Abdeckung für HNO-OP's: ja/nein?

Dieses Thema im Forum "OP-Pflege" wurde erstellt von Rauber, 30.01.2008.

  1. Rauber

    Rauber Senior-Mitglied

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    Hallo Kollegen,

    Ich wende mich an Euch, weil ich weder beim RKI, noch bei unserer Hygienefachkraft (Ist sonst eigentlich top) keine verlässliche Angabe zu den Abdeckungen im HNO- OP gefunden habe.
    Dies ist auch meine erste HNO Abteilung, und auch in der Fachweiterbildung wurde dies nur am Rande thematisiert. Also hab ich leider nichts Konkretes in der Hand, mit dem ich argumentieren kann. bzw. um einen brauchbaren Vergleich herzustellen.

    Wir machen das sog. kleine Sortiment an HNO OP´s (Adenotomien, Tonsillektomien/ Tonsillotomien, Septumkorrekturen, endonasale Nasennebenhöhlen- und Kieferhöhlen- eingriffe. sowie Paukendrainagen, Tympanoplastiken, usw.)

    Es wird von den Ärzten (3 Belegärzte) sehr unterschiedlich gesehen und gehandhabt, wie bei Tonsillektomien abgedeckt wird, bzw. ob da überhaupt abgedeckt werden muss. Es wird sogar in Frage gestellt, ob bei der Tonsillektomie überhaupt sterile Handschuhe zum Einsatz kommen sollen.
    Die Universalbegründung oder das „Totschlag- Argument“ hierfür wird von allen genannt. Das der Mund- Rachen- Raum eh nicht keimfrei ist. ergo: wozu also abdecken ?
    Wir benutzen für Tonsillektomien noch Stoffkittel und umlegen den Kopf des Patienten mit Stofftüchern. Dies kann eh nur einen kosmetischen /ästhetischen Grund haben, weil die ja keine Keimbarrriere darstellen.
    Bei endonasalen OP´s nehmen wir eine Einmalabdeckung.
    Paukendrainagen werden bei uns ohne Abdeckung, d.h. nur mit sterilen Handschuhen gelegt.

    Mir erscheint die Logik darin selbst nicht ganz schlüssig, Wer mir dazu was brauchbares sagen kann, Bitte her damit Freu mich auf eure Hinweise.
     
    #1 Rauber, 30.01.2008
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 30.01.2008
  2. dieEv

    dieEv Poweruser

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    ATs, TEs werden nicht abgedeckt, nur sterile Handschuhe, was ich ganz sinnvoll finde. (Man stelle sich vor, wer da alles in die unsterilen Handschuhboxen reingreift täglich, außerdem sitzen die sterilen besser.)
    Septum und Kieferhöhle wurde bei uns bis vor kurzem nur mit Lochtuch abgedeckt. Die neue Ärztin deckt den ganzen Pat. zu! Klebt ein Schlitztuch ums Gesicht, so dass die Pat. aussehen wie eine Nonne. Ach ja, und das Gesicht wird mit Braunol abgewaschen, in die Nase kommt ein Tupfer, der mehrere Minuten einwirken muss! - Ist das zu glauben? Der alte Beleger hat minimal desinfiziert und abgedeckt und hatte nie Infektionen. Außerdem hat er Septen alleine operiert, nur mit 1 Springer im Saal. Die neue braucht sowohl Assistenz als auch Instrumentation.
     
  3. Rauber

    Rauber Senior-Mitglied

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    Hallo dieEv,

    Danke für die Info :-)
    Weißt Du, ob die Handlungsweise für die TE´s etc. in eurem Hygieneplan auch so niedergelegt ist?

    Kurze Rückfrage. Ist die HNO bei euch eine Hauptabteilung oder ist es eine Belegabteilung ?
     
  4. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Hallo,

    es besteht durchaus der Anspruch auch bei TE's und AT's das Gesicht steril abzudecken! Ebenso sollen sterile Handschuhe Verwendung finden, sonst könnte man ja auch in Abrede stellen sterile Instrumente zu verwenden! Es mag schon sein, dass Mundhöhle, äußerer Gehörgang, Nasenmuscheln etc. nicht steril sind, aber es werden Wunden verursacht, in die keine zusätzlichen Keime eingebracht werden dürfen (Umgebungsflora). Prinzip: was zu vermeiden ist, soll auch vermieden werden.
    Stoffabdeckung ist wie keine Abdeckung, die kann man sich tatsächlich sparen!

