Angehörigenarbeit

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von nightshade, 12.08.2006.

  1. nightshade

    nightshade Senior-Mitglied

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    Hallo. Wollte mal fragen, wie es bei Euch mit Angehörigenarbeit aussieht. Finde dieses Thema sehr wichtig. Denn es sollte Einem bewusst sein, es gehört das soziale Umfeld mit zu einer Therapie. Führe auch viele Gespräche mit Angehörigen. Die auch häufig sehr Verzweifelt sind. Was sind Eure Erfahrungen? Lg
     
  2. Brady

    Brady Gast

    Hallo Nigthshade,

    je nach Intention vereinbaren wir ein Familien-, Paar-, oder Elterngespräch.
    Voraussetzung ist immer das Einverständnis des Patienten. Wobei wir auch nie ohne die Anwesenheit des Patienten selbst mit den Angehörigen, Partner, usw. sprechen.

    Ansonsten gibt es noch spezielle Angehörigenrunden bei bestimmten Erkrankungen z.B. bei Psychose. Wobei aber nur eine allgemeine Aufklärung über die Erkrankung, der Umgang damit und mögliche Behandlungsmethoden vorgestellt werden.

    Liebe Grüße Brady
     
  3. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

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    Hallo!!

    Ich finde Angehörigenarbeit sehr sehr wichtig....... wobei ich das Gefühl habe das Angehörige von psychiatrisch Erkrankten hilfloser sind, weil das meist nich so greifbar ist wie bei somatischen Erkrankungen

    Unsere Angehörigengruppe im Haus wird von der Sozialarbeiterin unserer Station und mir geleitet, sie findet einmal im Monat statt und ist eine offene Gruppe

    Dabei geht es inhaltlich erstmal darum das die Angehörigen sich entlasten und austauschen können......... meist wissen die nämlich eh schon mehr als wir professionell Pflegenden über Med. Entwicklung etc..... das liebe Internet eben :mrgreen:


    Ansonsten haben für oft auch auf Station Gespräche mit den Angehörigen und den Therapeuten .....
    Psychoedukation nutzt uns nämlich nix, wenn wir das nur bei dem Pat. machen und die Angehörigen nicht mit ins Boot holen


    Lieben Gruss
     
  4. nightshade

    nightshade Senior-Mitglied

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    Hi. Genau so siehts aus. Ich finde, die Wichtigkeit wird häufig unterschätzt. Man hat ja auch manchmal sehr schwierige Angehörige und wenn man mal vorsichtig hinterfragt, stellt man fest, wie sie mit der Situation überfordert sind. Und wie dankbar Sie sind, wenn sie Ernst genommen werden. Dadurch wird die Zusammenarbeit sehr erleichtert und man kann Gemeinsam besser eine Lösung für die weitere Therapie und die Nachbehandlung finden.
     
  5. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

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    Hallo!!!


    Das stimmt nightshade.....:mrgreen:

    Wichtig ist aber auch das die Angehörigen untereinander mal in Kontakt kommen, denn davon können sie sehr profitieren....

    Zum Einen um zu merken das es viele unsicher Angehörige gibt und zum Anderen können sie Tips von den erfahreneren Angehörigen bekommen ....

    Wobei das Hauptthema meist "Grenzen" ist und wo sie diese ziehen sollen

    Und der Patient hat ja auch rund um die Uhr die Pflege, die er ansprechen kann und tagsüber noch zig Therapeuten ...... aber mit wem können die Angehörigen darüber sprechen ?

    Denn psychiatrische Erkrankungen sind immer noch bei vielen Grund zur Scham .... was sollen denn da die Nachbarn denken ??? :gruebel:

    Lieben Gruss
     
  6. Brady

    Brady Gast

    Hallo Eunerpan,

    gebe Dir in allen Punkten Recht. Es ist auch für viele Angehörige eine Enlastung sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

    Wobei Schuld und Scham immer ein grosses Thema ist. Habe ich was verkehrt gemacht?, usw..

