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Methotrexat- und Folsan-Gabe bei rheumatoider Erkrankung

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Innere Medizin" wurde erstellt von escondido, 22.09.2011.

  1. escondido

    escondido Junior-Mitglied

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    Hi Forumler!

    Ich hab mal ´ne Frage zur MTX-Therapie bei einer rheumatoiden Erkrankung. Die Freundin meiner Mutter muss MTX einnehmen. Dazu muss sie dann auch noch Folsan einnehmen.
    - Worin liegt denn genau der Sinn des Folsans? Für was muss der Patient dies einnehmen?

    Wenn man im Internet recherchiert, dann findet man die verschiedensten Angaben zu verschiedenen Punkten:
    - Höchstdosis des MTX bei Rheuma (Tagesdosis und Gesamtdosis)
    - Einnahmezeitpunkt und -häufigkeit MTX (morgens/ mittags/ abends - vor/ zum/ nach dem Essen - täglich/ 1x pro Woche?)
    - Einnahmezeitpunkt Folsan
    (morgens/ mittags/ abends - vor/ zum/ nach dem Essen - täglich/ 1x pro Woche?)
    - Dauer der MTX-Therapie

    Könnt Ihr mir bei meinen Fragen weiterhelfen? Wäre super! Danke!

    escondido
     
  2. Ich kenne es so, dass MTX nur 1x wöchentlich bei rheumatoiden Erkrankungen gegeben wird (i.m.), selten oral - ist aber auch schon ein wenig her, dass ich mit Rheumaerkrankten mehr zu tun hatte.
    Eigentlich beginnt die MTX-Therapie ohne Folsäure, wenn MTX aber schlecht vertragen wird, greift man zu Folsäurepräparaten.
    Du willst wahrscheinlich auf den scheinbaren Widerspruch hinaus: warum ein Folsäure-Antagonist geben und gleichzeitig Folsäure verabreichen - lieg ich da richtig? Nun, es ist so, dass zwischen der Verabreichung von MTX und der Folsäure ein zeitlicher Abstand liegen sollte. Das Ziel von MTX ist ja nicht, die komplette Folsäure im Körper zu vernichten...ein wenig Folsäure braucht der Körper ja schon noch :mryellow:
    Rheumatoide Erkrankungen erfordern eine sehr individuelle medikamentöse Einstellung. Es kommt auch immer darauf an, wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist. Bei vielen Menschen gibt es eine lange Patientenkarriere bis endlich mal jemand die korekte Diagnose "Rheuma" gestellt hat - mit der Folge, dass viele über Jahre hinweg falsch medikamentös eingestellt wurden. Letztlich gibt es nicht DIE Therapie...es gibt nur Therapieempfehlungen, Stufentherapie...und selbst die unterscheiden sich in den nationalen Standards. Die Rheumaforschung ist noch sehr jung, ist aber mitten im Aufschwung.
     
  3. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Ich bin selbst an Rheuma erkrankt und habe schon mehrere Therapieversuche durchlaufen. Wie Quallenfuss schon sagte, wird MTX als Basismedikation in der Rheumatherapie verordnet. Es ist neben Cortison (Prednisolon) eins der ersten Medikamente, die man verordnet. Erst bei Unverträglichkeit werden andere Basismedikamente verwendet. Die gesamte Basismedikation ist für das Cortison einsparen verantwortlich. Cortison ist das Mittel der Wahl wenn es um entzündliche Prozesse wie beim Rheuma geht. Es gibt kein besser wirkendes Medikament. Aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen, muß man das Cortison sehr sparsam einsetzen. Die Basistherapie ermöglicht das in den meisten Fällen.

    MTX wird 1x pro woche s.c. gespritzt, Tablettengabe erfolgt seltener, weil oft nicht so wirkungsvoll. Die meisten Patienten spritzen sich das MTX selbst. Meist in einer Dosierung zwischen 10 und 20 mg.