    Matras
     
  5. dieEv

    dieEv Poweruser

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    Ich finde das schon absolut logisch, dass man keine zusätzlichen Keime von außen einbringen sollte, würd ich auch nicht wollen.
    Das ist manchen Kollegen besonders bei analen Ops nicht einleuchtend.

    @Rauber: Die HNO ist bei uns Belegabteilung; wir haben zwei verschiedene Belegärzte. TEs/ATs machen beide allerdings ohne Abdeckung.
    Ich wüsste nicht, dass von der Vorgehensweise irgendetwas im Hygieneplan steht, das obliegt deren Verantwortung.

    Ansonsten ist es wohl wie überall: Jede Fachabteilung verfolgt ihre eigenen Prinzipien, und das fängt schon beim Abwaschen an: AC - ohne Handschuhe, UC - in voller Montur, Gyn - mit Handschuhen, aber ohne Kittel...

    Gruß, dieEv
     
  6. Fecher

    Fecher Gast

    Hier mal eine kleine Übersicht über unsere Abteilungsstandards an der Charite in Berlin. Ich arbeite hier am Campus Benjamin Franklin, es handelt sich also um eine HNO-Klinik mit universitärem Standard.

    AT/TE


    - keine sterile Abdeckung, keine Desinfektion, Untersuchungshandschuhe werden getragen(Sick!), über dem Patienten-Thorax wird ein steriles Einmal-Abdecktuch(1 mx 1,50 m) ausgebreitet, sozusagen als Schutz vor "ich weiß nicht was".

    Operateure ziehen sich tatsächlich nur normale Untersuchungshandschuhe an, keine sterilen Einmalhandschuhe. Mundschutz wird schon getragen aber am Ende rennt sowieso jeder rein und raus wie er will. Gewisse Operateure sind sich auch nicht zu fein einfach mit Ihren benutzten Handschuhen ans Telefon zu rennen oder irgend ein Dokument auszufüllen... How sick is that??

    Op's an Nasennebenhöhlen

    - Sterile Abdeckung mit einem Lochtuch(etwa 15 cm Radius), der ganze Patient wird so abgedeckt. Desinfektion mit Braunoderm und Einlage von Privin-getränkten Tupfern vor der Op. Diese werden nach dem abdecken und desinfizieren, also während der Op entfernt und weggeschmissen.

    Die NNH selbst werden in keiner Weise desinfiziert.

    Operateure und Schwester arbeiten steril. :boozed:

    Op's an Halsweichteilen(Neck Dissektion, Laryngektomie, Parotidektomie,...)

    Wie jede andere Op auch unter sterilen Kautelen..... .Wobei gewisse Operateure gerne Ihre Nase aus dem Mundschutz hängen lassen. Finde ich extrem lecker in Zeiten der modernen Chirurgie.=)))

    Restliche Op's wie Tympanoplastik und andere Ohr-Op's genau nach dem selben Schema.



    Einige Fragen bleiben hier offen:

    1.) Welchen Sinn und Zweck haben sterile Arbeitsweise bei TE/AT und Eingriffen wie Paukenröhrcheneinlage oder Parazentese?

    2.) Findet sich in der HNO im Vergleich zu anderen operativen Disziplinen eine erhöhte Rate an postoperativen Wundinfektionen?

    3.) Wie genau werden Antibiotika-Prophylaxen in diesem Bereich gehandhabt? Mann muss wohl sehr gesund sein, wenn man sich von nem HNO'ler operieren lässt.;)


    Naja, schreibt eure Meinung dazu..

    mfg fecher
     
  7. ExxonValdez

    ExxonValdez Junior-Mitglied

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    Hallo,
    Es gibt nicht einmal eine eindeutige Empfehlung für eine intraorale Desinfektion und wie diese durchzuführen ist, dadurch kann es auch keine Empfehlung zur Abdeckung geben, da schließlich somit "unsteril" gearbeitet wird. Kenne das Problem nur aus dem MKG Bereich. Trotzdem halte ich es durchaus für Sinnvoll sterile Handschuhe zu verwenden, und den Patienten so gut es geht abzudecken um zumindest Körperfremde Keime fernzuhalten.
     
  8. Bischi

    Bischi Junior-Mitglied

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    Hallo,
    sehr empfehlenswert ist folgendes Buch : "Pflegerische Qualitätssicherung im OP" aus dem Kohlhammer -Verlag.
    Hat uns sehr bei der Durchsetzung von Standards im HNO-OP geholfen.
    L.G. Bischi
     
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