    Oder sich abzugrenzen z.B. bei dem Kind was süchtig ist...ihm nicht mehr mit Geld zu helfen, schlimmstenfalls ihn zuhause nicht mehr reinzulassen. Den Kontakt abzubrechen um den Kreislauf zu durchbrechen.

    Oder Eltern die nicht loslassen können, wo ein Wohnheim das beste wäre...usw...

    Liebe Grüße Brady
     
  7. nightshade

    nightshade Senior-Mitglied

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    Hallo.Ja,das liebe Schamgefühl. Sehr oft erlebt. "Meine Mutter ist nachts entkleidet auf die Strasse gelaufen. Man war das peinlich. Habe erstmal ordentlich geschimpft. Als wenn sie nicht wüsste, was sie dat tut, dann haben wir die Tür abgeschlossen". Oder "Mein Vater greift ständig die Nachbarn an und bedroht sie und ich darf alles gerade rücken, jetzt kann ich kaum in Ruhe dort wohnen, weil wir verurteilt werden". Oder "Ich werde ständig von meiner Mutter beschimpft, dabei tu ich alles für sie. usw.....
     
  8. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

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    Hallo!!

    Ja, einfach haben es die Angehörigen nicht ..... muss man sich nur immer wieder ins Gedächtnis rufen :mrgreen:

    Ich mach jetzt seit etwas über drei Jahren die Angehörigengruppe....
    viele der Angehörigen sind auch gedanklich immer sehr weit ..... wenn der Pat. noch in der Akutphase ist, machen sie sich schon Gedanken über Job und soziale Absicherung...... das tut den meisten dann gut zu hören, das viele der Patienten auch wieder arbeiten gehen können......

    Habt ihr denn eine Angehörigengruppe bei euch, nightshade?

    Lieben Gruss
     
  9. nightshade

    nightshade Senior-Mitglied

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    Hi Eunerpan. Bei uns selber auf Station nicht. Die Angehörigengruppe findet in einem anderen Haus statt. Jedoch find ich die Betreuung der Angehörigen bei uns sehr gut. Unser Sozialarbeiter ist sehr angagiert bei jeglichen Fragen zu unterstützen und zu helfen. Suche nach AH, Hilfe bei Pflegestufen, Finanzielle Angelegenheiten, Betreuung einleiten etc. Für weitere Fragen stehen die Ärzte ( wenn sie nicht streiken, grins ) zur Verfügung. Und na klar, Wir. Zum Weiteren hat unser Haus auch eine Tagesklinik mit angebunden. Wo die Angehörigen sehr gut mitbetreut werden. Lg
     
  10. Sonnenblume

    Sonnenblume Poweruser

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    Warum Angehörigenarbei ?

    Hallo Zusammen ! :wavey:

    Ist für euch angehörigenarbeit wichtig ?

    Wenn ja warum ?

    Könnt ihr mir ein paar Punkte nennen, bei denen Angehörige z.b. eine wichtige Rolle spielen können.

    Ich habe einige Ideen, aber vielleicht fällt euch ja auch was dazu ein.
    Eine ausführliche Brgründung wäre auch hilfreich...

    Danke schon mal !

    Eure Sonnenblume :flowerpower:
     
  11. Brady

    Brady Gast

    Hallo Sonnenblume,

    habe Dich mal hier mit angehängt. Vielleicht findest Du schon hier im Thread Antworten auf deine Fragen.

    Liebe Grüße Brady
     
  12. Sonnenblume

    Sonnenblume Poweruser

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    Hey! :wavey:

    Hatte den Thread schon gelesen, aber das ist für mich etwas zu ungenau. Da steht zwar, dass Angehörigenarbeit wichtig ist, aber nicht so richtig warum...nur weil sie oft überfordert sind ?
    Angehörige haben doch auch ihre guten Seiten und können "nützlich sein2, wenn ich das mal so ausdrücken darf.

    Z.B. kennen sie Vorlieben und Wünsche des Pat, sodass man ihm bestimmte Dinge erfüllen kann, wenn er sie selber nicht mehr äußern kann.
    Oder wenn ein Pat nicht mehr essen möchte kann man durch Angehörige sein Lieblingsessen erfragen...

