Alkohol Delirium - Diazepam oder Distra?

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von sumisu, 24.10.2009.

  1. sumisu

    sumisu Newbie

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    Hey,

    in letzter zeit hatten wir mehrere Alkoholkranke auf der ITS! Einige sind davon leider ins Delir gerutscht (sorry für meine ausdrucksweiße) dank der inkompetenten :schraube: Internisten.

    Wie behandelt ihr den auf Station die Patienten?
    Bei uns gibt man Distraneurin Kapseln. Ich sehe darin keinen großen Erfolg weil es viel zu viele Nebenwirkungen hat und oft auch nicht die entsprechende Wirkung zeigt.

    Noch eine andere Frage: Wie sieht bei euch der Umgang mit den Patienten aus? Eher abwertend oder verständnisvoll?

    Danke für die antworten!!!
     
    #1 sumisu, 24.10.2009
    Zuletzt bearbeitet: 24.10.2009
  2. AntjeX

    AntjeX Junior-Mitglied

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    Hallo,

    wenn man Distraneurin richtig dosiert, wirkt das in den meisten Fällen auch gut und die NW halten sich in Grenzen.
    Man muss die Dosierung dem Zustand der Leute anpassen und nicht nach Schema 3x2 oder ähnlichem.
    Am besten guckt man sich dazu an, wie sehr die Leute zittern an den Händen und wie tief der Schlaf ist.
    Bei sehr schwerem Entzug kann z.B. es leicht sein, dass man 2 stündlich 2 Kps. geben muss am Anfang.

    LG
    Antje
     
  3. jok5030

    jok5030 Gesperrt

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    Bei uns kriegen die 303er nen Perfusor mit DHB auf 4,5ml/h oder wenn's ganz dicke kommt eben Propofol. Sind se dann aus dem Gröbsten raus,geht's mit Distra plus Radepur oral weiter,dies je nach Körpergröße-und gewicht sowie der Ausprägung des Abusus. Und "abwertend" wird keiner behandelt,denn der 303 ist ne anerkannte Krankheit und die auslösende Ursache des Abusus beim Patienten kennt ja keiner . Nee,werten geht ja nun absolut nicht !!!
     
  4. Dirk Jahnke

    Dirk Jahnke Poweruser

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    Moin,Moin

    Biete noch den Paracephan (Clonidin) Perfusor :anmachen:

    Distra wird bei uns nicht mehr gegeben. Gerade was die Atmung betrifft kann es ja ganz unangenehme Nebenwirkungen haben.(Schleimproduktion zusammen mit Atemdepression)

    Meist jedoch Diazepam (ggf. Kombi mit Haloperidol) nach Wirkung.

    Ich persönlich verhalte mich eher neutral. Setze den Fokus auf unseren Auftrag im Bereich der Intensivpflege. Der Patient wird entgiftet , alles andere ist der Job von dafür ausgebildeten Fachkräften. Gespräche über das warum lasse ich nicht zu! In der Regel kommt der Patient aber nicht zur Entgiftung sondern wegen anderen Problemen.
     
  5. Agathe

    Agathe Gast

    Inkompetente Internisten ? :dudu:
    Selbst bei optimaler Medikamentenauswahl und exakter Dosierung (falls das überhaupt möglich ist) gibt es keine Garantie dafür, den Pat. vor dem Delirium zu bewahren !
    Wir greifen auf die herkömmlichen Mittel zurück, Diazepam am Anfang (meist 4x2 Tbl.) und beobachten, wie der Pat. reagiert.
    Und eine Wertung übrigens steht uns gar nicht zu !!

    MfG
    Agathe
     
  6. Phoenix79

    Phoenix79 Gast

    Von meiner Zeit auf der Geschlossenen Abteilung für Suchterkrankungen und auch auf der Inneren kenne ich auch nur Distra als Hauptmedikament und dann noch als unterstützende Medikamente Haldol, Diazepam und Vergentan. Ich kann mich auch jetzt nicht erinnern das es da irgendwelche schwerwiegenderen Probleme sprich Dilirium tremens gab.
    Es ist sehr schwierig Alkoholiker zu behandeln, da zwischen der nötigen Dosis um ein Delir zu verhindern und der Dosis die für den Patienten schädlich ist nicht viel Spielraum bleibt, da man immer bedenken muss, dass bei Alkoholikern Stoffwechsel, Niere, Leber ect. total aus dem Gleichgewicht sind und man wirksame und schädliche Dosis so nie genau berechnen kann.
     
  7. Cystofix

    Cystofix Poweruser

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    Moin,

    wir nutzen auch Distra, steigen aber relativ schnell mit Clonidin ein ... und machen damit ganz gute Erfahrungen.

    Propofol gibts bei sehr ausgeprägter Entzugssymptomatik ... aber die muss sich schon gewaschen haben.

    Gruss Cys
     
  8. mostbirne

    mostbirne Gast

    dito. clonidin perfusor bzw. dormicum/disoprivan... evtl noch haldol.
    und verständnisvoll??? neeeee ganz klar nicht.. ;)
    wer stinkt unt trinkt ist selber schuld und kommt mir nicht mit "schlechte kindheit" gehabt...
     
  9. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    7. Semester Pflegepädagogik
    In der geschlossenen Akoholentzugsstation wird meist Polamidon und danach Distraneurin gegeben.

    Auf Intensiv erlebte ich Clonidin- Kurzinfusionen mit anschließendem Clonidinperfusor. Cave: RR

    Andere Variante: Diazepam und Haldol und/oder Tavor

    Noch eine Variante: Dormicum

    Mir gefällt am Besten der Clonidinperfusor. Dieser wird auch meist bei Entzug aufgrund einer langen Analgosedierung verwendet.
     
  10. jok5030

    jok5030 Gesperrt

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    Hi mostbirne,die Akuttherapie ist eine Sache,die in der Regel überall gleich läuft,aber Du kannst nicht alle 303er über einen Kamm scheren und stinken tun auch nicht alle. Klar,die Alki's sind an ihrem Schicksal selbst schuld,wird ja keiner gezwungen,zu saufen. Aber die Gründe hierfür sind so mannigfaltig,daß Du nun nicht alle pauschal verurteilen kannst. Meine Schwiegermutter z.B. hat mit dem Saufen nach einer Fehlgeburt angefangen und so hat jeder seine Gründe. Also keine Pauschalisierung bitte!!!
     
  11. pflegeschüler1988

    pflegeschüler1988 Poweruser

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    Hallo,

    also bei uns gibt es Paracefan, gff. ein Tavor-Haldol Schema, auch wird ein Facharzt für Psychiatrie hinzugezogen, ist der Pat wieder stabil wird er in unsere Psychiartrie verlegt, da ja dort die Fachkräfte sind.

    LG Martin
     
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