Ambulante Pflege oder Pflegeheim?

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von tiniS., 15.01.2010.

  1. tiniS.

    tiniS. Newbie

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    Hallo, alle zusammen,

    ich möchte nach einer "Pflegepause" wieder einsteigen.
    Nach meinem Examen vor 10 Jahren war ich ein halbes Jahr in der Dialyse beschäftigt,
    dann wurde unser Sohn geboren und ich war vier Jahre nicht berufstätig.
    2005 habe ich als KS angefangen in einer Rehaklinik für Psychosomatik, wechselte dann in eine Akutklinik für Psychosomatik.
    Nun sind wir umgezogen, ich musste die Stelle aufgeben und möchte jetzt wieder in die Pflege einsteigen.

    Ich habe nun zwei Angebote, das eine ist eine 50%-Stelle in einem Pflegeheim (BRK), lange Dienste (6-17 Uhr) in einer Demenzgruppe.
    Das andere sind 50% im ambulanten Pflegedienst, mit langen WE-Touren.
    Beide sind etwa gleich gut bezahlt.

    Ich bin etwas hin- und hergerissen.
    Ich könnte mir vorstellen, daß die Arbeit im Pflegeheim vom Ablauf her "ruhiger" sein könnte,
    andererseits vielleicht nervlich belastender durch die langen Dienste mit immer den gleichen Patienten.
    Bei der ambulanten Pflege sehe ich das "Plus" in dem Wechsel der Patienten im Laufe des Dienstes,
    habe aber Sorge, daß ich durch die Fahrerei unter Druck gerate
    (während meines Ausbildungseinsatzes in der Amb. Pflege habe ich da unschöne Erfahrungen gemacht).

    Vielleicht mache ich mir da insgesamt auch einfach zu viele Gedanken, und das eine wie das andere ist gleichermaßen in Ordnung,
    wenn ich mich erstmal eingearbeitet habe.

    Gibt es hier jemanden, der in beiden Bereichen gearbeitet hat und mich an seinen Erfahrungen teilhaben lässt? :-)
    Daß man die Pflegeheime und Ambulanten Dienste nochmal untereinander in "gute" und "weniger gute" einteilen kann,
    ist mir klar, mir geht es um die Arbeit an sich.

    Liebe Grüße
    Tini
     
  2. Hypertone_Krise

    Hypertone_Krise Poweruser

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    In beiden Bereichen gibt es Vor- und Nachteile. Allerdings sind die Arbeitsbedingungen vor allem vom jeweiligen Führungsstil des AG abhängig. Dementsprechen geprägt sind meine persönlichen Erfahrungen:
    Im Altenpflegeheim habe ich es einerseits als Vorteil empfunden, vor Ort bleiben zu können. Die Einrichtung mit ihren räumlichen Gegegenheiten waren mir schnell vertraut und auch die Bewohner waren bis auf seltene Wechsel die gleichen. Es wurden kontinuierlich Standarts entwickelt, an denen man sich orientieren konnte. Die hygienischen Verhältnisse waren ( meistens ) einwandfrei, die Einrichtung selbst stets sauber und ordentlich. Man arbeitete zwar überwiegend alleine, konnte aber im Bedarfsfall Hilfe anfordern.
    Mit meiner 50 % Stelle arbeitete ich zwar auch im Schichtdienst, aber ich hatte regelmäßige freie Tage. Der Träger war kirchlich mit MAV und entsprechendem Tarif.
    Die Heimleitung legte großen Wert auf das Wohnambiente, viermal im Jahr wurden die Wohnbereiche entsprechend dekoriert. Potentielle Bewohner und deren Angehörige ließen sich davon stets täuschen, denn wie sich die Betreuung und Pflege in der Parxis gestaltet, ließ sich davon nicht ablesen...
    Als wirklich belastend habe ich empfunden, dass man sich häufig hätte vierteilen müssen, um die zeitgleich anfallenden Aufgaben zu erledigen. - Man führt bei einem Bewohner die GP durch, und muss diese mehrfach unterbrechen weil das Telefon oder die Schelle geht, ein Bewohner ruft, eine Kollegin Hilfe braucht etc..
    Was mich persönlcih auch zunehmend bedrückt hat, war das traurige Dasein so mancher Bewohner. Dass ihr Lebensabend auf 12 qm reduziert wird, sie wenn sie Pech haben, mit jemand anderen ein nicht viel größeres Zimmer teilen müssen...dass ihnen so wenig Privatsphäre bleibt und sie überwiegend von müdem, überforderten und lustlosen Pflegepersonal abhängig sind...

