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Alt 16.07.2010, 10:53   #1
Poweruser
 
Registriert seit: 29.05.2002
Beiträge: 10.239
Aufenthaltsland:
Beruf: Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
Bereich: Krankschreibung
Standard Der mündige Patient - wirklich eine Ressource?

Zitat:
Verantwortungsscheue Patienten: "Der Arzt wird's schon richten"
München (netdoktor.de) - Die eigene Gesundheit liegt in den Augen vieler Deutscher in der Hand anderer - jeder dritte Erwachsene hierzulande fühlt sich nicht selbst für seine Gesundheit verantwortlich
...
Auch was die Chancen auf Besserung von Beschwerden betrifft, machen viele Patienten von einer anderen Instanz abhängig - dem Schicksal: Glück oder Pech entscheidet darüber, ob man im Krankheitsfall wieder gesund wird, meinen 28 Prozent der Studienteilnehmer - anstatt zu glauben, die Heilungschancen auch selbst beeinflussen zu können.
...
"...Sobald der Patient das Rezept in der Hand hält, liegt damit aber auch buchstäblich der Erfolg der Therapie in seiner Hand."
Verantwortungsscheue Patienten: "Der Arzt wird's schon richten" | NetDoktor.de
Bestätigt meine Erfahrungen: Vollkaskomentalität. Würde auch erklären, warum viele Pat. das Bett im KH kaum verlassen. Der Doc und die Physiotherapie sind therapierende Instanzen. Pflege ist für das Wohlfühlprogramm zuständig.

Elisabeth
Elisabeth Dinse ist offline  
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Alt 16.07.2010, 11:06   #2
Junior-Mitglied
 
Benutzerbild von Pantsu
 
Registriert seit: 19.12.2005
Beiträge: 40
Ort: Gelsenkirchen
Aufenthaltsland:
Beruf: Gesundheits- und Krankenpflegerin
Bereich: Urologie
Standard AW: Der mündige Patient- wirklich eine Ressource?

das kann ich auch nur bestätigen, also natürlich nicht bei allen, aber viele denken, man müsste nicht selbst was zur eingenen genesung dazutun. das ist sehr manchmal sehr frustrierend, wenn die ärzte oder auch pflegepersonen verantwortlich gemacht werden, wenns mal nicht 'berg auf' geht.

zum glück gibt es aber noch einige, die die aufgaben des krankenhauspersonals verstehen und auch aktiv an der genesung mitarbeiten, oder zumindest wissen, das gewisse erkrankungen immer wieder kommen, wenn man nicht sein ess-/trink-/rauch-verhalten ändert.
Pantsu ist offline  
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Alt 16.07.2010, 11:32   #3
Stammgast
 
Benutzerbild von Feli
 
Registriert seit: 18.08.2009
Beiträge: 261
Aufenthaltsland:
Beruf: Gesundheits- und Krankenpflegerin
Bereich: interdisziplinäre Intensivstation
Standard AW: Der mündige Patient- wirklich eine Ressource?

Oh ja, das fiel mir schon zu Beginn meiner Ausbildung auf: Pat. geben die Eigenverantwortung zusammen mit den Wertsachen an der Pforte ab. Viele halten Krankenhaus - Personal für faul, wenn man ihnen Motivation und aktives Gesundheitsbewusstsein abfordert...

Aber über die Hotelleistungen in KH`s wissen sie dann ziemlich gut Bescheid...

Das ist natürlich eine Verallgemeinerung. Zum Glück sind Pat. individuelle Wesen und nicht alle über einen Kamm zu scheren...
__________________
Wir gehen nur zurück, um Anlauf zu nehmen!
Feli ist offline  
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Alt 16.07.2010, 14:34   #4
Newbie
 
Registriert seit: 19.05.2010
Beiträge: 2
Aufenthaltsland:
Beruf: Fachschwester
Bereich: Psychiatrie
Standard AW: Der mündige Patient- wirklich eine Ressource?

