Abschied von der Solidarität

Elisabeth Dinse

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Abschied von der Solidarität
Christiane Fux

Die Gesundheitsreform muss ein Elf-Milliarden-Loch stopfen. Vor allem jene sollen offenbar die Kosten schultern, die keine mächtige Lobby hinter sich haben - die Kassenpatienten

... Für das Jahr 2011 fehlten elf Milliarden Euro, errechneten Experten. ...Doch das Maßnahmenpaket, über das am 22. September im Bundeskabinett abgestimmt wird, hat viele Kritiker. Die größte Befürchtung: Vor allem die gesetzlich Versicherten sollen die Last steigender Gesundheitskosten in Zukunft schultern. Und von ihnen müssen wiederum gerade jene, die wenig verdienen, überproportional viel zahlen.

Steigende Kassenbeiträge
Ab 1. Januar 2011 wird es teurer - soviel steht schon mal fest. Der allgemeine Kassenbeitrag steigt ab dem von 14,9 auf 15,5 Prozent. Die Kassenbeiträge für Arbeitnehmer und Rentner erhöhen sich von derzeit 7,9 auf 8,2 Prozent. Auch die Arbeitgeber müssen mehr Geld für die Versicherung ihrer Mitarbeiter berappen: Der Beitragssatz für Arbeitgeber erhöht sich von derzeit 7,0 auf 7,3 Prozent.

Auf diesem Niveau sollen die Beiträge für die Zukunft eingefroren werden. Aber das wird auf Dauer sicher nicht reichen. Der Fortschritt in der Medizin ist nicht aufzuhalten und nicht umsonst zu haben. Außerdem leben die Menschen immer länger und sind in den seltensten Fällen auch im Alter noch gesund.

Zusatzbeiträge - Fass ohne Boden
Deshalb haben sich Experten eine weitere Einnahmequelle für die Krankenkassen ausgedacht: den Zusatzbeitrag, den die gesetzlichen Krankenkassen von jedem ihrer Mitglieder einfordern können, wenn ihnen das Geld ausgeht. Schon jetzt haben manche Kassen ihren Mitgliedern mehr als acht Euro monatlich aufgebrummt, das derzeitige Maximum sind ein Prozent des Einkommens. Den Kassen rannten scharenweise ihre Versicherten weg, was manche sogar an den Rand der Pleite brachte. In Zukunft kann jede Kasse selbst bestimmen, wie hoch der Zusatzbeitrag ausfällt. Nach den Plänen der Koalition soll die bisherige Obergrenze von einem Prozent des Einkommens wegfallen.
...
Sozialausgleich - zweifelhafter Weg

Abgepuffert werden soll die Belastung für die Kassenpatienten durch den Sozialausgleich. Einen solchen steuerfinanzierten Zuschuss sollen Versicherte bekommen, wenn der kassenweit "durchschnittliche Zusatzbeitrag" zwei Prozent ihres Einkommens überschreitet.

Das kleine Wort "durchschnittlich" verlangt hier erhöhte Aufmerksamkeit. Es zählt nicht, wie viel ein Patient tatsächlich bezahlt, sondern das, was im Schnitt üblich ist. Im Klartext bedeutet das, dass mancher, dessen Krankenkasse einen besonders hohen Zusatzbeitrag kassiert, eben doch mehr zahlen muss als zwei Prozent vom Einkommen. Das solle den Versicherten einen Anreiz geben, die Kasse zu wechseln, wenn diese schlecht haushalte, gibt das Bundesministerium für Gesundheit auf seinen Internetseiten als Erklärung an.

Doch auch zwei Prozent vom Einkommen sind nicht gerade wenig. Bei einem Zusatzbeitrag von 20 Euro muss bereits jemand voll zahlen, der gerade mal 1000 Euro im Monat verdient.
...
Abschied von der Solidarität | NetDoktor.de

Betrifft unsere Branche das nur im eigenen Portomanaie?

Kassen verkennen Sparbeitrag der Kliniken
Berlin, 22. September 2010 – Zur Kritik der Krankenkassen an den Kliniken erklärt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhaus-gesellschaft (DKG), Georg Baum:
„Die Kassen verkennen völlig, dass die Krankenhäuser in 2011 den erheblichen Sparbeitrag von 500 Millionen Euro erbringen. Der vom GKV-Spitzenverband proklamierte Nullzuwachs läuft nicht nur auf eine Nullrunde für Pflegekräfte und Ärzte hinaus, sondern stellt gleich 25.000 Arbeitsplätze in Frage. Die Kassen lassen damit auch jede Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Patienten vermissen.“
Pressemitteilungen - DKG e.V.

