Redon ziehen: mit oder ohne Sog (Orthopädie)?

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Pflegefachmann in Ausbildung (Bachelor)
Hallo zusammen

Ich bin Pflegeschüler im dritten Ausbildungsjahr (CH) und arbeite zur Zeit auf einer chirurgischen Station. Ein grosser Teil der Patienten sind orthopädische Fälle (vor allem Hüft- und Knie-TEP).
Wie auf vielen Stationen herrschen auch hier verschiedene Meinungen vor, ob ein Redon (Saugdrainage) mit oder ohne Sog gezogen werden soll.
Für das aktuelle Praktikum habe ich mir vorgenommen, die Frage "mit oder ohne Sog" mit Hilfe von Forschungen zu klären.
Leider fand ich in der neueren Forschungsliteratur keine schlüssigen Antworten.
Könnt ihr mir für das Gebiet "Orthopädie" weiterhelfen?

:beten: Danke, Tobias
 
Für die Orthopädie gilt dasselbe wie woanders auch:

Kein Sog: Weniger Schmerzen, geringere Möglichkeit zusätzliche Verletzungen zuzufügen
Mit Sog: Bessere "Säuberung" des Redonkanals.

Und so wie ich das sehe liegt die Entscheidung beim Orthopäden...
 
Hallo Tobias Pfammatter!

Es gibt dazu unterschiedliche Ansichten, hier die Hauptargumente:

Unter Sog ziehen:
  • Sekret wird auch aus dem Einstichkanal entfernt, dieser wird "gereinigt"
  • Der Einstichkanal soll sich "besser schließen"
Ohne Sog ziehen:
  • Weniger Schmerzen für die PatientInnen
  • Vermeidung von zusätzlichen Gewebetraumen im Einstichkanal
Die Suchfunktion hier im Forum findet dazu z. B. folgendes:
http://www.krankenschwester.de/forum/pflegebereich-chirurgie/14809-redon-sog-ziehen.html


Schönen Gruß, Gego.
 
Frage eines Laien:

Gibt es die Möglichkeit, Patienten diese Schmerzen beim ziehen der Drainage zu ersparen ? (z.B. in Form einer kurzen Narkose)

Grüße, Josi
 
Hi!

Ich ziehe sie immer mit Sog. Habe auch so gelernt und nur gute Erfahrung gemacht.

Gruß, Poncic
 
Hallo,

also mir wurde nach Sektio der Redon mit Sog gezogen, aber ich dachte, die holen mir den ganzen Darm mit raus! War sehr schmerzhaft, ist aber auch schon 25 Jahre her!

Grüße Oldtimer
 
zu der Frage ob nicht die Möglichkeit besteht unter einer Kurznarkose den Redon zu entfernen: der Aufwand um die Narkose einzuleiten ist wesentlich grösser und dauert doppelt solange, als die Drainage zu entfernen !!!
Im Grunde ist es ausreichend den Patienten mit Atemübungen abzulenken und den Redon zügig zu entfernen.
Ich habe persönlich sehr gute Erfahrungen gemacht mit Sog zu ziehen, bisher haben auch sehr wenige Patienten den Vorgang als schmerzhaft bezeichnet.
 
Hallo,

also ob man das nun als schmerzhaft empfindet kommt doch auf den Patienten an und vielleicht auch auf die Stelle wo ich die Redon entferne. Ich hab mal eine mit Sog aus dem Bauchraum entfernt bekommen und das war für mich total schrecklich.
Wir ziehen laut Arztanordnung nicht auf Sog und die Patienten melden dies selten als schmerzvoll zurück, aber Ausnahmen bestätigen die Regeln.


lg Mary Jane
 
ich arbeite auf der chirugie und bei uns werdn alle redons ohne sog entfernt!!
 
Hallo,

also mir wurde nach Sektio der Redon mit Sog gezogen, aber ich dachte, die holen mir den ganzen Darm mit raus! War sehr schmerzhaft, ist aber auch schon 25 Jahre her!

Grüße Oldtimer

Sectio? Redon mit Sog dann im Bauch oder (Wüsste sonst nicht wohin)? Ich hab gelernt das sowas nen no go ist.
 
Grundsätzlich sollten die Chefs entscheiden, wie sie bei ihren Patienten die Drains gezogen haben wollen.

Das Schmerzhafteste beim Ziehen ist wohl, wenn in die Löcher eingewachsenes Gewebe "zerrissen" wird, und wenn dann noch Sog drauf ist, wird es nicht besser.

Für mich hat sich bewährt, den Redon zunächst schnell zu drehen, so dass der Schlauch frei liegt. Dann etwas mit Sog zurückziehen (2-3cm) so dass Blut und Sekret durch die Lageveränderung und die freien Löcher besser aspiriert werden, und kurz warten.
Dann zügig mit Sog ziehen.

