Ambulante Pflegedienste bangen um ihre Existenz

Ute

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[03.11.2004]

Ambulante Pflegedienste bangen um ihre Existenz

Studie: Unzureichende Finanzierung und zu viel Bürokratie

Die ambulanten Pflegedienste in Deutschland erwarten in den kommenden Jahren, dass sie immer mehr Patienten über einen längeren Zeitraum betreuen müssen und dass die Zahl der demenzkranken Pflegebedürftigen drastisch zunehmen wird. Gleichzeitig beklagen sie, dass die von den Hausärzten verschriebenen Pflegeleistungen von den Kranken- und Pflegekassen immer mehr gekürzt oder abgelehnt werden und dass der Verwaltungsaufwand steigt. Sollten sich diese Rahmenbedingungen nicht bessern, sehen sich 86 Prozent der ambulanten Pflegedienste langfristig in ihrer Existenz bedroht.
"Diese extrem pessimistische Einschätzung ist überraschend", sagte Frank Weidner am Dienstag bei der Vorstellung des Pflege-Thermometers 2004. Für die Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung Köln (dip) wurden im Frühjahr Daten von 632 ambulanten Pflegeeinrichtungen berücksichtigt; insgesamt gibt es bundesweit rund 10 500 Pflegedienste mit 190 000 Beschäftigten. <<mehr>>

Quelle: www.berlinonline.de
 

flexi

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in UTE´s Beitrag steht: schrieb:
bei der Vorstellung des Pflege-Thermometers 2004. Für die Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung Köln (dip) wurden im Frühjahr Daten von 632 ambulanten Pflegeeinrichtungen berücksichtigt;
Das Pflegethermometer 2004 kann unter​
http://www.dip-home.de/http://www.dip-home.de/ kostenlos heruntergeladen werden
oder auch hier direkt:

 

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Flora

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Gleichzeitig beklagen sie, dass die von den Hausärzten verschriebenen Pflegeleistungen von den Kranken- und Pflegekassen immer mehr gekürzt oder abgelehnt werden und dass der Verwaltungsaufwand steigt.
Hallo Ute,
das ist leider die Realität mit der wir leben müssen, wenn wir selbst nichts ändern.

Zum anderen beobachte ich noch eine ganz andere Gefahr, die uns langfristig unsere Jobs kosten könnte.
Bei uns, damit meine ich mein örtliches Einzugsgebiet, sind mehrere "Damen" aus dem nahen Ausland bei den zu Pflegenden von den Angehörigen eingesetzt.
Es gibt hier in Deutschland und in besagtem Ausland Vermittlungsagenturen, die allesamt sehr fleißig vermitteln.Die "Damen" sind 24 Stunden im Einsatz für 800 € monatlich, haben ein Zimmer mit Familienanschluß, schmeißen den Haushalt und machen mit den Enkelkindern Hausaufgaben. Es rechnet sich für die Angehörigen , weil, die "Damen" sind anspruch- und einspruchslos, weil sie ja Geld verdienen wollen und einige ja auch schwarz arbeiten.
Beispiel:
Bei einem Pflegefall( Wachkoma mit Trachealk.,PEG,Sup.Pub.,Bilanz.u.s.w.) hat die Ehefrau beschlossen, ihren Mann gänzlich von der "Dame" pflegen zu lassen. Diese hatte schon vorher mehrere Einsätze bei Schwerstkranken und obwohl sie nicht vom Fach ist, traut sie es sich zu die Pflege zu übernehmen. Wir versorgen nur noch Trachealk.u. PEG-Verband. Das ist nur ein Beispiel.

Was da noch auf uns zukommt bezeichne ich als Katastrophe für jeden Pflegedienst.:angryfire:
 

Ute

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Hallo Flora,

ich habe davon auch gehört, dass es solche "Damen" gibt! :angryfire:

Ich möchte Dir dazu sagen, es gibt die ausgebildeten Pflegeberater, die einmal im Jahr die Pflege vor Ort begutachten müssen. Jeder Angehörige, der die Pflege übernimmt und nicht einen ambulanten Pflegedienst beauftragt, muss sich darum kümmern, dass ein sogenannter Pflegeberater kommt und die Pflege begutachtet. Dies hat nichts mit dem Medizinischen Dienst zutun, der die Patienten für die Pflegeversicherung einstuft!

Ich denke, diese Pflegeberater müssen auf diese Probleme aufmerksam machen und in ihrem Bericht dann genau beschreiben wie die Pflege vor Ort aussieht. Und dann kommt es zur einer Nachforschung, hoffe ich!

Ich finde, es muss einen Nachweis geben, wie die Personen "pflegen" und wer "pflegt"! Es kann nicht sein, wie Du es schon beschrieben hast, das unqualifiziertes "Personal" ohne Fachwissen (da meine ich nicht die, die einen Kurs gemacht haben zur "häuslichen Pflege") dann die Menschen daheim pflegt und dann noch ohne Kontrolle!
 

