nadl.b schrieb:
Also plant man evtl. in der 22.SSW eine Sectio für die 23.+1 SSW? Fragwürdig!?!
Ich glaube, du willst mich nicht richtig verstehen. Ich denke da an die Lungenreifungsbeschleunigung durch z.B. Celestan. Das dauert 1-2 Tage. Das hat aber auch gar nichts damit zutun die Schwangerschaft von beispielsweise 22+5 SSW auf die 23+ 0 zu schieben. Solche geplanten Massnahmen helfen, dem Kind eine möglichst schonende und reibungslose Erstversorgung zu ermöglichen, was immer noch besser ist als eine ungeplante Entbindung z.B. mitten in der Nacht....
nadl.b schrieb:
Ich kenne kein Kind, dass in der 23.SSW zur Welt kam und keinerlei gesundheitliche Schäden davongetragen hat!!! Kennst du ein konkretes Beispiel?
Ich habe in meiner fast 20jährigen Laufbahn in der Neonatologie schon einige Kinder erlebt die trotz Entbindung ab der 23.SSW gesund überlebt haben. Namen und Daten wirst du aber nicht bekommen.
Und ab wann ist denn bei dir ein gesundheitlicher Schaden so gravierend, dass man eine Behandlung nicht akzeptieren kann?
nadl.b schrieb:
Natürlich sollte man in jedem Fall individuell entscheiden! Aber wie können denn Eltern, die in den meisten Fällen Laien sind, abschätzen was es heißt maximale Intensivmedizin zu betreiben???
Eltern können das nicht allein entscheiden, da müssen wir ihnen schon helfen. Und, für mich ist maximale Intensivmedizin durchaus vertretbar, auch bei einem FG der 24.SSW, wenn die Chance besteht es zu behandeln, natürlich unter den Grundprinzipien einer guten schonenden, entwicklungsfördernden Pflege und unter ausreichender Analgesie.
nadl.b schrieb:
Ich denke manchmal, man muss ja auch an das Kind denken! Will ein Kind wochenlang beatmet sein? Will es später einmal evtl. schwerstbehindert sein?
Niemand will behindert sein, was ist das denn für eine Frage? Aber möchte das der Patient mit Polytrauma oder SHT, der nach z.B. Motorradunfall auf der Neurochirurgischen IIS liegt? Oder die 98 jährige Frau nach Schlaganfall....? Kein Mensch will das für sich oder seine Angehörigen. Diese kleinen Kinder stehen am Anfang ihres Lebens und haben eine Chance verdient, was nicht heisst in auswegloser Situation auch mal aufzuhören...!
nadl.b schrieb:
Ich kenne außerdem Eltern, die zwar ihr Kind über alles lieben, die aber auch sagen, dass wenn sie nochmal vor der Entscheidung ständen, dass sie nicht wüssten, ob sie um jeden Preis alles wollten! Sie konnten häufig nicht sehen, wie ihr Kind mir jeglichen Untersuchungen "gequält" wurde!
Hinterher ist man immer schlauer und diese Eltern kenne ich auch, aber darf man deshalb allen Kindern diese Chance nehmen?
Entscheidend ist bei allem was ich tue, die Würde dieser kleinen Menschen zu wahren. Eine konkrete Regelung wie z.B. Versorgung erst ab der 24.+0 SSW halte ich für falsch. Ich finde, man muss dies ganz individuell entscheiden..... und eine Versorgung unterhalb der 23. SSW geht ja meist schon wegen der Kleinheit der Kinder nicht.
Einen schönen Abend noch
Tildchen