2 Fragen zur Pflegepädagogik

Dieses Thema im Forum "Pflegestudium: Voraussetzungen, Studieninhalte, Studienorte" wurde erstellt von Spassbold, 20.05.2008.

  1. Spassbold

    Spassbold Newbie

    Registriert seit:
    08.05.2008
    Beiträge:
    11
    Zustimmungen:
    0
    Hallo zusammen,

    Ich habe jetzt mal das Forum durchgesucht und leider nichts gefunden, was direkt meine Fragen beantworten würde.
    Deshalb stelle ich sie hier mal:

    1. Ich bin examinierter Krankenpfleger mit einem jahr Berufserfahrung.
    Momentan studiere ich allerdings noch Humanmedizin.
    Ich habe aber gemerkt, dass das wohl doch nicht so ganz dem entspricht, was ich mir vorgestellt hatte.
    Nun würde ich gerne wieder in der Pflege beginnen und in absehbarer Zeit mit einem berufsbegleitenden Studium Pflegepädagogik beginnen.
    Hat jemand Erfahrungen gemacht, ob sich da evtl. in der Humanmedizin erworbene Scheine (z.B. Psychologie, Physik, Chemie oder Biologie) irgendwie anrechnen lassen?

    2. Ich habe während meiner Ausbildung die Erfahrung machen müssen, dass meine Lehrerinnen teilweise relativ weit weg von der aktuellen Praxis waren, da sie seit über 20 Jahren nur in der Pädagogik tätig waren.
    Solch ein Lehrer möchte ich natürlich nicht werden.
    Deshalb wollte ich mal Fragen ob jemand Erfahrungen gesammelt hat, ob man dann später nach dem Studium auch 30-50% in der flege arbeiten kann und den Rest dann in der Pädagogik?
    Ist sowas eher üblich oder eher nicht?

    Vielen Dank schonmal für die Antworten.
     
  2. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.07.2004
    Beiträge:
    4.031
    Zustimmungen:
    14
    Beruf:
    M.Sc., Dipl.-Berufspädagogin (FH); KS; Kinaestheticstrainerin Stufe 2, QMB (TÜV)
    Ort:
    Witzenhausen
    Akt. Einsatzbereich:
    Schule
    Funktion:
    Lehrerin
    Hallo Spassbold,
    ob eine Anrechnung möglich ist, wirst Du bei den entsprechenden Hochschulen erfahren ...pauschal kann Dir das niemand beantworten, da im tertiären Bereich jeder sein eigenes Süppchen kocht :-)

    Zu Deiner anderen Frage:
    Prinzipiell wäre es möglich, die Stelle zu teilen. Praktisch jedoch ist es quasi nicht durchführbar...
    Du müsstest die Bedürfnisse von 2 AG unter einen Hut bringen!
    Zum einen Schichtdienst und Wochenendarbeit, zum anderen viel Vorbereitung und Schreibtischarbeit in der Schule.
    Zeitliche Abstimmung ist schon schwierig! Als Anfänger arbeitest Du in der Schule echt viel an den Nachmittagen....hauptsächlich Unterrichtsvorbereitung.
    Wenn Du dann auch noch Kursleitung bist, dann macht Du sehr viel administrative Arbeit dazu.
    Eine 50 % Stelle in der Schule nützt wenig, denn Du macht "dasselbe fürs halbe Gehalt"!
    Wenn Du dann noch als Teilzeitkraft in der Pflege arbeitest und Überstunden schiebst, dann hast Du irgendwann eine 80 Stunden Woche...

    Zur Praxisferne von Pädagogen:
    Du wirst erleben, dass Du im Studium einen Rollenwechsel durchmachst!
    Du bist irgendwann keine Pflegekraft mehr sondern Lehrerin...gewinnst den nötigen Abstand zu Deiner praktischen Tätigkeit, um mit einem kritischen Blick "von oben" auf das System drauf zu blicken. Diesen "gesunden Abstand" zum eigenen Tun braucht es, um eine professionelle und wissenschaftlich getsützte Haltung zum damals erlernten Beruf einzunehmen.
    Meiner Meinung nach kannst Du nicht beide Rollen gleichzeitig inne haben...den Spagat würde man nicht hinbekommen.

