Zurück zur Startseite
Auf dieser Site werben

Zurück   www.krankenschwester.de > Kinderkrankenpflege > Kinderintensivpflege
Registrieren Hilfe Benutzerliste Chat Kalender Suchen Heutige Beiträge Alle Foren als gelesen markieren

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Thema durchsuchen Ansicht
Alt 16.02.2002, 13:23   #1
Ute
Co-Administration
 
Benutzerbild von Ute
 
Registriert seit: 04.02.2002
Beiträge: 1.750
Ort: Hannover
Aufenthaltsland:
Beruf: Krankenschwester, Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege (FLP)
Bereich: Zur Zeit in der Elternzeit
Funktion: Study nurse
Standard Frühchen: Überlebenschancen, Gewicht?

hi, ich kenne mich überhaupt nicht aus mit Frühgeburten. Wie sind da die Überlebenschancen, ab dem wievielten Monat sagt man Frühchen oder wie schwer sind dann diese "kleinen Würmer"?????

__________________
Gruß Ute

Ich wünsche Dir einen Ort, an den Du gehörst und an dem Du glücklich sein kannst, so wie Du bist.

Geändert von Ute (25.07.2004 um 12:18 Uhr)
Ute ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Sponsored Links
Alt 21.04.2002, 21:42   #2
pat
Junior-Mitglied
 
Registriert seit: 07.04.2002
Beiträge: 54
Standard

Hallo Ute!

Von einem Frühchen spricht man, wenn es vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wird.
Ca. 10% der Neugeborenen sind Frühgeburten.
Je unreifer das Kind ist, umso mehr Probleme können sich ergeben:

- Lunge, Atmung (IRDS= Atemnotsyndrom, Asphyxie, Hypoxie, Anpnoen..)
- Herz, Kreislauf (Schock, PDA= pers. Ductus arteriosus)
- Thermolabilität
- hoher Flüssigkeitsverlust über die Haut
- Gehirn (Gefahr von Hirnblutungen)
- Stoffwechsel (Hypo/Hyperglycämie, Hypokalziämie..)
- Ernährung (Aspiration, Trinkprobleme, NEC...)
- hohes Infektionsrisiko
- Augen (Retinopathie)

Die untere Grenze der Lebensfähigkeit liegt heute bei der vollendeten 22. Schwangerschaftswoche. Die Entscheidung über die Versorgung eines Frühchens unter der 25. Schwangerschaftswoche sollte individuell in Abhängigkeit vom Zustand des Kindes, der Einstellung der Eltern und vom Verlauf der Schwangerschaft getroffen werden.

Soweit ich weiß, war unser kleinstes Frühchen im Haus, das es geschafft hat eine 23ste Woche und wog 460g.
__________________
gruß pat

Wer glaubt etwas zu sein, hört auf etwas zu werden.
pat ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 21.04.2002, 21:50   #3
Stammgast
 
Registriert seit: 04.02.2002
Beiträge: 203
Standard

Schon Wahnsinn was heute möglich ist, solche kleinen Würmchen aufzupäppeln... Wenn sie nicht mal ein Pfund wiegen!

Da muß schon ein ordentlicher Lebenswille hinterstecken und eine enorme Kraft ---> vom Kind, von den Eltern und dem Pflegepersonal!

Gruß Alexandra!
Kps2001 ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 12.06.2002, 18:53   #4
Newbie
 
Registriert seit: 11.06.2002
Beiträge: 2
Standard

Ich bin seit 14 Jahren Kinderkrankenschwester und seid 12 Jahren in der Intensivpflege. Manchmal verfluche ich sämtliche Medizin und Technik, wenn man nämlich ein total unreifes Frühgeborenes vor sich liegen hat und es auf Gedeih und Verderb therapieren muß. Wir haben auf meiner Station zur Zeit so einen Fall. Ein Frühchen der 22. + 3. SSW., keine Lungenreife, Spontangeburt, Hirnblutung 4. Grades beidseits, V.a. NEC, Hautläsionen überall usw. usw.
Bei solchen Fällen ist es für eine Kinderkrankenschwester schwer den Sinn der Therapie zu begreifen. Ich würde mich freuen, Meinungen anderer Schwestern und Pfleger zu lesen, ob sie es für sinnvoll erachten so ein kleines und unreifes Kind mit aller Macht am Leben zu erhalten?
Ansonsten bin ich mit Leib und Seele Intensivkrankenschwester und bin immer bereit alles für einen Patienten zu tun.
Andrea Zajontz ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 12.06.2002, 19:42   #5
pat
Junior-Mitglied
 
Registriert seit: 07.04.2002
Beiträge: 54
Standard

Hallo Andrea,

ich verstehe voll und ganz, was du meinst. Auch mir geht es oft so. Ob es nun Frühchen betrifft, oder größere Kinder nach schweren SHT, Ertrinkungsunfälle etc.