Elisabeth
 

Elisabeth Dinse

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Man kann diesmal net sagen, dass der DPr zu spät reagiert:

23.09.10: DPR fordert Sofortmaßnahmen gegen Pflegenotstand
Der Deutsche Pflegerat (DPR) fürchtet als Reaktion auf die Pläne der Bundesregierung einen erneuten Abbau von Pflegestellen in deutschen Krankenhäusern. Dies würde die bereits heute die Patientensicherheit und den Behandlungserfolg gefährdende Unterbesetzung und Arbeitsüberlastung weiter verschärfen. Neben einer Überarbeitung des Gesetzentwurfes fordert der DPR darum von der Bundesregierung einen Maßnahmenkatalog zur sofortigen Abhilfe der bestehenden Defizite und zur Sicherstellung einer guten Gesundheitsversorgung.
DPR-Präsident Andreas Westerfellhaus bezeichnete den gestern vom Kabinett verabschiedeten Gesetzentwurf zur Reform der Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung als „sozial unausgewogen“ und „weit hinter den Erfordernissen einer nachhaltigen Reform“ zurückbleibend. Insbesondere durch die erneute Sparrunde für die Krankenhäuser seien fatale Folgen für die Pflegeberufe zu befürchten, konkret der erneute Abbau von Personal zur Kompensation der fehlenden Einnahmen. Unterbesetzung und Arbeitsüberlastung der Pflegenden gefährdeten aber bereits heute die Sicherheit der Patienten und den Erfolg der Behandlung. Auch die Attraktivität des Pflegeberufes werde so weiter beschädigt.

Der DPR fordert einen Maßnahmenkatalog der Bundesregierung zur sofortigen Abhilfe der bestehenden Defizite und zur Sicherstellung einer guten Gesundheitsversorgung. Für den gestern verabschiedeten Gesetzesentwurf sieht der Rat „noch großen Handlungsbedarf".
Bibliomed - News

Aber: "ich bin, also bin ich dagegen"- dürfte hier wohl net reichen.

Elisabeth
 

-Claudia-

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Was soll der DPR denn Deiner Meinung nach machen? Welche Befugnisse hat er? Was kann er mehr tun, als seine Stimme zu erheben?
 

thorstein

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Aber: "ich bin, also bin ich dagegen"- dürfte hier wohl net reichen.

Dem kann man nur zustimmen. Von Berufsverbänden oder Gewerkschaften kann man durchaus konkrete Forderungen erwarten. Es muss doch auch für Krankenhäuser möglich sein, einen fachlich begründbaren Personalbedarf zu ermitteln und einzufordern. Solange nicht klar ist, wieviel Personal für eine angemessen Versorgung notwendig ist, kann man sich noch weitere Jahrzehnte den schwarzen Peter zuschieben.

In der stationären Altenpflege sieht es auch nicht anders aus. Von keinem Berufsverband, von keiner Gewerkschaft gibt es eine konkrete Forderung zum Personalbedarf. Stattdessen sollen immer die "anderen" für was? eigentlich sorgen. Ich bin selbst schon viele Jahre verdi-Mitglied und werde es (trotz aller Kritik) auch bleiben, aber diese ständige Entrüstungs-Rhetorik ohne klar formuliertes Ziel lässt sich vom Blabla der Politiker gar nicht mehr unterscheiden.
 

Elisabeth Dinse

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Wie immer, sind andere schneller als wir. Während wir noch immer versuchen: es war so, es ist so, es wird immer so sein- zu zementieren, gibts bereits entsprechende Ideen.

Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1732 / B-1532 / C-1512
Hibbeler, Birgit
Krankenhäuser: Pflegekräfte sollen entlastet werden

Viele Aufgaben des Pflegepersonals in Krankenhäusern könnten andere Berufsgruppen erledigen – ohne Qualitätseinbußen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts.
...
Das DKI schlägt deshalb vor, Pflegekräfte von Aufgaben zu entlasten, für die sie überqualifiziert sind. „Dadurch sollen die Kernkompetenzen des Pflegedienstes in den Vordergrund gerückt werden“, ... .
Eine Delegation bisher pflegerischer Aufgaben an andere Berufsgruppen sei möglich, ohne dass die Qualität darunter leide. „Nicht jede Tätigkeit ist nur deswegen qualitativ hochwertig, weil sie von einer examinierten Pflegekraft durchgeführt wird“,
...
Hilfspersonal könnte auch Körperpflege übernehmen

Auch in der Grundpflege können aber nach der DKI-Studie Nichtpflegekräfte zum Einsatz kommen. Ein Beispiel: die Hilfe bei der Körperpflege am Waschbecken. Als nicht übertragbar werden hingegen Aufgaben eingestuft, bei denen eine unsachgemäße Ausführung Patienten schädigen kann. Das gilt auch für Tätigkeiten, für die nicht nur handwerkliches Know-how notwendig ist, sondern bei denen es darum geht, den Gesundheitszustand des Patienten einzuschätzen.
...