    Es wäre auch nicht mehr Zeitgemäß....Berufsschullehrer haben u.U. den Beruf, für welchen Sie vorbereiten, noch nicht mal erlernt!
    Auch in der Pflege trennen sich die Ebenen Theorie und Praxis dahingehend, dass an den KPS mehr Theorie und Fachpraktischer Unterricht gehalten wird und die eigentliche Aufgabe der Praxisvermittlung durch die PAs stattfinden soll.
    Wir Pädagogen machen nur noch Praxisbegleitung (Gespräche, Reflexion ...mal eine kurze Sequenz am Bett).

    Im Moment ist vieles im Umbruch....Pflege macht sich auf den Weg an die Hochschulen.
    Wo wir in 15 Jahren stehen weiss keiner ...nur eines ist wohl ziemlich sicher: Krankenpflegeschulen als "Anhängsel von Krankenhäusern" wird es in dieser Form dann nicht mehr geben!
     
  3. Spassbold

    Spassbold Newbie

    Registriert seit:
    08.05.2008
    Beiträge:
    11
    Zustimmungen:
    0
    Vielen Dank schonmal für die schnelle Antwort.
    Ich werde mich dann wohl einfach mal an den entsprechenden Hochschulen erkundigen.

    Das mit dem Arbeiten klingt auch sehr logisch.
    Allerdings ist mir da einer meiner Lehrer eingefallen, der das theoretisch irgendwie so gemacht haben muss.
    Vielleicht werde ich aber vorher erstmal mit ihm reden, wie er das geregelt hat, oder evtl. auch nicht.
     
  4. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    27.07.2005
    Beiträge:
    13.280
    Zustimmungen:
    63
    Beruf:
    FGuKP I&I, Praxisanleiterin DKG,Wundassistent WaCert DGfW, Rettungsassistentin, Diätassistentin
    Ort:
    München
    Akt. Einsatzbereich:
    HOKO
    Funktion:
    Leitung HOKO
    Hallo Spassblond,

    ich habe eine Kollegin die es genau so macht, mit der Begründung, sie will nicht am "Leben vorbei" unterrichten, nach Abschluss ihres Studiums hat sie nun eine Teilzeitstelle auf einer Intensiv und eine bei der Schule. Während ihres Studiums hat sie auch noch zu 50% im Krankenhaus gearbeitet, da sie sich sonst das Studium nicht hätte leisten können.

    Meiner Meinung nach sollte man schon wissen wovon man spricht, auch von einem Lateinlehrer wird erwartet, dass er die Sprache beherrscht.

    Schönen Tag
    Narde
     
  5. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.07.2004
    Beiträge:
    4.031
    Zustimmungen:
    14
    Beruf:
    M.Sc., Dipl.-Berufspädagogin (FH); KS; Kinaestheticstrainerin Stufe 2, QMB (TÜV)
    Ort:
    Witzenhausen
    Akt. Einsatzbereich:
    Schule
    Funktion:
    Lehrerin
    Hallo,
    natürlich erwarte ich von jedem Lehrer eine gewisse fachliche Kompetenz...das steht völlig ausser Frage. Zu diesem Zwecke ist es bei uns ja auch vorgeschrieben, dass zumindest die Ausbildung in einem Pflegeberuf erfolgt sein muss..
    Das ich in dem, was ich unterichte, fit und auf dem neuesten Stand bin, steht somit nicht zur Diskussion.
    Um meinem pädagogischen Auftrag gerecht zu werden, muss ich aber nicht weiter mit 50 % in der Praxis arbeiten. Das ist am momentanen Zeitgeist vobei.
    Ich muss in der Lage sein, aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse in meinem Untericht nutzbar zu machen. Zu diesem Zwecke ist eine akademische Ausbilung unumgänglich ...wie sonst soll ich Studien auf ihre Tauglichkeit bewerten?
    Dieses Wissen muss in meinen Unterricht einfliessen...im fachpraktischen Unterricht muss ich darüber hinaus eine gewisse praktische Sicherheit im jeweiligen Fach haben.
    Hierfür muss ich jedoch nicht im regulären Dienst arbeiten...wenn ich merke, das ich das eine oder andere gerne nochmal tun würde, dann suche ich mir die Abteilung aus und frage die Pflegenden vor Ort.
    Damit breche ich mir keinen Zacken aus der Krone :-)


