Angst auf Station vor ansteckenden Krankheiten

Dieses Thema im Forum "Ausbildungsinhalte" wurde erstellt von Blackbear, 18.07.2006.

  1. Blackbear

    Blackbear Junior-Mitglied

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    Hallo zusammen,

    ich möchte gerne etwas loswerden was mir ziemlich auf der Seele brennt.
    Mich würde dabei mal eure Meinung interessieren.
    Ich bin im 2. Ausbildungsjahr zum Gesundheits und Krankenpfleger und hatte die letzten 8 Wochen meinen Einsatz auf der Inneren.
    War auch ein super Einsatz und hat mir echt Spass gemacht.
    Am letzten Wochenende bekamen wir einen Patienten mit Hepatitis C und Demenz auf Station.
    Soweit nichts aussergewöhnliches...
    Nun hatte ich meinen Dienst gerade angetreten und der Pat. schellte und sagte er müsse dringend auf Toilette.
    Gesagt, getan. Als wir auf halben Weg waren merkte ich jedoch, dass der Pat. zunehmend schwankte und drohte umzufallen. Er fummelte und zog an seinen Infusionsschläuchen und irgendwann tropfte dann das Blut aus der Braunüle auf den Boden.
    Ich hatte zwar (selbstverständlich) Handschuhe an jedoch hatte ich eine Riesenangst mich anzustecken.
    Ich habe dann eine Schwester dabei gerufen um mir zu helfen ihn wieder ins Bett zu bekommen.
    Die Sache hat mich dann noch den Rest des Tages bis in die Nacht beschäftigt.
    Ich habe noch nie auf Station erlebt, dass mir etwas solche Angst gemacht hat. Ich habe jedoch im allgemeinen überhaupt keine Probleme mit kranken Menschen umzugehen und solch eine Situation ist noch nie aufgetreten.
    Ich habe mich dann über die Nacht zunehmend reingesteigert. Und als es mich dann am nächsten morgen meine Mitschülerin fragte ob ich nicht "Lust hätte" zu dem besagten Pat. zu gehen habe ich verneint und sie gefragt ob sie nicht lieber gehen möchte. Ich habe ihr dann von meiner Angst erzähllt und ihr den Vorfall des Vortages geschildert.
    Dies war auch noch eine Schülerin aus dem Unterkurs, war jedoch sehr verständnisvoll.
    Mir war das ganze trotzdem sowas von peinlich mir so die Blöße geben zu müssen. Aber ich hatte den morgen echt angst, dass mir die Lage wieder eskaliert und ich evtl. mit kontaminierten Material in Kontakt komme.
    Ich kenne mich so gar nicht, nur an diesem morgen hatte ich echt ****** auf das Zimmer zu gehen. Ich denke mir nur, dass die Pat. sich die Krankheiten nicht aussuchen können und das Pflegepersonal mit JEDER Krankheit umgehen muss.
    Andereseits denke ich hat jeder seine Schwächen. Manche kollabieren bei dem Anblick bzw. dem würgen und husten bei Sputumauswurf etc. oder bei Erbrochenen. So etwas macht mir gar nix aus. Auch den Umgang mit Verstorbenen finde ich eher interessant als abschreckend.
    Ich habe eben Schwierigkeiten mit Infektionskrankheiten wie HEP C oder HIV.
    Ich bin nur irgendwie jetzt etwas verunsichert ob ich solche Ängste überhaupt haben bzw. so etwas wie an diesem morgen passieren darf?!
    Mir macht die Arbeit echt Spass und ich habe eigentlich kein Problem mit Blut, Erbrochenen, Urin etc..
    Ich habe nur eben diese starke Angst mich an etwas anzustecken (eben z.B. HEP C, HIV ) und dann mein Leben auch zerstört ist.

    Was meint ihr bzw. was ist eure Meinung dazu?!

    LG
    Blackbear
     
  2. narde2003

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    Hallo Blackbear,

    ich verstehe deine Angst. Nur so leicht steckt man sich nicht an.
    Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren im Infektionsbereich.
    Einige Tropfen Blut am Boden, sind bei intakter Haut und Handschuhen kein Problem.
    Die grösste Gefahr sind Nadelstichverletzungen mit Hohlnadeln.
    Das HIV Virus, stirbt an der Luft sehr schnell ab, so dass es auch nicht so leicht ist sich damit zu infizieren.
    Bei deinen geschilderten Tätigkeiten ist es sehr unwahrscheinlich, dass du dich infizierst.
    Du wirst auch immer wieder mit solchen Patienten konfrontiert werden, das lässt sich in unserem Beruf nicht vermeiden.
    Sprich doch mit deinen Kollegen und deiner Anleiterin über diesen Vorfall und über deine Ängste.

    Schönen Abend
    Narde
     
  3. Manuel

    Manuel Junior-Mitglied

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    Die Sorge um die eigene Gesundheit ist wichtig. Wegen unseres Fachwissens sehen wir viele Situationen anders, als Leute die nicht vom Fach sind. Wir können versuchen Risiken zu minimieren, indem wir uns versuchen zu schützen und z.B. Handschuhe etc. tragen. Einem gewissen Restrisiko sind wir alle ausgesetzt. Wer ahnt, dass der nette, ältere Mann, eine offene Tbc hat? - Keiner, bis mal das Sputum in die MiBi geschickt wird. Jetzt kommt das große Entsetzen. Hat der mich vielleicht angesteckt? Ein anderes Beispiel: Eine Patientin wird stationär eingewiesen, bekannt ist ein Drogenproblem. Auf der Station werden die Blutabnahme vom Pflegepersonal durchgeführt. Du stehst da, mit deinem Material und ziehst nachdenklich deine Handschuhe an. Was passiert wenn ich mich steche? Solche Situationen, in denen eine Ansteckung, mit was auch immer, vorhanden ist, sollte weder über- noch unterbewertet werden. Es kommt auf eine realistische Einschätzung an und das entsprechende, der Situation angemessene, Verhalten.

    ciao
    Manuel
     
  4. Tamara_München

    Tamara_München Stammgast

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    Beruf:
    Hotelfachfrau, Industriekauffrau, Kosmetikerin, Krankenschwester Akutaufnahme Sucht Psychiatrie
    ich arbeite auf einer akut-suchtaufnahme-station und behandle jeden patienten so, als wenn er eine ansteckende krankheit hätte ... bei manchen steht halt im anamnese-bogen dabei, dass er hep c als beispiel hat ... aber viele patienten machen zu hep keine angaben.

    ich schütze mich, indem ich immer handschuhe anziehe ... indem ich immer den abwurfbehälter für kanülen dabei habe ... indem ich auch immer handschuhe mit mir rumtrage ... ich kann dann handeln, wenn ein patient krampft und ich schnell handschuhe anziehen muss, falls er blutend am boden liegt.
     
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