An alle "Älteren" unter uns...

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von Reyna, 18.11.2006.

  1. Reyna

    Reyna Senior-Mitglied

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    Hallo,

    mich würde mal interessieren wie die Ausbildung früher verlaufen ist. Ich meine damit , was es da noch so für Besonderheiten gab, die es heute gar nicht mehr gibt.Muss auch nicht nur um die Ausbildung gehen, sondern der Pflegeberuf im allgemeinen.
    Zum Beispiel erzählte mir eine ehemalige Stationsleitung, dass sie noch in der Ausbildung diese Krankenschwester-Häubchen getragen haben, an deren Farbe man das Lehrjahr erkannt hat.
    Oder einmal die Woche Steckbecken schrubben...
    Oder auf den Wöchnerinnen Stationen: da wurde das Kind dem Vater nur durch die Scheibe gezeigt.

    Ich würde mich total freuen, wenn die "Älteren"unter uns mal etwas aus dem Nähkästchen plaudern...find sowas irre spannend..

    bis denn
    dir reyna
     
  2. Oldtimer

    Oldtimer Gast

    Hallo Reyna, also ich habe 1972 das Examen beim Roten Kreuz abgelegt.
    Wir hatten noch Hauben mit 5 Strahlen gefaltet.
    Im ersten Jahr war die Haube weiss, nach einem Jahr hatten wir Broschenprüfung, danach haben wir die Rot Kreuz Brosche fürs Kleid bekommen.Nach 2 Jahren war Vorexamen, nach bestandener Prüfung haben wir 2 rote Sreifen am Rande der Haube bekommen und nach dem Examen kam zwischen die Steifen der Aufdruck DRK, so wusste jeder, wer in welchem Kurs ist.
    Heute bin ich froh,dass es diese Hauben nichtmehr gibt, denn ich bekam durch diese Haube ganz dünnes Haar.
    Wir hatten damals auch schon im 2.Jahr alleine Nachtwache auf Station, meine Erste war auf Privat Innere mit ca.20 Patienten, es gab nur eine Haupthausnachtwache, die man anrufen konnte,wenn es Probleme gab, sonst waren wir mit 17 Jahren ganz auf uns selbst gestellt.
    Wir mussten nachts noch Glasspritzten und Nadeln Putzen, sowie kontrollieren ob diese keine Häckchen an der Spitze hatten, danach kamen sie in den Stationssterilisator und wurden sterilisiert.Es wurden auch nachts noch Arzt und Stationszimmer Staubgewischt.
    Morgens musste jede Nachtwache von insgesamt 18 Stationen bei der Oberschwester erscheinen und einen mündlichen Bericht von den Vorkommnissen der Nacht abgeben.Es war aber eine tolle Zeit!!!
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Kleidung: Kittel waren angesagt. Über die Kittellänge schweigen wir mal lieber. *ggg* Hauben- in der Ausbildung gabs "Kastenhauben". Sahen tatsächlich aus wie ein Karton. Es wurden Streifen im Schlingenstich am Rand eingestickt: 1 Streifen für jeweisl ein Lehrjahr. Die 7- Falten- Haube bekamen wir nach dem Examen in einer Feierstunde überreicht ... und warem stolz auf dieses Insignium unseres Berufsstandes. Diese Hauben wurden übrigens so gefaltet, dass sie möglichst hoch aufragten. *fg*

    Ausbildung: Es gab einen Wechsel von Theorie und Praxis in den ersten beiden Jahren. Die theoretischen Fächer schlossen einzeln ab mit entweder Klausur oder mündl. Prüfung. Ich kann ich nur an meine mündliche Anatomieprüfung erinnern.
    Im dritten Jahr waren wir ausschließlich in der Praxis. In den Praxiseinsätzen gab es einen berufspraktischen Unterrichtstag pro Woche. Das letzte halbe Jahr waren wir auf der Station ind er die praktische Prüfung erfolgen sollte. In der Prüfung musste man ein Zimmer versorgen mit allen grund- und behalndlungspflegerischen Maßnahmen. Abschließend gab es ein Arztgespräch, in dem man dem Doc etwas zu einem Krankheitsbild erklären musste.