    Ich denke, dass es aber auch auf die Haltung und Einstellung des Lehrers ankommt...wenn ich den Anspruch habe, immer überall das neueste zu kennen und auch jede Tätigkeit in allen Fachgebieten weiter durchzuführen, dann bekomme ich irgendwann die mit dem Lehrberuf assoziierten psychosomatischen
    Folgeerkrankungen!
    Ich habe meine Themengebiete, für die ich zuständig bin...

    Wer erwartet denn bitte vom Chefarzt der Gynäkologie, dass er sein Wissen aus dem damaligen PJ auf dem aktuellen Stand hält und alle 4 Wochen ein freiwilliges Wochehende auf einer Internistischen oder neurologischen Station verbringt?

    Meiner Meinung nach braucht es mehr Experten in der Praxis, welchen es den Rücken zu stärken gilt! Es gibt viele gute PAs, diese müssen für Schulung freigestellt werden.
    Wenn die PA nach dem Modell 50:50 arbeitet, dann ist es OK.

    Es braucht aber genauso viele akademisch qualifizierte Lehrkräfte in den Schulen, welche sich mit dem Transfer von Wissenschaft in den Unterricht befassen.

    Momentan ist es alles noch so ein "Kuddel-Muddel" und nach alter Pflegetradition fühlt sich "jeder für alles " verantwortlich. Dieses schreibe ich alten Rollenverständnissen und eben der Ermangelung einer wissenschaftlichen Grundlage der "Lehrer für Pflege" zu.
    Das wird aber nicht die Zukunft sein ...die Schere wird auseinander gehen; der Lernort (Hoch)Schule wird sich von der Institution Krankenhaus als "Abteilung" abspalten.

    Abzeichnen tut sich das ganze in den Modellprojkten an Hochschulen sowie der Lehrerbildung in einigen Bundesländern (SH, BY).
    Dort wird klassisch auf Lehramt Sek. II mit 2 Fächern studiert...Ausbildung ist nicht erforderlich sondern lediglich ein 12 Wochen Praktikum.

    Pflege muss endlich den Anschluss ans Europäische Bildungssystem (Bachelor als Primärqualifikation) und an das duale System finden.

    Dann kommt es bei Lehrenden nicht mehr zu diesen Rollendiffusionen ("Mädchen für alles") und die Vergütung würde sich auch endlich von der einer Pflegekraft abkoppeln!
     
  6. HHS

    HHS Poweruser

    Registriert seit:
    25.01.2006
    Beiträge:
    733
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    GuKrPfl; cand. B. A. Pflegepädagogik
    Akt. Einsatzbereich:
    Hochschule, Pflegeheim
    Hallo,

    Hmmm....Lillebrit, ehrlich gesagt bin ich da nicht einverstanden mit.
    Mein Examen ist genau zwei Jahre nun her und ich erinnere mich an die Ausbildungszeit als wäre es gestern erst gewesen: die Klagen der Pflegekräfte auf Station gegen die Lehrer, die keinen Praxisbezug hätten. Und wir Schüler waren auch oft genug genervt- vorallem als es auf das Examen zu ging, weil gewissen Pflegetechniken schulisch ausgeführt überhaupt nicht mehr in die tägl. Routine hineinpassten.
    Gerde heute habe ich den Eindruck, das vieles was ich gelernt habe, aus einer Zeit stammt, in der noch genügend und ausreichend Personal auf den Station gab.

    Theorie und Praxis unterscheiden sich nunmal- und für mich waren die Lehrer am glaubwürdigsten ( und damit bei mir erfolgreicher!) die viel Praxisbezug hatten!

    Ich denke, das ist nicht das Problem- wenn ich Englisch lernen will, dann von einem Englischlehrer, wenn ich Physik lernen will, dann von einem Physiklehrer... Nur, das sind alles Grundlagenfächer - sie sind Grundlage für viele praxisbezogernere Fächer, Ausbildungen etc.