Flora

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Hi Ute,
es gibt den MDK,aber Pflegeberater? Nie was von Pflegeberater gehört:gruebel: seit wann gibts die denn?:emba:
Zu welcher Institution gehören sie und was kontrollieren sie genau und wer kriegt den Rapport?
Bin :verwirrt: --hab ich da was verpasst?:emba:
Nun ja, meine "Leitung" müßte es wissen-werd mich mal hinter die Sache klemmen.

Bin seit 2 Tagen aus dem Urlaub zurück und hab schon wieder neue Info über die umtriebigen "Damen"--insgesamt haben wir jetzt 4 Patienten verloren.
Oh Graus-wer soll uns bezahlen? 8O

Immer die gleiche Begründung--Pflege ist zu teuer--bleibt für die Angehörigen nichts mehr--die "Damen" sind günstiger.

Möchte gern mal wissen, ob noch andere Pflegedienste betroffen sind und ob man da konkret was unternehmen kann-so kanns einfach nicht weitergehen.:wut:
 

Ute

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Hier mal etwas über die Weiterbildung zum Pflegeberater/Pflegesachverständiger

Weiterbildung zur/zum unabhängigen Pflegesachverständigen - Pflegeberater

Mit Einführung der Pflegeversicherung wurde im § 18 Abs. 7 SGB XI der Pflegefachkraft ein eigener vorgeschalteter Aufgabenbereich zugestanden. Hier geht es um die Feststellung des Pflegebedarfes und der Pflegequalität.
In den sich häufenden juristischen Auseinandersetzungen um die Ergebnisse dieser Feststellung zwischen Kostenträgern und Pflegebedürftigen sowie den Pflegeeinrichtungen begründet sich ein Qualifizierungs-bedarf für Gutachter.

Zielsetzung

Im Rahmen der Weiterbildung werden unterschiedliche Qualitätsmanagement- systeme vorgestellt, um Einrichtungen entsprechend der aktuellen Pflege- prüfverordnung sowie den Maßstäben anderer Systeme beurteilen zu können. Teilnehmer der Weiterbildung sind in der Lage, Qualität und Wirtschaftlichkeit der Pflege sachgerecht zu beurteilen und qualifizierte Gutachten zu erstellen. Die Weiterbildung bildet Spezialisten auf dem Gebiet Pflege aus, die Schlussfolgerungen nach wissenschaftlichen Regeln ziehen können. Teilnehmer/innen dieser Weiterbildung erhalten zusätzlich den Abschluss zum Qualitätsmanager.


Zugangsvoraussetzung

examinierte Krankenschwestern/Krankenpfleger, examinierte Altenpfleger/innen, Qualitätsbeauftragte mit mind. 5 Jahren Berufserfahrung
Noch nie etwas davon gehört?
 

Flora

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Hi Ute,

nein nie was von gehört-:kloppen: muß ich mich jetzt:emba: ..........
aber mal vielen Dank für die Aufklärung und auch für die Hinweise zu den interessanten Sendungen im TV
 

Trisha

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Bildungsmanagement Bereich chronische Wunden
Hi!


@ Ute: von diesem Berufszweig "PflegeberaterIn" hatte ich auch bisher nichts gehört.

In unserer Region (kann von anderen Regionen oder Bundesländern nicht sprechen) werden diese Pflegepflichteinsätze von einem zugelassenen Pflegedienst durchgeführt. Das heisst, unser Geschäftsführer, die PDL oder ich als stv. PDL suchen je nach Pflegestufe den Pat., der nur von Angehörigen oder von diesen angesprochenen "Damen" gepflegt wird, regelmässig auf (Pflegestufe 1 = 2x/jährlich, Stufe 2 = 3x/jährl., Stufe 3 = 4x/jährl.). Vor Ort wird die aktuelle Pflegesituation erfasst und eine Hautinspektion durchgeführt. Wenn wir Missstände aufdecken, im schlimmsten Fall z.B. Dekubitus, mangelnde Körperpflege o.ä. wird das dem MDK gemeldet. Angehörige müssen dann entweder an einem Pflegekurs teilnehmen oder das Pflegegeld wird gesperrt.

@ Flora: Auch wir haben schon so einige Pat. verloren. Oft kommen wir nur noch zur Behandlungspflege. Diese "Damen" sind rund um die Uhr da und kosten viel weniger. Ich kann den Pat./Angehörigen in dieser Hinsicht schon verstehen. Jedoch ein hoher finanzieller Verlust für Pflegedienste. Wo das wohl noch hinführt?

LG
Trisha
 

Flora

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JaTrisha, bei euch also auch!
Bange wirklich um meinen Arbeitsplatz-bin über fünfzig und da ist eine neue Stelle zu finden ziemlich schwierig.
Zumal man mich schon gefragt hat, ob ich nicht 75% arbeiten möchte. Möchte ich natürlich nicht, weil ich mich einfach noch fit fühle und weniger "Kohle" mir nicht leisten kann.

Und andererseits kann ich ja nicht schon die Rente beantragen--da kann ich dann gleich unter der Brücke schlafen.:roll:
Hab jetzt über 38 Berufsjahre auf dem Buckel und hoffe noch bis zur Rente meinen jetzigen Job behalten zu können.
Aber bei diesen wirtschaftlichen Entwicklungen, wird mir Angst und Bange.8O
 

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