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    Thema: DAK-BGW Gesundheitsreport 2006: Ambulante Pflegekräfte häufiger krank

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      Standard DAK-BGW Gesundheitsreport 2006: Ambulante Pflegekräfte häufiger krank

      [26.09.2006]


      Ambulante Pflegekräfte sind häufiger krank

      Berlin (dpa) - Pflegekräfte aus ambulanten Diensten leiden häufiger als andere Berufsgruppen an gesundheitlichen Problemen. Sie seien hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt und und mehr als andere von Rückenschmerzen und psychischen Erkrankungen betroffen, heißt es im Gesundheitsreport 2006, den die DAK und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) am Dienstag in Berlin vorstellten. Dennoch seien ambulante Pflegekräfte im Vergleich zu ihren Kollegen im Krankenhaus deutlich zufriedener. 68 Prozent sehen ihre Arbeit positiv, während dies nur 53 Prozent der Krankenhaus-Pfleger tun.

      Der Krankenstand der bei der DAK versicherten ambulanten Pflegekräfte lag knapp zehn Prozent über dem Wert aller DAK- Versicherten: Ihre Erkrankung dauerte im Durchschnitt 12,2 Tage gegenüber 11,5 Tagen im DAK-Mittel. «Trotz des vergleichsweise höheren Krankenstandes bieten die kleinen ambulanten Einrichtungen mit flachen Hierarchien gute Voraussetzungen für ein mitarbeiterorientiertes Management von Entscheidungen und Veränderungen», kommentierte DAK-Vorstandsvorsitzender Herbert Rebscher die Ergebnisse.

      Am häufigsten klagen die Pflegekräfte über Muskel- und Skeletterkrankungen. Die verbreitetsten psychischen Belastungen sind Zeitdruck, fehlende Pausen und Leistungsdruck.

      [Quelle: dpa]
      Online-Team von [www.krankenschwester.de]

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      Standard DAK-BGW Gesundheitsreport 2006: Ambulante Pflegekräfte häufiger krank

      DAK-BGW Gesundheitsreport 2006 – Ambulante Pflege

      Ambulante Pflegekräfte häufiger krank – Rückenleiden und psychische Krankheiten auf den vorderen Rängen

      Höhere Arbeitszufriedenheit als bei Pflegepersonal im Krankenhaus

      [Berlin, 26. September 2006] Pflegekräfte aus ambulanten Diensten leiden häufiger als andere Berufsgruppen an gesundheitlichen Problemen. Sie sind hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt und mehr als andere von Rückenschmerzen und psychischen Erkrankungen betroffen. Aber: Beschäftigte in der ambulanten Pflege sind deutlich zufriedener als ihre Kollegen im Krankenhaus. Sehen in der ambulanten Pflege knapp 68 Prozent ihre Arbeit positiv, traf dies nur auf 53 Prozent der Pflegenden im Krankenhaus zu. Immerhin 92 Prozent der Pflegerinnen und Pfleger in ambulanten Diensten finden, dass sie mit ihrem Beruf etwas Sinnvolles tun.

      Dies sind die wesentlichen Ergebnisse des Gesundheitsreports 2006 – Ambulante Pflege, den die DAK und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) erstmals vorgelegt haben. Der Report wurde mit Unterstützung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), Berlin, erstellt. Zentraler Bestandteil sind die Ergebnisse einer Umfrage bei bundesweit über 700 ambulanten Pflegekräften. Ferner wurden Daten der DAK zur Arbeitsunfähigkeit und der BGW zu Arbeits- und Wegeunfällen sowie Berufskrankheiten ausgewertet.

      "Trotz des vergleichsweise höheren Krankenstandes bieten die kleinen ambulanten Einrichtungen mit flachen Hierarchien gute Voraussetzungen für ein mitarbeiterorientiertes Management von Entscheidungen und Veränderungen,“ kommentiert der DAK-Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher die Ergebnisse. „Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeiten gehen mit einer höheren Arbeitszufriedenheit einher als in der stationären Pflege."