    Ich weiß nicht, ob es in Dt. darin hinausläuft, das den Lehrern nur noch Theorie blieben wird und den Praxisanleitern der Rest.
    Aber ich habe ein komisches Bauchgefühl, wenn ich daran denke, das dieser Beruf in Zukunft von Menschen unterrichtet wird, die nur noch wenig Praxisbezug haben. Man kann das ja wunderbar an unseren Ärzten sehen, wohin das geführt hat....

    Gruß
    HHS
     
    #6 HHS, 21.05.2008
    Zuletzt bearbeitet: 21.05.2008
  7. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    27.07.2005
    Beiträge:
    13.280
    Zustimmungen:
    63
    Beruf:
    FGuKP I&I, Praxisanleiterin DKG,Wundassistent WaCert DGfW, Rettungsassistentin, Diätassistentin
    Ort:
    München
    Akt. Einsatzbereich:
    HOKO
    Funktion:
    Leitung HOKO
    Doch ich erwarte von einem Gynäkologen schon, dass er auch den vtl. Bluthochdruck oder Herzinfarkt erkennt, genauso wie ich von einem Lateinleherer erwarte, dass er nicht nur die pädagogischen Fähigkeiten hat.

    Was dabei herauskommt, wenn ein Lehrer nicht ganz zeitgemäss unterrichtet und sein Fachwissen nicht dem entspricht was aktuell ist, ja hierzu kann ich dann vtl. diesen Thread empfehlen: http://www.krankenschwester.de/foru.../18951-orales-absaugen-ambulanten-pflege.html

    Doch wir kommen vom Thema ab.

    Schönen Abend
    Narde
     
  8. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.07.2004
    Beiträge:
    4.031
    Zustimmungen:
    14
    Beruf:
    M.Sc., Dipl.-Berufspädagogin (FH); KS; Kinaestheticstrainerin Stufe 2, QMB (TÜV)
    Ort:
    Witzenhausen
    Akt. Einsatzbereich:
    Schule
    Funktion:
    Lehrerin
    Hallo,
    naja, aber die Lehrer studieren ja auch ihr Fach ...das sind in diesem Fall die Pflegewissenschaften.
    Ich habe eher den Eindruck, dass die Lehrer an der Schule ihr Wissen am aktuellen Stand vermitteln (oder es zumindest sollten) und die Schüler dieses dann in die Praxis bringen...und nicht umgekehrt!

    LG,
    Lille
     
  9. HHS

    HHS Poweruser

    Registriert seit:
    25.01.2006
    Beiträge:
    733
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    GuKrPfl; cand. B. A. Pflegepädagogik
    Akt. Einsatzbereich:
    Hochschule, Pflegeheim
    Naja- so scheint es zu laufen. Aber wieso sollen die Schüler diese Aufgabe innehalten? Als Schüler möchte ich alles lernen, was ich ich später in der Praxis brauche um meine Ziele als Pflegekraft zu erreichen. Das wird mir aber nicht gelingen, wenn ich Sachen gelernt habe, die völlig an der Realität vorbeigehen!

    Es scheint mir, als würde das Pferd von hinten aufgezäumt- klar sollen neue Erkenntnisse eingebracht werden in die Praxis- aber die Schüler sind definitiv die falsche Wahl für soetwas!
     
  10. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.07.2004
    Beiträge:
    4.031
    Zustimmungen:
    14
    Beruf:
    M.Sc., Dipl.-Berufspädagogin (FH); KS; Kinaestheticstrainerin Stufe 2, QMB (TÜV)
    Ort:
    Witzenhausen
    Akt. Einsatzbereich:
    Schule
    Funktion:
    Lehrerin
    Hallo,
    weil die Schüler die neue Pflegegeneration ist...ein Berufsstand verändert sich nur, wenn sich die Akteure verändern.
    Sicher kann und darf diese Aufgabe nicht alleine auf den Schultern der Schule / Schüler lasten.
    Gefragt sind alle: Examinierte Fachkräfte, Arbeitgeber, Bildungsträger...und natürlich auch die Politik!
    Aber Schüler geben häufig einen "Denkanstoß" ...dieses wurde mir erst letzte Woche wieder auf einer FB von einer Praktikerin mitgeteilt.

