Dürfen geistig Behinderte Kinder kriegen?

Ramona84

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Krankenschwester
Hallo ihr,

Ich bin seit September 2005 examiniert und arbeite seitdem in einer Einrichtung für geistig und körperlich Behinderte Erwachsene.
Ich bin in einem Haus, indem 3 Gruppen sind.
Zusätzlich habe ich nun erfahren, das sich auch die "begleitete Elternschaft von geistig behinderten Müttern" in diesem Haus befindet.

Als ich das gehört hatte, musste ich natürlich staunen, denn es galt ja immer als verpönt wenn behinderte Mütter ein Kind bekommen.
Jetzt würde ich gerne mal eure Meinung zu diesem Thema hören.

Findet ihr das rechtens, das behinderte Menschen ein Kind bekommen?
Vor allem, können behinderte ein Kind großziehen, denn wenn das Kind erst einmal in der Schule ist, ist es vielleicht schon überlegender als die Mutter?
Und vor allem, wie geht man als Pflegender mit diesem Thema um?

Ich danke euch für eure Meinung....
 
Ich habe nach der Ausbildung mal in einem Wohnheim für körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen gearbeitet. Dort hatten wir auch eine Bewohnerin, die einen starken Kinderwunsch hegte. Wir haben mit ihr und ihrem Freund ("gesund") gemeinsam Beratungstermine wahrgenommen und sie auch unterstützt.

Heute ist sie glückliche Mutter einer 3Jährigen :daumen:


Meine persönliche Meinung: man sollte es keinem Menschen verwehren, dieses Glück zu erfahren.. sofern es kein Lebensrisiko für diesen Mensch birgt und er sich des Umfangs dieser Entscheidung auch voll bewusst werden kann.
 
Hallo Ramona!
Beantwortest du mir bitte zunächst folgende Fragen:

Warum...
...soll eine durch Unfall beinamputierte junge Frau nicht Mutter werden dürfen?
...soll eine seit Kindheit blinde Frau oder eine taube Frau nicht Mutter werden dürfen?

Ich glaube, dass wir hir keinesfalls "Behinderte" pauschal in einen Topf werfen dürfen. Hier wird es meiner Meinung nach einer sorgfältigen und absolut individuellen Beratung einer jungen Frau mit "Behinderten-Status" im gebärfähigen Alter bedürfen.
 
Hallo Flexi.

Ich sprach auch von Frauen, die GEISTIG behindert sind.
Klar, ich denke, dass körperlich behinderte Frauen weniger in Punkto Erziehung Probleme haben, nur irgendwie anders organisieren müssen,. ja nachdem wo ihre Behinderung liegt.

Meine Frage war ja, ob geistig behinderte Frauen in der Erziehung eines Kindes evtl. nicht überfordert werden, alleine schon, wenn die Kinder älter werden, und schon in der Schule der Eltern geistig überlegen ist...

Das war ja jetzt auch kein Kritikpunkt von mir, würde nur gerne eure Meinung hören.
 
Auch wenn es evtl. nicht ganz so sinnvoll ist, wenn geistig Behinderte Eltern werden, wer kann es denen den verbieten ?
Zwangsmedikamentation oder gar Zwangs-sterilisation wären ein Eingriff in die Menschenrechte und barbarisch...genauso unmenschlich wären Sexverbot oder erzwungende Abtreibungen.

Auch kann man nicht bestimmen, ab wann jemand wirklich in der Lage ist ein Kind zu erziehen. Eine Mutter mit normaler Intelligenz, aber einem schlechten sozialen Hintergrund (z.B. aus der Drogenszene...) kann eine weitaus schlechtere Mutter sein, als jemand mit stärkerer Intelligenzminderung und Unterstützung durch Großeltern/Eltern.

Man muß also jedem Menschen das Recht zugestehen, Kinder zu bekommen egal welchen Hintergrund die betreffende Person hat. Erst wenn die Gesundheit und Entwicklung der Kinder gefährdet sind, sollte staatlich eingegriffen werden, aber auch nur soweit wie es nötig ist.
 
