Ärzte und Pflegekräfte: Ein chronischer Konflikt

Elisabeth Dinse

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Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
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Intensivüberwachung
Ärzte und Pflegekräfte: Ein chronischer Konflikt

Die Zusammenarbeit der Berufsgruppen im Krankenhaus ist nicht immer reibungslos. Besonders Pflegekräfte beklagen Kommunikationsprobleme. Aber auch Ärzte wünschen sich mehr Verständnis für ihre Arbeitsbelastung.

Susanne S.* ist neu in der Abteilung. Deshalb hat sie sich mit Kritik erst einmal zurückgehalten. Doch jetzt weiß sie nicht mehr weiter. Im Fach der jungen Assistenzärztin stapeln sich die Befunde. Der Posten des Stationssekretärs sei derzeit unbesetzt, wurde ihr am ersten Tag gesagt. „Was hab ich damit zu tun?“, hatte sie damals noch gedacht. Bald aber begriff sie, dass die Pflegekräfte auf ihrer Station entschieden hatten: Das Abheften von Labor- oder Röntgenbefunden ist keine pflegerische Arbeit. Das seien ja auch eher „Ihre Befunde“, meinte die Stationsleitung. Susanne S. ist sich eigentlich nicht zu schade dafür, auch einmal einen Locher in die Hand zu nehmen. Aber das geht nun doch zu weit, findet sie. Und sie denkt: Wieso eigentlich „meine“ Befunde? ...
Deutsches Ärzteblatt: Archiv "Ärzte und Pflegekräfte: Ein chronischer Konflikt" (14.10.2011)

Es lohnt sich den Beitrag komplett zu lesen um net Vorurteilen zu erliegen.

Elisabeth
 
Interessanter Artikel. Komisch nur, dass öfters mal was von überlasteten Ärzten, oder nirgends was von überlasteten Pflegekräften zu lesen war. Vor allem wenn es über die Übernahme von zusätzlichen Tätigkeiten ging.
Das fehlt mir da total, ansonsten trifft der Artikel die Sache schon ganz gut.
Vor allem das leicht kritische Betrachten der Haltung der BÄK, wenn es um eine mögliche Neuverteilung von Kompetenzen geht.
 
Genial..." Will nicht jeden Tag 12 h arbeiten,weil auf Station Chaos herrscht" :angry:.
Is doch wieder mal typisch,daß die Probleme der Ärzteschaft,besonders die der Assis,durch die Pflege entstehen ! Völlig bescheuert,sorry...
Wenn der Stellenplan ne Stationssekretärin vorsieht und die Stelle ist nicht besetzt,dann erscheint es mir nur normal,daß jeder mal was dazu tut und meinetwegen Befunde abheftet. Ich bin mir nicht zu schade dazu und son Medizinmänneken,was kaum aus'n Windeln raus is,sollte mal schön die Füße stillhalten und mit anfassen.
Klar,im Grunde ist es so : mein Job ist es nicht,der des Arztes aber auch nicht,deswegen müßte man rein theoretisch den Kram liegen lassen ,bis "die ****e richtig dampft" und der AG die fehlende Stelle wieder besetzt.
Ist doch reine Berufspolitik und der Artikel...,naja,objektiv und vorallem wissenschaftlich,is was anderes :schraube:.
Die beschriebene Situation ansich ist jedoch allgemein bestens bekannt und hätte auch bei uns im Haus spielen können. Hier treffen lediglich 2 nachvollziehbare Meinungen aufeinander : Unsereins ist keine Stationssekretärin und der Arzt/Ärztin is auch keine,also stimmt's doch : Was geht uns das an ??
 
Die beschriebene Situation ansich ist jedoch allgemein bestens bekannt und hätte auch bei uns im Haus spielen können. Hier treffen lediglich 2 nachvollziehbare Meinungen aufeinander : Unsereins ist keine Stationssekretärin und der Arzt/Ärztin is auch keine,also stimmt's doch : Was geht uns das an ??

Beide Parteien sind also durch die fehlende Stationssekretärin benachteiligt. Die Lösung wäre a) sich zusammenzusetzen und die Aufgaben zumindest provisorisch gerecht auf alle zu verteilen, b) sich zusammenzuschließen und die Neubesetzung der Stelle zu fordern. Diese Lösungen werden am besten miteinander kombiniert (die Sekretärin kann ja auch mal kurzfristig ausfallen).