      Stephan Brandenburg, Mitglied der BGW-Geschäftsführung, betont: "Der Report zeigt ein sehr differenziertes Bild der Arbeitssituation in der ambulanten Pflege. Erfreulich ist, dass wichtige Ressourcen für die gesundheitsförderliche Gestaltung von Veränderungsprozessen, wie etwa Mitarbeiterbeteiligung und eine positive Wirkung von Führungskräften, in vielen Pflegediensten vorhanden sind. Im Ausbau und der Weiterentwicklung dieser Ressourcen sehen wir einen wesentlichen Ansatz, um die Arbeitsbedingungen der Pflegenden weiter zu optimieren."

      Höherer Krankenstand, mehr psychische Erkrankungen
      Der Krankenstand der bei der DAK versicherten Pflegekräfte in ambulanten Diensten lag knapp zehn Prozent über dem Wert aller DAK-Versicherten. Eine Erkrankung von Pflegekräften in ambulanten Diensten dauerte im Schnitt 12,2 Tage, während der DAK-Durchschnitt bei 11,5 Tagen lag. Muskel- und Skeletterkrankungen machen mehr als ein Fünftel des Krankenstandes aus. Es folgen Verletzungen (17 Prozent) und Atemwegserkrankungen (16 Prozent). Psychische Erkrankungen hatten bei Pflegekräften mit einem Anteil von elf Prozent am Krankenstand ein höheres Gewicht als beim DAK-Durchschnitt (zehn Prozent). Auffällig: Der Anteil psychischer Erkrankungen an den krankheitsbedingten Fehltagen lag bei den Männern mit 11,4 Prozent etwas höher als bei den Frauen (10,5 Prozent). Im DAK-Durchschnitt haben weibliche Versicherte einen größeren Anteil an Ausfalltagen (11,6 Prozent) aufgrund psychischer Erkrankungen als die männlichen Versicherten (8,4 Prozent).

      Hohe Arbeitszufriedenheit trotz schwieriger Rahmenbedingungen
      Trotz hoher körperlicher und psychischer Belastungen ist die Arbeitszufriedenheit in ambulanten Diensten höher als bei Pflegekräften im Krankenhaus. Zwar empfinden 67,7 Prozent der Befragten in der ambulanten Pflege Zeitdruck als Belastung, im stationären Bereich sind es jedoch 82,5 Prozent. Auch bei Belastungen durch Leistungsdruck (ambulant: 40,7 Prozent, stationär: 51,8 Prozent), zu hohe Verantwortung (15,5 zu 39,2 Prozent) und Unterbrechungen bei der Arbeit (18,3 zu 69,2 Prozent) liegen die stationären Krankenpflegekräfte vorn. Fehlende Pausen belasten fast 60 Prozent der Befragten. Hier gibt es keine Unterschiede zwischen stationär und ambulant arbeitenden Pflegekräften.

      Für die hohe Arbeitszufriedenheit sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Die große Mehrheit (90 Prozent) schätzt vor allem die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten. Knapp zwei von drei Befragten (61 Prozent) nehmen die Tätigkeit als abwechslungsreich und interessant wahr. Etwas mehr (62 Prozent) sind der Meinung, dass sie mitbestimmen können und ihre Verbesserungsvorschläge Gehör finden. Die Zusammenarbeit mit den Vorgesetzten gehört nach Aussagen der Befragten ebenfalls eher zu den positiven Aspekten ihrer Arbeit. Über die Hälfte findet, dass die Unterstützung durch die Vorgesetzten ihre Arbeit erleichtert. In der stationären Pflege sind das nur knapp 40 Prozent. Fast 70 Prozent fühlen sich von ihren Vorgesetzten persönlich anerkannt. Auch hier liegt die Quote leicht über der im Krankenhaus.

      Die für die ambulante Pflege spezifische Arbeitssituation, überwiegend allein zu arbeiten, belastet nur einen geringeren Teil der Befragten. Lediglich 23 Prozent fühlen sich als „Einzelkämpfer“ und nur etwa ein Viertel wünscht sich mehr Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen.