    Folsan ist ein Antagonist. Nimmt man nach mind. 36 Std. bis zu 48 Std. später ein. Zur Einnahme gab es keine konkreten Anweisungen. Der Abstand zum MTX sollte stimmen. Wenn man nach 48 Std. die Folsäure nimmt, werden evtl. Nebenwirkungen des MTX wesentlich weniger. Die eigentliche Wirkung des MTX erfolgt im Prinzip am 1. Tag nach der Spritze.

    Zur Dauer der MTX Therapie?
    Dazu kann man keine Aussage machen. Rheuma ist nicht heilbar. Theoretisch nimmt man sein ganzes Leben lang Rheumamittel insofern die Krankheit bei zunehmendem Alter nicht langsam ausbrennt. Oft ist es so, dass ein Basismedikament nach ein paar Jahren nicht mehr wirkt. Dann muß gewechselt werden. Mein derzeitiges Medikament ist z.B. Arava - Leflunomid.

    Tja es schwingt aber sehr langsam. ;) Das liegt aber nicht unbedingt an der Forschung, sondern eher an den Preisen der Medikamente. Wenn Biologika wie Adalimumab (Humira) verschrieben werden müssen, wirds sehr teuer. 2 Spritzen kosten zwischen 1800 - 2000 Euro. Im Regelfall wird alle 2 Wochen gespritzt. Klappt aber nicht bei allen. Manche brauchen früher die nächste Spritze.

    Da könnt ihr euch sicher vorstellen, dass die Kassen da ganz schön Theater machen.
     
  4. Fea

    Fea Senior-Mitglied

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    Ist hier gut erklärt:



    Folsäure und Folinsäure (Leucovorin) und Methotrexat-Therapie.
    Methotrexat ist das wirksamste und im Verhältnis dazu nebenwirkungsärmste Basistherapeutikum bei der Behandlung chronisch entzündlich rheumatischer Erkrankungen. Methotrexat ist ein so genannter Folsäureantagonist. Dahinter verbirgt sich die Eigenschaft, die Bereitstellung der Folsäure für rasch wachsende Zellen, wie sie Entzündungszellen darstellen, zu behindern. Aber auch andere „normale“ unbeteiligte Zellgewebe können ungünstig beeinflusst werden, sodass Blutbild- und Schleimhautveränderungen als Nebenwirkungen auftreten können.
    Als Schutz vor diesen Nebenwirkungen ist ein Folsäureersatz notwendig. Bei 10/100 Patienten unter einer Methotrexat Therapie muss mit einem Folsäuremangel gerechnet werden.
    Vorbeugend wird eine Folinsäuregabe (Leukoverin®) in einer Dosierung von 10 -mg am Tage nach der MTX Einnahme vorgeschlagen. Bei einer Zufuhr von Folinsäure die mengenmäßig über der Methotrexatdosis liegt, hebt die Folinsäuregabe die Wirkung von Methotrexat auf! Der Fehler einer zu hohen Folinsäuregabe ist häufig zu beobachten.
    Eine andere Möglichkeit der Vorbeugung besteht in der Gabe von Folsäure (z.B Dreisafol®). Hierbei beruht der schützende Effekt auf einer Anhebung des Folsäurespiegels in den Zellen. Folsäure ist preisgünstiger als Leukoverin® und wahrscheinlich ebenso wirksam.
    Gegeben wird Folinsäure (Leukoverin®) am Tage nach der MTX-Gabe in Höhe der Hälfte der Dosis des Methotrexat), oder Folsäure (Dreisafol®) in einer täglichen Menge von 5 mg. Eine Vorbeugung allein über eine Auswahl an Nahrungsmitteln ist nicht möglich. rheuma-praxis.de
     
  5. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Ich halte die Folsäure Gabe am Tag nach der MTX Einnahme für zu früh. Das würde ja bedeuten, dass ohne genauere Definition schon innerhalb 24h nach MTX Gabe Folsäure genommen werden könnte.

    Ich habs immer ca. 48 Std. später genommen. Die Ärzte hier in meiner Umgebung sagen 36-48 Stunden.
     

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