Ambulante Kinderkrankenpflege - einmal quer durch die Stadt

Dieses Thema im Forum "Tätigkeitsberichte" wurde erstellt von panki, 07.09.2007.

  1. panki

    panki Senior-Mitglied

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    Hallo,

    Nachdem ich hier so interessante Berichte über Eure tägliche Arbeit gelesen habe, will ich nun auch mal aufschreiben, womit ich mich nun seit ca. 3 Jahren tagtäglich beschäftige.

    Ich arbeite als Kinderkrankenschwester in der ambulanten Kinderkrankenpflege. Vorher habe ich in Kinderkliniken, Krankenhäusern und in Einrichtungen der Behindertenhilfe gearbeitet.

    Nun betreue ich ambulant schwerst-mehrfach-behinderte und chronisch kranke Kinder in ihrer häuslichen Umgebung und/oder begleite sie in die Schule/in den Kindergarten.

    Bis vor kurzen habe ich in einer Integrativen Kindertagesstätte den ganzen Tag dort die behinderten Kinder betreut und gepflegt, jetzt "springe" ich zwischen den verschiedenen Einsatzorten hin und her.

    Einige meiner Kollegen/Kolleginnen arbeiten im 3-Schichtsystem fest bei beatmeten/trachoetomierten Kindern zu Hause, wenn dort eine 24-oder 12-Stunden-Pflege nötig ist.

    Ich gehöre zu der Gruppe, die eben punktuell stundenweise Betreuung, Entlastung und Beratung leistet. Die Einsätze sind sehr unterschiedlich.

    Mal bin ich für einige Stunden bei einem Kind, betreue es, um die Familie zu entlasten und pflegerische Tätigkeiten durchzuführen, mal bin ich auch nur kurz in der Familie, um Ansprechpartner bei Problemen und Fragen zu sein oder bestimmte behandlungspflegerische Tätigkeiten durchzuführen (Magensondenwechsel, PEG-Pflege, Verbandswechsel, Tracheostoma-Pflege, Medikamentengabe, etc.).

    Bei den Kita-/Schulbegleitungen betreuen wir das Kind in seinem Alltag und führen dort auch die Behandlungspflege durch, die rein rechtlich das dortige Personal nicht durchführen kann/darf.

    Anders als in der häuslichen Erwachsenenpflege fahren wir nicht bestimmte Touren, sondern unsere Einsätze sind an dem jeweilig genehmigten Stundenbedarf und den Famiien orientiert.

    Um das anschaulicher zu machen, beschreibe ich einfach mal zwei Arbeitstage der letzten Zeit.

    Morgens bringe ich mein eigenes Kind zur Schule, fahre dann zu meinem ersten Patientenkind und dessen Familie. Dort werde ich von der Mutter erwartet. Sie erzählt mir von den letzten Tagen, der Ernährungssituation und dem Allgemeinzustand des Kindes. Dann geht sie los und bringt das Geschwisterkind zur Kita. Mein Patientenkind ist ein Säugling mit Mangelernährung aufgrund von Störungen im Magen-Darm-Trakt, hat eine Magensonde, die einmal wöchentlich von uns gewechselt wird, wir kontrollieren das Gewicht und den Ernährungszustand, helfen beim "Trink-Training" und geben der Mutter Tipps für das Handling und die Ernährung. Je nach Bedarf entlasten wir die Mutter, die somit auch eigene Termine wahrnehmen und sich auch noch um das Geschwisterkind kümmern kann. Ich spreche mit der Mutter die weiteren wöchentlichen Termin ab, vervollständige die Patientenkurve, die bei den Familien verbleibt, und lese mir noch den neuesten Krankenhaus-/Arztbericht durch.

    Danach geht es weiter in eine Integrationskita. Dort werde ich zwei schwerst-mehrfach-behinderte Kinder betreuen, die sondiert werden müssen, PEG-Verbandswechsel erhalten, Inhalationen bekommen und ein Kind bekommt Insulin gespritzt. Damit bin ich eine Weile beschäftigt. Die Patientenkurven erwarten mich auch noch, Pflegeplanung noch aktualisieren und Ernährungspläne...