Mit der Delegation pflegerischer Leistungen hofft man, gleich mehrere Probleme zu lösen. Der Fachkräftemangel im Krankenhaus betrifft schließlich nicht nur den Pflegedienst, sondern auch die Ärzte. Können die Pflegekräfte Arbeit an weniger qualifizierte Berufsgruppen abgeben, haben sie Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten. ... „Die examinierten Pflegekräfte werden von einfachen Tätigkeiten entlastet und könnten Aufgaben aus dem bisherigen ärztlichen Bereich übernehmen.“
Deutsches Ärzteblatt: Archiv "Krankenhäuser: Pflegekräfte sollen entlastet werden" (17.09.2010)

Kurzfassung der Studie vom Mai 2010: http://www.dki.de/PDF/Neuordnung_Pflege_Kurzfassung.pdf
Langdassung: http://www.dki.de/PDF/Neuordnung_Pflege_Langfassung.pdf

Die AG für diese Studie beinhaltete 13 Personen. Vier waren aus dem Pflegemanagement. Wer wird da wohl seine Interessen vertreten haben?

Was ist denn nun eigentlich die Kernkompetenz der Pflege, wenn nicht das Waschen?

Elisabeth
 

Julien

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Pflegebedarf einschätzen, Pflege planen, deligierbare Maßnahmen eben deligieren, Pflegeergebnisse evaluieren und entsprechend den Plan modifizieren. Dachte ich zumindest... Wobei es in dem Haus aus dem ich komme schon toll wäre, wenn jemand anderes die Wäschesäcke leert, Patienten (soweit fit) zum Röntgen rollt und die Nachttische abschrubbt. Damit hab ich mehr Zeit verbracht als am Patienten. Traurig aber wahr.
 

Philipp Tessin

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Die DKI-Studie ist nicht schlecht, da stecken viele gute Ideen drin, z.B. Tätigkeiten zu delegieren, die definitiv nichts mit Pflege zu tun haben.
Allerdings steckt da auch viel Konfliktpotential drin, wenn ich lese, dass Hilfspersonal Teilwaschungen oder Essen reichen übernehmen kann.
Und was man beachten muss: die Studie gibt nur Best Practice-Beispiele und vermeidet es tunlichst, Empfehlungen auszusprechen.
Die Macher der Studie wissen augenscheinlich sehr wohl, dass sie sich da auf ganz dünnem Eis bewegen.
 

Elisabeth Dinse

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„Nicht jede Tätigkeit ist nur deswegen qualitativ hochwertig, weil sie von einer examinierten Pflegekraft durchgeführt wird“
Deutsches Ärzteblatt: Archiv "Krankenhäuser: Pflegekräfte sollen entlastet werden" (17.09.2010)

Über den Satz sollten wir intensiv nachdenken. Mir hat ehedem der Tipp geholfen: ein Zivi, ein FSJler, ein Praktikant hat keinerlei Ausbildung... und übernimmt nicht wenige Pflegeaufgaben ohne das es zu einer Qualitätseinbuße kommt. Diese übernommenen Aufgaben gehen oft viel weiter, als die von der DKI empfohlenen.

Kann es sein, dass wir an Tätigkeiten klammern um die Anzahl der für viele Tätigkeiten überqualifizierten exam. Fachkräfte net reduzieren zu müssen? Bis dato haben, wenn ich mich recht erinnere, 800.000 von 1,2 Mill. Pflegekräften eine mind. dreijährige Ausbildung. Für viele erscheint es unvorstellbar, diese Anzahl weiter zu verringern. Warum eigentlich?

Das Ziel der Pflegeausbildung besteht net im perfekten Ausführen des Handwerks. Zur Erinnerung:
§ 3 Ausbildungsziel
..
2) Die Ausbildung für die Pflege nach Absatz 1 soll insbesondere dazu befähigen,
1.die folgenden Aufgaben eigenverantwortlich auszuführen:
a)Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, Planung, Organisation, Durchführung und Dokumentation der Pflege,
b)Evaluation der Pflege, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege,
c)Beratung, Anleitung und Unterstützung von zu pflegenden Menschen und ihrer Bezugspersonen in der individuellen Auseinandersetzung mit Gesundheit und Krankheit,
d)Einleitung lebenserhaltender Sofortmaßnahmen bis zum Eintreffen der Ärztin oder des Arztes,
2.die folgenden Aufgaben im Rahmen der Mitwirkung auszuführen:
a)eigenständige Durchführung ärztlich veranlasster Maßnahmen,
b)Maßnahmen der medizinischen Diagnostik, Therapie oder Rehabilitation,
c)Maßnahmen in Krisen- und Katastrophensituationen,
...
KrPflG - Einzelnorm
Ketzerisch würde ich behaupten: 2.1 ist eine Utopie, die selten bis nie erreicht wird.

Skalen und D...standards sind ja eigentlich gedacht als Doku-hilfen und net als Diagnosehilfsmittel und detaillierte Tätigkeitsanweisungen. Die Doku des Pflegeprozesses soll außerhalb der Ausbildung eigentlich net dem didaktischen Modell folgen. usw.