      Hohe körperliche Arbeitsbelastung – Wohnungen nicht pflegegerecht ausgestattet
      Kranken- und Altenpflege ist körperliche Schwerarbeit: Gut 46 Prozent der Befragten führen häufiger als sechs Mal am Tag Tätigkeiten mit dem Schwerpunkt „Heben und Tragen“ aus. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass die Pflegekraft meistens allein in der Wohnung tätig ist. Schwere Hebe- und Tragetätigkeiten müssen ohne Unterstützung ausgeführt werden. Daher ist der Einsatz von Hebehilfen und anderen Hilfsmitteln in der ambulanten Pflege umso wichtiger. Fast 15 Prozent der Pflegekräfte stehen jedoch nur selten Hebehilfen oder kleine Hilfsmittel zur Verfügung. Knapp 40 Prozent müssen aufgrund beengter Räumlichkeiten in den Wohnungen der Pflegebedürftigen auf den Einsatz von Hebehilfen verzichten. Darüber hinaus erschweren wenig patientengerechte Bäder für 59 Prozent der Befragten die Arbeit. Erhebliche Arbeitsbehinderungen sehen beinahe die Hälfte der ambulant Pflegenden auch in baulichen Mängeln, Hindernissen oder rutschigen Fußböden.

      Hoher Zeitdruck erhöht Unfallgefahr bei Dienstfahrten
      Die häufigsten psychischen Belastungen sind Zeitdruck, fehlende Pausen und Leistungsdruck. Diese Faktoren können auch die Fahrtätigkeit der Pflegenden auf Wegen zwischen den Wohnungen der Kunden beeinträchtigen. Immerhin macht sie einen beträchtlichen Teil der Arbeitszeit aus: Im Durchschnitt wurden 227 Kilometer pro Arbeitswoche zurückgelegt. Bedenklich stimmt, dass dabei die Anschnallpflicht von 16 Prozent oft vergessen wird und jeder Dritte gibt zu, häufig die Geschwindigkeits-begrenzung zu missachten. Das Gefährdungspotenzial wird durch die Resultate unterstrichen, dass fast jeder Zehnte innerhalb der letzten zwölf Monate einen Autounfall auf Arbeitswegen hatte, und mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Meinung ist, für die Fahrtätigkeiten nicht hinreichend geschult worden zu sein. „Das häufige Auftreten von Autounfällen ist alarmierend“, bilanziert BGW-Geschäftsführer Stephan Brandenburg. „Ambulante Dienste sollten daher die Zeiten und Routen gemeinsam mit den Beschäftigten planen. Auch sollten ambulante Dienste ihren Beschäftigten die Teilnahme an Fahrsicherheitstrainings ermöglichen, die die BGW ihren Versicherten anbietet.“

      Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten
      Die Auswertung der Unfallzahlen der BGW für den Zeitraum von 1998 bis 2004 dokumentiert einen Rückgang der meldepflichtigen Arbeits- und Wegeunfälle um acht Prozent auf 15,5 Unfälle je 1.000 Versicherte in 2004. Zwar ist die absolute Zahl der Unfälle gestiegen, dem steht aber ein deutlicher Anstieg um elf Prozent auf 321.000 Beschäftige in Einrichtungen der ambulanten Pflege gegenüber. Die meisten Arbeitsunfälle passieren durch Stolpern, Stürzen oder Rutschen. Fast die Hälfte aller Wege- und Dienstwegeunfälle sind Unfälle mit dem Pkw. Die Anzahl der angezeigten Berufskrankheiten ist von 590 (1998 ) auf 512 (2004) zurückgegangen. An erster Stelle der Berufskrankheiten liegen die Hauterkrankungen (2004: 28 Prozent). Neben der Prävention von Hauterkrankungen besteht weiterer Handlungsbedarf auch bei Erkrankungen der Lendenwirbelsäule und Infektionskrankheiten.

      Tiefgreifende Veränderungen in der ambulanten Pflege
      Durch den Vorrang der ambulanten Pflege und der damit verbundenen Verlagerung stationärer Leistungen auf den ambulanten Sektor hat sich die Arbeitssituation in der ambulanten Pflege in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert. 80 Prozent der Pflegedienste haben Qualitätsmanagement-Systeme implementiert. Der Stellenwert von Rationalisierungs- und Umstrukturierungsprozessen ist hoch: So berichten 35 Prozent von Personalabbau, 29 Prozent von Angebotserweiterungen. Jeder Zehnte hat Zusammenlegungen des eigenen Dienstes mit einem anderen Pflegedienst erlebt und acht Prozent einen Trägerwechsel. Für die Pflegenden macht sich dies in einer deutlichen Zunahme des Arbeitstempos bemerkbar. Gleichzeitig ist die Intensität der Pflege gestiegen. Erfreulich ist jedoch, dass die Pflegenden die Veränderungen nicht durchweg negativ und damit als belastend wahrnehmen. So sind 82 Prozent der Meinung, dass eine sorgfältige Dokumentation zu einer Aufwertung der Pflegetätigkeit beiträgt. Auch die Zunahme der Aufgabenvielfalt und der Anforderungen an die fachlichen Fähigkeiten werden durchweg positiv beurteilt.