    Zwischendurch stehen Telefongespräche an mit Ärzten, Therapeuten, Kollegen und meiner PDL im Büro. Infos einholen, Dienste absprechen, Termine vereinbaren, etc.

    Dann muss ich noch in eine Kinderarztpraxis. Dort hole ich Verordnungen und Rezepte ab und vereinbare ein Vorsorge-Termin, bei dem ich eine junge Mutter begleite, die unsere Hilfe und Unterstützung durch das Jugendamt vermittelt bekam.

    Mein Arbeitstag ist nun zu Ende, die "Mama-Arbeit" geht weiter, dafür aber entspannter, denn mein eigenes Kind kann ich garnicht oft genug umarmen, weil ich so froh bin, dass es so gesund und gut entwickelt ist. Ein Glück, das viele meiner zu betreuenden Familien leider nicht als Selbstverständlichkeit sehen können.

    Am nächsten Tag ist mein erster Termin bei einer Mutter, die von uns Kinderkrankenschwestern in den ganz alltäglichen Dingen angeleitet werden muss, z.B. Körperpflege und Ernährung des Babys. Wir trainieren mit ihr das Baden, Wickeln, Füttern, die Nahrungszubereitung und auch die Beschäftigung und das Handling des Säuglings. Der Überblick und das Verständnis der jungen Mutter sind nicht ausreichend vorhanden und erfordern diese kontinuierliche Betreuung. Erschwerend kommt hinzu, dass das Kind ein ehemaliges Frühgeborenes ist, welches lange auf der Neo-Intensiv lag und nun auch mehrmals inhalieren muss und Medikamente bekommt. Meine Kollegin wird heute nachmittag und abend die Pflege dort übernehmen und auch die Mutter zu einem Arzttermin und zur Physiotherapie begleiten. Zusätzlich stellt das Jugendamt eine Familienhelferin.

    Nun fahre ich wieder in die Kita, in der ich wieder meine gestrigen Patientenkinder pflege. An manchen Tagen arbeitet dort eine Kollegin. Wir wechseln uns ab, um somit unsere Termine bei den verschiedenen Familien besser zu koordinieren.

    Als nächstes steht ein Krankenhaustermin an zusammen mit meinem Einsatzleiter. Die verschiedenen Teams haben jeweils eine Einsatzleitung, der/die für die Dienstplanung, die Terminkoordination, Einarbeitung, Qualitätskontrolle und andere organisatorische und administrative Tätigkeiten zuständig ist, vergleichbar mit einer Stationsleitung. Alle zusammen unterstehen wir der PDL und der Geschäftsführung.
    Am Krankenhaus treffen wir uns. Dort besuchen wir auf der pädiatrischen Intensivstation ein Kind und dessen Mutter, die bald entlassen werden sollen und deren weitere Betreuung wir übernehmen werden. Es erfolgt ein Überleitungsgespräch mit der Stationsschwester, einer zuständigen Pflegekraft, der Stationsärztin, der Mutter und uns. Mein Einsatzleiter erklärt unsere Arbeit, die Abläufe und die ganzen Antragsformalitäten (Krankenkasse, etc.). Die dortigen Pflegekräfte geben Auskunft über Anamnese, Krankheitsverlauf, Besonderheiten, usw. Bei der endgültigen Entlassung wird auch einer aus unserem Team dabei sein.