Pflege verweigert konsequent jegliche Reflexion der eigenen Tätigkeit, die notwendig wäre um sinnvoll delegieren zu können. Es war so, es ist so, es wird immer so sein- ist eine Maxime die bis in die Berufsverbände vertreten wird.
Eigentlich ist es kein wunder, dass andere diese Aufgabe für uns übernehmen. Andere, die den Begriff Gesundheitsökonomie net nur buchstabieren sondern auch verstehen können. *grmpf*

Elisabeth
 

Philipp Tessin

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Das Ziel der Pflegeausbildung besteht net im perfekten Ausführen des Handwerks.

Elisabeth

2) Die Ausbildung für die Pflege nach Absatz 1 soll insbesondere dazu befähigen,
1.die folgenden Aufgaben eigenverantwortlich auszuführen:
a)Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, Planung, Organisation, Durchführung und Dokumentation der Pflege,
b)Evaluation der Pflege, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege,
c)Beratung, Anleitung und Unterstützung von zu pflegenden Menschen und ihrer Bezugspersonen in der individuellen Auseinandersetzung mit Gesundheit und Krankheit,
d)...

Beispiel:
Eine Pflegefachkraft reicht einem Patienten das Essen, beachtet dabei die Schluckstörung, so dass der Patient nicht aspiriert, beobachtet dabei die Essensaufnahme (Menge etc.), checkt die Ressourcen (Kann der Patient noch selber schlucken, kauen, die Gabel halten,...), leitet gleichzeitig die Angehörige an, damit diese zu Hause ggf. auch das Essen reichen kann, usw, usf...
Und das soll an ungelerntes Personal delegiert werden?
Da gruselts mich ganz gewaltig, was das sowohl für die Pflege als Berufsstand als auch die Versorgung von Patienten bedeutet.
Das sind ganz große Schritte in Richtung Deprofessionalisierung der Pflege.
Wer behauptet, dass Tätigkeiten nicht qualifiziert sind, nur weil sie von Fachpersonal durchgeführt werden, sollte ganz genau hinschauen, auf welche Tätigkeiten er diese Aussage bezieht.
Gruß
Philipp Tessin
 

Elisabeth Dinse

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Um bei deinem Beispiel zu bleiben. Dieser Platz wurde in vielen Häusern schon aufgegeben. Die Logopädie übernimmt Diagnostik und Therapie inklusive Anleitung der Angehörigen ... und Pflegekräfte.

Nehmen wir mal an, dass du diese Tätigkeiten noch übernimmst. Du willst lt. eigenen Aussagen die Angehörigen anleiten. Angehörige sind Laien- gelle? Was spricht dagegen, eine pflegerische Hilfskraft anzuleiten? Den Zivi, die FSJlerin ... leitest du auch an. Warum keine Hilfskraft?

Und ja- die Fachkompetenz hat in den Jahren mehr als gelitten. Kein Wunder bei der Devise: immer mehr, immer schneller. da bleibt keine Zeit für solche Aspekte. Und andere Berufsgruppen übernehmen zunehmend den Bereich der Pflegediagnostik und Therapie: Logopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Seelsorger ... und nicht zuletzt die Ärzte.

Mit Checklisten und Drehbuchstandards lässt sich nun mal keine Professionalität erreichen- im Gegenteil.

Elisabeth
 

Philipp Tessin

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Die Pflege lässt sich da viel zu viel aus der Hand nehmen.
Sei es nun Essen reichen, Kontrakturprophylaxe bei der Ganzkörperwaschung, Pneumonieprophylaxe bei der Mobilisierung, Thromboseprophylaxe bei der Lagerung usw. usf. So umfassend können das andere Fachdisziplinen nicht leisten. Natürlich kann, und muss sogar, eine Pflegefachkraft neben den Angehörigen auch andere sog. Hilfskräfte anleiten. Aber sie kann diese nur anleiten, weil diese Tätigkeiten eben originär pflegerische Tätigkeiten sind. Und diese Anleitung muss bei jedem Patienten neu erfolgen. Aber auch dann kann die Hilfskraft nur eine unterstützende Funktion einnehmen, weil sie eben nicht den Überblick über all die anderen Komponenten hat. Die Pflegefachkraft führt, während sie "mal eben nebenher" das Essen reicht, nämlich auch ganz viele andere Dinge aus: die Bewusstseinslage einschätzen, die Mobilität, den Ernährungsstatus, Sprache, usw. usf. und die Veränderungen in diesen Bereichen.
Und das soll an Hilfskräfte abgegeben werden?
Haben denn die Patienten keinen Anspruch mehr, auf eine umfassende kompetente pflegerische Versorgung?
Und du hast Recht: alleine mit Checklisten und Standards lässt sich Professionalität nicht erreichen. Und ja: durch den Zeitmangel hat die Qualität nachgelassen.
Aber genau deswegen sollten wir uns wehren, uns unsere Fachkompetenz absprechen und wegnehmen zu lassen!
Nur weil der politische und ökonomische Druck sich auf uns erhöht, sollten wir nicht nachgeben. Wir müssen raus aus unserer Opferrolle und unsere legitimen Ansprüche geltend machen.
Was wir nicht brauchen, sind Pflegemanager, die dem angeblichen Sachzwang Vorschub leisten, indem sie behaupten, diese und jene Tätigkeit kann abgegeben werden.
Was wir auch nicht brauchen, sind Kollegen, die behaupten, wir hätten es ja nicht anders verdient, denn schließlich würde die Pflege ja tatsächlich nur unqualifizierte Tätigkeiten ausüben.
Was unqualifiziert ist und was nicht bestimmt die Pflege immer noch selber, und nicht selbsternannte Experten.