    Ungewöhnliches in der Ausbildung: Ich komme ja bekanntlich aus der DDR. Wir hatten auch so nette Fächer wie Med- schutz. Dort bekam man gelehrt, wie man sich im Katastrophenfall zu verhalten hat- bei uns naheliegend: wie verhält man sich wenns AKW in die Luft fliegt. Um den Unterricht praxisnah zu gestalten gabs natürlich auch Übungen: ein Flugzeug ist abgestürzt und die Verletzten mussten zu Fuss vom Acker gerettet werden. Es war ein allgemeiner Gaudi. Die Schulfahrt lag ebenfalls unter dem Motto Medschutz mit fast allem pipapo, was die Jungs so von der Armi kennen: Unterbringung kasernenähnlich, Morgenapell, Frühsport, Geländeübungen usw.. Ich hatte Glück. Mir blieb das alles erspart: ich war mit meiner ersten Tochter schwanger: da blieb nur die Schreibstube.

    "Ungewöhnliches" in der Arbeit als KS: Zellstoff schneiden; Mull scheiden und Tupfer drehen oder Platten legen; Wattestielträger selber drehen; Baumwollwindeln legen zu "Windelpacketen"; Glasspritzen aufbereiten, Kanülen aufbereiten; Sterilgut aufbereiten; Handschuhe reinigen, pudern; Absaugkatheter, DK, Dramrohre usw. reinigen und desinfizieren; Infusionen generell per Rädchen Tropfgeschwindigkeit einstellen ( Tropfen auszählen); Tabletten zermörsern und in Einzelportionen verpacken, Zäpfchen teilen; Putzarbeiten: Fußboden, Treppenaufgänge (am WE) usw.; Steritrommeln mit Sidolin auf Hochglanz bringen; usw., usw., usw..
    Insgesamt kann man sagen: es gab kein bzw. kaum Einwegmaterial. Fast alles wirde wieder aufbereitet bzw. in Eigenregie "gebastelt". Und es hat funktioniert- eitgentlich eigenartig wenn man an die Zeiten zurückdenkt: Spritze steril aus Kasten entnehmen und darauf achten, dass ie nicht unsteril wird beim Aufziehen des Med.. Kanüle steril aus Petrischale entnehmen und steril aufsetzen und dann daruf achten, dass sie möglichst nicht unsteril wird bis zur Applikation.

    Elisabeth
     
  4. obärschwester

    obärschwester Junior-Mitglied

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    oh ja, kann mich elisabeth nur anschließen, das alles und mehr hab ich auch noch kennen gelernt. nachtdienste, die wir allein (die examinierten schliefen und durften nur gewckt werden, wenn es unumgänglich war) verbrachten bei abgedunkeltem licht - bloß nicht einschlafen. säckeweise tupfer drehen und kompressen legen. die häubchen der "alten" falten (und wehe, die falten waren nicht schön). putzen gelernt haben wir auch alle bis zum exzess - das ging so weit, dass sich die sowieso schon große öse einen hocker mitbrachte, zwirnhandschuhe anzog und die reinheit der fliesenwand prüfte. gern wurden auch tupfer hinter heizungsrohren versteckt und nach dem putzen kontrolliert, ob alles weggeputzt war. mit begeisterung haben wir auch flure gewischt und toiletten geputzt, um gleich als nächstes völlig selbstständig die nächste chemo vorzubereiten, aufzuziehen und anzustechen. die palette der tätigkeiten war viel breiter als heute, allerdings waren die "zweifelhaften" übernahmen ärztlicher tätigkeiten auch stets von diesen ärzten gedeckt (die sich wiederum in den meisten fällen nicht zu schade waren, auch mal anzufassen, wenn ein inkontinenzproblem zu beseitigen war). das waren die its-zeiten früher, personalschlüssel fast 1:1 (pro dienst), es war bei weitem nicht alles schlecht. was ständigen mangel anging, musste man (s. elisabeth) ein allround-talent sein und improvisieren, da zehre ich noch heute von. es gibt ja theoretisch alles, aber wenn ichs freitag nachmittag brauch und es ist nicht am lager???
    bin gespannt auf weitere erfahrungen, verena
     
  5. Aceton

    Aceton Stammgast

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    Ich bin jetzt kein "Älterer"...aber ich weiß von Erzählungen von "älteren" Schwestern, dass Dekubiti trocken behandelt worden sind.
    Unter anderem nutzte man einen Fön dazu...
    Kann mir jemand dies bestätigen?
     
