im entferntesten (Angst hin oder her) ein Problem darstellen kann wenn es darum geht sie festzuhalten um eine wichtige ärtztliche Maßnahme durchzuführen
     
  15. Myakae ein Beispiel aus der Epileptologie:

    ein Junge, 8 Jahre, einfach nur ein bisschen mopsig - Diagnose der Anfälle - hypermotorische Anfälle

    der Junge ist uns IM ANFALL auf einen verdammt hohen Schrank gesprungen, er hat das Zimmer aufs Kleinste zerlegt - im Endeffekt hat sich während eines Anfalls kaum einer in seine Nähe getraut (hier haben wir es immerhin nicht mehr mit "nicht wollen" zu tun - der Junge konnte sich im Nachhinein an nichts erinnern) - die Sachen, die er während des Anfalls zerstört hat, hätte er von außen gesehen, nicht kaputt machen können


    unsere Körper - und auch der einer 5jährigen - können enorm was leisten. Vor allem in einer - ich sags gern nochmal - Grenzsituation
     
  16. Myakae

    Myakae Newbie

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    ok also nur theorethisch gesprochen (abgesehen davon das es natürlich nicht die Behandlungsmethode ist die in diesem falle angemessen ist)
    würdest du sagen das ich nicht in der lage wäre diesen Jungen zu bändigen wenn ich ihn umklammern würde und versuchte ihn mit all meiner Kraft festzuhalten und zu beruhigen?
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Nein- du bist nicht in der Lage ein so wehriges Kind alleine zu halten.

    Elisabeth
     
  18. Myakae

    Myakae Newbie

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    hast du irgendwelche erfahrungen mit solchen situationen oder warum behauptest du das? ich will deine meinung natürlich nicht anzweifeln. vielleicht hast du ja recht jedoch ich kann mir wirklich nicht vorstellen, das ein 5 oder meinetwegen auch 8 jähriges Kind (Junge oder Mädchen) unter welchen Umständen auch immer, solche kräfte entwickeln kann das ich als erwachsene Frau nicht in der lage bin sie oder ihn körperlich zu bändigen
     
  19. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    8 Jahre Kinderkrankenpflege sind ausreichend als Erfahrung?

    Wenn du dir etwas net vorstellen kannst, dann bedeutet dies ja nich lange nicht, dass es das nicht gibt.

    Du machst mich neugierig: Wie stellst du dir das vor mit dem alleine festhalten? Hast du so eine Sitaution überhaupt schon mal erlebt? Es geht hier ent darum, ein Kind zur Räson zu bringen. Hier kämpft das Kind vermeintlich um sein Leben.

    Elisabeth

    PS Was machst du eigentlich beruiflich?
     
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