    Solche weiteren Punkte würde ich gerne wissen und eine Begründung. Punkte habe ich auch schon, aber ich kann dazu keine längere Erklärung finden..nur so 1-2 Sätze (siehe oben) , dass reicht aber leider nicht.

    Liebe Grüße Sonnenblume :flowerpower:
     
  13. Brady

    Brady Gast

    Hallo Sonnenblume,

    dann war es ja gut, daß ich Dich hier rangehängt habe*g*. Sonst hätten wir nicht erfahren, was Du eigentlich wissen möchtest. Diese Frage ist natürlich sehr wichtig.

    Liebe Grüße Brady
     
  14. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

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    Hallo Sonnenblume!

    Angehörige sind natürlich im Behandlungspozess sehr wichtig........

    Die meisten meiner Patienten kommen nicht freiwillig auf die Station und haben evtl auch keinen Ausgang, da machen häufige Besuche der Angehörigen das Stationsleben erträglicher.....

    Generell kann man sagen, das Angehörige oft die compliance der Patienten fördern können. Ist besonders wichtig bei der kontinuierlichen Med. Einnahme oder regelmässige Arztbesuche .....

    Auch geben Angehörige fremdanamnestisch hervorragend Auskunft über die Ressourcen der Patienten, so das ich das in meiner Pflegeplanung besser berücksichtigen kann und realistische Ziele mit dem Pat. erarbeiten kann.....

    Hoffe das hat dir ein wenig helfen können :mrgreen:


    Lieben Gruss
     
  15. Brady

    Brady Gast

    Zusammenarbeit mit Angehörigen psychisch kranker Menschen

    Hallo zusammen,

    möchte auf die Angehörigen eingehen bei psychisch Erkrankten.
    In vielen Kliniken werden Angehörigen-Gruppen angeboten und sind Bestandteil der Behandlung. Wie auch das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt gemeinsame Gespräche mit Eltern, Partner, usw..

    Der Patient steht im Mittelpunkt, ist ein verbreiteter Leitsatz. Klaus Dörner hat diese Devise folgendermaßen kommentiert: "Tönt gut, ist aber grundfalsch". Grund ist die Erkenntnis, dass zum Patienten fast immer Personen gehören, die eine besondere Bedeutung haben: Angehörige.

    Betroffene und Angehörige als Teile eines Systems.

    Belastungen Angehöriger:

    - Emotionale Belastungen:
    Verwirrung
    Schuld
    Scham
    Angst
    Enttäuschung
    Verzweiflung und Zukunftssorgen
    Frustration, Resignation, Traurigkeit, Trauer
    Wut, Ärger, Zorn, Hass

    Stigmatisierung, Ausgrenzung
    Finanzielle Belastungen
    Erhöhte Verantwortung für den gemeinsamen Haushalt
    Erbringung von Pflege für das erkrankte Familienmitglied
    Rollenkonflikte
    Partnerschaftskonflikte
    Leiden unter Mängeln des Versorgungssystems
    Gewalterfahrungen

    Thieme-connect - Abstract

    Wie sieht eure Angehörigenarbeit aus?

    Liebe Grüße Brady
     
  16. MiChung

    MiChung Gast

    Hallo Brady,

    leider haben wir in unserer Klinik mit der Angehörigengruppe nicht so gute Erfahrungen gemacht. Sie war nur vereinzelt besucht. Selbst diverse Struktur - und Terminwechsel haben daran nichts ändern können. Zur Zeit findet sie glaube ich nicht mehr statt.
    Was aber oft genutzt wird sind "Familien- bzw Paargespräche", zum Teil einmalige - eher informativen Inhalts, als auch fortgesetzte Gespräche in denen ein Prozess deutlich wird. Wir raten auch teilweise zu einer ambulanten Familien- /Paartherapie oder Beratung im Anschluss an die stationäre Behandlung.


    Zudem gibt es auch diverse Buchempfehlungen zu diesem Thema, der Psychiatrie - Verlag hat einige gute Bücher, wie ich finde.

    Psychiatrie-Verlag - Bücher -> Ratschlag -


    LG MC
     
    #16 MiChung, 21.09.2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 21.09.2007

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