    Die Frage die sich mir immer stellt: wenn alle Pflegekräfte Neuerungen und Innovationen leben und umsetzen würden, wie würde sich das auf die Politik und Arbeitgeber auswirken?

    Also: beugen wir uns den Rahmenbedingungen und kürzen immer mehr von dem, was Pflege leisten könnte? Oder würden sich die Rahmenbedingungen verändern, wenn alle 1,1 Mio. Pflegekräfte dieses massiv einfordern würden?

    Aber das ist jetzt off...
     
  11. HHS

    HHS Poweruser

    Registriert seit:
    25.01.2006
    Beiträge:
    733
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    GuKrPfl; cand. B. A. Pflegepädagogik
    Akt. Einsatzbereich:
    Hochschule, Pflegeheim
    Nein, gar nicht off! Genau dieses Thema hat mit Pflegepädagogik und den beiden Fragen des Threaderstellers mehr zu tun als man denkt!

    Prinzipiell hast Du Recht- aber aus der Praxis heraus resultieren nunmal Erfahrungen, aus denen neues Wissen entsteht. Ohne diesen praktischen Hintergrund hat die Lehre einfach wenig Sinn.

    Oder warum gibt es bei sehr vielen Hochschulen die Vorraussetzung von 2 Jahren Praxis?
    In irgendeinem Thread hier gab es den Hinweis, das es in England Lehrpflegekräfte gibt, die zu 50% auf Station arbeiten- muss nochmals danach suchen, aber das würde passen zum Thema hier!

    Gruß
    HHS
     
  12. Susi_Sonnenschein

    Susi_Sonnenschein Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.10.2004
    Beiträge:
    2.065
    Zustimmungen:
    9
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegerin
    Ort:
    Bayern
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensiv
    Funktion:
    Praxisanleiterin
    Hier ist der Thread
    http://www.krankenschwester.de/forum/studium-pflegepaedagogik/18667-berufserfahrung-notwendig-3.html

    Wobei ich denke, wenn die Ausbildung der Lehrer auch ohne Berufserfahrung möglich ist, wird der Transfer von der Theorie in die Praxis Aufgabe der Praxisanleiter sein.
     
  13. Spassbold

    Spassbold Newbie

    Registriert seit:
    08.05.2008
    Beiträge:
    11
    Zustimmungen:
    0
    Natürlich ist eine Ausbildung von jeglichen lehrern auch immer ohne Praxiserfahrung möglich.
    Nur stellt sich dann eben die Frage, wie gut diese nachher im Vergleich zu denen mit Praxiserfahrung sind ;)

    Nunja ich persönlich fand das was uns da in der Schule erzählt wurde halt auch immer ziemlich krass an der Praxis vorbei.
    Ich mein, wenn man laut Schule über ne Halbe Stunde für eine Ganzwaschung Zeit hat, ohne dass man dadurch in Zeitknappheit kommt, dann stimmt da wohl die erlernte Praxis schon des längeren nicht mit der Theorie überein.

    Ich möchte ja nur nicht so ein Lehrer werden, der dann nachher irgendwas erzählt, was zwar mal so war, aber was schon länger nicht mehr so gehandhabt wird.
    Vielleicht hatte ich ja auch Pech mit meinen Lehrkräften, wobei ich sie an sich ja ganz gut fand, aber da ging halt schon öfters mal nen neuer Pflegestandard unter und es wurde der veraltete unterichtet ;)
     
  14. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.07.2004
    Beiträge:
    4.031
    Zustimmungen:
    14
    Beruf:
    M.Sc., Dipl.-Berufspädagogin (FH); KS; Kinaestheticstrainerin Stufe 2, QMB (TÜV)
    Ort:
    Witzenhausen
    Akt. Einsatzbereich:
    Schule
    Funktion:
    Lehrerin
    Hallo Spassbold,
    und genau da fängt Dein Dilemma an...Du möchtest das Ideal vermitteln und hast auch 3 Jahre Zeit dafür.
    Die Ausbildung zeigt auf, was Pflege leisten kann! Dieses ist wichtig zu wissen, wenn Junge Menschen in den Beruf gehen...
    Wenn ich meinen Unterricht an der momentanen Praxis orientieren würde, dann könnte ich keine Begründung mehr dafür finden, warum es überhaupt ausgebildete Fachkräfte braucht!