  6. Brady

    Brady Gast

    Hallo zusammen,

    ich berichte mal aus der Psychiatrie.

    Habe in den Anfang der 80iger Jahre noch Wachsäle kennengelernt. Gab dort die Unterscheidung zwischen "unruhiger" und "ruhiger" Wachsaal. Wobei auch Pflegefälle in Sälen untergebracht wurden. Ein Saal hatte auch 3 Zimmer die nur mit einem 3-Kant aufgeschlossen werden konnte. Diese Zimmer waren vom Boden aus bis zur Decke gekachelt.

    Toiletten waren nicht abschliessbar. Wasserhähne konnten auch nur mit einem Vierkant, bzw. Dreikant geöffnet werden.

    Der Wachsaal hatte ca. 30 Betten. Abwechselnd Bett, dann Nachtschränkchen, dann wieder Bett, usw. Die Betten standen fest auf den Boden, genau wie die Nachtschränkchen, also ohne Räder. Zu dieser Zeit waren nur Frauen dort untergebracht. Viele Patientinnen waren schon sehr viele Jahre dort untergebracht. Einige der Patientinnen hatten auch Aufgaben in der Küche, in der Reinigung, in der Wäscherei, usw.

    Es dauerte noch Jahre bis die Empfehlungen der Psychiatrie-Enquète von !975 sich durchsetzte. Setze dazu mal einen Link rein:

    Psychiatrie-Enquête - Wikipedia

    Die Patienten waren teilweise nur in den Betten, nach und nach bekamen sie Kleidung und brauchten nicht in den Betten verbleiben. Einige mussten wieder laufen lernen....

    Viele Ordensschwestern arbeiteten dort als Stationsleitung.Es gab auch keine Pflegedienstleitung, sondern eine Oberschwester auch Ordensfrau die für Personaleinstellung, usw. zuständig war.

    Wenn ihr noch Fragen habt....ich beantworte diese gerne.

    Liebe Grüße Brady
     
  7. Oldtimer

    Oldtimer Gast

    Zur Frage von Aceton, also wir haben früher Nebacetin Kegel für Decubiti benutzt und auch den Fön.Wenn man sieht was früher gemacht wurde und heute nicht mehr gemacht werden darf fragt man sich oft, wer hat nun Recht!!!
    Das gilt genau wie Zucker auf Decubiti, auch das wurde noch gemacht wo ich sagen muss, dass sehr oft Erfolge da waren.
    Es wurden damals auch Blutegel bei Krampfadern angesetzt, die bei uns extra in der Apotheke gezüchtet wurden.
    Auch das von Brady kann ich bestätigen.
    Es gab auch keine Kurse zur Stationsleitung! 8Tage nach meinem Examen wurde mir gesagt, ab morgen sind sie für die ausscheidende Schwester als Stationsschwester auf der Hautstation tätig, so wars dann auch.Hart aber herzlich.
     
  8. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Hallo Brady,
    wie lange ist denn das her?.
    Ich habe 88 (19Hundert~) in 10- 12- Bettzimmern angefangen. Diese wurden allerdings im selben Jahr beginnend auf 6 Betten reduziert.
    Aus verschiedenen Gründen gibt es davon übrigens heute noch 2 Stationen. Jede Führung durch das Krankenhaus wird so zur Zeitreise.
    MfG
    rudi09
     
  9. Brady

    Brady Gast

    Hallo Rudi09,

    diese Säle habe ich 1981 kennengelernt. In ca. Mitte der 80iger jahre wurden sie dann umgebaut dort.

    Liebe Grüße Brady
     
  10. catweazle

    catweazle Poweruser

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    Mein Mütterlein hat anfang der Sechziger Examen gemacht... Die mußten da ein Hauswirtschaftspraktikum machen, das heißt, den Examinierten im Wohnheim die Zimmer putzen... Wenn ich mal wieder meine Eltern besuche, notiere ich für diesen Thread ein paar Dönekes, da sind echt Stories zum Brüllen dabei, aber ich bekomme die leider nicht zusammen...
     