Bei mir hat sich bislang noch kein Patient beschwert, bzw. öfter schon angemerkt, dass es weniger weh tut als wenn man es "anders macht".
 
Bin auch der Meinung das eine Narkose, wohl zuviel Aufwand für eine so schnell ausgeführte Tätigkeit ist. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten wie z.B. Dormicum i.v.

Wir haben zwar keine Redons zu ziehen, aber beim Kathetern von sehr schmerzempfindlichen Pat. haben wir mit Dormicum gute Resultate erzielt. Also denke ich mir, das wär doch beim Ziehen von Redons mit Sog auch eine Idee?

Gruß,
Lin
 
Katheterisieren mit Dormicum?
Nette idee... :rofl:


Mal ernsthaft, eine "richtige" Kurznarkose birgt Risiken in sich, ist darüber hinaus ohne Monitoring nicht praktikabel bzw. sicher.
Lokale Anästhesie ist unnütz, da der Schmerz im Gewebe entsteht und nicht an der Eintrittspforte.
Dormicum, Tavor und Konsorten halte ich für absolut übertrieben für einen derart lapidaren Eingriff wie Katheterisieren bzw. Drains ziehen.

Dann lieber Dipidolor s.c., da hat der Patient länger etwas von und man kann anschließend auch noch gleich Verbände etc. machen.
 
Hallo,

Midazolam ist aber kein Schmerzmittel. Allerdings kann sich der Patient nach der Gabe von Midazolam wenigstens nicht mehr daran erinnern, dass er Schmerzen hatte.

Midazolam finde ich zum Ziehen von Redons etwas übertrieben, wenn dann lieber ein Schmerzmittel.

Zum Legen von ZVK's wir Midazola gelegentlich auch verwendet, wenn der Patient zu unruhig ist.

Schönen Tag
Narde
 
@ der Matze

Kannst du mir auch einen Grund nennen, warum übertrieben?

Haben es mit Dipi auch schon probiert, aber bei weitem keine so guten Erfolge. Und wenns schnell gehen muss (mein ich jetzt natürlich nicht bei geplanten Tätigkeiten, wie Redon ziehen), kann ich Dipi nicht so schnell verabreichen - Übelkeit, Erbrechen, usw. Und Dipi alleine hilft nicht viel, wenn man zusätzlich tierische Angst vor dem Eingriff hat.

Gruß,
Lin
 
Sie sagt doch :"vor 25 Jahren" !!! Wenn du dann mal so lange im Dienst bist wirst du vieles erleben was immer so war und aufeinmal ein "no go" ist . Man lernt nicht aus und wenns dann besser ist,na prima. Zu der Zeit hat jede Abdominale mindestens 2 Redons gehabt. Übrigens haben wir immer ohne Sog gezogen.Die Argumente für mit Sog sind aber auch überzeugend. Grüßle
 
Mich würd jetzt mal Interessieren ob es richtig ist das Drainagen im Abdomen mit Sog nix zu suchen haben?!
 
Drainagen im Abdomen sind an und für sich okay. Fraglich ist, ob Drainagen mit Sog in Ordnung sind.

Grundsätzlich ist die Entscheidung ob mit oder ohne Sog Drainagen gelegt werden davon abhängig, wo genau die Drainage liegt. Ich kenne es so, dass in Organnähe im Abdomen keine Drainagen mit Sog liegen dürfen, da hier die Gefahr von Druckschädigungen bei anliegendem Drain zu hoch sind.
Redons haben oftmals einen Sog von 700mmHg und mehr - das ist schlicht und ergreifend zuviel.
 
Ja die Frage bezog sich ja auch auf Drainagen mit Sog.

Danke für deine Antwort!
 
Ich möchte mal kurz erläutern, weshalb ich gerade diese Frage gestellt habe. Letztes Jahr im Februar wurde mir nach einer Knie OP (Laterales Reales und Knorpelglättung) eine Drainage gelegt und am nächsten Tag gezogen. Ich hatte solche Schmerzen, dass ich dachte ich muss sterben. Solche Schmerzen hatte ich mein Leben noch nie! Die Schmerzen haben bis zum abend angedauert und als kleine Nebenwirkung habe ich mich noch übergeben müssen und bekam Schweißausbrüche.

Danach habe ich gesagt: Nie wieder!

Allerdings steht demnächst die nächste Knie OP an und ich nehme sehr stark an, auch diesmal wird eine Drainage gelegt. Die kann auch gelegt werden, aber bevor die gezogen wird, will und muss ich etwas haben, damit ich das nicht merke. Davor habe ich nämlich mehr Angst, als vor der OP 8) *ichFeigling*
 

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