    Was könnten wir nicht alles aus dem Lehrplan streichen:
    - Pflegeplanung (wird ja eh nicht gemacht)
    - Pflegewissenschaften (zu kompliziert)
    - Pflegekonzepte wie BasStim, Kinaesthetics und Bobath (keine Zeit...)
    - Hygiene ( hält sich ja eh kaum einer soooo genau dran ...)
    - Kommunikation und Gesprächsführung (nicht abrechenbar...)
    - Ernährungslehre (Essen kommt eh aus der Küche...)
    - Nahrung anreichen/ Aspirationsprophylaxe (reicht der Praktikant an ...)
    ....

    Du merkst, ich könnte das jetzt endlos so fortsetzen.


    Wenn die junge Generation das Optimum - die 100 %- nicht kennt, weil ich Abstriche mache und nur die in der Praxis geleisteten 40 % vermittele, dann wird Sie die Praxis so in Ordnung finden!

    Meine Aufgabe ist es nicht nur, zu einer "Berufstüchtigkeit" zu verhelfen (also dass die Leute "funktionieren"), sondern auch zu einer "Berufsmündigkeit"...will heissen, dasss junge Pflegekräfte wissen, was Pflege in allen Facetten leisten kann und dieses auch (irgendwann) mal Berufspolitisch einfordern.


    @ Susi Sonnenschein:
    Genau DA will man hin ...es braucht jetzt aber noch bessere Rahmenbedinguneg hierfür. In Bayern wird es demnächst halt Theorieleherr (studiert) und Fachpraxislehrer (Weiterbildung) geben ... Unterstützt von den PA auf den Stationen.
     
  15. Spassbold

    Spassbold Newbie

    Registriert seit:
    08.05.2008
    Beiträge:
    11
    Zustimmungen:
    0
    Nein, darum geht es mir eben genau nicht.
    Ich weiss natürlich, dass es schwierig ist und auch oft keinen Sinn macht, den Schülern alles nur so beizubringen, wie es oben im Krankenhaus läuft.
    Natürlich sind all diese Dinge sehr wichtig und auch noch zeitgemäß.
    Mir geht es lediglich darum, niachher nicht Dinge zu unterrichten, die schon seit Jahren von offizieller Seite geändert sind und dies auch begründet.
    Es geht nicht darum das es falsch ist, den Schülern beizubringen, wie sie eine Ganzwaschung in ner halben bis dreiviertel Stunde machen, wenn es in der Praxis oft gar nicht möglich ist.
    Natürlich sollen die Schüler alles sehr genau lernen und evtl auch etwas ausführlicher lernen, als es meißtens geht, damit sie es manchmal eben doch genau so anwenden können.

    Sie sollen nachher nur nicht einen Lehrer vor sich stehen haben, der seit exakt 20 Jahren das selbe unterrichtet und der all das, was sich evtl in der Klinik verändert hat, komplett ignorieren.
    Genau dieses haben meine Lehrerinnen nämlich teilweise getan.
    Es gilt einen Mittelweg zwischen diesen beiden Wegen zu gehen und mir erscheit die Lösung weiterhin zu mindest zu ein paar % weiterhin da in der Pflege zu arbeiten nicht als so sehr schlecht.
     
  16. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.07.2004
    Beiträge:
    4.031
    Zustimmungen:
    14
    Beruf:
    M.Sc., Dipl.-Berufspädagogin (FH); KS; Kinaestheticstrainerin Stufe 2, QMB (TÜV)
    Ort:
    Witzenhausen
    Akt. Einsatzbereich:
    Schule
    Funktion:
    Lehrerin
    Hallo Spassbold,
    wir Lehrer sind eigentlich verpflichtet, unsere Unterrichte immer an den neuesten Stand anzupassen. Ausschlaggebend ist hierfür der neuste Stand der Wissenschaft...nicht das, was in der Praxis momentan passiert.
    Meine Erfahrung ist einfach die, dass die Schule da eher am Ball ist als die Stationen.
    Das ist ja auch logisch, da ja eben genau das Recherchieren und Überarbeiten zu unserer bezahlten Arbeitszeit gehört...