Ich hatte mal einen Chef,der bei seinen Visiten immer unsere
psychiatrischen Pat. verunsichert hat.Er fragte immer "was können wir für sie tun?" Er verglich die Klinik mit einen Lebensmittelladen - aus unserem Angebot sollten sie sich das aussuchen was für sie gut sei.Die wenigsten konnten damit was anfangen - schließlich ist der Arzt doch dafür verantwortlich,das es ihnen wieder gut geht. Als Therapieauftrag war ihm das aber zu wenig und viele Pat.fanden die Chefvisite nicht so toll.
Für uns war es sehr interessant,da wir gemerkt habe das Pat. sehr schnell die Verantwortung für ihre Gesundheit abgeben und dann unzufrieden sind wenn es ihnen nicht schnell wieder gut geht.
Therapie soll nix kosten und keine Mühe machen.
LG
Chalotta
Charlotta ist offline  
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Alt 19.07.2010, 07:20   #5
Senior-Mitglied
 
Benutzerbild von Philipp Tessin
 
Registriert seit: 02.04.2006
Beiträge: 136
Ort: Iserlohn
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Beruf: Krankenpfleger, Student Pflegemanagement, Bereichsleitung
Bereich: Innere, Chirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe, Kreissaal
Funktion: Bereichsleitung
Standard AW: Der mündige Patient - wirklich eine Ressource?

Wir sollten nicht darüber jammern, wie unmündig Patienten sind, sondern uns darum kümmern, dass Patienten sich verantwortlich für sich selber fühlen!
Das kann nämlich auch Aufgabe der Pflege sein. Wen es interessiert, sollte mal nach Gesundheitsförderung, Empowerment usw. suchen.
Und außerdem: wieviele Patienten, die selbstbewusst auftreten und klare Forderungen stellen (eben mündig und selbstverantwortlich handeln), werden im Stationsalltag als unbequem und Nörgler empfunden?
Gruß
Philipp
Philipp Tessin ist offline  
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Alt 19.07.2010, 08:08   #6
Junior-Mitglied
 
Benutzerbild von Flogging
 
Registriert seit: 24.02.2010
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Bereich: ortho, surgical
Funktion: Registered Nurse Div.2
Standard AW: Der mündige Patient - wirklich eine Ressource?

HI
Ich sehe es taeglich auf unserer ortho station: pt. sollten am ersten tag raus aus bett und duschen etc. sitzen. und dann in der zweiten woche geht die reha los.viele patienten liegen den ganzen tag wie pfloecke im bett und stehen nur zur toilette auf oder wenn der physio um die ecke biegt. Und dann, wenn das knie geschwollen ist oder die musklen schwach sind, hatt entweder der physio keine ahnung, der doktor schuld oder das KPP nicht genug motivationshilfen gestellt.
ABER zum glueck haben wir auch den ein und andren superpatienten die unsere vorschlaege ernst nehmen und uns sogar zuhoeren und eigeniniative ergreifen also laufen trainieren und muskeln kraeftigen und so weiter. leider sind das nicht soooo viele.mentalitaet ist so etwa wie: "ich bin hier privatpatient ich bewege mich nur wenn ich auch was geboten bekomme-sprich physio ect. ausserhalb dieses "entertainments" kann mich das pflegepersonal bedienen"
Flogging ist offline  
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Alt 19.07.2010, 09:37   #7
Bereichs-Moderation
 
Benutzerbild von Susi_Sonnenschein
 
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Beiträge: 1.280
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Beruf: Gesundheits- und Krankenpflegerin
Bereich: Intermediate Care
Funktion: Praxisanleiterin
Standard AW: Der mündige Patient - wirklich eine Ressource?

