AED im Altenheim?

Dieses Thema im Forum "Der Alltag in der Altenpflege" wurde erstellt von narde2003, 18.11.2007.

  1. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    in München hängt an jeder U-Bahnstation ein AED, gibt es in Altenheimen auch solche Geräte? Die Geräte sind für den Laien ausgelegt und erlauben die Defibrillation auch ohne Arzt.

    Ein Bekannter von mir ist Instruktor bei einem grossen Arbeitgeber und hat seine Kollegen im Umgang mit den Gerät trainiert.
    Was vermutlich sein Glück war/ist, er wurde nämlich der Erste an dem das Gerät in der Praxis eingesetzt wurde, da er an seinem Arbeitsplatz einen Herzinfarkt mit Kammerflimmern erlitten hatte und so erfolgreich reanimiert wurde.

    Wie sieht es in den Heimen aus? Ich kenne jetzt aktuell kein Heim das ein solches Gerät besitzt, wo es AED's doch schon beim Discounter zu kaufen gab oder diese können über die Björn Steigerstiftung günstig erworben werden.

    Besteht in den Heimen kein Interesse an den Geräten oder ist es eine Kostenfrage?

    Neugierige Grüsse
    Narde
     
  2. Markus23KP

    Markus23KP Stammgast

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    Hallo Narde.

    In den Heimen in denen ich bis jetzt arbeitete und dieses Gerät anschaffen wollte (bzw um die Anschaffung gebeten hatte) wurden mir jedesmal die hohen Anschaffungskosten entgegengehalten...! Außerdem sind mehr als 50 % der Bewohner mit Patientenverfügungen "versorgt" weshalb ein wahrscheinlicher Einsatz des AED`s mit ca. 2-3 mal im Jahr beziffert wurde, was sich "nicht rentiert" (Zitat PDL und Geschäftsführung) - Zum Vergleich musste 6 Monate als Stellvertretende Stationsleitung darum "kämpfen" einen Ambubeutel auf Station stationieren zu dürfen... (Zitat Leitung und Kollegen : " Wir sind hier doch nicht im Krankenhaus" oder " der Notarzt ist doch in 5 minuten da...)Nach 6 Monaten durfte ich einen von meinem eigenen Gehalt anschaffen und auf Station lagern...!
     
  3. Schreiberling

    Schreiberling Gesperrt

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    Hallo Narde,

    ich glaube, es ist eine Kombination aus beidem:

    Zum einen ist es eine Kostenfrage so ein Gerät in ein Altenheim zu stellen, zum anderen ist wahrscheinlich das Interesse daran auch nicht sonderlich groß.

    Wie Markus schon sagte haben z.B. die meisten unserer BW eine Patientenverfügung, die einen Einsatz eines solchen Gerätes ausschliesst.
    Stellt sich gerade bei so einer Frage doch direkt die nächste: Wollen wir unsere BW mit aller Kraft am Leben erhalten oder darf ein Mensch mit 96 Jahren nicht an Herzversagen sterben? Über dieses Thema haben wir in der Einrichtung schon endlose Diskussionen geführt und kamen bisher noch nicht auf einen Nenner.

    Gruß Schreiberling
     
  4. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo,

    ich meine jetzt auch nicht Bewohner mit einer Patientenverfügung.
    Habt ihr nur multimorbide Bewohner? Die Heime die ich kenne, haben auch Wohnbereiche mit noch rüstigen und fitten Bewohner.

    Ein Bewohner der 96 Jahre alt ist und seit 15 Jahren ein Vollpflegefall ist darf mit Sicherheit auch das Leben verlassen.

    Schönen Abend
    Narde
     
  5. Schreiberling

    Schreiberling Gesperrt

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    Hallo Narde,

    nein, wir haben nicht nur multimorbide Bewohner. Viele unserer Bewohner sind in der Tat noch super-fit.
    Unser Sozialer Dienst ist seit geraumer Zeit gehörig dahinter her, für so viele Bewohner wie möglich eine Patientenverfügung einzuholen, um uns ein "richtiges" Reagieren (im Sinne des BW's) zu ermöglichen, mittlerweile haben so gut wie alle so eine Verfügung. Und alle, die eine solche Verfügung haben, haben sich GEGEN eine Reanimation ausgesprochen.

    Offensichtlich greift dann in unserer Einrichtung das Argument, dass die Anschaffung dieses Gerätes schlicht und einfach nicht rentabel ist und die Anschaffungskosten zu hoch sind.