Hallo Baru,
zu dem Thema, dass Frauen, die aus einer schlechten Szene, etc. kommen schlechtere Eltern sein können, gebe ich dir recht.

Und das der Staat eingreifen sollte wenn die Kinder in irgendeiner Weise gefährdet sein sollten.

Zum Thema Zwangsmedikation, muss ich leider erzählen, dass es wirklich so ist.
In unserer Gruppe leben 9 geistig behinderte Erwachsene im Alter von 30-60 Jahren. Darunter 7 Frauen.

Alle Frauen, sind entweder sterilisiert, nehmen die Pille, bekommen die 3-Monatsspritze, etc. um eine Schwangerschaft zu unterbinden, da die Sexualität kein Tabu-Thema ist.
Dazu muss ich aber erwähnen, dass die Verhütungsvorschriften nicht von uns, sondern von den gesetzlichen Betreuern (das sind zum größten Teil die eigenen Eltern) verordnet wurden, und wir Sorge tragen, dass dies auch eingehalten wird.

Das finde ich gar nicht gut, denn ich denke mal nicht, dass mit den Betreuten nicht geredet wurde, zum Thema Kinderwunsch...
 
Warum sollte sie keine Kinder kriegen? Wir dürfen nicht drüber richten, wer sich fortpflanzen darf und wer nicht. Ich erinnere nur an das 3. Reich. Da war das nämlich so. Ich habe heute erst einen Artikel über Sexualität bei sowohl körper- als auch geistigbehinderten gelesen. Für manche ist es schwierig erst einmal einen Partner zu finden. Und ich denke, wenn man dann den Menschen gefunden hat, dann wünscht man sich auch ein Kind. Ich finde es toll, dass es unterstützt wird, wenn geistigbehinderte Menschen Kinder bekommen.

:hippy:
 
Ich bin auch dafür, dass geistig oder körperlich behinderte Menschen Kinder bekommen dürfen. Als ich hörte, dass in den Heimen die Patienten oft die Pille oder andere Verhütungsmittel bekommen damit eine Schwangerschaft nicht geschehen kann, war ich ziemlich geschockt. Wieso sollte man ihnen das Recht nehmen, sie sind schließlich auch Menschen und können (zum Teil) für sich selbst entscheiden. Natürlich sollte man schauen, was für eine Art Behinderung der Mensch hat bzw. wie stark aber an für sich bin ich dafür!

Schöner Film und vor allem Beispiel ist: Ich bin Sam
Hab so geheult bei dem Film! Unbedingt mal anschauen!!!
 
Ich finde es toll, solche Meinungen zu hören, wäre erfreut noch mehr davon mitzubekommen...
Ich bin gespannt...
 
Hallo Ramona,
grundsätzlich bin ich dafür!

Ich habe vor langer Zeit in der Psychiatrie gearbeitet, hier hatten wir eine Patientin, die ihre kleine Schwester ertränkt hatte - warum auch immer.

Bei dieser Patientin hätte ich jetzt eher ein ungutes Gefühl wenn sie ein Kind bekäme.
Das ist jedoch ein Einzelfall!

Schönen Abend
Narde
 
Tja:gruebel:
ich würde ja dazu sagen, mit der notwendigen Unterstützung (kostet halt mal wieder Geld) ist es bestimmt möglich, aber die Infrastruktur hierfür muß vorhanden sein d.h. geeignete Plätze u. Personal müßen vorhanden sein.

Es gibt genügend "normale Eltern" die mit ihren Sprößlingen nicht zu Rande kommen und dann Hilfe bekommen warum nicht auch geistig Behinderte.

Leider werden die Mittel immer mehr zusammengestrichen (s. Kinderkrankenpflege) und viele Verantwortliche denken "Was für Erwachsene gut ist, ist auch gut für die Kinder"

Aber ich bin dem ganzen positiv eingestellt.
 
Baru schrieb:
Auch wenn es evtl. nicht ganz so sinnvoll ist, wenn geistig Behinderte Eltern werden, wer kann es denen den verbieten ?
Zwangsmedikamentation oder gar Zwangs-sterilisation wären ein Eingriff in die Menschenrechte und barbarisch...genauso unmenschlich wären Sexverbot oder erzwungende Abtreibungen.