    Als letzten Termin habe ich ein größeres Kind zu betreuen. Mein Patient ist schwerst-mehrfach-behindert, autistisch und Epileptiker. Die Pflege übernimmt die Familie. Aber um ihnen Auszeiten zu geben und sich auch um eigene Belange zu kümmern, hat (zum Glück) die Krankenkasse einige Stunden pro Woche eine Kinderkrankenschwester genehmigt. (Leider ist das nicht immer der Fall. Oft kämpfen die Familien lang um eine Entlastung.)
    Die Tätigkeit dort ist für alle Beteiligten sehr angenehm. Die Eltern haben nun endlich mal Zeit für sich (eigene Arzttermine, Frisörbesuch, Erledigungen, Einkaufen oder nur mal so für sich sein). Das Kind genießt die Abwechslung einer neuen Bezugsperson, die natürlich (ganz unpädagogisch) besondere Sachen macht, wie Eis essen gehen und mal Dinge durch gehen lassen, die Eltern vielleicht enger sehen. Und ich finde es auch super so intensiv Zeit für einen Patienten zu haben. Entweder wir gehen spazieren, unternehmen etwas oder ich biete ein Bad oder eine Massage an. Mit den Eltern spreche ich über Probleme, die evtl. geklärt werden müssen (Krampfanfälle, Medikation, Hilfsmittel beantragen, etc.) und dokumentiere alles in der Patientenkurve. Diese werden übrigens am Monatsende im PDL-Büro mit neuen Monatsblättern bestückt, alte werden archiviert. Unsere Stundennachweise geben wir auch am Monatsende ab.

    Abschließend wäre noch zu erwähnen, dass es monatliche Teambesprechungen und bei Bedarf Fallbesprechungen gibt.

    Fazit: Nach jahrelanger stationärer Tätigkeit empfinde ich die ambulante Arbeit inzwischen als "Geschenk". Bei aller Rumfahrerei und hektischer Terminkoordination habe ich dann bei den Kindern selbst viel Zeit für die Pflege und einen guten Kontakt zum Patienten und der Familie. Oft muss man den Grad zwischen Professionalität und "Fast-Familien-Mitglied" wandern. Man kommt in die Familien, in deren Privatbereich, sieht und hört Dinge, von denen andere nichts mitbekommen, wird oft freundschaftlich mit einbezogen und bei vielem um Rat gefragt, aber letztendlich ist man die Fremde, die von außen kommt und professionelle Pflege leistet. Wenn man sich alles "zu Herzen" und "mit nach hause"nehmen würde, könnte man diesen Job nicht machen. Aber das ist ja bei der stationären Arbeit ähnlich.

    Ich hoffe, dass ich einen kleinen Einblick geben konnte in die Arbeit von uns "Einzelkämpfern".

    Liebe Grüße an Euch alle
     
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  2. megaira

    megaira Junior-Mitglied

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    Ambulanter Pflegedienst, Heimbeatmung
    Vielen Dank für den tollen und eindrucksvollen Bericht. Schön zu lesen, dass es nicht nur Schwestern/Pfleger gibt, die mit der amb. Pflege unzufrieden sind :-)


    LG Meg, auch amb. Pflege, Heimbeatmung
     
  3. panki

    panki Senior-Mitglied

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    Hallo Ihr lieben Kollegen,

    Als Anmerkung zu meinem obigen Tätigkeitsbericht als ambulante Kinderkrankenschwester hat sich meine derzeitige Tätigkeit etwas geändert aufgrund familiärer Situation.

    Betreue jetzt ein behindertes Kind fest tagsüber als begleitende Kikra-Schwester in der Integrationstagesstätte.
    Die Arbeitszeit orientiert sich am Pflegebedarf.
    Ich fange vormittags an und arbeite bis nachmittags.:lol:

    Zu meinen Aufgaben gehört die kontinuierliche pflegerische Versorgung des Kindes (Nahrungszubereitung, Sondennahrung verabreichen, VW, Grundpflege, Hautpflege, Lagerung, Inhalationen, b.Bed. Sauerstoffgabe, Verabreichen der Medikamente, Lauftraining, Prophylaxen, usw.) sowie die psychosoziale Betreuung (u.a. Elterngespräche, Begleitung zu Ausflügen und Festen, Begleitung zu Therapien und Einzelförderstunden, Kontakt und Austausch mit häuslichem Pflegeteam und mit dem Erzieherteam, Sprachtraining, usw.).

    Eine sehr schöne ganzheitliche Arbeit!:troesten:

    Liebe Grüße an Euch alle
    panki
     
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