Ambulante OP - Erfahrungsbericht

Dieses Thema im Forum "OP-Pflege" wurde erstellt von SunnyMK, 01.05.2006.

  1. SunnyMK

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    Letzte Woche musste ich gezwungenermaßen einen Rollentausch übernehmen. Meine 4 Weisheitszähne mussten raus,hatte mich für eine Vollnarkose entschieden. Nach dem Beratungsgespräch mit dem Arzt der Zahnklinik und der Vereinbarung zum OP-Termin,dachte ich, dass ich ja gleich zur Anästhesie muss zum Aufklärungsgespräch. Fehlanzeige. Die Arzthelferin gab mir den Termin und drückte mir den Aufklärungsbogen in die Hand "zum OP-termin ausgefüllt wieder mitbringen" Aha, gut.
    Auf dem Narkoseprotokoll standen noch ein paar Anweisungen, z.B. "6 std vor OP nicht essen,trinken,rauchen", "Nehmen Sie am OP Tag ihre gewohnten Medikamente ein, außer orale Antidiabetika" (AHA, Marcumar o. Ä. also vor OP nicht absetzen?)
    Von "kommen Sie ungeschminkt und tragen sie keinen Nagellack" stand erst recht nichts darin...

    Naja,soweit so gut, ich bin ja vom Fach und weiß ganz gut wie ich mich vorzubereiten habe.
    Am OP tag also in Begleitung in die Klinik gefahren. Als OP-Patient wurd man gleich weiter zu den OP Räumen geschickt. Dort musste ich auf die Anästhesisten warten, kurzes Gespräch, ob ich fragen habe, nach 2 Min war das "aufklärungsgespräch vorbei" (gut,ich bin ja auch jung und gesund).
    Dann warten auf die OP... Also ich war sowas von aufgeregt,ich wär am liebsten wieder gegangen. Da ist niemand, der einen betreut...

    Dann ging die Tür auf, ich wurd rein gerufen. in dem Raum 4 Leute, auch die Anästhesistin, die kannte ich ja bereits. Alle anderen machten sich auch erst gar nicht die mühe sich vorzustellen...
    "Legen Sie sich mal auf die Liege hier" (meine Gedanken..."Wie jetzt? Wo kann ich mich denn umziehen? Wo ist denn mein OP Hemd?")
    Nichts mit op-hemd. Ich lag auf dem Op-Tisch so wie ich gekommen war, in Jeans, Bluse und mit Schuhen.
    Ein pfleger (?) krempelte mir dem Ärmel hoch, legte mir eine Braunüle und spritze mir das Narkosemittel,nachdem am anderen Arm die blutdruckmanschette befestigt wurde. Himmel,hoffentlich geht alles gut, das waren meine letzten Gedanken.
    Ab dann hab ich ja zum Glück nichts mehr mitbekommen...

    Als ich wach wurde blickte ich in das Gesicht meiner mutter, die neben mir saß... Ich lag auf einer Pritsche, ohne Decke bei geöffentem Fenster und war am Zittern. Je mehr ich zu mir kam,umso mehr schmerzen bekam ich... Ich schaute mich um. Pflegepersonal- Fehlanzeige. Dort ist es so üblich,dass einen die Angehörigen im Aufwachraum betreuen. Zumindest meine Mutter war mit der Situation völlig überfordert! Hatte ja selbst keine Ahnung wie das dort so von statten geht und dann liegt auch noch ihre eigene Tochter da,die komische Töne von sich gibt. Ich schlummerte zwischendurch immer wieder kurz ein bis ich richtig wach wurde.
    Dann endlich, eine Schwester kam rein...Meine mutter bat um einen waschlappen und wusch mir erstmal mein blutverschmiertes Gesicht ab und ich frug nach einem Schmerzmittel. Schließlich hatte ich ja noch meine braunüle...
    Da wurde ich das nächste mal überrascht "vertragen Sie Novalgin?" Auf mein "Ja" zählte sie tropfen in einem Becher ab,füllte sie mit Cola auf und gab sie mir zu trinken. (und wieder der Gedanke, dass es sowas im Krankenhaus nicht gibt...)
    Nun gut,in der Not frisst der Teufel Fliegen,also her damit, auch wenns erst in ner dreiviertelstd wirkt.
    Ich wollte nur noch eins: Nach Hause, aber schnellstmöglich. Ich hab gefragt,wann ich gehen könnte... "Sofort,wenn Sie sich gut fühlen"

    Ohne irgendwelche Anweisungen (außer gut kühlen) bin ich dann eine halbe Std nach ner OP etwas wackelig auf den Beinen nach Hause (beim ersten Aufstehen war natürlich auch niemand vom PP da... )

    Mein Fazit: Nie wieder! Auch,wenn bei mir alles gut verlaufen ist. Das war zwar nur eine "Mini- OP" von 30 min, aber Vollnarkose ist Vollnarkose und birgt auch immer gewisse Risiken!
     
