Alternative Zugänge bei Kindern

Dieses Thema im Forum "Kinderintensivpflege" wurde erstellt von Krotob, 05.11.2007.

  1. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallo würde mich mal interessieren,

    gibt es Erfahrungen, wie läuft es in der Realität?
    Laut Leitlinien der ERC, soll man für einen peripheren Venenzugang nicht mehr als 90 sek verwenden (natürlich in einer Notfallsituation), erfolgt in dieser Zeit keine erfolgreiche Punktion, sollte man sofort auf eine Alternative zurückgreifen, d.h. idR eine intraossäre Nadel, oder bei Neugeborenen der Notfall NVK.

    Läuft es wirklich so?

    :thinker:
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Für alle denen es ähnlich geht wie mir: Was ist eine intraossäre Infusion?

    In ff. Filmchen kann man sehen, dass dies wohl nicht nur bei Frühchen Anwendung finden kann: Intraossäre Infusion: Material

    Elisabeth
     
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  3. Stupsi

    Stupsi Stammgast

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    Bei uns ist in jedem Notfallkoffer/Rucksack, sowie in den Notfallwägen eine intraossäre Nadel vorhanden. Anwendung findet sie eher selten und nur in Notfällen, meist bei "größeren" Kindern, die "aus der Straße" zu uns hereinkommen.

    Bei der Erstversorgung von Frühchen oder problematischen Neugeborenen haben wir in der Regel einen Oberarzt dabei oder haben die Möglichkeit, daß gleich einer zur Stelle ist. Und einer der versorgenden Ärzte hat dann meistens schnell eine Infusion gelegt.

    Einen NVK legen wir meistens erst auf Station, weil da mehr Platz ist, als im Erstversorgungsraum, wir die nötige Sterilität besser gewährleisten können und die Möglichkeit haben auch gleich eine Röntgenkontrolle zu machen.
    NVK legen im Erstversorgungsraum kommt nur in ganz schwierigen Fällen vor, z.B. schwerste Asphyxie, laufende Reanimation.
     
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  4. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallo Elisabeth,

    sorry, ich bin jetzt einfach mal davon ausgegangen, dass jeder diesen Zugangsweg kennt (etwas Berufsblindheit). Daher vielen Dank für Deine Aufklärung und der Film ist auch prima zum Thema!

    Gruß
    :wink:
     
  5. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallo Stupsi,

    finde ich gut, dass Ihr so eine gute Ausstattung habt (ich hoffe das ist in den meisten anderen Kliniken auch so). Auch bei uns ist der i.O Zugang eine Seltenheit, weil die Überwindung einfach auch sehr groß ist.
    Bei uns sind die Docs eigentlich auch sehr geschickt mit den peripheren Tröpfen, aber so 2-3 Versuche sind schon mal drinnen (v.a. bei einer peripher schlechten Durchblutung), da würde z.B. empfohlen bei einem Neugeborenen der schnelle Notfall-NVK, der verbleibt bis ein gesicherter peripherer, zentraler oder auch ein normaler NVK liegt. Mit Notfall NVK meine ich (bzw. wird von der ERC) ein einfache Sondierung der Nabelvene mit einer Braunüle (Viggo, ...) oder z.B. Magensonde, ca. 2 cm. unter Hautlevel. Damit hat man nicht die Gefahr einer Fehllage, aber kann alle Medikamente verabreichen, d.h. v.a. Reanimationsmedikamente und Volumen.

    Danke für Deine Ausführungen

    :wink:
     
  6. junni

    junni Stammgast

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    Frühgeborenen- und Kinderintensiv
    Funktion:
    stellv. Stationsleitung
    Hallo!

    Also wir haben auch in allen Notfallkoffern/ Rucksäcken/ Wägen IO-Nadeln. Bin allerdings sehr froh, das wir bisher keine gebraucht haben. Bisher haben die Ärzte eigentlich immer was "dran" gekriegt. NVK's legen wir eigentlich auch erst auf Station. Aus den oben genannten Gründen. Einmal hab ich es allerdings erlebt, das der Arzt keine andere Möglichkeit mehr gesehen hat. Der NVK hat aber auch net geklappt :-(
    Haben allerdings in den letzten Wochen 2 Kinder vom Notarzt mit IO-Zugang gebracht gekriegt. Da ging absolut nix mehr. Haben's auch beide nicht geschafft.

    VG junni
     
  7. behid

    behid Gast

    Zunächst einmal finde ich es völlig normal, das sich diese intraossären Nadeln in einem Notfallkoffer oder einem Rea-Raum befinden.
    Das eigentliche Problem ist aber doch, dass im Notfall häufig niemand da ist, der diese Nadeln fachgerecht anwenden kann. Und wenn man sich in der Handhabung nicht sicher ist, dann darf/sollte man die Finger davon lassen.

    Im Erstversorgungsraum für die Frühgeborenen haben wir keine intraossären Nadeln, weil man bei Früh und Neugeborenen schnell und sicher die Nabelvene punktieren kann und dies auch von den erfahrenen Neonatologen sicher gehandhabt wird.

    In einer Klinik haben wir bei den jährlichen Rea-Übungen auch immer gesehen wie die intraossären Nadeln gelegt wurden. Das mussten dann die anwesenden Assistenzärzte an einer speziellen Puppe üben. Die Fixation usw wurden dann von den Pflegenden geübt.
     
  8. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallöchen,
    völlig normal ist es leider (noch) nicht. Da die Systeme leider noch nicht recht billig sind. In anderen Ländern werden z.B iO-Nadeln, sehr viel häufiger verwendet (z.B. Isreal, aus der Erfahrung der Anschläge). Schlecht finde ich es, wenn die Systeme am Platz sind und keiner kann im Notfall damit umgehen. Wie mit jedem Gerät oder medizinischen Produkt, gehört eine richtige Einweisung gemacht und das Verfahren geübt. Da die Fälle, wo im Moment eine Anwendung zum Tragen kommt, sehr wenige sind, wird man am "echten" Patienten nicht die nötige Erfahrung bekommen. Aber es gibt sehr gute Übungsgeräte, die realistisch sind und eine richtige Punktion im Ernstfall mit hoher Wahrscheinlichkeit ermöglichen. Wer es nicht gelernt hat, oder sich nicht sicher ist, ganz klar: Finger weg !
    Bei der Versorgung von Neugeborenen wird es sicherlich eine absolute Ausnahmesituation bleiben, da ist der Notfall-NVK vorzuziehen. Jedoch vor einer e.t. Medikanten Applikation ist der i.o. Zugang auf jeden Fall zuverlässiger.
    Ob eine jährliche Reanimationsfortbildung ausreichend ist, darüber lässt sich streiten und soll hier nicht Punkt der Diskussion sein.

    Gruß
    :wink:
     
    #8 Krotob, 07.11.2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 07.11.2007
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