Aus wessen Sicht könnte es nicht sinnvoll sein, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung Eltern werden? - Aus Sicht der Kostenträger, der Gesellschaft, der Pflege- oder Bezugspersonen?
Es kommt auf die Haltung der Gesellschaft an, die sich in Normen und letzten Endes in Gesetzen widerspiegelt. Vor nicht so langer Zeit gab es Gesetze, wie das "Erbgesundheitsgesetz", die die Fortpflanzung "bestimmter" Menschen verhindern sollten. Spezielle "Erbgesundheitsgerichte" entschieden über durchzuführende "Maßnahmen".
Was ist "sinnvoll"? - ein funktionierendes (bzw. produktives) Mitglied der Gesellschaft zu sein, das sich in dieser partizipiert?.
Wer nicht all diesen "Anforderungen" entspricht, wird anders behandelt, ihm stehen nicht die gleichen Rechte zu, wie der "normalen" Bevölkerung - soll es so sein? Ich denke nicht!
In Artikel 1 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen". ALLE Menschen.
Jeder Mensch hat sexuelle Bedürfnisse oder den Wunsch, Kinder zu bekommen. Ihm diese abzusprechen oder für nichtexistent zu erklären zeugt von geringer Aufklärung. Geistig behinderte Menschen müssen jede Hilfe erhalten, die nötig ist, um sie in der Elternrolle zu unterstützen.

ciao
Manuel
 
Warum es evtl. nicht sinnvoll sein könnte ?
Könnte daran liegen daß geistig behinderte Eltern nur teilweise ihrer Elternrolle nachkommen können. Es macht für mich in etwa genauso viel Sinn, wie daß 12 Jährige Kinder bekommen.
Elternschaft ist ja nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verpflichtung gegenüber dem neuen Leben.

Aber ich hatte ja geschrieben das nicht desto trotz jeder Mensch daß Recht hat, Kinder zu bekommen, und halte daran auch weiter fest. Nur sollte man geistig Behinderte diesbezüglich ehrlich und vernünftig beraten.
 
Die Frage ist doch auch noch, ob denn in dem jeweils speziellen Fall auch gesunde Kinder zur Welt kommen. Eine Behinderung stellt nach wie vor eine Art Unfall der Natur dar, auch wenn es Zeitgeist ist, diese als ganz wunderbare Bereicherung zu deuten. Bewußt behinderte Kinder oder Kinder die von ihren Eltern nicht versorgt werden können zur Welt kommen zu lassen halte ich für ethisch ebenso fragwürdig, wie den Anspruch, daß die Gemeinschaft für das Glück jedes Einzelnen (z.B Erfüllung Kinderwunsch) aufzukommen hat.

Interessante Diskussion bei "Maischberger" neulich:

Man glaubte feststellen zu können, daß es weniger behinderte Kinder als früher im Stadtbild Deutschlands gäbe, und führte dies auf die Nutzung der Amniocentese und damit verbundener Chromosomenuntersuchungen zurück, sprich die Eltern nutzen die Möglichkeit Kinder mit genetisch bedingten Behinderungen nicht zur Welt kommen zu lassen.
Dies wurde mit allgemein zur Schau gestellter Betroffenheit quittiert, die ich ín keinster Weise teile. Gut zu sehen, daß es Eltern gibt, die in der Lage sind diese sicherlich schwierige, aber große und vernünftige Entscheidung zu treffen.

Oliver
 
Und dann erscheint die ethische Frage: wer ist gesund und normal?

Darf ich fragen oliver, inwiefern du von diesem Thema betroffen bist? Deine Entscheidung fällt aus meiner Sicht sehr rigoros.

