Zustände im Pflegeheim, besonders im Nachtdienst

chaotenweib78

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Krankenschwester
Hallo zusammen,
wollte Euch mal meinen sog. "Alltag" oder "Zustände" im Pflegeheim als Nachtwache beschreiben.
Ursprünglich waren wir mal insgesamt zu 6 Nachtwachen, die sich über den Monat hin die Dienste geteilt haben, der Monat immer abgedeckt war. Mittlerweile ist es so, dass aus den 6 Nachtwachen nur noch 5 sind bzw. eigentlich nur noch 4, da eine Kollegin seit etwa einem halben Jahr aufgrund eines Schlaganfalles dauerkrank ist. Seit diesem halben Jahr arbeiten wir 4 Nachtwachen im Wechsel, um irgendwie den Monat abzudecken. Seit 2 Wochen aber nun ist eine weitere Kollegin erkrankt, wird auch so schnell nicht wiederkommen. Das heisst also, wir stehen noch zu drei Nachtwachen im Dienstplan. Da ja gespart werden muss, wird kein neues Personal und wenn nur für den Tagdienst eingestellt. Um die fehlende Dienste abzudecken, werden wir schon gar nicht mehr gefragt, sondern nur noch in den Dienstplan, kurzfristig eingetragen. Planungen für die Freizeit sind kaum mehr möglich. Hin und wieder springt mal jemand aus dem Tagdienst, wo auch Kollegen ohne Ende fehlen mit ein, dies aber nur Widerwillen. Der Tagdienst arbeitet auch schon fast seit einem halben Jahr mit 2 1/2 Mitarbeitern pro Schicht, wobei auf unserem Wohnbereich 48 Leute zu versorgen sind.
Unsere Bewohner können das alles nicht mehr nachvollziehen, Anfragen bei der Chefin wegen dem Personalmangel werden nicht mehr beantwortet.
Zu diesem Stress kommt noch hinzu, dass wir Dauernachtwachen mittlerweile weit über unsere Grenzen hinaus arbeiten, körperlich nicht mehr können. So macht ein Kollege von mir mit einer 100 % - Stelle im Monat rund 20 - 22 Nächte, ich mit meiner 65 % - Stelle arbeite mittlerweile auch 15 - 17 Nächte im Monat.
Unsere MAV hört sich zwar unsere Beschwerden und unsere Leiden an, tut aber auch nicht wirklich etwas. Mehrmals ist der gesamte Dienstplan schon zusammengebrochen, so dass wir Nachtwachen auch noch im Tagdienst mit einspringen mussten.
Mittlerweile müssen wir bzw. ich mich jeden Abend, den ich Dienst habe zwingen meine Schicht anzutreten, gehe meistens am Morgen mit Tränen in den Augen nach Hause.
Ich kann nur hoffen, dass ich die Chance bekomme, da ich mehrere Bewerbungen geschrieben habe, eine neue Stelle anzufangen, in der es nicht ganz so extrem ist.

Chaotenweib78
 
Und solange eure Einsatzbereitschaft es möglich macht, wird dieser Mißstand weiter gehen. Es kommt niemand von außen der euch helfen wird. Da wartet ihr vergebens. Zwei Kollegen sind bereits Opfer der Zustände- wen wirds als nächstes treffen?

Elisabeth
 
Elisabeth sagte es schon richtig, so lange Ihr das Ganze tragt wird nichts passieren! Ihr signalisiert Eurer Chefin doch, dass es geht, wieso soll sie was ändern?
Du sagst Du kann körperlich nicht mehr, geh zu einem Arzt, lass Dich krank schreiben, Deine Gesundheit steht an erster Stelle, nicht die Versorgung der Bewohner. Wenn Dein Kollege das selbe macht, dazu noch 2 oder 3 Leute des Tagdienstes, was meinst Du wie Deine Chefin reagierten muss?
Weiterhin, ich weiß net wie oft dies im diesem Forum noch gesagt werden muss, wieso lasst Ihr Euch aus dem Frei holen? Ein Dienstplan ist für BEIDE Seiten verpflichtend, der kann nicht einfach geändert werden. Das sind klare Bestimmungen die vom BAG abgesegnet sind und da steht mit Sicherhin nicht im Urteil, dass dies für Pflegeheim XY nicht gilt, weil die Chefin dort sparen will.
Bist Du in einer Gewerkschaft? Wenn ja schalte diese ein, wenn nicht, wird es vieleicht Zeit, dass Du eintrittst. Oder, wenn Du eine Rechtschutzversicherung hast, zieh einen Anwalt mit hinzu.
Es gibt so viele Möglichkeiten nur man muss sie nutzen, man muss sich heut zu Tage wehren, sonst passiert nichts. Nur motzen allein juckt doch keinen Chef mehr, Ihr müsst die Sache offensiv anpacken.
 