      Professionalisierung der ambulanten Pflege bietet Chancen
      Die Anforderungen an die häusliche Versorgung fordern eine stärkere Professionalisierung des Managements ambulanter Dienste. Vertiefende Analysen des DAK-BGW Gesundheitsreports 2006 belegen, dass diese Entwicklungen sich positiv auf die Arbeitssituation der Beschäftigten auswirken. So werden in Pflegediensten, in denen ein Qualitäts-management-System implementiert ist, häufiger ausführliche Dienst- und Fallbesprechungen sowie Pflegevisiten durchgeführt. Dadurch wird der Dokumentationsaufwand gesenkt: Der Anteil der Befragten, die Dokumentationszeiten von mehr als einer Stunde pro Tag angeben, beträgt in Pflegediensten ohne Qualitätsmanagement-System 32 Prozent gegenüber 21 Prozent in Diensten mit Qualitätsmanagement-System. Wie wichtig Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeiten sind, zeigt die Bewertung der Kooperation und Kommunikation verschiedener Akteure in der ambulanten Pflege. In Pflegediensten, in denen die Beschäftigten ausgeprägte Möglichkeiten der Mitsprache und Beteiligung erhalten, werden auch Formen der Zusammenarbeit deutlich besser bewertet.

      [Quelle: DAK]
      Online-Team von [www.krankenschwester.de]

    4. #3
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      Standard Statement von Claudia Pohl, Referentin des DBfK-Bundesverbandes

      Statement von Claudia Pohl, Referentin des DBfK-Bundesverbandes

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      eine qualitativ hochwertige Pflege erfordert gesunde und motivierte Mitarbeiter. In allen Einrichtungen des Gesundheitswesens üben derzeit Rationierung und Rationalisierung einen enormen Druck auf die Pflegenden aus. Die steigenden Belastungen äußern sich u.a. in einer hohen Krankheitsrate im Vergleich zu Berufstätigen aus anderen Bereichen. Vor allem die psychosomatischen Erkrankungen nehmen zu. Eine fürsorgliche Pflege kann aber Patienten und Pflegebedürftigen nur dann zu Teil werden, wenn Pflegende ihrer verantwortungsvollen Aufgabe mit Freude und Motivation nachkommen können. Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen in der Pflege sind daher eine Grundvoraussetzung, für die Pflegekräfte selbst, Führungskräfte und gesellschaftlich Verantwortliche gemeinsam eintreten müssen.

      Die Arbeitsumgebung der ambulanten Pflege unterscheidet sich grundlegend von der der stationären Versorgung. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) begrüßt es daher außerordentlich, dass im nunmehr vierten DAK–BGW Gesundheitsreport die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der ambulanten Pflegekräfte betrachtet werden.

      DAK–BGW Gesundheitsreport 2006
      Der Gesundheitsreport geht sowohl auf die Belastungsfaktoren in der ambulanten Pflege als auch auf die in diesem Bereich bestehenden Ressourcen ein. Neben den „allgemeinen“ starken physischen und psychischen Belastungen in der Pflege, erschweren im ambulanten Bereich weitere spezifische Faktoren die Berufstätigkeit. Hier sind z.B. der große Anteil an Fahrtätigkeit, die wenig klienten-gerechten Wohnungen sowie der enge Kontakt zum Pflegebedürftigen und zu seinen Angehörigen zu nennen. Als kompensierende Faktoren sind auf der anderen Seite die guten Bewertungen der sozialen Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte und die Möglichkeit der Mitgestaltung hervorzuheben. Diese Aspekte wirken sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit aus und tragen so zur psychischen Gesundheit der Pflegekräfte bei.