    Gruß Schreiberling
     
  6. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Schreiberling,

    das lasse ich dann als Argument gelten.

    Danke für die Aufklärung, unter diesem Aspekt habe ich es noch nicht betrachtet.
    Ich fahre allerdings recht häufig im Rettungsdienst in Altenheime auf Reanimationen. Vermutlich sind diese Heime nicht so gut organisiert wie eures.

    Schönen Abend
    Narde
     
  7. Markus23KP

    Markus23KP Stammgast

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    Hallo Narde.

    Oder die Polnische / Russische / Kroatische / Rumänische Altenpflegerin oder alternativ die Nicht (mehr) motivierte Krankenschwester (Krankenpflegefachpersonal ist in übrigem in vielen Heimen aus der Mode gekommen) sagt im Nachtdienst zum Notarzt: " Hat glaube Sterbendings, weiß aber nich weil Kurve weg." Oder : " Blume ist auf Doku gemalt aber Verfügung ist nicht da (ja so war die doku gekennzeichnet in "meiner" Einrichtung, eine schwarze handgemalte blume) , Oder: habe ich einfach angerufen, weil ich nix wissen wo Verfügung oder überhaupt Verfügung..

    Ohne mist, habe ich alles häufig im Rettungsdienst gehört, bzw. auch von Kollegen erzählt bekommen (im Rahmen von Probezeit Gesprächen oder ähnlichem)...

    Außerdem sagen oft Angehörige wenn man sie über Verschlechterung ihrer Angehörigen im Heim informiert: machen Sie alles, Sie soll heute nicht sterben, weil ich a: morgen keine zeit habe zum bestatter zu gehen, b: sie heute einfach nicht sterben soll, c: so schlecht ging es ihr doch vorhin noch nicht, d: wir wollten morgen in urlaub fahren, da passt mir grad keine beerdigung...
    Nur so Beispiele aus meinem Alltag im Pflegeheim (Alles Passiert, in meiner Zeit im Altenheim)...!
     
  8. pflescher

    pflescher Newbie

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    die zuvor genannten Sachen sind ja schon schlichtweg Haare sträubend,
    bei uns hat so ziemlich Jeder BW von Beginn an mindestens eine Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung oder einen Betreuungsbeschluß.
    Letztendlich jedoch muß man wohl aber erstmal von einem Notfall ausgehen und eine Erste Hilfe einleiten, oder liege ich da falsch? Denke mal wenn ich im Notfall erst nach nem entsprechendem Schreiben suchen muß, kann ich mir den Rest eh sparen, auch kenne ich durchaus nicht immer den Willen des Betroffenen und muß mutmaßlich von seinem Lebenswillen ausgehen, Diagnosen stellt der Arzt, ebenso stellt auch nur der Arzt den Tod fest, die PK kann (§) nur fehlende Vitalzeichen feststellen.
     
  9. Harry68

    Harry68 Gast

    Hallo,

    auch wenn ich hier erschlagen werde, aber ich glaube das der Einsatz von AED´s die Sache noch schlimmer machen würde als sie ist Ich arbeite auf einer Aufnahmestation mit Notaufnahme und habe immer wieder das gleiche Problem. In einem der Altenheime hat ein Patient Kreislaufversagen (Plötzlich und Unerwartet mit 70-90 Jahren) . Die Altenpflegekräfte haben von ihrem Dienstgeber die Verpflichtung den Notarzt anzurufen. Der rast ins Altenheim, möchte sich nicht nachsagen lassen (ist ja auch Verpflichtet) stablisiert die Leute und bringt sie ins Krankenhaus. Wir machen und tuen um das Leben zu retten. (auch wir sind verpflichtet, leider). Aber wie sieht das Ergebniss aus meist totaler Pflegefall oder noch ein paar Tage Beatmungsmaschine. Ich denke das macht meistens keinen Sinn. Also ich möchte so nicht Enden. Meiner Meinung nach stirbt man besser mit 70 den schnellen Herztod als mit 90 noch rumsichen. Also meiner Meinung nach Finger weg von AED im Altenheim. Aber wahrscheinlich ist man als Altenpflegekraft verpflichtet alles zu tun. Nur ich finde bei dem Ergebniss und den Aussichten das lohnt nicht.
    Ihr könnt jetzt mit den Steinen werfen.


    Harry:kloppen:
     
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