  2. Morningstar

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    Hi Sunny,

    kenn da selbst aus eigener Erfahrung, gleiche OP unter Narkose... Ausziehen musst ich mich schon, aber das anziehen war das große Problem. Ich von der Narkose noch voll bedudelt lag da nun also und kam langsam zu mir. Der Anästhesistin ging mein Aufwachen wohl nicht schnell genug und sie klatschte mir links und rechts eine auf die Wange (frisch operiert, aua!!!). Meine ma stand mit mir auch allein da, war nicht mal richtig fähig zu sitzen, da sollte sie mich wieder anziehen. weiß noch genau ich wollt helfen und mich hinsetzen, aber es ging nicht...ich war wie Pudding. und meine arme Mutter hat sich einen abgequält und mich da versucht anzuziehen. Dann wurden wir rausgeschmissen weil die nächsten schon draußen warteten. Der "Aufwachraum" war nur eine Liege und der Tropfständer. da hat man sich vorher umgezogen und das war auch superklein da... Zum Glück war meine Freundin mit. Die hat mich dann mit Ma untergehackt und hat mich zum Auto geschleift, noch ne Treppe runter. nen Rolli oder Fahrstuhl gabs nicht. So richtig wach war ich dann erst , als wir fast zu Hause waren... War echt Horror!!!

    Ob das immer so verantwortungslos abläuft? ich kam mir da vor wie in ner Massenabfertigung...

    LG, Morningstar
     
  3. SunnyMK

    SunnyMK Senior-Mitglied

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    ja,so kommt es mir auch vor...
    Nach dem motto "So viele wie möglich durchschleusen".

    Im Nachhinein tut mir meine mutter richtig leid, wenn ich das gewusst hätte, dass es so läuft,hätte ich meine Freundin (auch Krankenschwester) gebeten mitzukommen. Meine Mutter hat eh großen Respekt vor Krankenhäusern,Ärzten usw. Und dann liegt da die noch narkotisierte, blutverschmierte, zitternde Tochter... Ein Laie ist doch allein mit so einer Situation völlig überfordert!
     
  4. Nutella Woman

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    Nun mal das Gegenteil:

    Vorgespräch mit Anästhesisten, der dabei gleich den üblichen Anästhesiebogen ausgefüllt hat. Nach ein paar Tagen dann OP-Termin in der Praxis. Dort kam nochmal der Anästhesist um zu fragen, ob noch irgendwelche Unklarheiten aufgetaucht sind. Danach mußte ich mir Nasentropfen verabreichen, zur prophylaktischen Abschwellung (Tubus wurde über die Nase eingeführt). Von der Op weiß ich nur noch, daß ich schon beim Spritzen des Mittelchens eingeschlafen bin. Aufgewacht bin ich im Nebenraum - zugedeckt mit einer Decke & einer Anästhesieschwester, die alle paar Minuten reingeschaut hat (meine Mutter war in der Zeit einkaufen). Ich hatte auch das postoperative Zittern, aber das verging nach ein paar Minuten wieder. Mit einem Merkblatt mit den wichtigsten Verhaltensregeln & einer Notfallnummer des Kieferchirurgen wurde ich dann nach Hause entlassen. Wach war ich da eigentlich schon wieder... daruaf haben die schon geachtet :wink1:

    Wie bei allen Ärzten gibt es wahrscheinlich solche und solche...

    Weisheitszahnfreie Grüße,
    Nutella Woman

    P.S. Lustig wurde es erst nach einer Woche beim Fäden ziehen: Der Doktor hatte sich den Daumen gebrochen; das Ziehen mit Gips war schon zum Schießen :zunge:
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Was mich so sehr verwundert, dass keiner: ob Angehöriger oder Patient in solchen Situationen seine Unsicherheit signalisiert. Ist der Glaube an die Kunstfertigkeit von Ärzten und Pflegepersonal so groß, das man sich nicht traut oder woran liegt es?

    Für Pflegekräfte wird in den Beispielen ev. nochmal deutlich, wo die Aufgaben liegen: nicht nur das Handwerk muss beherrscht werden- noch mehr braucht Patienten/ Angehöriger Anleitung, Begleitung und Beratung. Ein Angehöriger ist sehr wohl in der Lage eine komplikationslose Aufwachphase zu begleiten wenn er entsprechend angeleitet wird.

    Zur oralen Gabe von Schmerzmitteln ist zu sagen, dass dies stets im ambulanten Bereich bevorzugt wird. Langsameres Anfluten ist sicher eine Problem- i.v. Gaben sind aber komplikationsbeladener.

    Elisabeth
     
  6. Morningstar

    Morningstar Senior-Mitglied

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    Hallo...

    also ich war nach der OP selbst total breit :verwirrt: , da war ich gar nicht in der Verfassung irgendne Beschwerde anzubringen und ich glaub meine Ma war einfach nur total überfordert mit mir in dem Moment...

    Aber es stimmt, wenn man selbst mal in der Situation ist, sich man die Sicht der Patienten mal selbst. Es gibt dadurch so ein paar Dinge, die ich mir hinter die Ohren geschrieben habe.

    Über die präoperative Betreuung kann ich mich nicht beschweren, aber die postop. Phase war ne einzige Katastrophe...vorallem von pflegerischer Seite.
    Da hab ich mir gesagt, sowas darf einfach nicht passieren!!! Aber wahrscheinlich war das Personal selbst total überfordert mit der schnellen Abfolge der OP´s...

    LG, Morningstar
     
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