Aber ich bin froh nicht über Leben und Tod eines Kindes entscheiden zu müssen.
Wir hatten mal ein 3jähriges Mädchen nach Ertrinkunsunfall. Sie war mind. 50 min. im Wasser, bei der Aufnahme natürlich extrem unterkühlt, und wurde schon seit über einer Stunde reanimiert.
Ich musste mit unseren Diensthabenden in den Schockraum. Als ich Kleine sah, sah ich, meiner Meinung nach, ein totes Kind.
Die Patientin war über 12 Stunden an der Herz-Lungen-Maschine und hatte die ersten Stunden extrem schlechte Werte.
Wir fragten uns alle auf der Station was das für einen Sinn haben soll, wie schlimm es ist, den Eltern Hoffnung zu machen, die Kleine vielleicht durchkommt, aber für immer ein Pflegefall sein wird.
Aber wir haben wirklich ein kleines Wunder erlebt! Sie hatte absolut keine Folgeschäden davongetragen und entwickelt sich prächtig! Wir bekommen noch immer jedes Jahr zu Weihnachten Grüße und ein aktuelles Foto von ihren Eltern geschickt.

Leider gibt es diese Wunder nur selten, aber es gibt sie immer wieder!

Also, wo soll man die Grenze setzen?

Wer ist berechtigt über Leben und Tod zu entscheiden?

Übrigens, auch das kleinste Frühchen aus unserem Haus entwickelt sich erstaunlicherweise sehr gut.
__________________
gruß pat

Wer glaubt etwas zu sein, hört auf etwas zu werden.
pat ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 12.06.2002, 22:21   #6
 
Benutzerbild von Gaby
 
Registriert seit: 07.04.2002
Beiträge: 700
Standard

Hallo Andrea,

zuerst einmal herzlich willkommen im Forum!

ich verstehe sehr gut was du meinest. Die Medizin etwickelt sich immer weiter und viele Dinge die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären sind heute oft durchaus machbar.Gerade bei den Frühchen hat sich sehr viel getan. Die Frühgeburten werden immer kleiner, sind immer unreifer und dennoch wird alles für sie getan. Oft überleben die Kinder so wie du sie beschrieben hast mit einer 4er Hirnblutung beidseits ... Solange sie noch klein sind, sind sie ja oft extrem herzig. Doch die Kinder werden älter, sind oft ein schwerer Pflegefall. In vielen Fällen ist die Mutter dann den ganzen Tag mit diesem Kind alleine und kümmert sich 24 Stunden um das Kind.

Wir haben immer wieder ehemalige Frühchen auf der Station. Die Mütter die sie rund um die Uhr betreuen sind ausgelaugt. Oft wird ihnen dann von einer Intensivstation angeboten, sie sollen doch einmal auf Urlaub fahren und die Kinder eine Woche dort lassen. Die Mütter sind meist jedoch so auf die Kinder fixiert daß sie das nicht können. So haben wir immer wieder ein Kind bekommen - ehemaliges Frühchen, mit Heimbeatmung, Zustand nach 2 maliger Reanimation (davon eine sehr lange Reanimation). Es kam immer wieder mit Verdacht auf eine Aspiration.

Für viele Eltern werden ihre schwerkranken Kinder zum absoluten Lebensmittelpunkt. Umso schlimmer ist es dann zu sehen wenn diese Kinder sterben. Trotzdem sagen alle Eltern die Zeit mit ihrem Kind war ihnen so wichtig.

Sehr viele Eltern entscheiden sich bewußt für ihre schwerstbehinderten Kinder, und könne sich ein Leben ohne sie überhaupt nicht mehr vorstellen. Ich hatte erst vor kurzem einen Vater der mir erzählte, seine Frau und er, waren zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder gemeinsam auf einen Kaffee gegangen. Das aber auch nur deshalb weil ihr Sohn bei uns an der Station aufgenommen war.

