Octenisept® zur Mundpflege bei Beatmungspatienten?

narde2003

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Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

warum nutzt ihr zur Mundpflege der beatmeten Patienten Octenisept® - auch wenn der Patient keine Infektion im Mundbereich hat?

Liebe Grüsse
Narde
 
Niemals...weshalb auch? Ausser dass es vermutlich ( geht man mal davon aus, dass auch Beatmete was schmecken ) sch***** schmeckt sehe ich wenig Nutzen. Orale Keimverminderung...hmm, könnte ja sein. Senkung der VAP-Rate...keine Ahnung. Denke, da tut es Chlorhexamed o.ä. auch.

Bin gespannt, was andere sagen.

Gruss Cys
 
Blöde Frage: Ist das nicht sogar kontraproduktiv? Weil wegen Reduzierung der normalen Keimanzahl und dadurch der Weg für pathogene Keime geebnet wird.

Oder ist das Schwachsinn?

Gruß
Michael
 
Also wenn du schon so eine direkte Frage stellst kannst du auch erzählen wie du drauf kommst :-)

Machst du es selbst und hast dich jetzt mal gefragt wieso? Oder machen es deine Kollegen und können nicht erklären wieso?
Irgendwo musst du ja her haben, dass es so gemacht wird...

Auf der Intensiv wo ich 8 Wochen war (mehr Erfahrungen hab ich nicht beizutragen :) ) wurds jedenfalls nicht gemacht.
 
Moin Moin !

Wir benutzen nur ein verdünntes, von unserer Apotheke selbst hergestelltes Mundwasser zur Mundpflege.
Octenisept musste aber meine Freundin mal selbst benutzen, da ihr ein MRSA-befall nachgewiesen wurde. Freiwillig würde sie dieses Zeug wohl eher nicht mehr benutzen wollen!!

Grüße
aus Dortmund
 
Meines Wissens nach reicht bei MRSA die orale Nutzung eben von Chlorhexamed Mundspülung o.ä. aus und man braucht nicht mit Octenisept spülen.

Cys
 
Chlorhexamed®-FLUID 0,1% Lösung
Zus.: 100 g enth.: Chlorhexidinbis(D-gluconat) Lsg. 20% (W/V) 0,53 g (entspr. 0,1 g Chlorhexidinbis [D-Gluconat]).
Weit. Bestandteile: Ethanol, Glycerol, Macrogolglycerolhydroxystearat, Anethol, Nelkenöl, Levomenthol, Zimtöl, Ponceau 4R (E 124), gereinigtes Wasser.
ROTE LISTE®

Chlorhexidin
■ Gehört zur Gruppe der Biguanide (siehe
dort)
■ Begrenztes Wirkungsspektrum (nur
vegetative, vor allem Gram-positive
Bakterien und behüllte Viren, aber
nicht Mykobakterien, unbehüllte Viren
und Sporen)
■ Inaktivierung durch Seife, Eiweiß und
anionische Reinigungsmittel
■ Relativ untoxisch
■ Ausschließlich als Haut- und Schleimhautdesinfektionsmittel
eingesetzt
■ In Kombination mit Alkohol für Haut-,
Hände- und Nabeldesinfektion (0,5%
Chlorhexidin in 70%igem iso-Propanol)
■ In Kombination mit Reinigungsmittel
in antimikrobieller Flüssigseife http://www.med.tu-muenchen.de/download/medizin/Kappstein_Buch.pdf

Octenisept Lösung
Zus.: 100 g enth.: Octenidin-2HCl 0,1 g, Phenoxyethanol 2 g.
Weit. Bestandteile: (3-Cocosfettsäureamidopropyl)dimethylazaniumylacetat, Natrium-D-gluconat, Glycerol 85%, Natriumchlorid, Gereinigtes Wasser, Natriumhydroxid.
ROTE LISTE®

Octenidin
■ Neuer Wirkstoff
■ Kationenaktive Verbindung
■ Gutes Wirkungsspektrum (Gruppe A +
B, aber nicht unbehüllte Viren), auch
gegen Trichomonaden wirksam (Vaginalantisepsis)
■ Keine Toxizität, keine allergisierende
Wirkung bekannt
■ Keine wundheilungshemmende Wirkung
■ Gute Umweltverträglichkeit
■ Einsatz bei Haut- und Schleimhautdesinfektion
http://www.med.tu-muenchen.de/download/medizin/Kappstein_Buch.pdf

Es kommt wohl auf die vermuteten Keime in der Mundhöhle an, welches Mittel ich einsetze.

Mundflora
engl.: mouth o. oral flora; natürliche Ansiedlung vielzähliger (106/ml Speichel, bisher über 1.500 bekannt) und -fältiger Mikroorganismen (oftmals ausschließlicher Standort zahlreicher spezifisch angepasster Bakterienarten) auf den Zähnen, in der Mund- und vorderen Rachenhöhle. Hauptfunktion der M. ist der Schutz des Körper vor Krankheitserregern. Zwischen den einzelnen Keimen der Mundflora herrscht in einer gesunden Mundhöhle ein biologisches Gleichgewicht. Häufig haben die Bakterien der M. an ihrer Oberfläche Strukturen, die sie befähigen, sich einerseits mit Rezeptoren an Zellen und Zähnen festzuheften ( Streptococcus mutans) oder andererseits mit Oberflächenstrukturen von diversen Bakterien zu interagieren (Zucker-Protein- oder Protein-Protein- Interaktion). Auf diese Weise werden sie immobilisiert und können als Mischpopulation Biofilme und Mikrokolonien bilden.
Die M. dient u. a. zur Verdauung, dem Gewebeschutz sowie der Stimulierung unspezifischer Abwehrfaktoren ( Immunsystem). Die normalerweise nicht krankheitserregenden Mikroorganismen können bei Störungen des biologischen Gleichgewichts, z. B. bei Antibiotikazufuhr, übertriebenen Mundhygienemaßnahmen oder Schwächung des Organismus durch Krankheit, Erkrankungen hervorrufen, welche ihren Verlauf meist in der Mundhöhle nehmen. Zahnwissen-Lexikon - Start