Und jetzt habe ich mich in Rage geschrieben und muss dringend mal einen Kaffee trinken, um ein Klischee zu bedienen.
Aber das Thema ärgert mich eben zutiefst. Natürlich gibt es Pfeifen und Laumänner in unseren Reihen. Aber die meisten Kolleginnen und Kollegen die ich kennengelernt habe, sind engagierte und dem Patienten zugewandte Menschen. Und genau das gleich sage ich auch meinen Mitarbeitern.
Im übrigen ist gesundes, kompetentes und zufriedenes Personal in der Pflege auch ein echter Wettbewerbsvorteil. Und bei dem zunehmenden Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren ein massiver Wettbewerb um kompetente Mitarbeiter entstehen.
Ich denke, die Zeit spielt für uns. In ein paar Jahren werden zwar extrem wenig Pflegekräfte nur noch in den Häusern sein, aber die können sich dafür Stelle und Gehalt "aussuchen" (etwas überspitzt ausgedrückt).
Die Pflege muss nur noch entdecken, wie mächtig sie eigentlich ist.
Aber ich bin da ganz zuversichtlich.
Kollegialen Gruß
P. Tessin
 

Elisabeth Dinse

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„Nicht jede Tätigkeit ist nur deswegen qualitativ hochwertig, weil sie von einer examinierten Pflegekraft durchgeführt wird“

Ich glaube kaum, dass dem Autor bekannt ist, was Pflege eigentlich sein kann. Ich glaube, er würde staunen, wenn du ihm erklärst, was du unter Pflege verstehst.
Er kennt und sieht nur die handwerkliche Tätigkeit: waschen, füttern, trocken legen.

Er hat noch nie etwas von Schluckproblemen gehört, geschweige denn den Möglichkeiten dem Pat. trotzdem das Essen/Trinken ermöglichen zu können. Ihm ist net bekannt, dass eine Kontrakturprophylaxe net allein per MTS erfolgt. Er weiß net, dass die Pneumonieprophylaxe mehr als Einreibungen mit ätherischen Ölen ist, dass eine Atelektasenprophylaxe bei einer Mobi erfolgt. ...

Er ist ein Laie... genau, wie viele unserer Kollegen, die Checklisten und Drehbuchstandards nutzen um ihr geringes Fachwissen zu kaschieren. Dumm nur, dass jeder Laie, der des Lesens mächtig ist, diese Hilfsmittel genauso nutzen kann. Er liest sie, er kreuzt an, er heftet sie ab und nimmt die allgemein gehaltene Rezeptur und lässt jedem Kunden dasselbe angedeihen. Kann ja net falsch sein, wenn man viele verschiedene Sachen anbietet. Irgendwas wird schon passen.

Das der Pflegeprozess eigentlich eine Grundlage für professionelle handeln ist, verstehen leider nur sehr wenige. Prozesshaftes Denken: erst Ursache des Symptoms bestimmen und dann die passende Maßnahme wählen, das setzt voraus, dass man selbständig kausale Zusammenhänge erkennt. Dazu braucht es PFLEGEfachwissen.
Und weil dies kaum vorhanden ist, kann die Pflege eigentlich auch net eigenverantwortlich handeln. Das Risiko für alle Beteiligten wäre zu groß.

Zur Anzahl der Engagierten und fachlich hochkompetenten halte ich es mit einer sehr kompetenten und berufspolitisch sehr aktiven, schon älteren =lebenserfahrenen Kollegin: an guten Tagen gehe ich davon aus, dass 50% der Pflegekräfte hochkompetent sind, an schlechten Tagen muss ich mir eingestehen, dass dies ein Irrtum zu sein scheint und es wohl doch weniger sind.

Ich bin vielen interessierten Kollegen begegnet, die durchaus an Fortbildung interessiert waren. Am Bett kamen sie dann aber an ihre Grenzen- an die Grenzen der Zeit und des notwendigen Personals. Das ist umso bedauerlicher, weil ständige Enttäuschungen einen Lerneffekt haben: es lohnt nicht sich weiter zu entwickeln. man kann es eh net anwenden.