  11. Ying_Yang

    Ying_Yang Gast

    Ich habe 1989 Examen gemacht. Wir haben Dekubiti auch noch gefönt und mit Zucker behandelt.
    Elastische Binden aufrollen kenne ich auch noch und Putzorgien während des Nachtdienstes.

    Eure Geschichten fand ich bisher äußerst interessant!
    @Reyna: Diese Frage war wirklich eine gute Idee.
     
  12. sophiechen

    sophiechen Newbie

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    Hallo!

    Bei uns ist dieses Jahr eine Kollegin mit 62 J. in Rente gegangen, sie hat über 40 J. in Vollzeit Arbeit (nur eine kurze Babypause) gearbeitet, wirklich "Hut ab". Sie hat ihre Ausbildung in Polen gemacht, dauerte 5 J. in einer art Internat, wo auch noch zimmerkontrolle angesagt war u. wenn etwa Bsp. Bett nicht gerade bezogen es hiebe auf d. Hände gab. Während d. Ausbildung auf Station unterstanden sie nicht denn eigentlichen Schwestern, sondern sie nannte sie "Instruktorin" (vielleicht heute "Praxisanleiter/in) und erklärte, zeigte ihr alles. Auch das mit den Hauben erzählte sie oder in einer reihe hinstellen und Fingernägel zeigen, auch da gab es diese großen Säale mit Pat. Unter anderem hat sie auch gelernt wie man mit einem Gewehr schießt , Lazarett Arbeit nannte sie es. Später als Schwester ging sie auch in d. Schulen gab Impfungen an Kindern.
    Sie hat bis zum Schluß mit dem Jungvolk gut mithalten können u. ihre Erfahrung war echt Gold wert.:wink:
     
  13. Brady

    Brady Gast

    Hallo zusammen,

    damals gab es auch noch nicht so das Inkontinenzmaterial wie man es heute kennt. Schutzhosen, Einlagen, usw..

    Handschuhe...ich sehe schon die Gesichter von manchen Kollegen*gg*, gab es auch nicht. Dann kamen Handschuhe, aus Plastik, die verlor man ständig im Waschwasser und sie konnten mit ihren verschweissten Nähten schon mal jemandem weh tun.

    Die Badetage gabs auch...oder auch Abführtage..
    Wie erwähnt war es ein psychiatrisches Krankenhaus, in der Somatik war es dort schon anders.

    Selbst Medikamente waren noch nicht so ausgereift für die Erkrankungen wie heute.

    Liebe Grüße Brady
     
  14. catweazle

    catweazle Poweruser

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    Ich habe Bilder gesehen von Colostomieversorgung mit einem Gürtel, der ein Gummireservoir aufs Stoma preßte. Nix Einwegmaterial. Und meine Mama hatte auch keine Steckbeckenspüle, das geschah mit der Hand. Blutbilder wurden selbst ausgezählt, Urin bei Diabetikern mehrmals täglich auf Zucker- auch selbst...
     
    #14 catweazle, 19.11.2006
    Zuletzt bearbeitet: 19.11.2006
  15. Ying_Yang

    Ying_Yang Gast

    Handschuhe waren sogar verpönt. Bei uns gab es zwar welche, aber ganz nach dem Motto, wir sind uns für nichts zu fein, haben wir fast alles ohne Handschuhe gemacht. Waschen und Patienten vom Topf holen auf alle Fälle, auch beim großen Geschäft.

    Bade- und Abführtage kenne ich auch noch, genauso wie Bettenbeziehtage.
     
  16. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Handschuhe beim Urin umfüllen, das war was für Weicheier. Da wurde man schief angemacht und gefragt, ob man den richtigen Beruf hat.
    (Auch Psychiatrie)
    Wäschewechsel bei 40 Patienten generell 2x die Woche.
    Was die Medikamente angeht, wird ja heute noch gesagt, dass die Psychiatrie der Inneren ca. 10 Jahre hinterherhinkt.
    MfG
    rudi09
     
  17. Oldtimer

    Oldtimer Gast

    Und was ich noch ganz wichtig finde, man hatte noch Zeit für Patienten, nicht soviel Schreibkram und konnte bei sterbenden dabeibleiben, wenn es absehbar war. Auch hatte man Zeit ein tröstendes Gespräch mit Patienten und Angehörigen zu führen.
    Alles das ist heute oft nichtmehr möglich und das ist bedauerlich.
    Die Menschlichkeit blieb nicht so wie heute auf der Strecke. Stuhlgang wurde noch per Sieb passiert und nach Bandwürmern gesucht, Sputumbecher regelmäßig geleert werden und Patienten die trotz Abführmittel nicht konnten wurden teilweise mit dem Finger ausgeräumt.
    Es gäbe noch viel zu erzählen, aber das würde den Ramen sprengen.
     