Man wählt aber c) sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu schieben. Warum???? :evil1:
 
Sehr cooler Artikel. Die Macht der Schwachen und das Doctor Nurse Game. Die Antwort auf dein c) ?
Mann, ist das (Berufs-)Leben spannend.
 
Solange der Oberarzt zur Stationsschwester läuft und damit das nachgestellte Personal zwingen lassen kann, neben dem eh vollgestopften Aufgabenkatalog,weitere zusätzliche Tätigkeiten zu übernehmen, wird sich wohl kein gemeinsamer Konsens finden lassen. Es läuft von Leitung zu Leitung und ausbaden müssen es die Schwächsten, nämlich die Befehlsempfänger.
Sinnvoll wäre es , wenn mal eine Leitung nicht gleich vor dem Oberarzt kuscht, sondern für ihre ebenfalls überlasteten Nachgestellten einsetzt und mit dem OA zusammen bei der Verwaltung kämpft.
Das Duckmäusertum gegenüber OÄ funktioniert auch oft in der Verwaltung. Mit Hilfe eines etablierten Arztes setzt sich so manche Bitte/forderung viel leichter durch.
Ansonsten dito zu ZNA Öse.
Nur nebenbei, fand ich den Artikel weniger vorurteilsbeseitigend, sondern eher bestätigend für das was tagtäglich läuft. Und das im Ärzteblatt die Pflege als eher dienende Tätigkeit tituliert wird ist ebenfalls bezeichnend, wenn auch nicht überraschend.
 
Man sollte den Artikel auch genau lesen!
Nirgendwo bezeichnet das Ärzteblatt Pflege als dienende Tätigkeit!

Das Verhältnis von Ärzten und Pflegekräften ist komplex, lange Zeit scheint es aber gewissen Regeln gefolgt zu sein. Die klassische Situation war diese: Die Pflegekraft ist weiblich, die Tätigkeit eher dienend.
Ich finde die Autorin versucht hier eine Problematik zu beleuchten und das eben auch aus der Sicht der Ärzte!
Warum fühlt man sich da sofort wieder auf den Schlips getreten?
Das Thema ist wohl wirklich stark emotional gefärbt!
 
Ist die Situation wirklich klassisch oder im Gegenteil so aktuell wie eh und je und liegt da unterschwellig immer noch das Problem?
Übrigens, auch Männer können dienen...
 
In manchen Köpfen und da schließe ich auch Pflegekräfte mit ein, mag diese Meinung noch kursieren.
Trotzdem hat das Ärzteblatt die Pflege nicht so bezeichnet, sondern mögliche Gründe für Probleme genannt!
 
Also ich finde den Artikel auch gut beschreibend und fühle mich selbst nicht auf den Schlips getreten. Und ich weiß auch genau, nach fast 30 Berufsjahren, über welche Möglichkeiten, mein vermeintliches (oder auch gefühltes) Untergebensein zu kompensieren, ich verfüge. Und natürlich kommen die schon mal zum Einsatz. Früher mehr als jetzt, böse Zungen umschreiben das: Du wirst wohl altersmilde?
Also, mal Butter bei die Fische: Kommt ein junger schnöseliger Arzt (gilt auch für Frauen) auf "meine Intensiv", der auf keine Ratschläge hört und zeigen will, das er hier der Bestimmer ist, dann spreche ich das heutzutage schon an, unter vier Augen, ist er aber beratungsresistent, verfüge ich über drölfzig erprobte Mittel und Wege, ihm zu zeigen, wo der Barthel den Most holt.
Und ich arbeite in einem Team, das sehr kuschelig sein kann, ist aber erst mal ein "Neuer" außen vor, dann ist ein Haifischbecken ein Streichelzoo dagegen.
 
Zitat: „Die Schwestern erwarten, dass du ihnen um Punkt drei Uhr nachts einen Cappuccino kochst, mit echtem Milchschaum, ich zeige dir gleich, wie man das Milchschaumgerät bedient.“

Ein Arzt bedient in der Nachtschicht die Schwestern???:sdreiertanzs::sdreiertanzs:

Wo ist das KH? Ich wechsel sofort.