Was bleibt? Meines Erachtens ist es eine Stunde nach 12. Zulange hat Pflege versucht alle mitzuziehen. Da ist ne Menge Kraft vergeudet worden. Und die Realität zeigt ja auch, dass es nicht bei jeder Tätigkeit einer mehrjährigen Tätigkeit bedarf. Wenden wir uns den 50% Engagierten zu und versuchen diese zu einer Macht zusammen zu führen. 400.000 ist schon ne Anzahl, die man net wegdiskutieren kann- sofern sie sich einig sind. Ev. sogar so einig, dass sie die Aktivitäten der Berufsverbände neu ausrichten.

Ergo: Mitglied eines Berufsverbandes werden, sich freiwillig registrieren lassen und für die Einrichtung von Pflegekammer kämpfen.

Elisabeth

PS Wieviele echt Engagierte, mit einem Interesse an Veränderung, du in deiner Umgebung hast, kannst rausfinden, wenn du schaust, wie der Organisationsgrad ist. Verdi zählt hier nicht, weil sie net berufspolitisch, sondern nur tarifpolitisch aktiv werden.
 

Philipp Tessin

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Ich glaube, dass selbst diejenigen, die nur "Pflege nach Standard von vor 20 Jahren" machen, trotzalledem sehr kompetent sind. Und zwar, weil sie einfach schon so lange mit Patienten zusammenarbeiten.
Ich kenne Kolleginnen, die stehen kurz vor der Rente und haben tatsächlich seit 20 Jahren an keiner Fort- oder Weiterbildung mehr teilgenommen. Die halten nichts von Primary Nursing, studierten Pflegekräften oder anderen neumodischen Schnickschnack. Den DBfK kennen die nur vom Hörensagen.
Aber was den viel gerühmten "Klinischen Blick" betrifft, macht denen niemand was vor. Oft habe ich es erlebt, dass die einen angeblich orientierten Patienten 2 Minuten gesehen haben und dann feststellten "Heute Nacht ist der im Durchgang." oder "Frau Müller stirbt heute noch."
Zack.
Ungläubige Blicke von den anderen.
"So ein Quatsch. Dem gehts doch gut."
Und rate mal wer Recht hatte?!
Pflegekräfte sollten zwar Generalisten sein, aber das ist eben Utopie. Und deswegen müssen wir bei unseren Kollegen sehen, was die für Stärken haben und diese dann nutzen und auch schätzen lernen.
Um mal einen Referenten vom letzten Pflegekongress zu zitieren:
"Es geht nicht um die 5%, bei denen Hopfen und Malz verloren ist. Es geht auch nicht um diejenigen, die seit 20 Jahren keinen Tag krank waren und sowieso alles mitmachen. Es geht um die in der Mitte. Die müssen wir mitnehmen!"
Und er hat Recht.
Nur weil ein Kollege sich gegen Pflegeplanung sperrt, ist er deswegen noch lange nicht schlecht. Was übrigens nicht heißt, das er deswegen nicht doch eine machen müsste. ;)
Und wenn man mal dahinter schaut, machen die in der Regel auch eine "Planung". Ich kenne eigentlich keinen Kollegen, der nicht mit einem Plan im Hinterkopf an die Pflege eines Patienten geht. Klar wäre das super, wenn das ganze noch verschriftlicht wäre, in korrektem Deutsch, mit Pflegediagnosen unterfüttert, und dann regelmäßig evaluiert wird. Ist ja alles bekannt. Aber nur weil das nicht geschieht, macht der Kollege nicht unbedingt schlechte Pflege.
Was ich eigentlich sagen will:
wenn wir wirklich was verändern wollen, sowohl im Rahmen der Professionalität als auch berufspolitisch, müssen wir erstmal lernen, unsere eigene Arbeit wertzuschätzen! Wenn wir unsere Stärken und Kompetenzen formulieren können, dann haben wir auch eine Chance unseren Berufsstand angemessen zu vertreten.
Der Autor von der DKI-Studie, die zu zitiert hast, ist übrigens Volkswirt.
Liest hier eigentlich noch wer anders mit, außer Elisabeth und mir? ;)

Gruß
Philipp
 

Elisabeth Dinse

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Ist die Kompetenz einer Pflegefachkraft anhand von Prognosen abhängig?

Benner/Wrubel nennen das von dir beschriebene Phänomen "verkörperlichte Intelligenz". Diese ermöglicht dir intuitiv Entscheidungen zu treffen. Auch ein Pflegeakademiker braucht diese Fähigkeit.
Was unterscheidet beide? Deine Kollegin kann nur zurückgreifen, auf das, was sie selbst erlebt hat. Aktuelle Erkenntnisse stehen ihr nur eingeschränkt zur Verfügung. Sie kann ihre Lebenserfahrung nicht abgleichen mit dem theoretischen Wissen. Damit geht ein großes Wissen verloren.
Deine Kollegin hat vieles gesehen. Manches sieht man nur einmal im Leben. Manches zwar regelmäßig- aber es muss net ständig geschehen. Wie werden die Erfahrungen aus diesen beiden Situationen weiter gegeben?
*grübel* Wäre das nicht ein interessantes Feld für Pflegewissenschaftler?