Die Eltern die sich dann bewußt für ihre schwerstbehinderten Kinder entscheiden pflegen diese mit totaler Aufoperung. Die meisten sind tip top gepflegt.

Aber dann gibt es auch die Kinder, die keiner mehr möchte - eben weil sie behindert sind. Die liegen dann jahrelang in Krankenhäuseren und Pflegheimen.

Manchesmal fällt es wirklich schwer den Sinn der Intensivtherapie zu verstehen. Andererseits, ginge es um sein eigenes Kind wie würde man sich dann entscheiden?

Dann gibt es aber auch die Kinder die so wie sie Pat beschrieben hat nach einer Stunde unter Wasser überleben. - Das sind dann die Ertrinkungsunfälle im Winter, die immer eine bessere Prognose haben aufgrund ihrer Unterkühlung.

Ich schließe mich Pat an - wo soll man die Grenzen setzen?

Liebe Grüße aus Wien

Gaby
Gaby ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 13.06.2002, 11:39   #7
Newbie
 
Registriert seit: 11.06.2002
Beiträge: 2
Standard

Also, erst mal Danke an Euch, daß Ihr so prompt auf meinen Text geantwortet habt. Ich bin auch immer wieder froh nicht die Entscheidung über Leben und Tod auf Station in der Hand zu haben. Ich habe vor meiner jetzigen Station im Deutschen Herzzentrum Berlin auf der Kinderintensivstation gearbeitet, 7 Jahre lang. Hätte ich dann nicht meine Tochter bekommen, sie ist jetzt 3 Jahre alt, wäre ich sicher immernoch dort. Jetzt bin ich wieder auf Frühchenintensiv, wir haben auch 1 Bett für ältere Kinder auf Station, und stelle mir trotzdem immer wieder die gleichen Fragen wie vor 11 Jahren auf Frühchenintensiv. Ich denke auch, daß man alles für einen Patienten tun soll und muß. Ich habe meine Meinung was ECMO etc. angeht, seitdem ich selber ein Kind habe. Ich würde auch immer hoffen, daß sie überlebt. Dennoch finde ich, daß man auch mal an die Kinder denken soll, man denke nur an die absolut unzureichende Analgesie bei Frühchen!!!! Wie es auch sei, ich freue mich schon auf die nächsten Antworten von Euch.
Viele Grüße vom Chiemsee
Andrea Zajontz ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 24.04.2009, 06:37   #8
Newbie
 
Registriert seit: 24.04.2009
Beiträge: 1
Unglücklich AW: Frühchen: Überlebenschancen, Gewicht?

Hallo Andrea,

als werdender Vater mit drohender Frühgeburt (allerdings schon vollendete 28. SSW) bin ich geschockt, soetwas von einer Krankenschwester auf der Frühchenintensiv zu lesen, kann aber dennoch nachvollziehen, warum sie so empfinden.

Über Leben und Tod anderer soll niemand entscheiden, aber für das Leben sollte m.E. immer ALLES menschenmögliche getan werden. Das Leben sucht sich seinen Weg, genauso wie der Tod. Etwas anders gelagert ist es, wenn jemand gegen seinen ausdrücklichen Willen am Leben gehalten wird.

Ich kann nur für mich sprechen, dass ich lieber ein behindertes Kind pflegen werde, als es aufzugeben, weil es nach Meinung einiger kein "lebenswertes" Leben wird führen können. Als ich ein Jugendlicher war (16) habe ich kurz nach der Wende Rumänien mit einem Hilfstransport besucht. Wir waren dort auch in einem Kinderheim (wenn man das überhaupt so nennen kann) mit z.T. absolut schwerstbehinderten Kindern, aber aus so vielen Augen hat einen eine Lebenfreude, ja eine regelrechte Gier nach Leben angestrahlt, dass man es als gesunder Mesch aus dem reichen Westen einfach nicht begreifen kann.