      Auf einzelne Ergebnisse des Reports möchte ich näher eingehen:

      Ambulant tätige Pflegekräfte unterschätzen das Gefährdungspotential der Fahrtätigkeit
      Pflegekräfte in der ambulanten Pflege verbringen einen Grossteil ihrer Arbeitszeit hinter dem Lenkrad. Für sie ist die Fahrzeit zwischen den Patienten eine kurze Erholungsphase, die sie nutzen, um sich bei einer Zigarette zu „entspannen“ oder schnell eine Kleinigkeit zu essen. Die Routine des täglichen Fahrens lässt Pflegekräfte versiert im Straßenverkehr agieren und Parklücken aufspüren. 94 % der Pflegekräfte bezeichnen sich selbst lt. dem DAK-BGW Gesundheitsreport als sichere Autofahrer. Demgegenüber steht aber, dass fast jeder Zehnte innerhalb des letzten Jahres einen Autounfall hatte. Es bleibt offen, ob diese Unfälle im Zusammenhang stehen mit überhöhter Geschwindigkeit, mit jahreszeitlich bedingten schwierigen Witterungsverhältnissen oder mit einer gegen Ende des Arbeitstages absinkenden Konzentration im Straßenverkehr. Da mit jedem Unfall auch Verletzungen einher gehen können, muss es das Ziel des Pflegedienstes und der Pflegekräfte selbst sein, das Unfallrisiko über risikomindernde Strukturen in der betrieblichen Organisation und durch Verhaltensänderungen zu senken. Ansatzpunkte können sein:
      • Geschwindigkeitsüberschreitungen reduzieren durch Einplanung realistischer Fahrzeiten zwischen den Pflegeeinsätzen,
      • Konzentrationsfähigkeit fördern durch Einplanung von Pausenzeit,
      • Einhalten von Sicherheitsvorschriften, wie das Gurten vor Fahrbeginn und nicht während der Fahrt, sowie
      • Sicherheit im Straßenverkehr trainieren durch das Angebot an die Mitarbeiter am Fahrsicherheitstraining teilzunehmen.
      Ambulant tätige Pflegekräfte arbeiten häufig unter erschwerenden Arbeitsbedingungen
      In der ambulanten Pflege lassen sich Arbeitsbedingungen vor Ort in der Häuslichkeit nur sehr eingeschränkt von den Pflegekräften gestalten. Die Gegebenheit der Räumlichkeit und die Einrichtung erschweren häufig die Pflegetätigkeit. Ehebetten mit einer Höhe von 50 cm und schmale Gänge zwischen Ehebett und Schlafzimmerschrankwand, schmale Bäder mit geringer Türbreite, so dass oft der Rollator draußen bleiben muss und weder eine Sitzgelegenheit für den Pflegebedürftigen noch ausreichend Bewegungsfreiheit für die Pflegekraft gegeben ist, sind keine Seltenheit. Aufgrund der räumlichen Enge, der ungünstigen Arbeitshöhen oder der selten auf die vorliegende Pflegebedürftigkeit abgestimmten Raumgestaltung, reihen sich während eines Pflegeeinsatzes gleich mehrere zusätzliche rückenbelastende Arbeiten aneinander.
      Der DAK-BGW Gesundheitsreport weist darauf hin, dass aufgrund der baulichen Mängel häufig das Anwenden von rückengerechten Arbeitstechniken erschwert oder verhindert wird. Aber auch schlechte Lichtverhältnisse oder Hindernisse auf den Fluren und in den Zimmern behindern die Pflegetätigkeit. Dieselben Faktoren können jedoch auch für die Pflegebedürftigen selbst oder für die pflegenden Angehörigen Gesundheitsrisiken bergen (Sturzrisiko / körperliche Belastungen). Es bietet sich daher an, im Rahmen der Pflegevisite das pflegerische Umfeld unter dem Aspekt der Gesundheitsgefährdung für Pflegekräfte und Pflegebedürftige zu erfassen und im gemeinsamen Gespräch mit dem Pflegebedürftigen und seiner Familie Lösungen zu erarbeiten. So lässt sich gesundes Pflegen mit sicherem Wohnen verbinden.