Erfahrungswissen hat so seine Tücken. Kann man hier im Forum immer schön lesen, wenn dubiose Studien zum Thema Dekuprophylaxe und Einreibungen angeführt werden. Am schönsten fand ich ehedem die Studie: Reduzierung des Dekubitus durch Vermeidung eines Dauerkatheters.
Ohne theoretische Grundkenntnisse werden nicht selten falsche Schlüsse gezogen... und leider auch weiter vermittelt.
Wenn ich ganz bösartig wäre, würde ich sagen: da wird unreflektiert Laienwissen weiter gegeben.

Wohlgemerkt: diese Kollegen sind in meinen Augen durchaus kompetent. Aber sie haben ihre Grenzen.

Generalisten vs. Spezialisten
Es kommt drauf an, wie du Spezialisierung siehst. Der medizinische Bereich ist hochspezialisiert.... aber die Grundpflege erfolgt bei allen Menschen erst mal gleich. Bei allen sind die Ursachen einer Thrombose, eines Dekubitus, einer nosokomialen Pneumonie identisch.
Bringst du als Generalist theoretische Grundkenntnisse mit, dann kannst du diese mit den speziellen Anforderungen der fachspezialisierten Pflege abgleichen- kausale Zusammenhänge herstellen und diese in die Pflege miteinfließen lassen.
Wenn ich weiß, dass eine Bestrahlung, eine Chemotherapie die "schnellteilenden" Zellen angreift und ich Kenntnis darüber habe, dass die oberste Hautschicht sich in ca. 28 tagen erneuert, dann kann ich ableiten, dass ich diese Haut möglichst schonend pflegen muss. Waschlotionen kann man durchaus einsetzen, wenn man bestimmte Aspekte beachtet. Puder sind fragwürdig. Was sollen sie bei einer intakten Haut bewirken?
Wenn du mit einem Doc über die Pflege diskutieren willst, brauchst mehr als nur: die in XYZ machen das aber auch so.

Wen muss ich erreichen?
1,2 Mill. Pflegekräfte. Ich bin es müßig, ständig zu diskutieren: mach was, jammere net, werd berufspolitisch aktiv. Da werden Kräfte umsonst vergeudet ohne Ende. Ohne berufspolitische Aktivitäten keine Änderung.
das Desinteresse finde ich übrigens net nur bei den Alten sondern noch mehr bei den Berufsanfängern.

Ablehnung der Pflegeplanung
Ging es mir anders nach der ersten Schulung? Nein. Uns wurde auch gesagt: ATLs sind wichtig, möglichst jede ATL beachten, Doku wegen dem Kadi usw.. In einem Praktikum hab ich dann ff. zu hören bekommen: was interessiert m ich der Kadi. Ich dokumentiere, weil ich zeigen will, dass meine Pflege was bewirkt. Diese Aussage hat mich geprägt. Ich habe mich viel mit dem Thema beschäftigt in den letzten Jahren. Es ist ein durchaus sinniges Konzept... nur leider wird es falsch vermittelt.
Deswegen: wie wollen wir nachwiesen, dass Pflege einen Einfluss auf den Genesungsprozess hat? Detaillierte Planungen zum Thema füttern, waschen, trocken legen sind da wohl net der richtige Weg. Das Ausfüllen von Skalen als Diganosemittel geht wohl eher am Thema vorbei als das es hilfreich wäre.

Volkswirte und Krankenhausökonome wussten schon immer besser, was Pflege zu leisten hat: den Pat. adrett herrichten für die Visite.

Elisabeth
 

Philipp Tessin

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Zu Weitergabe und Erwerb von implizitem und explizitem Wissen gibt es mWn Untersuchungen. Zumindest habe ich was dazu im Studium gemacht.
Das ist ja gerade die Leistung die von Leitungen gefordert wird: implizites Wissen deutlich zu machen, weiterzugeben und zu bewahren. das ganze firmiert dann unter dem Schlagwort "Wissensmanagement". Und natürlich auch wissenschaftlich absichern.
Und wir sind ja nur zum Teil Generalisten (gibts das: Teil-Generalist? :roll:). Jeder von uns hat sein Fachgebiet, aber trotzdem überschauen Pflegekräfte i.d.R. viel mehr Aspekte, als es andere Gesundheitsberufe tun.
Und wieder ist es u.U. Leitungsaufgabe zum Sprachrohr für seine Leute zu werden. Anderen Berufsgruppen zu sagen: Das können wir!
Dafür gibt es Leitungen. Weil diese sich artikulieren können sollten und die Interessen ihrer Mitarbeiter gefälligst zu vertreten haben. Wenn ich da natürlich auch Pfeifen habe, wirds zugegebenermaßen schwierig.