Daher finde ich, haben sie als Schwester nicht das Recht darüber zu urteilen, ihr Job ist, alles FÜR das Leben zu tun, egal wie früh, egal wie ausichtlos (aus ihrer Sicht)
pimisen ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 24.04.2009, 12:00   #9
Stammgast
 
Benutzerbild von angie85
 
Registriert seit: 21.03.2006
Beiträge: 326
Aufenthaltsland:
Beruf: Kinderkrankenschwester
Bereich: Neonatologie
Standard AW: Frühchen: Überlebenschancen, Gewicht?

lieber pimisen!

da dieser thread bereits fast 7 jahre alt ist bezweifle ich, dass die von ihnen angesprochene andrea sich melden wird.

krankenschwestern sind nicht diejenigen, die entscheiden ob die therapie eines frühchens eingestellt wird oder nicht. das entscheiden die eltern gemeinsam mit dem arzt.

ich denke andrea geht nicht von einem frühchen aus, das soweit "fit" ist. es geht um die kinder, die wirklich zwischen leben und tod stehen. es geht also nicht um kinder, die zb noch beatmet werden müssen, das ist alltag auf einer intensivstation.
stellen sie sich folgende situation vor: sie arbeiten auf einer intensivstation und sehen täglich immer jüngere frühchen vor sich für die alles getan wird, obwohl man manchen kindern richtig ansieht, dass sie nicht mehr können und wollen (das bestätigen auch eltern häufig). diesen kindern geht es oft sehr sehr schlecht, sie brauchen fast immer geräte und medikamente, die den kreislauf aufrecht erhalten, werden immer mal wieder (auch mehrmals täglich) mit medikamenten oder herzdruckmassage reanimiert. warum darf so ein kind nicht in frieden sterben? (is übrigens kein erfundener fall, kommt täglich vor!)

das ist halt ein schwieriges thema. und es gibt nicht "den einen richtigen weg". man muss von fall zu fall neu entscheiden.

ich drück euch die daumen, dass euer kind noch so lange wie möglich in mamas bauch bleiben kann.
lg angie
__________________
Wir sorgen uns darum, was morgen aus einem Kind werden könnte und vergessen, dass es heute ja schon jemand ist!
angie85 ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 24.04.2009, 21:16   #10
Junior-Mitglied
 
Registriert seit: 23.08.2006
Beiträge: 93
Ort: Ulm
Aufenthaltsland:
Beruf: MTAF, ab April 2010 GuK
Bereich: ab Juli Innere (Kardio, Pulmo)
Funktion: Azubi
Standard AW: Frühchen: Überlebenschancen, Gewicht?

Obwohl das Thema schon etwas älter ist, möchte ich als ehemaliges Frühchen (nur 2 Wochen zu früh) selbst mal was sagen. Ich bin nun 24 Jahre und würde es nach den Ärzten gehen und ihrer damaligen Prognose wäre ich tot. Man sagte meiner Mutter damals, dass ich es nicht überleben werde. Ich lag ein halbes Jahr im Krankenhaus. Meine Mutter betete, dass ich überlebe und ich habe überlebt. Dafür hat sie mich dann taufen lassen. Allerdings hat die Frühgeburt auch Spuren hinterlassen. Ich bin seit der Geburt Schwerhörig, habe mehr als 13 Operationen auf beiden Seiten hinter mir und trage mittlerweile zwei Hörgeräte mit denen ich aber zu 90 % hören kann. Damit kämpfe ich gerade um einen Ausbildungsplatz als Krankenschwester. Ausserdem bin ich etwa 4 Jahre zurück. Nicht geistig, aber körperlich. Was jetzt nicht unbedingt als Nachteil ist, aber oft wird meine kleine Schwester (4 Jahre jünger) als die ältere gesehen. Allerdings komme ich mit ihr super aus, da wir nun beide "gleich" alt sind. Ich hatte es zwar immer schwerer als meine Schwester, aber mittlerweile habe ich schon eine medizinische Ausbildung mit gut abgeschlossen, sodass ich sagen kann, es war gut, dass die Ärzte alles getan haben.
Ich würde genauso um mein Kind kämpfen wie damals meine Mutter. Und ich denke, dass würde jedes Elternteil machen, die sich auf das Kind freuen.
MTAF ist offline  
Mit Zitat antworten Nach oben
Sponsored Links
Antwort

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are an
Pingbacks are an
Refbacks are an

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Spezifisches Gewicht beim Diabetes insipidus Rabenzahn Dialyse 3 01.04.2002 16:22


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 19:45 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2010, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.3.2 ©2009, Crawlability, Inc.
© 2000-2010 www.krankenschwester.de - Online Community und Forum für Pflegeberufe

Uns Reicht's! - www.pflege-uns-reichts.de