      Ambulant tätige Pflegekräfte erleben die fehlende individuelle Ansprache des Pflegebedürftigen als zusätzliche psychische Belastung
      Nicht so sichtbar wie bauliche Mängel oder erschwerende Arbeitsbedingungen sind die Belastungen, die aus dem intensiven Umgang mit den Pflegebedürftigen und seinen Angehörigen ergeben können. Pflegekräfte finden sich in dem beruflichem Dilemma wider, einerseits nur die im Pflegevertrag aufgeführten Leistungskomplexe erbringen zu dürfen, andererseits aufgrund der über lange Zeiträume entstandenen persönlichen Beziehungsebene, auch für persönliche soziale Problemlagen der Pflegebedürftigen Ansprechpartner zu sein. Fast zwei Drittel der befragten Pflegekräfte äußerten in der DAK-BGW-Studie, dass die „persönliche Ansprache des Klienten“ in den vorgesehenen Leistungskomplexen zu kurz kommt. Insbesondere bei der Betreuung von Menschen mit demenziellen oder psychischen Erkrankungen sowie bei Menschen mit chronischen Erkrankungen führt die Begrenzung der Leistungen der Pflegeversicherung zu Versorgungslücken, die Pflegekräfte als Belastung empfinden. Momentan begrenzt sich der Leistungsumfang der Pflegeversicherung auf körperliche Defizite und bietet Unterstützung im Bereich Körperpflege, Ernährung, Mobilität und Hauswirtschaft an. Der DBfK fordert aufgrund dieser momentan fatalen Situation im Rahmen der Pflegeversicherungsreform, den Menschen in seiner individuellen Bedarfslage als Ganzes wahrzunehmen. Körperliche, geistige oder psychische Einschränkungen sind gleichwertig zu betrachten und Leistungsangebote entsprechend dem Hilfe- und Pflegebedarf zu schaffen.

      Ambulant tätige Pflegekräfte schätzen die soziale Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte sowie ihre Möglichkeiten der Partizipation in der Einrichtung
      Mit ambulanter Pflege werden häufig schlechte Arbeitszeiten, ständiger Zeitdruck und zusätzliche psychische Belastungen assoziiert. Aber es gibt auch Aspekte in der ambulanten Pflege, die die Beschäftigten positiv und teilweise sogar besser bewerten als Kollegen aus dem Krankenhausbereich. Zum einen sehen ambulant tätige Pflegende ihre spezifische berufliche Situation selbst nicht als problematisch an. Als Einzelkämpfer fühlen sich nur 23%. Vor allem das selbständige Arbeiten schätzen 90 % der Befragten. Besonders positiv wird auch das Klima unter Kollegen beurteilt. Als vertrauensvoll und unterstützend bewerten dies 69% der Pflegenden. Auch die Vorgesetzten erhalten von den Pflegekräften durchweg positive Beurteilungen. Deren Unterstützung erleichtert die tägliche Arbeit, sie geben klare und eindeutige Anweisungen und Pflegekräfte fühlen sich von ihrem Vorgesetzten persönlich anerkannt. Zum anderen wird die soziale Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzten in der ambulanten Pflege bedeutend besser bewertet als in der stationären Krankenpflege. Auch ihre Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten bewerten ambulant tätige Pflegende deutlich besser als ihre Kollegen im Krankenhaus. Erklären lässt sich dies mit den meist flachen Hierarchien in den kleinen Betrieben. Der durchschnittliche Pflegedienst beschäftigt 10 Mitarbeiter. Vorgesetzte werden mitten im Geschehen des Alltagsgeschäftes erlebt. Diese Nähe fördert die Kommunikation und ermöglicht zeitnahe Lösungen für Probleme und gibt Raum für einen konstruktiv fachlichen Austausch. Die persönliche Wertschätzung fördert die Identifikation mit dem Pflegedienst und motiviert Organisationsprozesse, und somit seine eigenen Arbeitsbedingungen, aktiv mitzugestalten.

      Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V.
      Geisbergstrasse 39, 10777 Berlin
      Tel.: 030-21915-70 Fax: 030-219157-77
      dbfk@dbfk.de
      DBfK - Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe

      [Quelle: DAK]
      Online-Team von [www.krankenschwester.de]

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