  18. Brady

    Brady Gast

    Ja, stimmt. Handschuhe waren verpönt. Unter der Matratze oder unter dem Stecklaken wurde ein rotes Gummituch eingespannt. Es gab Zellstoff ...zur groben Reinigung. Steckbeckenspüle, nein....dieser Luxus kam später.

    Ich habe auch Wäsche nach einem Holzstab gefaltet....also der Grösse nach. Kein Wäscheteil wie Nachthemd, Unterhose, Unterhemd durfte kleiner oder grösser sein. Flickstunden gab es auch*lol*. Einige älteren Kollegen haben auch vor meiner Zeit noch die Fenster, Böden und Toiletten geputzt.

    Zum routienemässigen EKG sassen die Patientinnen dann schon mit blanken Oberkörper in ein Vorraum...
    In so einem Wachsaal war natürlich wenig von Intimsphäre. Dort geschah alles unter den Augen der anderen Patienten. Der Geruch und die Geräuschkulisse kann man sich kaum mehr vorstellen.

    Liebe Grüße Brady
     
  19. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Nich nur weniger Schreibkram, auch deutlich mehr Personal, weniger Therapie(stimmt nicht ganz) und Diagnostik, dafür interessanter (öfter mal ne LP z.B.).
    Übrigens hatte ich mal das "Glück", das Stethoskop bis zum letzten Herzschlag auf der Brust halten zu dürfen. Heute zeitlich undenkbar.
    MfG
    rudi09
     
  20. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Hihi, das ist ja wirklich ein lustiger Thread.....

    Vieles, was ihr schon genannt habt, kommt mir sehr bekannt vor :lol: ....

    Zu Beginn der Ausbildung haetten mir eigentlich Schwimmhaeute wachsen muessen: Zimmer + Flure wischen, Staub wischen, Geschirr spuelen, Spuelraum - das waren wesentliche Bestandteile in den ersten Wochen!

    Haeubchen falten musste ich auch noch.Zum Glueck hatten wir Schueler "nur" eine relativ kleine Haube.

    Tupfer drehen, Zellstoff schneiden, Mullkompressen herstellen, Binden aufrollen - all das wurde gemacht, wenn es mal ein wenig ruhiger war.

    Handschuhe waren ein Heiligtum, es gab nicht viele davon - mussten vorsichtig ausgewaschen und desinfiziert werden, von beiden Seiten getrocknet und eingepudert. Logischerweise wurden sie nur verwendet, wenn es gar nicht anders ging :D .

    Ueberhaupt desinfizieren,auswaschen usw. zur Wiederverwendung aufbereiten: Glasspritzen, Kanuelen, Darmrohre und "Einlaufzubehoer", Blasenkatheter, Magensonden, Tuben aller Art - die Reinigung all dieser Utensilien war auch oft Schuelerjob.

    Als Schueler hatte man uebrigens fast nur Teildienst, war also immer zu den Stosszeiten praesent und man meinte, man haette 2 Schichten gearbeitet. Wir mussten uebrigens 44h pro Woche erbringen - 1 + 1/2 Tag Schule (=12h) und dazu noch 32h Arbeit -
    oder anders ausgedrueckt: 11 Tage Schule + Stationsarbeit (jeweils 8h) und 3 Tage frei - so regelmaessig wars natuerlich meist nicht....

    Ich hab 1988 in der damaligen DDR mit der Ausbildung begonnen und 1992 Examen gemacht - NEIN, ich bin nicht sitzengeblieben, meine Ausbildung dauerte regulaer 4 Jahre (ich glaub' , ich war der vorletzte Kurs mit den 4 Jahren, danach gabs nur noch die 3jaehrige Ausbildung).

    Vielleicht faellen mir noch ein paar "Highlights" ein :-) ! Bin gespannt, mehr von Euch zu lesen!!!
     
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