    Die Schüler lernen dann das neueste und bringen es in den Einsätzen auf die Stationen...dann merken einige Pflegekräfte plötzlich, dass sich was verändert hat.

    Darauf gibt es 2 Arten zu reagieren:
    a) Ingonranz ("Das machen wir aber schon seit 20 Jahren so")
    b) Interesse ("Oh, zeig mir da mal ....").

    An den ersten wirst Du verzweifeln...die zweiten wirst Du ggf. auf einer Fortbildung zu einem der neuen Dinge in der IBF antreffen (Du schulst damit auch die Pflegekräfte).

    Ob das, was auf den Stationen gelebt wird, aktuell ist, weisst Du erst, wenn Du durch die aktuelle Literatur und den momentanen Forschungsstand durch bist...
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Über die Brücke, dass alle Lehrer so engagiert sind wie du, mag ich nicht gehen. Dafür hört man zuviel Negatives.


    Elisabeth
     
  18. HHS

    HHS Poweruser

    Registriert seit:
    25.01.2006
    Beiträge:
    733
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    GuKrPfl; cand. B. A. Pflegepädagogik
    Akt. Einsatzbereich:
    Hochschule, Pflegeheim
    Hallo Lillebrit,

    Das der Unterricht so aktuell sein soll wie nur möglich, finde ich selbstverständlich! Da spricht hier auch keiner wirklich dagegen- nur die Übertragung auf die Praxis funktioniert einfach nicht. Die Diskrepanzen sind zu groß. Das hindert auch viele, egal ob junge oder alte, daran Neuerungen zu übernehmen.

    Es gibt, denke ich, auch nicht uiberall Lehrer die sagen: "was auch immer Du tust, bzw. weglässt: Du musst es gut begünden können!"

    Ich denke auch, auch wenn das jetzt etwas off-topic geht, das da sie Struktur in der dt. Pflegelandschaft nicht geeignet ist, immer auf den neusten Stand zu bleiben. Audits, QM etc. sind zwar nett anzusehen, und auch sehr oft umgesetzt- aber meist ist eben ein stures Abbarbeiten von Checklisten und nicht gelebte Durchführung! Das dürfte der Grund sein, warum es immer noch diese gewaltigen Diskrepanzen zwischen Theorie, Wissensschaft und Praxis gibt.

    Gruß
    HHS
     
  19. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.07.2004
    Beiträge:
    4.031
    Zustimmungen:
    14
    Beruf:
    M.Sc., Dipl.-Berufspädagogin (FH); KS; Kinaestheticstrainerin Stufe 2, QMB (TÜV)
    Ort:
    Witzenhausen
    Akt. Einsatzbereich:
    Schule
    Funktion:
    Lehrerin
    Hallo HHS,
    das es Diskrepanzen gibt, sehe ich auch. Dass Problem ist mit Sicherheit ein multidimensionales:

    Zum einen natürlich die Rahmenbedingungen. Viele Pflegekräfte würden gerne anders arbeiten, wenn die Arbeitgeber Sie liessen.
    Dann die Politik, welche durch die Deckelung des Budjets den finanziellen Rahmen vorgibt ...und letztendlich auch bestiummt, was abrechenbar ist und was nicht.

    Ich sehe das Problem aber auch in den eigenen Reihen der Pflegekräfte verortet. Es herrscht leider immer noch vielfach die Meinung, dass nur Handwerk "richtige Pflege" ist...wer nicht schwitzt hat nichts geleistet.

    Um die Praxis am Stand der Wissenschaft auszurichten und dadurch letztendlich auch Einfluss auf die Politik zu nehmen, braucht es erstmal ein Umdenken in den eigenen Reihen. Auch denken ist Arbeit ....auch das muss bezahlt werden.
    Dieses würde funktionieren mit auf Bachelor -Niveau ausgebildeten Pflegeakademikern. Diese könnten sich auf Station vermehrt um die Suche nach Wissenschaftlichen Beweisen (im Sinne von EbN) machen und gemeinsam mit den Kollegen implementieren.