Nee, im Ernst, allein dieser Satz zeigt mir das hier ein echt weltfremdes Bild aufgezeigt wird.

lg
 
Man sollte den Artikel auch genau lesen!
Hab ich! Und auch ich habe in diesem Artikel aus dem Ärzteblatt gelesen:
So war die klassische Situation: Die Pflegekraft ist weiblich, die Tätigkeit eher dienend.Der Arzt ist männlich, er ist der Entscheider.
Und daran hat sich soo viel geändert.?..ausser dass es mehr Ärztinnen und mehr Pfleger als früher gibt?
...strikte Trennung in Verwaltung, ärztlichen Dienst und Pflege gekennzeichnet.
...sind die Ärzte diejenigen, die Anordnungen treffen. Unterschiedlich sind außerdem der Verdienst und das gesellschaftliche Ansehen. Ärzte haben einen Hochschulabschluss, die Pflege ist ein Ausbildungsberuf.
Das Selbstverständnis einer Berufsgruppe hat Auswirkungen darauf, was sie einfordert und durchsetzt. Darin sind die Ärzte offenbar deutlich besser als die Pflegekräfte. Das zeigen die Tarifsteigerungen der vergangenen Jahre für Krankenhausärzte. Außerdem sind im ärztlichen Dienst Stellen geschaffen worden, während sie in der Pflege abgebaut wurden (Tabelle).
Die Krankenschwestern mit Pflegemanagementstudium sind für mich auszuklammern, denn sie arbeiten nur selten an der Basis. Es geht doch um die PK die vor Ort auf Station arbeiten, denn das sind auch die, die die zusätzlichen Aufgaben ausführen dürfen/müssen.
 
Zitat: „Die Schwestern erwarten, dass du ihnen um Punkt drei Uhr nachts einen Cappuccino kochst, mit echtem Milchschaum, ich zeige dir gleich, wie man das Milchschaumgerät bedient.“

Ein Arzt bedient in der Nachtschicht die Schwestern???:sdreiertanzs::sdreiertanzs:

Wo ist das KH? Ich wechsel sofort.


Nee, im Ernst, allein dieser Satz zeigt mir das hier ein echt weltfremdes Bild aufgezeigt wird.

lg

Das ganze ist nicht so plump und offensichtlich. Bei mir im Team gibt es unsichere Ärzte, die am Beginn des Nachtdienstes demonstrativ die Wachsäle mit Süßigkeiten bestücken, um von vornherein ein freundlicheres Klima zu schaffen. Das kriegen sie dann auch.
 
Ich merke echt, bin zu lange aus dem KH raus. Sowas hab ich noch nie gehört.

Zu meiner Zeit war man froh, wenn ein Arzt schonmal "bitte" und "danke" benutzt hat, statt nur im imperativ zu reden.
 
Ich kann auch nur vom Zustand auf Intensiv reden. Von Normalstation hab ich null Ahnung.
 
Also ich finde den Artikel auch gut beschreibend und fühle mich selbst nicht auf den Schlips getreten. Und ich weiß auch genau, nach fast 30 Berufsjahren, über welche Möglichkeiten, mein vermeintliches (oder auch gefühltes) Untergebensein zu kompensieren, ich verfüge. Und natürlich kommen die schon mal zum Einsatz. Früher mehr als jetzt, böse Zungen umschreiben das: Du wirst wohl altersmilde?
Also, mal Butter bei die Fische: Kommt ein junger schnöseliger Arzt (gilt auch für Frauen) auf "meine Intensiv", der auf keine Ratschläge hört und zeigen will, das er hier der Bestimmer ist, dann spreche ich das heutzutage schon an, unter vier Augen, ist er aber beratungsresistent, verfüge ich über drölfzig erprobte Mittel und Wege, ihm zu zeigen, wo der Barthel den Most holt.
Und ich arbeite in einem Team, das sehr kuschelig sein kann, ist aber erst mal ein "Neuer" außen vor, dann ist ein Haifischbecken ein Streichelzoo dagegen.

Ich kann mich dir nur anschliessen :-)
und wie es in den Wald hineinruft so schallt es herraus auf beiden Seiten!!! und Vollidioten gibt es auch auf beiden Seiten.