Hallo Flogging,

ich finde es ja interessant, dass es in Down Under ähnlich ist. Woher kommt diese Einstellung?
__________________
Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.
Susi_Sonnenschein ist offline  
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Alt 19.07.2010, 10:06   #8
Junior-Mitglied
 
Benutzerbild von Flogging
 
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Beiträge: 91
Aufenthaltsland:
Bereich: ortho, surgical
Funktion: Registered Nurse Div.2
Standard AW: Der mündige Patient - wirklich eine Ressource?

hi susi sonnenschein- lol toller name
Ich weiss auch nicht, ich denke viel pt. haben eine enorme anspruchshaltung-ich bin hier topversichert also BITTE MACHT MICH MAL GESUND.
Auf unserer station ists ja noch ziemlich simpel: je mehr patient sich selber bewegt und trainiert je eher kommt er/sie normalerweise auf die beine.
Wir haben pat. gehabt die ihren aufenthalt wegen der versicherung rausgezoegert haben( dann kriegen sie $50 pro tag oder so) ODER sie verschweigen eine langjaehrige erkrankung und kommen dann mitten in ihrem rehaprogramm damit herraus um ihre "consultation" mit dem Kardiologist zu bekommen die dann ja von der versicherung bezahlt wird. ausserhalb,also ambulant muesste pt ja zuzahlen. also alle diese sachen spielen damit rein....
Ich denke auch das auch unerkannte depressionen da mit reinspielen koennten und patienten UNBEWUSST diese KH situation "geniessen" und gar nicht langsam genug gesunden koennen.....hier haben sie den bettnachbarn zum schwatzen,ablenkung, freie kost und logie und nette KP und physios die sich um sie kuemmern, muessen nicht arbeiten....nur so ein gedanke... bei unserer hohen rate von leuten mit Mental illness wuerde mich das auch nicht wundern.
Flogging ist offline  
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Alt 19.07.2010, 11:44   #9
Poweruser
 
Benutzerbild von Julien
 
Registriert seit: 23.02.2008
Beiträge: 443
Ort: Baden-Württemberg
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Beruf: Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin RbP
Bereich: Neonatologie
Standard AW: Der mündige Patient - wirklich eine Ressource?

Kommt vielleicht auch noch aus der Zeit, als man gar nicht wollte daß der Patient ungefragt irgendwas macht? Wo er brav stillzuliegen hatte bis der Gott in Weiß oder die Oberschwester was anderes befiehlt? Manche Eltern trauen sich bei uns nicht mal, ihr Neugeborenes anzufassen ohne vorher um Erlaubnis zu fragen...
__________________
We're all in the gutter, but some of us are looking at the stars. - Oscar Wilde
Julien ist offline  
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Alt 19.07.2010, 12:53   #10
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Benutzerbild von Paula Puschel
 
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Beiträge: 538
Ort: Bonn
Aufenthaltsland:
Beruf: Exam. Gesundheits- u. Krankenpflegerin
Bereich: Intensivstation
Standard AW: Der mündige Patient - wirklich eine Ressource?

Mir fallen da direkt zwei typische Vorfälle ein.
Ich werde zB häufig von den frisch operierten Patienten gefragt, ob sie denn die Arme oder den Kopf bewegen dürften. Die Leute liegen stocksteif im Bett und lassen sich teils sogar das getränk mit dem Schnabelbecher in den Mund schütten...
Zum anderen haben ich mich letztens sehr geärgert, es ging um eine Langzeitbeatmete Patientin, die seit über einem Monat bei uns liegt und sich weigert, sich auf die Bettkante mobilisieren zu lassen. Manchmal kann man sie pberreden, an jenem Tag wollte sie jedoch partout nicht, hat es strikt abgelehnt. Ich mag niemanden zu etwas zwingen, also habe ich alles andere mögliche getan, Herzbett, passive und aktive Bewegungsübungen, usw.
Nachmittags kommen dann die Töchter und äußern sich a la "Naja, wenn die Mutter bald in die Reha kommt dann wird sie ja vielleicht auch endlich mal raus gesetzt."
Da war ich echt perplex. Die Mutter will nicht, und die Pflege ist Schuld dran...
Paula Puschel ist offline  
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