Alleine sterben!

dagmar

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Ich hab ebenfalls positive und negative Erfahrungen gemacht. Ich hab irgendwann aufgehört die Toten zu zählen die bei mir verstorben sind. Mich belastet das nur manchmal, wenn es junge Leute sind oder der Patient noch gar nicht mit dem Leben abgeschlossen hat. Das ist , wie soll ich sagen, so ein Todeskampf.
Aber wes ich ganz entsetzlich finde ist allein zu sterben. Wenn die Verwandten keine Zeit haben , auf den letzten Weg zu begleiten. Ich versuche immer, dabei zu sein, Hand zu halten, Pfarrer zu verständigen und die Angehörigen zu rufen. Habt ihr auch schon so fadenscheinige Ausreden gehört wiè: Ich muß morgen früh zur arbeit. Ach, kriegt sie/er überhaupt noch mit wenn ich da bin? Bis ich da bin ist es doch vielleicht zu spät, dann komm ich morgen erst!Usw. Es ist das allerletzte und dafür hab ich kein Verständnis. Angst vor dem Angesicht des Todes, laß ich irgendwie nicht gelten. Ich finde es wäre Pflicht zu begleiten. Aber das mag mit unserer Kultur zusammenhängen. Wir sind etwas hintendrein, was das betrifft.
Das allerschlimmste war der Sohn eines Patienten ! Er ist verständigt worden als es dem Vater plötzlich schlecht ging und der Tod zu erwarten war. Der Sohn kam dann nach 2 Stunden ging zum Vater und ich ging aus dem Zimmer. Der Patient hatte die Augen auf und verstand noch, konnte aber nicht mehr sprechen. Nach einigen Minuten(!) sah ich den Sohn auf dem Gang Richtung Ausgang gehen mit einer Flasche Saft in der Hand. Denkt euch er hat die Flasche von seinem Vater gestohlen. Es war das einzigste was der Patient am Nachtkästchen hatte. Ich hab nicht mehr gekonnt als ich in den Augen des Patienten las. Den Sohn habe ich nicht mehr gesehen und der Patient ist in der Nacht allein gestorben.
Ich werde versuchen bei meinen Angehörigen den letzten Weg zu begleiten.Und geb den Lebenden, du kannst Freude nur zu Lebzeiten machen.
Viele Grüße
Dagmar
 

Rabenzahn

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Hallo Dagmar,

so eine ähnliche Situation habe ich auch erlebt, als ein Mann ganz urplötzlich verstarb.
Seine Frau weinte bitterlich als sie kam und war kaum zu trösten. Plötzlich begann sie ganz hektisch seine Sachen einzupacken und suchte dies und das. Dann wieder Weinkrämpfe und so ging es immer im Wechsel.
Ich hielt es für eine paradoxe Reaktion.

Vielleicht wollte der Sohn ein Andenken an seinen Vater haben. Aber dann hätte er sich doch wieder gezeigt. Nein ich glaube auch das es das gemeinste Verhalten war, was man sich vorstellen kann.
 

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