Elisabeth
 
Ich finde, dass jedem das Recht gegeben ist Kinder zu bekommen, wenn keine Eigen- oder Fremdgefährdung dadurch entsteht. Ansonsten spricht für mich nichts dagegen. Ngozi:daumen:
 
Anastasius schrieb:
Dies wurde mit allgemein zur Schau gestellter Betroffenheit quittiert, die ich ín keinster Weise teile. Gut zu sehen, daß es Eltern gibt, die in der Lage sind diese sicherlich schwierige, aber große und vernünftige Entscheidung zu treffen.
Was ist denn eine vernünftige Entscheidung ?
Ein Kind auf verdacht abzutreiben, was evtl gesund oder nur leicht behindert ist ? Oder ein schwer behindertes Kind zu bekommen ?
Ich denke daß es da keine "vernünftige" Entscheidung gibt.
Da spielen so viele Faktoren eine Rolle, Fähigkeit der Eltern, Religion, Sozialer Status, Beruf der Eltern, familiärer Hintergrund, psychische Verfassung usw.

Die einzige vernünftige Entscheidung ist also maximal die, die von den Eltern aus freien Stücken geschlossen wird. Sei es nun für eine Abtreibung oder nicht.

Wäre meine Mutter bei meiner kleinsten Schwester zu einer Fruchtwasseruntersuchung gegangen, hätte ich eine Schwester weniger, da meine Schwester Down-Syndrom hat, und meine Mutter sich sicher ist daß sie Abgetrieben hätte.
Wir haben jedoch noch Glück im Unglück gehabt, meine kleine Schwester ist in der Entwicklung ein ganzes Stück zurück, aber ansonsten Kerngesund und pubertiert wie jede andere Jugendliche zur Zeit.
Gleichzeitig hätten wir aber auch Pech haben können und meine Schwester hätte schwerst mehrfach behindert sein können durch Herzfehler und eine stärkere geistige Retardierung haben können , niemals in der Lage irgendwas selbstständig zu machen.
Da von einer richtigen Entscheidung zu reden ist einfach unmöglich.
 
Anastasius schrieb:
Die Frage ist doch auch noch, ob denn in dem jeweils speziellen Fall auch gesunde Kinder zur Welt kommen. Eine Behinderung stellt nach wie vor eine Art Unfall der Natur dar, auch wenn es Zeitgeist ist, diese als ganz wunderbare Bereicherung zu deuten. Bewußt behinderte Kinder oder Kinder die von ihren Eltern nicht versorgt werden können zur Welt kommen zu lassen halte ich für ethisch ebenso fragwürdig, wie den Anspruch, daß die Gemeinschaft für das Glück jedes Einzelnen (z.B Erfüllung Kinderwunsch) aufzukommen hat.

Wenn ich mir einige Beiträge zu diesem Thema hier so durchlese, bin ich doch "etwas" entsetzt! Ich habe den Eindruck, dass hier von einigen praktisch, wenn ich es mal so beschreiben darf, von dem schlimmsten anzunehmenden Fall geistiger und/ oder körperlicher Behinderung ausgegangen wird. Dann wird grundsätzlich mal angenommen, dass diese Menschen nicht ihre Kinder erziehen können... Find ich irgendwie interessant... Was machen wir "Normalos", wenn es keine behinderten Menschen mehr gibt? Was suchen wir uns dann? Menschen mit Sehschwäche, weil die von der gemeinsamen Krankenkasse eine Brille bezahlt bekommen und ihre Kinder nicht so genau "sehen" können...
Sorry Anastasius, aber da muss ich Dir aus menschlicher Sicht (nach meiner Ansicht von "Menschlichkeit") "leider" widersprechen!
Ich finde solche Äusserungen sehr bedenklich, weil mich das doch sehr an meinen Geschichts-Unterricht erinnert.

Gottseidank habe sich "unsere Landesväter" nach dem 2. Weltkrieg eines besseren besonnen und das von Manuel zitierte Grundgesetz verfasst!

Elisabeth Dinse schrieb:
Und dann erscheint die ethische Frage: wer ist gesund und normal?
Stimmt! Und wenn ich nochmal etwas provokant hinzufügen darf: Vielleicht sind WIR, die sich als normal sehen, ja die "behinderten"... Schließlich gibt es ja so etwas wie Evolution...


Gruß Patrick
 

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