Ansonsten würde ich mich ganz frech an die Örtliche Zeitung wenden, vielleicht bringen die ja diese Geschichte und das Haus wird gezwungen zu handeln.
 
Nun, sich gegenüber einer Zeitung negativ zu deinem Arbeitgeber zu äußern ist immer so eine Sache.
Wohl aber kannst du dich an die Heimaufsicht wenden, nach meinem derzeitigen Wissenstand, ohne Repressalien seitens deines Arbeitgebers zu erwarten, diese wären nämlich unzulässig.


Gruß
Dennis
 
Ansonsten würde ich mich ganz frech an die Örtliche Zeitung wenden, vielleicht bringen die ja diese Geschichte und das Haus wird gezwungen zu handeln.

Ganz schlechter Tipp. Dies kann eine fristlose Kündigung zur Folge haben.

Wieso wird eigentlich immer die Hilfe von Außen erwartet? Warum sollen andere für die Pflege NEIN sagen. Kann Pflege dieses kleine Wörtchen selbst nicht aussprechen?

Elisabth
 
Wieso wird eigentlich immer die Hilfe von Außen erwartet? Warum sollen andere für die Pflege NEIN sagen. Kann Pflege dieses kleine Wörtchen selbst nicht aussprechen?

Elisabth

Nein das kann Pflege nicht. Das müsstest Du in Deiner langen Berufserfahrung doch schon mitbekommen haben.
Es wird erwartet, weil Pflege den Leuten immer so brav Hilfe und alles macht, dass alle die Pflege lieb haben und wenn es Pflege schlecht geht, ihr Hilft.
Es ist halt wie im Traumland, nur sollte endlich mal jemand den Wecker finden und die Pflegekräfte in Deutschland wachrütteln!
Mensch Jungs und Mädels, Ihr seid in Euren Häusern jeweils die größte Berufsgruppe! Ohne uns läuft NIX aber auch gar nix. Das müssen wir uns zum Vorteil machen und nicht rumheulen und warten das der Messias kommt, der kommt nämlich nicht!
 
Ein weiterer Schritt wäre eventuell für Euch evtl geschlossen einem Berufsverband einzutreten.
Ich nehme an ihr seid in keinem pflegespezifischen Berufsverband?
 
@ Toolkit
Und was soll der tun deiner Meinung nach?

Elisabeth und Jörg haben recht, NEIN sagen ist das Mittel der Wahl bei solchen Umständen, und da ist der Einzelne und die Mitarbeitergruppe zur Solidarität aufgerufen!

Wenn...
da nicht die Angst um den Arbeitsplatz wäre, und man als möglicher Alleinverdienender und Alleinerziehender sich der Hartz -IV-Empfänger Gruppe noch weiter nähert....
Und dieses Wissen nutzen einige Altenheimbesitzer gnadenlos aus.
 
@flexi

Was z.B. der DBfK macht und welche Initiativen er ergreift, ist dir, denke ich, klar. Er greift natürlich nicht aktiv in das Geschehen ein, sondern setzt sich berufspolitisch eben für solche Missstände ein. Dass mit einem Beitritt nicht direkt alle Probleme gelöst sind, ist klar. Ist halt etwas "größeres".
 
Was kann er in dieser beschriebenen Situation konkret tun, schöne Worte helfen da nicht mehr....
 
Ganz konkret bietet der DBfK in solchen Fällen arbeitsrechtliche Beratung an. Ist es überhaupt zulässig, dass eine 100% Kraft 22 Nachtschichten, wie hier geschrieben, im Monat macht? Das wären ja - jetzt mal Arbeitszeiten aus meinem Haus - über 220 Stunden und somit 60 geplante Überstunden.

Leute aus ihrem frei holen ist ebenfalls widerrechtlich.
Juristische Beratung und somit Stärkung des Rückgrat der Mitarbeiter in eurem Pflegeheim wäre sicherlich nicht von Nachteil.
 
Hallo,
Ich find aber auch wichtig in diesem Fall, dass das ganze Team zusammenhält und nein sagt.
Ich hab es schon so oft erlebt, dass alle jammern wegen Überstunden oder ähnlichen und wenn dann jemand was unternehmen will, dann ist plötzlich keiner bereit etwas zu sagen.
Dann ist es doch nicht so schlimm.
Klar, die ohne festen Vertrag haben natürlich Angst nicht verlängert zu werden.
Aber manchmal hab ich auch das Gefühl das gern gejammert wird aber handeln will man eigentlich gar nicht.
Das war jetzt nicht auf dich bezogen Chaotenweib78 sondern allgemein zu diesen Situationen, da man dies ja öfter hier so liest.
Also wehren und nein sagen sonst ändert sich nie etwas.

lg mary
 
Ganz konkret bietet der DBfK in solchen Fällen arbeitsrechtliche Beratung an. Ist es überhaupt zulässig, dass eine 100% Kraft 22 Nachtschichten, wie hier geschrieben, im Monat macht? Das wären ja - jetzt mal Arbeitszeiten aus meinem Haus - über 220 Stunden und somit 60 geplante Überstunden.