Gruß
P. Tessin
 

Elisabeth Dinse

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Wir erwarten Solidarität für unseren Berufsstand. Wofür? für das vor uns her tragen von Wissen fast ausschließlich erworben im Learning by doing? Da wird dir jeder Laie zurecht sagen, dass er ein größerer Spezialist in seinem Krankheitsgebiet ist als jede Pflegekraft.
Er setzt in der Regel mehr Fachkenntnisse um als altgediente Pflegekräfte. Das liegt sicher auch daran, dass der mündige Patient sich heutzutage mehr informiert als noch vor Jahren. Mit mehr Wissen bei den Kunden steigt auch die Erwartungschaltung an die Pflege. Wenn da aber nur Laienwissen kommt... .

Der Kunde ist König. Er soll die Leistung bezahlen und er entscheidet letztendlich auch, was er haben will und was net. Und hier hat die Politik offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht. Medizin vor Pflege, weil Medizin heilt und Pflege nur Versorgung der Grundbedürfnisse bedeutet. Das ist die Sichtweise der Bevölkerung. Kannst auch festmachen an der mangelnden Achtung für unseren Berufsstand. Der Doc zählt und net die emsige Pflegekraft.

Der Kunde ist heutzutage auch nur zu beeindrucken, wenn du net nur füttern, waschen, trocken legen kannst, sondern wenn du in einem Beratungsgespräch patienten-/angehörigengerecht deine Infos vermitteln kannst. Wenn der Pat.(Bew./ang. merkt, es wird mit ihm h´gemeinsam und nicht über ihn hinweg entschieden... dann kannst ev. eine Solidarität einfordern. Und vielleicht wünschte der Kunde dann neben dem füttern, waschen, trockenlegen doch noch echte Fachkräfte, die ff. beherrschen:
a)Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, Planung, Organisation, Durchführung und Dokumentation der Pflege,
b)Evaluation der Pflege, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege,
c)Beratung, Anleitung und Unterstützung von zu pflegenden Menschen und ihrer Bezugspersonen in der individuellen Auseinandersetzung mit Gesundheit und Krankheit,


Elisabeth
 

thorstein

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stationär
Vielleicht sollte bei dieser Diskussion doch einmal berücksichtigt werden, über welche Pflege diskutiert werden soll.

1,2 Millionen Pflegekräfte: Wieviel arbeiten davon in Krankenhäusern?

Wieviele dieser Pflegekräfte sind eigentlich ungelernt?

Hier wird gerade nicht über "die Pflege" diskutiert, sondern über eine Minderheit, einen Teilbereich, der jetzt den anderen Pflegebereichen angepasst wird. Sowohl in der stationären Altenpflege als auch in der ambulanten Pflege ist das Delegieren an Ungelernte längst Alltag.

Das begrüsse ich ausdrücklich nicht, aber stellt euch schon mal drauf ein.
 

Elisabeth Dinse

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Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
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Stand 2008

Gesundheits- und Krankenpflegehelfer 246.000 VK
Gesundheits- und Krankenpfleger 775.000 VK
Altenpfleger 363.000 VK

Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland - Startseite

Zu den Altenpflegehelfern, Schwesternhelfern u.ä. hab ich keine Zahlen gefunden.

Elisabeth
 

Philipp Tessin

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Ich verstehe jetzt nicht, warum wir das nur auf die KH beschränken sollen? In AH, Amb. PD arbeiten für mich auch Kolleginnen und Kollegen. Ich versteh jetzt gerade die Beschränkung aufs KH nicht. Vielleicht entgeht mir aber auch ein Diskussionsstrang ;)
@Elisabeth:
Wenn ich dich zusammenfassen darf, schreibst du, dass das eben das Bild in der Öffentlichkeit ist, von der Schwester die einen Patienten satt und sauber hält, aber nichts zur Genesung als eigenständigen Beitrag hinzufügt. Richtig?
Und genau da ist mein persönlicher Ansatz:
in die Öffentlichkeit gehen und bekannt machen, was professionelle Pflege eigentlich wirklich leistet. Ich z.B. bewerbe mich gerade als Referent bei der lokalen VHS um genau zu dem Thema für das interessierte Laienpublikum zu referieren (Was bedeutet es für mich als Patient, wenn im KH nur noch Assistenzkräfte arbeiten?)
Aber da gibt es ganz viele andere Möglichkeiten, die jeder, JEDER, ausführen kann. Auch wenn man nicht vor einem Publikum referieren möchte. Interessierten sei das Buch "Der Pflege eine Stimme geben" von Bernice Buresh und Suzanne Gordon empfohlen.
Wenn wir es schaffen, ein anderes Bild in der Öffentlichkeit von uns zu zeichnen, werden wir auch eine andere Lobby und damit andere berufspolitische Möglichkeiten haben.
Ich weiß: ich bin ein Utopist. Aber nur die verändern etwas ;)
:boxen:
Gruß
Philipp
 

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