Bekanntlich treten bei Intensivpat. fast immer Probleme mit der Immunabwehr auf. Da kann schon die gesunde Mundflora schaden. (?)

Elisabeth
 
Moin Narde,
woher nimmst Du die Behauptung, dass wir immer Octenisept zur Mundpflege nutzen? Gibt es ein Thema dazu??

Ich nutze Octeni nur bei MRSA Sanierung (ist im Standard und in den Hygienerichtlinien).

Die anderen von Elisabeth aufgeführten Mittel nehme ich nur bei Indikation, sonst reicht auch normales Mineralwasser oder ein Teechen.

LG Tobias :daumen:
 
Ich hab' mir dieselbe Frage (von narde) auch schon gestellt und zwar deshalb, weil es hier im Forum oefters erwaehnt worden ist. Wahrscheinlich hat narde deshalb nachgefragt.....

Ich selbst kenne den Einsatz von Octenisept ® fuer die Mundpflege beatmeter Patienten ueberhaupt nicht, bin aber ja auch schon ueber 4 Jahre aus D weg... Ist jedenfalls sehr interessant zu lesen und ich bin gespannt, was noch fuer Meinungen eintrudeln.
 
bin jetzt mal weg von intubierten:

in mein alten KH waren tgl. Octanisept-mundspühlungen Standart bei bestrahlten Pat. und bei leichten chemos. Da hat mir ein Pat. auch eine Portion angeboten. "Das vergisst man sein leben lang nicht wie das zeug schmeckt", hat er gesagt. Nach den Gurgeln hab ich mich auch krank gefühlt.
 
Octenisept® nehmen wir nicht standardmäßig zur Mundpflege her. Glaube es gibt andere, vorallem wohlschmeckendere, Alternativen :trinken:.
Einzig und allein bei MRSA-Patienten wird die Mundpflege mit Octenisept® durchgeführt um eine Sanierung des Mund-und Rachenraumes zu verfolgen.

LG
Andi
 
Also wenn du schon so eine direkte Frage stellst kannst du auch erzählen wie du drauf kommst :-).
Hallo,
wie ich darauf komme? Diverese Gespräche mit KollegInnen aus anderen Häusern haben mich darauf gebracht, auch hier im Forum wurde es schon mehrfach geschrieben.
Als Antwort bekam ich, das ist halt so oder das ist Standard bei uns.

Deshalb meine Frage an euch - WARUM?????????

Liebe Grüsse
Narde
 
Hi, Narde-
Weil schleimhautdesinfektionsmittel draufsteht??- und irgendwer in Anatomie aufgepaßt hat und was von Mundschleimhaut gehört hat und dann eine Schlußfolgerung gezogen hat????
Ja und seit dem hält sich dieses Gerücht.
Wir benutzen Salbeitee der hat einer Studie zufolge die höhere desinfizierender Wirkung und wirkt nicht so Geschmacksirritierend wie Chlorhexamed(R).

Gruß großhand
 
Hallo Grosshand,

das ist ja ein interessanter Aspekt, ich hoffe die Kollegen ziehen daraus nicht die Schlussfolgerung, dass sie jemanden dann mit z.B. Kodan[r] waschen, nur weil Hautdesinfektionsmittel dort aufgedruckt ist.

Sonnige Grüsse
Narde, die bei dem Unterrichtsabschnitt zum Glück geschlafen hat:fidee:
 
Desinfizierender Tee...
Wo kann ich diese Studie nachlesen?
Das wollte ich auch fragen. Diese Studie würde mich interessieren!
 
Hallo,
da Octenisept scheinbar überhaupt nicht schmeckt, wurde ein ausweichprodukt von S&M entwickelt nennt sich Octenidol und soll nach Minze schmecken.
Oder von Braun das nach Pfefferminze schmeckende ProntOral.
So, jetzt könnt ihr mal probiern was besser schmeckt.:daumen:
 
Ich glaube, hier gehts wohl nicht um den Geschmack sondern eher um die Spektrumbreite des Wirkstoffes.

Inhaltsstoff ProntOral:
Polihexanid

Polihexanid ist ein kationisches Diguanidin mit breiter mikrobiozider Wirksamkeit, jedoch nicht viruzid oder sporozid wirksam. Verglichen mit Povidon-Iod und Octenidin tritt die Wirkung erreger- und konzentrationsabhängig langsamer ein. Aufgrund der guten Gewebeverträglichkeit gilt Polihexanid als Wirkstoff erster Wahl bei empfindlichen und schlecht heilenden chronischen Wunden, auch nach einer initialen Behandlung mit den zuvor genannten Substanzen. ....

Octenidol ist nirgendwo zu finden.

Elisabeth
 
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