Leute aus ihrem frei holen ist ebenfalls widerrechtlich.
Juristische Beratung und somit Stärkung des Rückgrat der Mitarbeiter in eurem Pflegeheim wäre sicherlich nicht von Nachteil.

Wende Dich an eine Gewerkschaft, die kann Dir da in der Regel besser helfen, da sie, was ich erschreckend finde, aber meiner Erfahrung nach leider so ist, in der Praxis aktiver ist, als der DBfK. Diesen Berufsverband kannst Du doch getrost zu den Akten legen.
 
Ich denke nicht, dass wir angesichts der Problematik, über Pro und Contra von "Ver.di" und DBfk diskutieren sollten.
Das hilft nämlich ganz sicher nicht.


Gruß
Dennis
 
Ich denke nicht, dass wir angesichts der Problematik, über Pro und Contra von "Ver.di" und DBfk diskutieren sollten.
Das hilft nämlich ganz sicher nicht.


Gruß
Dennis

Stimmt, aber es ging nicht Pro und Contra Ver.di/DBfK, sondern Gewerkschaft/Berufsverband im allgemeinen. Immerhin gibt es ja mittlerweilse 3 Gewerkschaften die sich für die Pflege "interessieren".
 
Wende Dich an eine Gewerkschaft, die kann Dir da in der Regel besser helfen, da sie, was ich erschreckend finde, aber meiner Erfahrung nach leider so ist, in der Praxis aktiver ist, als der DBfK. Diesen Berufsverband kannst Du doch getrost zu den Akten legen.

Hier geht es um eine Gewerkschaft und speziell den DBfK, wenn ich mich nicht verlese.
Warum soll man immer selbst aktiv werden? Man kann sich auch an die Aufsichtsbehörden wenden, ganz ohne erwischt zu werden und Repressalien zu befürchten.

Gruß
Dennis
 
Warum soll man immer selbst aktiv werden? Man kann sich auch an die Aufsichtsbehörden wenden, ganz ohne erwischt zu werden und Repressalien zu befürchten.

Gruß
Dennis

Wow, dann muss ich hier im Forum wohl die ganzen Beträge überlesen haben, in denen Pflegekräfte darüber berichten wie sie sich gegen ihre Vorgesetzen zu wehr setzen!

Sicher hast Du in gewisser Sicht recht, man kann für sich kämpfen lassen. Aber was meinst Du, wie es bei den Vorgesetzen ankommt wenn plötzlich das Gewerbeaufsichtsamt auf der Matte steht? Da ist es schon geschickter, vorher selbst zu versuchen was zu bewegen. Wenn das net klappt, gut dann geht man weiter und kann das Gewerbeaufsichtsamt informieren.
 
Gehe ich persönlich wegen dieser Zustände gegen meinen Arbeitgeber vor wird mein Name unweigerlich preisgegeben. Bei dem anderen Weg kann ich anonym bleiben, man überlege was besser ist.

Gruß
Dennis
 
Gehe ich persönlich wegen dieser Zustände gegen meinen Arbeitgeber vor wird mein Name unweigerlich preisgegeben. Bei dem anderen Weg kann ich anonym bleiben, man überlege was besser ist.

Gruß
Dennis

Hmm, "Feigheit vor dem Feind"??
Also ich persönlich habe mich schon sehr oft gewehrt, auch bevor ich in den BR gewählt wurde, und bis lang hat es mir noch net geschadet! Im Gegenteil, ich spare mir seit geraumer Zeit ziemlich viele läste Diskussionen mit meiner Stationsleitung und der PDL. Die wissen was es heißt wenn ich "nein" sage. Außerdem würde auch keiner auf die Idee kommen meinen DP einfach mal so zu ändern.
Ich meine, es ist klar, wie und in welchem Ton man sich wehrt. Das Ganze muss natürlich auf einer respektvollen Ebene stattfinden, verlässt der Vorgesetzte diese, ist es um so wichtiger ruhig und sachlich zu bleiben, da punktet man noch mehr (auch wenn dies der Chef net zugeben würde).
Also ich bleibe bei dem Motto, 'wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt'!
 

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