Arzt und Pflege sollten viel enger miteinander arbeiten und auf einander zugehen. Anstatt sich zusammenzuschliessen um gegen die Probleme vorzugehen, wir aufeinander gewettert!

Den Milchkaffee finde ich koestlich:( herrlich ueberspitzt! und mit nem Funken Wahrheit....
 
Junger Arzt: Also ich finde diese ganze Bereichspflege Blödsinn. Die Bereichsschwester hat keine Ahnung von den Pat. in ihrem Bereich- geschweige denn in den anderen. Wie soll man da zusammen arbeiten. Da lob ich mir die alte Stationsschwester, die über jeden Pat. Auskunft geben konnte.

Ich denke mal, die eigene Berufsgruppe bekleckert sich auch net unbedingt mit Ruhm wenn es um Zusammenarbeit geht. Das fängt schon bei oben angeführtem Problem an. Man hat net mal das eigene Pflegemodell verstanden und defieniert Team: Toll Ein Anderer Machts.

Elisabeth
 
Junger Arzt: Also ich finde diese ganze Bereichspflege Blödsinn. Die Bereichsschwester hat keine Ahnung von den Pat. in ihrem Bereich- geschweige denn in den anderen. Wie soll man da zusammen arbeiten. Da lob ich mir die alte Stationsschwester, die über jeden Pat. Auskunft geben konnte.

Ich denke mal, die eigene Berufsgruppe bekleckert sich auch net unbedingt mit Ruhm wenn es um Zusammenarbeit geht. Das fängt schon bei oben angeführtem Problem an. Man hat net mal das eigene Pflegemodell verstanden und defieniert Team: Toll Ein Anderer Machts.

Elisabeth

naja wenn die Schwester keine Ahnung von ihren Pat. in ihrem Bereich hat, denn das sollte sie ja eigentlich haben... verstehe ich sogar den Arzt
 
Junger Arzt: Also ich finde diese ganze Bereichspflege Blödsinn. Die Bereichsschwester hat keine Ahnung von den Pat. in ihrem Bereich- geschweige denn in den anderen. Wie soll man da zusammen arbeiten. Da lob ich mir die alte Stationsschwester, die über jeden Pat. Auskunft geben konnte.

Ich denke mal, die eigene Berufsgruppe bekleckert sich auch net unbedingt mit Ruhm wenn es um Zusammenarbeit geht. Das fängt schon bei oben angeführtem Problem an. Man hat net mal das eigene Pflegemodell verstanden und defieniert Team: Toll Ein Anderer Machts.

Elisabeth

Die Bereichsleitung ist übrigens nur zur Kostenersparnis eingeführt worden. Nicht mehr und nicht weniger.
Früher gab es das zwar auch schon, aber das war dann meist eine PDL bzw. die Vertretungen der PDL, die allerdings ebenso diese Weiterbildung absolvierten.
 
Marty,Deine "dreiundzwölfzig Möglichkeiten" sind herrlich und ich denke mal,jeder kennt die eine oder andere.
Aber im Grunde ist es nicht die Lösung,denn es sollte ja versucht werden,gemeinsam mit den Ärzten dafür einzutreten,daß die Stelle der Sekretärin wieder besetzt wird. Jedoch wie :-?:weissnix: ??
Solange diese "Standesdünkel",wie in dem Artikel sehr schön beschrieben,vorherrschen,wird's beim alltäglichen K(r)ampf bleiben.
Solange die KH-Ärzte meinen,das Pflegepersonal sei ihre Dienerschaft,wird es nix mit "Einigkeit",denn zum Umdenken bedarf es der Initiative der Ärzteschaft und diese "Blöße" wird sich dieser Stand nie nich niemals geben !
Gut,Süßigkeiten vom AvD für die ITS oder ne Bestellung beim Pizzaservice auf Kosten des Doc für die ZNA sind nette Gesten und gibt's auch bei uns im Haus,aber es sind und bleiben eben nur Gesten undzwar vereinzelte.
Im Gegensatz zum KH-Arzt weiß ein niedergelassener Arzt seine Schwester oder Sprechstundenhilfe zu schätzen,denn er kennt nicht nur ihren materiellen Wert,sondern merkt ganz schnell,wie die Praxis den Berg runter geht,wenn das freundliche Lächeln mit den netten Worten nicht mehr vorne am Tresen steht !
 

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