    In der ambulanten Pflege habe ich es als Vorteil empfunden, die Patienten nacheinander versorgen zu können. Zwischen dem einzelnen Patienten lagen die Fahrtwege, die ich - solange ich mich im Zeitplan befand - selbst als kleine Auszeit empfunden habe. Mit meiner Arbeit dazu beizutragen, dass die Menschen in ihrem zu Hause bleiben können, war ein gutes Gefühl. Ungut dagegen waren so manche häusliche Verhältnisse und die hygienischen Gegebenheiten, mit denen ich mich arangieren musste...
    Als belastend und extrem anstrengend habe ich die Pflege von Patienten empfunden, die ich nicht kannte. Pflegeablaufpläne sollte zwar vor Ort sein, sind aber meist sehr unverständlich oder nur sporadisch fomuliert worden, Übergaben fanden nicht statt und ich musste notwendigen Informationen oft hinterherlaufen. Die Wohnungsschlüssel der Patienten und auch mancher Autoschlüssel mussten im Büro immer wieder erst gesucht werden - selbst die Auto standen nicht immer dort wo sie stehen sollten - oft fehlten Medikamente weil sie nicht früh genug bestellt worden sind.
    Unterstützung konnte man zwar telefonisch anfordern, wurde aber selten erbracht, weil die Kollegen ja in anderen Stadtteilen selbst genug zu tun hatten.
    Notfälle oder einfach mal ein notwendiges längeres Gespräch führten direkt zum Zeitverzug, der sich nicht mehr aufholen ließ, was eine nervöse und angespannte PK und viele ungehaltene Patienten zur Folge hatte. Schlimm fand ich auch, dass Standarts nicht befolgt wurden und jeder mehr oder weniger pfegte wie er wollte. Pflegevisite? Nicht wirklich.
    Regelmäßiger Freizeitausgleich wurde nicht gewährleistet. Am WE mussten an beiden Tagen Doppelschichten gefahren werden. Warum diese Teildienste heißen, weiß ich nach wie vor nicht.
    Rufbereitschaften bedeuteten, dass man von 14:00 bis 08:00 für Patienten, Angehörige und Kollegen erreichbar sein und bei Bedarf auch nachts um 2:00 rausfahren musste. Und das 7 Tage am Stück zusätzlich zum Frühdienst und wenn man Pech hatte, nicht wie geplant jede 5. te, sondern jede 3.te Woche.
    Mühsam war auch die Konsultation der Haus- und Fachärzte. Oft vergingen mehrere Tage, bis ein Arzt zurückrief.
    Wenn ein Kollege krank wurde, wurde dessen Tour auf die anderen umverteilt. Da häufig mehrere Kollegen zeitgleich krank waren, knickten die noch Gesunden unter der daraus resultierenden Mehrbelastung irgendwann auch ein...
    Und was ich auch nicht prickelnd fand waren die hauswirtschalftliche Tätigkeiten. Das hat meinem Ego nicht wirklich gut getan, als examinierte Pflegefachkraft bei anderen Leuten putzen zu müssen...
    Ich lehne nach den gemachten Erfahrungen inzwischen beide Bereiche ab und bin gerade dabei, mich umzuorientieren.
    Bin gespannt auf Deine Entscheidung.
     
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