    Wenn wir dann argumentieren, dass auch wir eine Profession sind und auf einen eigenen "Body of Knowledge" zurückgreifen können (und nicht immer an die medizin angelehnt sind), dann hätten wir eine andere Lobby und damit eine andere Stellung in der Gesellschaft.
    Dieses würde zu einer besseren Bezahlung führen....

    Veränderung muss von uns kommen...wenn wir so weiter machen und "auf ein Wunder hoffen", dann ist die berufliche Pflege in Deutschland verloren.

    Wenn wir nur jammern und un sdarüber aufregen, dass keine Zeit mehr für irgendwas ist....dann funktioniert es nicht.
    Es ist an uns zu zeigen, was Pflege leisten könnte...wenn man uns lässt!
     
  20. @ lillebrit

    ich frage mich warum so gerne vergessen wird, dass die inhalte der pflegerischen bachelor-studiengänge ebenso wie die schulische ausbildung in den anderen ländern nur bedingt oder gar nicht mit deutschland zu vergleichen sind.
    in dem bestreben nach einem europäischen einheitsbrei werden zurzeit wirklich einige SEHR halbherzige versuch unternommen, an ausländische modelle anzuknüpfen. ich persönlich wüßte zb nicht, in welchen bereich später bachelor-absolventen einmüden sollen, die keine pflegerische ausbildung haben.

    bisher gibt es nur wenige hochschulen, die eine duale ausbildung anbieten, der rest verläuft theoretisch und ohne großen praxisbezug. zwar besteht die möglichkeit an manchen hochschulen im anschluss innerhalb von einem jahr das examen zu machen, doch wer sich mal mit den inhalten der anrechenbaren praktika beschäftigt hat, kann sicher mit keinem guten gewissen dazu raten. zumindest nicht, wenn man wert auf eine gute ausbildung legt. im grunde trifft da der satz zu, dass papier geduldig ist. solange eine bestimmte anzahl an wochen bescheinigt werden, interessiert sich keiner mehr für den tatsächlichen inhalt.

    HH hat recht mit seiner aussage, dass die große diskrepanz zwischen theorie und praxis pflegende demotiviert. das ist ein bekanntes problem in der pflege, allerdings scheinen lehrkräfte das in der art nicht (mehr) wahrzunehmen !?
    mal ernsthaft, wieviele alte hasen lassen sich denn von einem auszubildenden etwas neues beibringen? die wenigsten reagieren mit "hey toll, ich kenn es zwar anders, aber wenn das in der schule jetzt neu ist - her damit!"

    diese theorie-praxis-kluft ist wirklich demotivierend und ich persönlich komme mir schon etwas blöd vor, wenn ich vor schülern stehe und ihnen erzähle was alles sein kann und sein soll und trotzdem genau weiß, dass wohl keiner es so umsetzen kann.
    es ist zwar richtig die inhalte des unterrichts nach den neusten wiss. erkenntnissen auszurichten, aber vllt sind auch mal die schulen gefragt sich an einem etwas realistischerem bild zu orientieren...


    sorry, dass das vllt etwas hart klingt, aber ich bin wirklich genervt von diesen dürftigen, halbherzigen zwischenlösungen und davon, dass praxis UND theorie noch immer so die augen voreinander verschließen...
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Fragen Pflegepädagogik Forum Datum
Fragen zur Ausbildung Ausbildungsinhalte 31.10.2016
Fragen zur Ausbildung und Beruf in der Alten und Krankenpflege Arbeitsrecht / Gesundheitsrecht / Krankenpflegegesetz 06.09.2016
Werbung 3.333 Prüfungsfragen / Examensfragen mit Antworten - kostenlos! Werbung und interessante Links 15.08.2016
OTA Ausbildung- wohin & allg. Fragen Ausbildungsvoraussetzungen 08.06.2016
Was kann ich meine Praxisanleiter vor Beginn meines ersten Einsatzes fragen? Ausbildungsinhalte 03.05.2016

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.